TEST: Archos 50 Power – Satte Akku-Leistung und Performance für 150 EUR?

Auch in der Einsteigerklasse soll es für nicht einmal 150 Euro bereits eine XXL-Akkuleistung geben. Und zwar aus Frankreich. Das französische Unternehmen Archos produziert bereits seit einigen Jahren durchaus erfolgreich äußerst preisaggressive Smartphones, die ausschließlich Online bestellbar sind. Die in China hergestellten Mobiltelefone folgen ebenfalls einem Trend, dem aktuell viele Unternehmen nacheifern: Eine angenehm lange Rufbereitschaft.

Optisch präsentiert sich das Archos 50 Power als reduziert: Schwarz, abgerundet, Unibody und minimal mit physischen Tasten ausgerüstet. Während die Frontseite komplett mit Corning Gorilla Glas überzogen ist, besteht der restliche Korpus aus mattem Kunststoff, der zwar eine gute Haptik aufweist, aber Schmierfinger förmlich magisch anzieht, sodass das Archos schnell speckig aussieht.

Rückseite

Das Archos 50 Power ist angenehm handlich, leicht und wurde ordentlich verbaut, ohne aber im Bereich Verarbeitungsqualität Glanzpunkte zu setzen, zumal der Touchscreen recht sensibel auf Druck reagiert und das Glas über dem Display den Falltest nicht überstanden hat.

Das Display misst 5 Zoll und arbeitet mit der konventionellen IPS-Technologie. Die 1.280 x 720 Bildpunkte (HD) sind zwar nicht Königsklasse, reichen aber für das Format auf alle Fälle aus und werden im 16:9-Format ausgeführt. Qualitativ wird zwar nur Durchschnittskost geboten, doch mittlerweile ist das Niveau so hoch, dass diese Performance für den Alltag locker ausreicht. Wer allerdings mehr Farbtiefe und Schärfe und Kontrast möchte, sollte tiefer in die Tasche greifen.

Archos 50 Power Foto

Aufgenommen mit dem Archos 50 Power

Nicht schlecht: 13 Megapixel leistet die Hauptkamera, dazu kommen 2 Megapixel für Selfies, Videos in 720p sowie allerlei Einstellungsmöglichkeiten. Doch wie so oft gibt es eine Diskrepanz zwischen nackten Zahlen und Alltagsqualität. Wer Selfies einfangen möchte, sollte die Ansprüche ganz unten ansiedeln, denn das funktioniert nur halbwegs vernünftig bei optimalen Lichtverhältnissen. Aber auch dann sehen die Farben blass aus und die Schärfe ist alles andere als knackig. Besser macht das der 13-Megapixel-Knipser, wobei aber auch hier die Aufnahmen stets kalt wirken und zu den Rändern hin die Schärfe stetig nachlässt. Für Fotoalbum-Fotos empfiehlt sich die Kamera somit nicht, was bei dieser Preisklasse aber auch nicht überraschen dürfte.

Gespart wurde auch beim internen Speicherplatz, denn netto stehen dem Nutzer nur rund 10 GB zur freien Verfügung. Gut daher, dass auch moderne 64 GB microSD Speicherkarten unterstützt werden – angegeben werden offiziell aber nur 32 GB. Nettes Extra: Via Adapter wird sogar OTG unterstützt, es können also Sticks oder Peripherie, wie Maus angeschlossen werden. Bluetooth 4.0, ein UKW-Radio sowie WiFi Direct stehen ebenfalls auf der Haben-Seite.

Seitliche Ansicht

Typisch für Smartphones, die nur auf dem freien Markt erhältlich sind, ist zudem die Dual-SIM Funktion. Kleiner Haken: Der Datenturbo LTE Cat.4 (maximal 150 Mbit/s Downstream, 50 Mbit/s im Upstream) wird nur vom ersten SIM-Slot unterstützt. Wer es schnell will kann sich aber per WLAN-Modul viel Bandbreite verschaffen, denn das Archos 50 Power unterstützt sowohl die 802.11-Standards b/g/n im 2,4-GHz- sowie auch im 5.0-GHz-Netz – diese feinen Extras darf man in dieser Preisklasse nicht voraussetzen.

