TEST: Archos 50 Diamond – Preisgünstiges Smartphone mit solider Akkulaufzeit?

Nur chinesische Handy-Manufakturen können billig? Dieses französische Unternehmen beweist beim aktuellen Flaggschiff, dass äußerst preisaggressive Smartphones auch aus dem europäischen Festland stammen können.

Wobei man natürlich erwähnen muss, dass auch Archos (gesprochen „Arkos“) natürlich in Fernost produzieren lässt – aber wer macht das nicht? Das 1998 in Frankreich gegründete Unternehmen hat aber nach eigenen Angaben ihre Entwicklungszentren in Frankreich, Deutschland und China. Archos weist eine interessante Entwicklung auf, denn sie waren weltweit die ersten, die einen MP3-Player mit integrierter Festplatte (Jukebox 6000) auf den Markt brachten. Erst seit dem Einstieg in das TK-Geschäft 2009 konnte das Unternehmen aber seinen Umsatz massiv steigern. So verdoppelte sich der Umsatz im Geschäftsjahr 2011 im Vergleich zum Vorjahr auf 171 Mio. Euro. Archos-Smartphones sind aber nur im freien Handel erhältlich, was angesichts der Niedrigpreispolitik aber ein bewusstes Kalkül ist.

Bei der Materialauswahl sind die Franzosen aufgrund des Preises komplett mit Plastik verheiratet. Beim Archos 50 Diamond griffen die Macher immerhin erstmals in den Farbtopf, da die Rückseite Neongelb ist – ein klassisches Mittel, um aufzufallen. Wer es aber lieber konservativ mag, kann das Smartphone aber auch komplett in Schwarz ordern.

Rückseite

Der Akkudeckel ist recht dünn geraten, sodass das Smartphone leicht knarzt, wenn man es härter anpackt. Auch leicht erkennbare Spaltmaße ist ein Kennzeichen dafür, dass sich das Gerät in der unteren Preisklasse (ca. 249 Euro) ansiedelt. Ungewöhnlich: Der Akkudeckel lässt sich zwar abnehmen, ist aber dennoch fest verbaut. Nur so hat man Zugriff auf die beiden microSIM- und den miniSD-Slots.

Das 5-Zoll-LCD-Display ist gut gegen Druckstellen geschützt und bietet eine Full-HD-Auflösung. Die Helligkeit lässt sich zwar gut hochschrauben, doch insgesamt ist die Darstellung zu blass und der Kontrast leicht unpräzise. Vor allem bei hoch eingestellter Helligkeit wirkt das Display unsauber übersteuert. Unter dem Strich eine unterdurchschnittliche Qualität, aber der Preisklasse durchaus angemessen.

Archos 50 Diamond Foto 1

Aufgenommen mit dem Archos 50 Diamond

16-Megapixel-Hauptkamera, Front-Kamera mit knapp 8-Megapixel-Auflösung sowie ein FullHD-Camcorder-Modus – das klingt alles andere als billig. Der erste Eindruck überzeugt zudem, denn der Knipser arbeitet schnell, fokussiert gut und liefert zumindest bei Tageslicht saubere Schnappschüsse. Der LED-Blitz ist sogar so leuchtstark, dass selbst bei Dunkelheit Fotos auf Halbdistanzen noch möglich sind. Allerdings sehen die Fotos dann künstlich aus, da ein sichtbarer Blaustich und Unschärfen auftreten. Dennoch: Für diese Preisklasse ein positives Ergebnisse, zumal Selfies mit dieser hohen Pixelzahl mehr Möglichkeiten bieten.

Auch nicht üblich in dieser Preisklasse ist die LTE-Unterstützung, auch wenn nicht die höchste Bandbreite unterstützt wird. Neben den allseits bekannten Android-Standards haben sich die Macher zudem eine kleine aber feine Innovation im Bereich Speichermanagement einfallen lassen. Das sogenannte “Fusion Storage” sorgt dafür, dass dem Android-System das Datenarchiv der microSD-Karte als interner Speicher zugeordnet wird. Der große Vorteil dadurch: Alle Apps und Daten lassen sich so automatisch auslagern, auch wenn das OS oder die Anwendung diese Option nicht anbietet – clever. So lässt sich der interne Speicherplatz auf über 128 GB aufplustern, damit nicht so schnell Verdauungsprobleme entstehen.  Von den internen 16 GB bleiben zum freien Nutzen übrigens rund 10 GB übrig.

