TEST: Honor 6 Plus – 5,5 Zoll Huawei-Ableger für knapp 400 EUR

Das Schwesterunternehmen von Huawei möchte mit preisaggressiven Smartphones noch mehr Marktanteile für das chinesischen Mutterkonzern erkämpfen. Wobei aber der aktuelle Straßenpreis von 399 Euro nicht gerade wie ein Schnäppchen anmutet, doch dafür bietet der Funker auch einiges. Doch dazu später mehr.

Mit dem Slogan „For The Brave“ visiert der junge Huawei-Ableger in erster Linie die junge Zielgruppe an und setzt dabei auf die Merkmale edles Design, hoher Komfort und Niedrigpreis. Das kommt uns zwar alles bekannt vor, doch der chinesische Mutterkonzern wird sich bei dieser Strategie sicherlich etwas gedacht haben.

Durchaus Ähnlichkeiten zum iPhone erkennbar

Nicht nur der Name, sondern auch die Optik erinnert an Apples iPhone. Durch den beidseitigen Acrylüberzug und dem seitlichen Aluminium-Applikationen wird schnell klar, dass dieses Smartphone preislich nicht der Einsteigerklasse angehört, denn das Design mutet edel an, auch wenn es mehr Schein als Sein ist. Der Metalleinsatz ist nämlich eher dezenter Natur, nicht komplett umlaufend und wirkt daher eher wie ein Accessoire. Dass der Chinese dennoch über 160 Gramm auf die Waage bringt verwundert daher ein wenig, zumal es keinen Glasüberzug hat. Abgesehen davon, dass die Abdeckungen für die microSIM- und microSD-Karten nicht sauber abschließen und das Display recht sensibel auf Fingerdruck reagiert, liefert das Honor 6 Plus in punkto Verarbeitungsqualität aber eine sehr gute Vorstellung ab.

Das trifft auch auf das Display zu. Der 5,5 Zoller mit Full-HD-Auflösung und IPS-LCD-Technologie liefert knackig scharfe Fotos und ist angenehm leuchtstark (ca. 500,3 cd/m²). In den Kategorien Kontrast und vor allem Farbwiedergabe zeigen aktuelle Referenz-Smartphones dem Chinesen aber klar die Rücklichter.  Gegenüber dem direkten Vorgängermodell wurden zudem keine Verbesserungen erzielt.

Dual-Kamera an der Rückseite

Aufgenommen mit dem Smartphone bei sehr guten Lichtverhältnissen

Wie HTC setzt auch Honor auf eine rückseitige Dual-Kamera mit zwei Linsen. Dadurch lässt sich nachträglich der Fokuspunkt verändern. Das klappt zwar, doch der Nutzwert ist eher begrenzt, denn bei Smartphones kommt es doch eher auf die Qualität der Schnappschüsse an und die sind bei diesem 13-Megapixler nicht optimal. Bei Tageslicht treten zum Bildrand hin Unschärfen auf und Farben werden nicht akkurat abgebildet. Sobald Kunstlicht oder Dunkelheit ins Spiel kommt sackt die Qualität zudem schnell ab, was auch der „Super-Nacht“-Modus nicht ausbügeln kann. Apropos „Modus“, die Kamera bietet zahlreiche Einstellungs- und Auslösemöglichkeiten, verschiedenen Bildmodi und selbst der bevorzugte Speicherort lässt sich festlegen. Für die Selfie-Fraktion ist die Frontkamera mit 8 Megapixel zudem sehr gut aufgestellt.

Im Bereich Speicherplatz geizt der Chinese nicht, denn neben dem microSD-Slot stehen dem Nutzer von den internen 32GB rund 25 GB zur freien Verfügung.
Weiteres nettes Extra ist der Dual-SIM-Slot, sodass zwei Micro-Karten parallel gemanagt werden können, wobei es aber Einschränkungen bei der Nutzung von LTE-Netz und microSD-Karte gibt, denn dafür muss man eine Primär-SIM-Karte festlegen.

Ansonsten gibt es abseits aller Android-Standards zwar keine besonderen Komfortmerkmale, doch für den Straßenpreis von 399 Euro ist die Ausstattung absolut angemessen.

