TEST: Dreiwege-Regallautsprecher Nubert nuVero 60 – Klangliche Exzellenz kompakt verpackt?

Nubert nuVero 60 Gruppenbild2

Nubert spricht stolz von der „Mini-140″: Die pro Stück 785 EUR kostende nuVero 60 ist eine Dreiwege-Regalbox, die mit einer kompletten, kräftigen und kultivierten Wiedergabe einen breiten Interessentenkreis ansprechen soll. Die Technik der nuVero-Serie haben wir in einem Special übrigens schon beleuchtet: „Was macht die Nubert nuVero-Lautsprecherserie so gut?“ Die Nubert nuVero 60 gibt es optisch sofort als nuVero-Familienmitglied zu erkennen. Das liegt am charakteristischen vorstehenden Klangsegel und dem soliden Metallgitter, welches die Chassis schützt. Dass das recht schwere Gitter nicht magnetisch hält, wollen wir mal verzeihen. Der Korpus besteht aus haptisch angenehmem Nextel, das Klangsegel ist in Metallic-Ausführung gehalten, ein interessanter, wenn auch mittlerweile bei Nubert-Fans bestens bekannter Kontrast. Das Gitter wird in der entsprechenden Frontfarbe mitgeliefert. Man hat die Wahl zwischen Diamantschwarz, Kristallweiß oder Goldbraun, eine stimmige und elegante Farbauswahl. 

Nubert nuVero 60 Front Seitlich1

nuVero 60 in Kristallweiß mit farblich passendem Schutzgitter

Nubert nuVero 60 Front Seitlich3

Ohne Gitter. Sichtbare Schrauben, keine Verzierungen wie z.B. Aluminium-Ringe rund um die Chassis

Nubert nuVero 60 Verarbeitung

26 mm Hochtöner mit Seidenkalotte. Vorsicht, asymmetrische Anordnung, daher links/rechts-Aufstellung korrekt ausführen

Nubert nuVero 60 Mitteltoener

Sehr kompakter 52 mm Mitteltöner mit Flachmembranchassis plus Alu-Korb

Nubert nuVero 60 Tieftoener

Tieftöner mit Glasfasermembran in Sandwich-Bauweise, großem Hub und 180 mm Durchmesser

Nubert nuVero 60 Rueckseite Seitlich2

Komplette Rückansicht

Nubert nuVero 60 Bassreflexrohr

Rückwärtige Bassreflex-Öffnung

Nubert nuVero 60 Anschluesse Rueckseite

Bi-Wiring-Terninal. Bassschalter neutral/reduziert, Mittenschalter Prägnant/neutral, Höhenschalter Brillant/Neutral/Sanft

Sehr gut gefällt uns, dass man die nuVero 60 hinsichtlich ihrer Klangcharakteristik einfach anpassen kann. Es finden sich zwischen den hochwertigen Bi-Wiring-Terminals drei Kippschalter. Der erste ist für die Mittenwiedergabe (oben links). Entweder eine prägnante, oder aber eine neutrale Mitteltonwiedergabe kann hier eingestellt werden. Daneben ist der Höhenschalter. „Brillant“ empfiehlt sich beim Einsatz der nuVero 60 in akustisch eher toten Räumern. „Neutral“ ist die passende Einstellung im akustisch optimierten Raum, der eine neutrale Wiedergabe sicherstellt. „Sanft“ ist dann ratsam, wenn man die nuVero 60 in einem Raum, der akustisch hellhörig/lebendig ist, verwendet. Der dritte Schalter unten sorgt für eine neutrale oder eine reduzierte Basswiedergabe (in akustisch schwierigen Räumen). 