Archos 50 Diamond Screenshot

Android 4.4 ist installiert

Auch im Bereich Software zeigt sich deutlich, dass gespart wurde, denn statt dem aktuellen Android 5.1 müssen sich Nutzer mit dem anspruchsvolleren 4.4 begnügen und man darf berechtigterweise bezweifeln, ob ein Update jemals möglich sein wird. Das Bedienungskonzept selbst wirkt daher stark puristisch und entschlackt, denn es fehlen Short Cuts und im Pull Down Menü muss man umständlicher Weise nochmals eine Option öffnen, um an die Grundeinstellungen zu gelangen.

Das Archos 50 Diamond erfordert vom Nutzer zudem beim Einstieg mehr Personalisierungsarbeit als gewohnt, denn gerade einmal ein Startbildschirm ist ab Werk belegt.

Seitliche Ansicht

Was auch stört: Lediglich ein kleiner An/Aus-Schalter auf der ungewohnt linken Seite hebt den Standby-Modus wieder auf, was in der Hektik des Alltages nicht immer auf Anhieb gelingt.
Es gibt noch weitere Kritikpunkte: Die Software ist nicht optimal lokalisiert, da immer wieder mitunter kryptische englische Wörter auftauchen und die drei Sensortasten arbeiten nicht präzise, da man auf sie nicht selten mehrfach draufdrücken muss, um beispielsweise den Home-Button zu aktivieren.

Unter dem Strich eine vergleichsweise mäßige Vorstellung im Bereich Handhabung, die schonungslos zeigt, dass die Macher bei den Entwicklungskosten die Prioritäten anders gelegt haben.

Die Prozessor-Architektur ist für die Preisklasse mehr als beachtlich: Der Qualcomm Snapdragon 615 hat 8 Prozessor-Kerne, die mit immerhin 1.5 Ghz getaktet sind und von  2 GB unterstützt werden. Das muss zwangsläufig nichts heißen, dass der Franzosen ein exzellenter Performer ist, doch beim Zocken von anspruchsvollen 3D-Games zeigt sich, dass der Franzose durchaus auch höheren Ansprüchen gewachsen ist. Nur im Alltag zeigt sich manchmal dann doch, dass das Zusammenspiel mit der Software nicht immer reibungslos funktioniert. Dennoch: Das Archos 50 Diamond ist für den Großstadtalltag gut gerüstet.
Noch besser ist die Akkuleistung zu bewerten. Denn trotz höherer Belastung sind für den 2.700 mAh starken Stromspender eine komplette Woche Dauerbetrieb kein Problem – da gibt es viele Premium-Smartphones, die deutlich schlechter aufgestellt sind.
Und wo wird bei einem günstigen Smartphone am häufigsten gespart? Richtig, beim Lautsprecher/Sound. Telefonieren macht nicht so recht Freude, da Stimmen hallig, künstlich klingen und zudem immer wieder hörbares Rauschen auftritt.
Der rückseitige Lautsprecher ist zwar auffallend groß geraten, doch sobald es lauter wird, klingen Höhen zu grell, Bässe zu verschwommen und das Klangfeld ist vom Spektrum her arg klein geraten. Wunder darf man bei rund 250 Euro halt nicht erwarten.

Fazit

Interessant mal ein Billig-Handy von einer weniger populären, europäischen Manufaktur zu testen. Von den reinen Specs her würde man das aber bei diesem Smartphone nicht vermuten, denn der Komfort und die Prozessorleistung genügen auch höheren Ansprüchen. Besonders gefallen hat mir zudem das Akkustehvermögen, sodass man das Netzteil auch mal getrost über das Wochenende zu Hause lassen kann. Klar, dass auch der Rotstift angesetzt wurde. Das betrifft vor allem die Software-Ausrüstung, denn  Android 5.0 scheint für diesen Franzosen eine Sperrzone zu sein. Auch die akustischen Eigenschaften sind klar unterdurchschnittlich, was aber nach wie vor ein generelles Problem ist. Mit dem blassen Display, kleineren Handhabungsschwächen und dem Plastikkorpus kann der User aber angesichts des günstigen Preises gut leben.

Obacht China: Auch die Franzosen können günstig!
areadvd_gut
19.10.2015

+ Tolles Preis/Ausstattungsverhältnis
+ Sehr gute Akkulaufzeit
+ Clevere Speichererweiterung

– Nur Android 4.4
– Mäßige Sprachqualität
– Blasses Display

 

Test: Ulf Schneider
Datum: 19.10.2015




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