INFO-SPECIAL: Die TV-Trends 2014

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Samsung UHD Flexible OLED – mit guten Chancen auf Serienproduktion

Direkt zu Beginn des Jahres fand in Las Vegas die Consumer Electronics Show, kurz CES, statt. Diese war bilanzierend für unsere Branche weniger wertvoll als erwartet, aber für eines war sie auf jeden Fall bestens geeignet: Um TV-Trends für das Jahr 2014 auszumachen. Das Jahr selber ist erst wenige Wochen alt, trotzdem wagen wir bereits Prognosen, was in den nächsten Wochen und Monaten zum Gesprächsthema werden könnte.

Und wir beginnen mit einem Themenkomplex, der schon seit Jahren gern in aller Regelmäßigkeit angesprochen wird – die Rede ist von TVs, die nach dem Organic Light Diode Emitting-Prinzip, kurz OLED, arbeiten. Immer wieder werden die ultraflachen OLED-TVs als „Heilsbringer“ angepriesen, immer wieder werden innovative, fast schon serienreife Protoypen auf allen Messen und Roadshows dieser Welt vorgestellt, und immer wieder gerade zwischen den beiden südkoreanischen Großherstellern der Wettkampf: Wer hat die neueste Technik, und vor allem: Wer hat das größte Display? 

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Samsung KE55S9C

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 LG 55ES9809

Schon im August 2013 dachten wir, dass OLED-TVs nun den Durchbruch geschafft haben, präsentierten doch die beiden Leader Samsung und LG am gleichen Tag ihre OLED-Hoffnungsträger. Beide TVs, der LG 55ES9809 und der Samsung KE55S9C, wurden aber nicht nur zeitgleich in Frankfurt vorstellt, sondern weisen auch einige Gemeinsamkeiten auf: Die OLED-TVs sind „curved“, das heißt gebogen. Nach FullHD, 3D und UHD nun der neueste Trend, nicht nur für OLED-TVs. Beide Hersteller nutzen ihre OLED-Fernseher als Technologieträger, um die OLED-Vorzüge wie niedrigen Energieverbrauch und geringes Gewicht bestmöglich zu präsentieren. Dazu nutzt LG für die Herstellung der Fernseher-Rückseite zusätzlich neueste Hightech-Materialien. 

Uneins sind sich die beiden großen Elektronikunternehmen allerdings bezüglich der OLED-Technik, die in den beiden Flastscreens für 8000 EUR (Samsung) bzw. 9000 EUR (LG) zum Einsatz kommt, und das ist schon beinahe traditionell. 

Die selbe Basis wird genutzt – bei OLED leuchet, wie auch beim Plasma, jede OLED selber, daher entfällt eine Hintergrundbeleuchtung, die ein LCD-basierter TV benötigt, da Flüssigkristalle nicht leuchten. Das wird dann immer wieder problematisch, da selbst die mittlerweile beinahe ausgestorbenen Full LED Backlight TVs viel weniger LED-Dioden fürs Backlight haben als das Panel Pixel. Somit ist eine exzellente Herausarbeitung kleinster Kontrastdifferenzen nicht möglich. Das funktioniert bei OLED sehr gut, und aufsitzend auf dieser Technik offeriert Samsung RGB-OLEDs. Hierbei bieten die von Samsung „True RGB“ genannten OLEDs Subpixel in den drei Primärfarben Rot, Grün und Blaue. Vorteil – man braucht keinen Farbfilter und somit nichts, was z.B. Licht absorbieren könnte. Nachteil ist aber: Ein OLED hat ohnehin schon eine recht geringe Lebensdauer (20.000 Betriebsstunden zu ca. 100.000 Betriebsstunden beim LCD),  nun kommt noch hinzu, dass die RGB-OLEDs unterschiedlich stark abbauen, da nicht jeder Subpixel gleich hell leuchtet. Somit sinkt die Lebensdauer bei den heller leuchtenden grünen Subpixeln z.B. deutlich geringer als bei den blauen Subpixeln, die mit der geringsten Helligkeit leuchten. Als „Trick“ kann man die grüne OLED etwas verkleinern, dadurch wird dann die maximale Helligkeit begrenzt. 