Nubert nuVero 60 Innenleben2

Typisch Nubert: Aufwändig aufgebaute Frequenzweiche mit langzeitstabilen Folienkondensatoren

Nubert nuVero 60 Innenleben1

Integrierte Schutzschaltung kappt bei drohender Überlastung den Verstärkerstrom zu Chassis sowie Weiche und stellt sich danach wieder selbstständig zurück

Die nuVero 60 ist eine 4-Ohm-Box mit einem Frequenzgang von 36 Hz bis 25 kHz. Die Nennbelastbarkeit liegt bei 180, die Musikbelastbarkeit bei satten 250 Watt. Erstklassige Werte. Der Wirkungsgrad wird mit 83 dB (1W/1m) angegeben. 

Pro & Contra:

+ Sehr gute Verarbeitung
+ Charakteristische, elegante Optik und schöne Farbauswahl
+ Aufwändige Technik
+ Robustes, formschönes Metallgitter

– Sichtbare Schrauben an den LS-Chassis

Klang

Wir beginnen unsere Hörtestreihen und wählen verschiedene FLAC-HiRes-Dateien von unserem Home Server an. Von Diana Kralls Album „Wallflower“ hören wir „California Dreamin“ und sind erstaunt, was aus diesen 50 cm hohen, 23,4 breiten und 37,5 cm tiefen Dreiwege-Regallautsprechern kommt: Lebendige Stimmwiedergabe, die sich sehr gut vom Lautsprecher löst, sehr guter horizontaler Abstrahlwinkel, solider sowie präziser Bass – es fehlt an nichts. Auch bei „Desperado“ erfreuen wir uns an der kultivierten Akustik. Das Piano kommt sogar mit tadelloser Herausarbeitung der Anschlagdynamik heraus. Wir erinnern uns: 785 EUR kostet eine nuVero 60, das ist wahrhaftig nicht zu viel für diesen gelungenen Auftritt. Dass der Lautsprecher von der Ostalb auch in der Lage ist, selbst bei beachtlichem Pegel Stimmen und Instrumente gekonnt voneinander zu trennen, ist typisch für die bei uns generell hoch im Kurs stehende nuVero-Baureihe. Die charakteristische Stimme Dianas arbeiten die beiden Regallautsprecher überragend heraus, kleine vokale Details fließen impulstreu ins gesamte Klangbild ein. Die Streicher im Background, während Diana singt, zeigen ebenfalls ein hohes Maß an gelungener Feindynamik. Die aufwändige Technik mit starken Magneten, dickem, steifen Gehäuse und sorgfältig augebauter Frequenzweiche schlägt sich im Übrigen auch in satten 16 kg Gewicht pro Box nieder. 

In 96/24 hören wir uns „Flowers Of Sendai“ vom Jan Lundgren Trio an. Wir haben bewusst dieses Stück gewählt, weil der Piano-Part zu Beginn den nuVero 60 bestimmt liegen würde – und wir werden nicht enttäuscht. Müssen wir sonst oft Kritik anbringen gerade bei Lautsprechern, die keiner enorm hohen Preisliga entstammen, setzt die Nubert-Konstruktion ihren erfolgreichen Weg unbeirrt fort. Lebendig und frisch ertönt das Klavier, und ein weiteres Mal kommt die Anschlagdynamik glaubwürdig zur Geltung. Die Räumlichkeit erscheint uns natürlich sowie authentisch: Sowohl räumliche Tiefe als auch räumliche Weite können tadellos akustisch ausgedrückt werden.

In 192/24 vernehmen wir Mark Knopflers „Basil“ vom Album „Tracker“. Hier stellen wir fest, wie fein die nuVero 60 die Gitarre auflöst. Zudem ist der Bassbereich exzellent ausgeprägt. Klare Kontur, toller Tiefgang, realistisches Volumen: So geht Bass. Wie sauber und clever die nuVero-Lautsprecher entwickelt sind, beweist auch die vortreffliche Auflösung im Hochtonbereich, die sich fein dosiert im Hörraum verteilt. Alle Instrumente sind auch bei hoher Lautstärke mit ausgezeichneter Differenzierung zu vernehmen, und Marks Stimme wird deutlich fokussiert, ohne anderen akustischen Elementen zu wenig Bedeutung einzuräumen.