Die Franzosen bieten Android in Reinkultur, denn das Betriebssystem in der Version 5.1 wurde 1:1 übernommen. Besondere Finessen gibt es daher nicht. Schade, denn so muss der Nutzer stets den kleinen An/Aus-Schalter drücken, um den Schlafmodus zu beenden. Einfaches doppeltes Klopfen auf das Display wird nämlich nicht unterstützt, um den Standby zu beenden – und einen Fingerprintscanner gibt es sowieso nicht in dieser Preisklasse. Ein Update gilt übrigens nicht als wahrscheinlich.

Archos 50 Power Screenshot

Das Archos läuft unter Android 5.1

Ungewöhnlich und störend: Zum Einrichteprogramm gehört auch die Installation von Drittanbieter-Software, wie Games á la Modern Combat 4 oder die App Office Suite. Auf diese Art und Weise kann ein Hersteller auch Provisionen kassieren. Ansonsten fährt das Archos 50 Power auf konventionellen Android-Bahnen. Das Arbeitstempo ist dabei ordentlich und der Touchscreen unterstützt alle gängigen Befehle. Wie erwähnt hätte sich AreaDVD gerne mehr Optionen gewünscht, andererseits kommen Android-Veteranen mit dem Franzosen so sehr schnell zurecht.

Der Motor trägt den lyrischen Namen MediaTek MT6735P und basiert auf dem ARM Cortex-A53. Dieser Einsteiger-CPU arbeitet mit vier Kernen, hat 1 GHz Taktrate greift auf 2 GB Arbeitsspeicher zurück und wird durch eine ARM Mali-T720 MP4 Grafikkarte unterstützt. Der Praxistest zeigt, dass das sogar für den anspruchsvollen 3D Racer Asphalt 8 reicht. Lediglich bei einigen Multitasking-Aufgaben tritt der Franzose auf die Bremse.

Der eigentliche Star bei den Messwerten ist aber ganz klar der fest verbaute 4.000-mAh-Akku. Bei moderater Nutzungsintensität blieb das Archos 50 Power satte acht Tage nonstop auf Empfang. Das liegt auch am vergleichsweise kleinen Display und keiner XXL-Ausstattung. Auch die Leistung beim Dauereinsatz ist beeindruckend: Erst nach rund zehn Stunden Dauersurfen streicht das Smartphone die Segel – rekordverdächtig gut!

Weniger beeindruckend sind Telefonate mit dem Archos 50 Power, denn ein Hintergrundrauschen sind keine Seltenheit und Stimmen werden in beide Senderichtungen recht dumpf übertragen – klar unterdurchschnittlich.

Der Mono-Lautsprecher ist zwar groß, wurde aber unglücklich auf der Rückseite platziert. Die Lautstärke ist daher gut, die Qualität aber eher gewöhnungsbedürftig, da Verzerrungen auftreten und das Klangbild sehr eng und ohne Bassfundament ist.

Fazit

Das Archos 50 Power ist billig, und das ist in diesem Falle auch negativ zu bewerten, denn in einigen Punkten kann es mit aktuellen Markenprodukten einfach nicht mithalten. Dass man dieser Preisklasse keine gute Kamera- und Soundqualität geboten bekommt, ist man ja gewohnt, doch leider überzeugt auch der optische Auftritt und die Verarbeitungsqualität nicht. Die angepriesene Akkustärke ist dafür aber nicht aus der Luft gegriffen, denn rund acht Tage Rufbereitschaft sind eine exzellente Leistung. Wer also für einen schmalen Euro einen Langläufer sucht, ohne größere Anspruche zu haben, kann zugreifen. Ansonsten gilt: Wer will mehr will, sollte auch mehr zahlen.

Sehr günstiges Smartphone mit mäßiger Verarbeitungsqualität und guter Akkulaufzeit
areadvd_gut
31.01.2017

+ Sehr gute Akkuleistung
+ Gutes Preis/Ausstattungsverhältnis
+ Schnelle Datenschnittstellen

– Kein aktuelles Android-Betriebssystem
– Mäßige Kameraleistung
– Keine optimale Verarbeitungsqualität

Test: Ulf Schneider
Datum: 31.01.2017




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