LG verwendet im Gegenzug ausschließlich weiße OLEDs. Auch hier besteht eine Einheit aus drei Subpixeln, allerdings alles weiße OLEDs, die gleich schnell altern und auch gleich groß ausgeführt sind.  Allerdings braucht LG  einen Farbfilter zur Farberzeugung.

Kommen wir zu den TVs zurück – ganz gleich, wie auch die OLEDs arbeiten, die TVs kamen nicht wirklich in den Handel, somit zerplatzte 2013 die OLED-Seifenblase aufs Neue. Nicht ganz konsequent zeigten sich Samsung und LG auch in der Auslegung ihrer OLED-TVs. Beide setzten ausschließlich auf ein FullHD-Display und nicht auf UHD-Auflösung. Damit stellte sich die Frage, wen die beiden Hersteller mit ihren Vorzeigestücken eigentlich ansprechen wollen. Design-Fanatiker? Diese haben festgestellt, dass auch LED-LCD-TVs mittlerweile sehr dünn sind. Da ist es schwer, zu verdeutlichen, wieso man das Vierfache für eine OLED-TV ausgeben soll. Bild-Freaks? Diese stören sich an der niedrigeren FullHD-Auflösung, für viel weniger Geld gibt es bereits UHD-LED-LCD-TVs sogar in 65 Zoll. Also, so kann man bilanzieren, war OLED in Deutschland bislang keine Erfolgsgeschichte. 

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Panasonic Curved OLED-UHD-Prototypen auf der CES 2014

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 Flat TV UHD OLED-Prototypen von Panasonic auf der IFA 2013

Andere Hersteller zeigen auch nicht wirklich Flagge. Zwar gab Panasonic am 31. Oktober 2013 bekannt, im Dezember 2013 die Plasmaproduktion zu beenden,  auch die Geschäftstätigkeit auf diesem Gebiet wird zum 31. März 2014, dem letzten Tag des Geschäftsjahres (das endet bei japanischen Unternehmen am 31. März des Jahres) beendet. Daher nährten sich Hoffnungen, dass Panasonic nun auf OLED setzt, und das Unternehmen gab dazu Anfang November 2013 auch ein Statement ab. Darin ist zu lesen, dass Panasonic einen Fokus auf die Entwicklung von OLED-TVs setzen möchte. Passiert ist aber weniger, als wir dachten: Schon auf der Convention 2013 stand ein UHD-OLED-Prototyp, auf der IFA ging es mit dem nächsten Prototypen weiter, und der Kreis schließt sich mit einem Curved-Prototypen auf der CES – doch nach wie vor wird Panasonic nicht konkret, wann nun ein OLED-TV des Hauses für die Serienfertigung erwartet werden kann. 

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Sony setzt auch beim aktuellen Topmodell X95 auf das TRILUMINOS-Display

Und bei Sony lief bislang auch nicht wirklich viel. Auch auf der CES stand wieder kein OLED-TV, auch nicht als Prototyp. Im Dezember 2013 trennten sich Sony und Panasonic hinsichtlich der Entwicklung von OLED-Technologie, und bei Sony scheint man sich lieber auf die per Triluminos „Farb-Booster“ gedopten LC-Displays zu verlassen. Mittels blauen LEDs fürs Backlight und einer speziellen Schicht mit Quantenpunkten möchte man bei normalen LCD-Fernsehern einen Farbraum erzielen, der beinahe so breit ist wie der von einem OLED-TV. 