Schwaben sind im Allgemeinen als eher bodenständig bekannt. Können die bodenständigen schwäbischen Schallwandker Sandra & Tony Alessis „Diamante“ (96/24) denn mit dem typischen italienischen Flair wiedergeben? Akustik-Experten verdrehen angesichts dieser Fragestellung die Augen. Eine gute Box gibt genau das wieder, was die Quelle enthält. Basta. Sie hat nicht zu interpretieren, 1:1 das Original – das ist es. Nun ja, mag sein. Trotzdem finden sich deutliche Differenzen bei der Präsentation auch wirklich guter Lautsprecher. Und ja, auch wenn das die akustische Sezier-Fraktion ungern hört und uns ein weiteres Mal verflucht: Nuberts nuVero-Boxen sind emotionaler geworden. Für uns eine tolle Auslegung. Mehr Verve, mehr Lebendigkeit, Filigranität und somit echtes italienisches Flair. Blumig gesprochen: Schwäbisch-Gmünd liegt jetzt am Comer See. Und bevor nun alle detailverliebten Nubert-Fans ins Como, Entschuldigung, Koma fallen: Nach wie vor sind Grob- und Feindynamik auf untadelig hohem Niveau, die Auflösung der weiblichen und der männlichen Stimme ist hervorragend. Die Trennung von Stimmen und Instrumenten überzeugt auch hier voll und ganz.

Souverän meistern die nuVero 60 auch „Freedom Every Day (88,2 kHz/24-Bit) von Torsten Goods. Gerade die Stimmwiedergabe, mit sehr guter Loslösung vom Lautsprecher, setzt in diesen Preisregionen Maßstäbe. So akkurat gestaffelt, so klare Konturen – das ist Weltklasse. Der Hochtöner mit 26 mm Seidenkalotte, die bis auf 25 kHz hoch spielt, zeigt einmal mehr, was er kann, und der aufgeräumt-detailreiche Mitteltonbereich gefällt uns ebenfalls. Dass sich im Bassbereich einiges tut,, verwundertn nicht, die 36 Hz untere Grenzfrequenz sind aber für einen Regallautsprecher schon besonders gut. Etwas Kraft sollte der angeschlossene Verstärker allerdings mitbringen, der Wirkungsgrad der nuVero 60 ist mit 83,5 dB (1W/1m) nicht überdurchschnittlich gut. Wie tadellos auch kleinere dynamische Differenzen eingearbeitet werden, sorgt beim erfahrenen Musik-Liebhaber für Erstaunen. Top auch „Night Life“, ebenfalls von Torsten Goods. Die Musik im besten „Late Night Bar-Style“ macht auch durch die flotten Rhythmus-Wechsel Freude. Hier kann die nuVero 60 zeigen, was sie kann, und das tut sie in einer Art und Weise, die man ansonsten nur von ausgewachsenen Standlautsprechern kennt. Die Nubert-eigene Beschreibung als „Mini-140er“ trifft demnach tatsächlich ins Schwarze. Dass die nuVero 60 auch optisch noch gut aussieht – ganz gleich, ob in Diamantschwarz, Kristallweiß oder Goldbraun, sichert eine noch größere Zufriedenheit beim stolzen Eigner. 

Beim ersten Allegro aus Wolfgang Amadeus Mozarts Violinenkonzert Nummer 4, KV 218, in 96/24-Qualität beweist sich die nuVero 60 als „Klassiker“. Mit der schon bekannten feinen Auflösung werden die Streicher herausgearbeitet. In den Soli wirkt die Violine sehr gut durchhörbar. Meisterhaft die Arbeit im hohen Frequenzbereich: Kein schriller Einschlag, aber enorme Brillanz. Dass der Nubert Hochtöner, der in der nuVero-Serie verbaut wird, zu den besten überhaupt gehört, verdeutlicht gerade dieses Stück einmal wieder eindrucksvoll. Wenn das komplette Orchester eingreift, kommt der Dynamiksprung mit untadeliger Impulstreue heraus. Schön ist auch, dass man die Position der Musiker innerhalb des Orchesters dank dieser hohen Präzision bei der Wiedergabe exakt ausmachen kann. Räumliche Tiefe sowie die räumliche Weite der Wiedergabe setzen auch hier Maßstäbe, und das nicht nur innerhalb der Gattung der Regallautsprecher. 