Honor 6 Plus 3D Icons

Honor-eigene Icons

Als Betriebssystem dient „nur“ Android 4.4.2, das durch das hauseigene User Interface EM UI 3.0, etwas mehr auf iPhone getrimmt ist. So befinden sich alle Apps nicht in einem Hauptmenü, sondern sind auf den Startbildschirmen verteilt, wobei einige sogar nach Themen  in einem Sammelordner vereint sind – typisch Apple halt.

Honor 6 Plus Screenshot

Oberfläche des Android OS

Der Android-typische App-Drawer in einem separaten Menü fehlt zwar, aber ansonsten werden alle gängigen Short Cuts und Pull-Menüs unterstützt. Ergänzt wird die Handhabung außerdem durch ein paar nützliche Extras. So lässt sich via App-Management festlegen, welche Anwendungen aktiv sind, um so gezielt den Datenfluss zu regeln – wichtig für die Rufbereitschaft. Die 3D-Darstellung von Icons ist hingegen eine recht sinnlose Spielerei.

Insgesamt somit eine runde Vorstellung im Bereich Bedienung, wobei es aber schade ist, dass man das Honor 6 Plus nur mit einem kleinen An/Aus-Schalter aufwecken kann.  Ein Update auf Android 5.0 stellt Honor übrigens fürs dritte Quartal 2015 in Aussicht.

Um das Gerät in Schwung zu bringen setzt Huawei konsequent auf ein eigenes SoC (System on a Chip). Der Hisilicon Kirin 925 ist eine Octa-Core-CPU mit maximal 1,8-GHz-Taktung und wird von 3.1 GB Arbeitsspeicher unterstützt – ein fettes Paket also. Da der Motor gut mit der Software harmoniert, erledigt der Chinese sämtliche Aufgabe routiniert und flott, sodass selbst anspruchsvolle 3D-Games keine Hürde darstellen.

Das trifft leider nicht auf den Akkublock zu. Dieser ist zwar mit 3.600 mAh üppig bestückt, doch selbst bei einer moderaten Nutzungsintensität sind maximal drei bis vier Tage das Höchste der Stromspender-Gefühle. Gegenüber anderen, aktuellen Top-Smartphones fehlen dem Honor 6 Plus somit zwei volle Tage, um mithalten zu können. Immerhin: Bei Dauerbetrieb ist das Stehvermögen besser aufgestellt und dank eines Stromsparmodus ist der Funker für den Notfall gerüstet.

Der Mono-Lautsprecher ist zwar recht groß geraten, liegt aber leider wieder rückseitig. Der Soundcharakter weist die bekannten Schwächen auf: Dicht gestaffelt, bassarm und wenn es laut wird, krächzt es mitunter, was gerade beim Freisprecher-Einsatz stört. Weiterer Kritikpunkt: Die vorinstallierten Klingeltöne sind schlichtweg langweilig.

Telefonieren mit dem Honor 6 Plus verläuft dafür recht unfallfrei, denn Nebengeräusche werden gut eliminiert und die tonal kommen Stimmen recht präsent und natürlich rüber.

Was der Sinn dieses Huawei-Ablegers nun genau sein soll, erschließt sich mich zwar immer noch nicht, doch das Anliegen des Honor 6 Plus ist offensichtlich: Ein Spitzenklasse-Smartphone zu einem vergleichsweise schmalen Euro. Doch bereits die Designmerkmale des iPhone Klones light macht klar, wo gespart wurde, denn statt hochwertiges Glas gibt es nur dünnes Acryl und spärliche Aluminium-Applikationen. Auch die ambitionierte Dual-Kamera überzeugt nicht im Praxistest und die Akkuleistung enttäuscht. Was jedoch für den Konzern am schlimmsten ist: Es gibt keinen nennenswerten Mehrwert gegenüber dem direkten Vorgängermodell Honor 6, sodass dieses Smartphone der Zusatz „Plus“ eigentlich nicht verdient hat. Dabei ist dieser Chinese aber beileibe kein Flop, denn in punkto Ausstattung, Performance und Display meldet es auf alle Fälle Oberklasse-Ansprüche an. In der Produkt-Philosophie scheint dem jungen Konzern offensichtlich noch die notwendigen Erfahrungswerte zu fehlen.

Etwas mehr Schein als Sein
areadvd_gut
06.08.2015

+ Edle Optik
+ Top-Performance
+ Helles Full HD Display

– Mäßige Akkulaufzeit
– Keine aktuelle Software
– Mäßige Kameraqualität

 

Test: Ulf Schneider
Datum: 06.08.2015




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