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OLED-TV von Hisense auf der CES 2014

Funkstille zum Thema OLED auch bei TP Vision/Philips, während verschiedene Chinesen den FullHD-Aufstand proben: TCL,  Changhong und Hisense zeigten entsprechende Prototypen auf der CES. Keiner allerdings wagte sich an das Experiment „UHD-OLED“ – genau dies ist das Zugpferd von Samsung und LG, und auch von Panasonic. Unserer Meinung nach macht OLED auch erst in Verbindung mit UHD-Panelauflösung wirklich Sinn. 

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Toshiba 5k UHD-TV im 21:9 Format

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 LG 21:9-TV mit 103 Zoll Bilddiagonale

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 Samsung „Panoramic“ 21:9 TV

Natürlich gibt es noch weitere Trends, die nicht zu unterschätzen sind. Wir beginnen mit einem, der sicherlich nicht der wichtigste ist, wir fanden ihn aber höchst originell. Toshiba, LG und Samsung zeigten 21:9-TVs auf der CES. dabei präsentierten die koreanischen Unternehmen die Geräte im Curved-Shape, während Toshiba einen klassischen Flat-TV an die Wand des Standes zauberte. Dem veränderten, besonders breiten Format Tribut zollend, weisen die TVs eine 5K-Auflösung auf  (5.120 x 2.560 Pixel). Somit hoffen Cinemascope-Fans in aller Welt auf eine neue Chance – Philips konnte mit den 21:9 Cinema-TVs, deren Auflösung aufgrund des Screenformats höher lag als bei einem 16:9 FullHD-TV, zwar Achtungserfolge erzielen, aber dieses Format nicht auf dem Markt etablieren. Nun also wieder ein neuer Anlauf, Cinemascope-Filme ohne schwarze Balken darzustellen, wenngleich derzeit nur als Prototyp. 

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Changhong Curved UHD-LCD in 65 Zoll

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 Samsung offeriert auch Curved FullHD-TVs, hier in 55 Zoll

Schon bei den OLED-TVs wurde das Thema kurz angesprochen, nun greifen wir einen derzeitigen Haupttrend nochmal auf, denn es gibt auch bei den LED-LCD-TVs viele neue Modelle, deren geschwungene „Curved“ Gehäuseform Aufsehen erregt. Mit den beiden schon erwähnten OLED-TVs von LG und Samsung ging es los, auf der IFA mit LED-LCDs weiter, und auf der CES gab es kaum einen Hersteller, der ohne „Curved“-Modell auftauchte. Meist mit UHD-Auflösung, bei Samsung aber z.B. hat auch die Top FullHD-Serie 2014 eine geschwungene Form. Auch die Chinesen sind an vorderster Front vertreten, TCL, Hisense und Changhong zeigten UHD-LED-LCDs. Die Hersteller versprechen sich von der „Curved“ Form den Eindruck eines größeres Bildes und mehr Bildtiefe – kurzum, man brauchte etwas Neues, und da kam dieser Gedanke gerade recht. Nicht ganz unproblematisch in der Praxis, denn an der Wand macht sich ein Curved-TV nicht wirklich gut. Daher planen LG und Samsung, bevor ein einziger Curved-TV im Handel steht, bereits den nächsten Coup: Sogenannte „Flexible“ TVs, die auf Knopfdruck vom Flat- in den Curved-Zustand wechseln können. Sony übrigens zeigte dem Curved-Wahn die kalte Schulter – war auf der IFA noch der Curved-LCD-TV namens KDL-65S995A präsentierte, war der Sony-Stand auf der CES „frei von Kurven“, zumindest, was die gezeigten TVs anbetraf. Die Top-Serie X95 kommt daher klassisch als Flat-TV. 