Schwierig wiederzugeben, obwohl es keine sehr differenzierte Musik ist: „Awakening“ von Skyfreak (Compilation DJs Favourites, 2013.3) ist ein harter Trance-Titel mit melodiösen Einlagen. Hier fährt die nuVero 60 ihre Klasse auf und sorgt für Gänsehaut beim Test-Team: Es geht kaum noch besser in diesen Preisregionen. Satt, hart, klar ertönt der Bass. Kein Durchschlagen und keine sonstigen Ermüdungserscheinungen, die nuVero 60 zieht gnadenlos durch, dass sich empfindsame Naturen erschrecken, was für eine Wiedergabekraft aus zwei Regallautsprechern kommen kann. Die Pegelfestigkeit setzt absolut Maßstäbe. 250 Watt Musikbelastbarkeit und 180 Watt Nennbelastbarkeit sprechen auch eine deutliche Sprache. Die Melody-Parts erlebt man in der nuVero-typischen ausgezeichneten Auflösung, kommt dann der Bass ins Spiel, schaltet die nuVero 60 den „Turbo“ zu. 

Der Trance-Klassiker „Close Your Eyes“ von Mega’Lo’Mania liegt der nuVero 60 ebenfalls. Schon direkt zu Beginn, als der Beat noch nicht durchstartet, sind Räumlichkeit und Klarheit schon überzeugend. Als es dann los geht, muss sich selbst die gewiss nicht schlappe Marantz MM8077 Endstufe anstrengen, den nuVero 60 Leistung anzuliefern. Die beiden schwäbischen Regallautsprecher geben ein weiteres Mal alles – Top die Stimmwiedergabe, herausragend kommt der Rhythmus heraus, mit überragender Härte wird der Kickbass dargestellt. Von Mozart zu Trance – kein Problem mit der nuVero 60, die mit keinem Quellmaterial Berührungsängste hat. 

Pro & Contra:

+ Toller Tiefgang und hohe Präzision im Bassbereich
+ Feine Auflösung in allen Frequenzbereichen
+ Tonal extrem kultiviert ausgelegt
+ Sehr pegelfest
+ Exakt dosierte Räumlichkeit

– Verlangt nach kraftvoller Zuspielung

Fazit

Nubert nuVero 60 Front Seitlich3

Nubert liefert auch mit der nuVero 60 einen überzeugenden Beweis, dass die Top-Baureihe der Klang-Experten aus Schwäbisch-Gmünd mit zum Besten gehört, was man in bezahlbaren Preisklassen kaufen kann. Solide Verarbeitung, sorgfältige Auswahl aller Komponenten inklusive hochwertiger Frequenzweiche und außergewöhnlich gute akustische Performance vereinen sich zu einem absolut stimmigen Gesamtbild. Die nuVero 60 tritt nicht ganz so „wuchtig“ an wie die größere und deutlich teurere (1.135 EUR/Stück) Nubert nuVero 70, das, was übrig bleibt, ist aber so gut, dass selbst manche 1.000 EUR (Stück) – Standbox vor Neid erblasst. Pegelfestigkeit, Basskraft sowie Räumlichkeit überzeugen, ebenso Tonalität, Grob- und Feindynamik.

„Schwaben-Power“: Auch die Nubert nuVero 60 begeistert durch ihre fabelhafte akustische Performance
referenz
Regallautsprecher
Test 15. März 2016

Test: Carsten Rampacher
Fotos: Sven Wunderlich
Datum: 15. März 2016




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