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 S9 Timeless in 110 Zoll – stand sogar schon auf der IFA 2013, damals hieß es aber, dass diese Bildschirmgröße nicht nach Deutschland kommt

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 LG LA9800-Topmodell in 98 Zoll

Immer größer werden die Bildschirmdiagonalen – bei den gezeigten UHD Curved-TVs hat sich 65 Zoll  quasi als Standard etabliert, bei rund 55 Zoll wird es losgehen. Natürlich wird es auch hoch bis in den 80 Zoll-Bereich gehen. Das gilt übrigens auch für Flat TVs. Samsung plant hier, den S9 Timeless in Deutschland auch in 110 Zoll anzubieten, Sony offeriert den X95 in 85 Zoll, und LG präsentierte auf der CES die herkömmliche Flache LA9800er UHD-Baureihe in bis zu 98 Zoll. Mit einher geht ein extravagantes Design bei den großen TVs, dadurch wird noch mehr Aufsehen erregt. 

Natürlich geht es nicht nur um Bildschirmgrößen, OLED und Curved, sondern auch um die Tatsache, wie man endlich 4K-Material nativ auf den Bildschirm bekommt. Um mehr Flexibilität zu gewährleisten, besitzen 2014er UHD-TVs neben einem H.264 nun auch einen HEVC-Decoder. HEVC steht für „High Efficiency Video Coding“ und soll die erforderliche Bandbreite bei UHD-Anwendungen gegenüber H.264 halbieren – ohne Qualitätsverluste. LG warb offensiv mit den HEVC-Decodern in den neuen UHD-Modellen auf der CES. Bei der „International Telecommunication Union“ (ITU) ist HEVC schon als Standard gelistet. 

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Schon 2013 mit HDMI 2.0: Panasonic WT600

Des Weiteren dürften alle 2014 neu hinzukommenden UHD-TVs der namhaften Hersteller HDMI 2.0 Terminals haben. HDMI 2.0 unterstützt eine progressive Ultra HD-Wiedergabe mit 3.840 x 2.160 Pixeln in 50 und in 60 Hz. Der Panasonic WT600, der auf der IFA 2013 Premiere feierte, war das erste in Deutschland erhältliche UHD-TV-Modell mit HDMI 2.0. Flankierend zu HDMI 2.0 wird der Kopierschutz fürs UHD-Zeitalter, HDCP 2.2, eingeführt. 

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UHD Content-Services in den USA

Content in 4K? Immer noch Mangelware, wobei sich die US-Amerikaner, dies zeigte die CES, schon ein wenig freuen dürften, da einige Video-On-Demand-Dienste Material in der hohen Auflösung bereitstellen möchten. Hierzulande ist noch nichts spruchreif, hier muss man sich eine HDD mit 4K Content greifen, und diese Inhalte per USB 3.0 auf dem UHD-TV genießen. Was Ultra HD/4K-Blu-rays mit 100 GB Fassungskapazität und vier Layern betrifft, so sind genug Gerüchte, aber nichts wirklich Konkretes bekannt. Klar dürfte sein, dass man für die Scheiben mit 4K-Content neue Abspielgeräte benötigt, die mit 4-Layer-BDs klarkommen. Angeblich beschäftigt sich die zuständige Arbeitsgruppe der Blu-ray Disc Association mit der präzisen Definition der Spezifikationen. 

Im Zentrum der TV-Entwicklung der letzten Jahre lag stets das Thema Smart TV. Daran ändert sich auch 2014 nichts. Die Hersteller haben alle große Pläne, hier wichtige Neuerungen in der Übersicht:

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LG mit webOS-Betriebssystem

  • LG bietet 2014 neue Smart TVs mit webOS-Betriebssystem an. Die Rechte an diesem Betriebssystem haben die Koreaner von Hewlett Packard gekauft. Das neue Betriebssystem soll auf dem Großteil der neuen LG Smart TVs laufen. Kernstück ist der „Launcher“, dieser stellt den einfachen Wechsel zwischen verschiedenen Quellen aus dem laufenden Betrieb heraus sicher. Man muss demnach nicht zuerst in ein Hauptmenü gehen.

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Sony One-Flick-Entertainment

  • Diesen Ansatz verfolgt auch Sony mit dem „One-Flick-Entertainment“. Auch hier kann man z.B. einfach zwischen Live-TV und Internet-Anwendungen umschalten. Sony zeigte auf der CES auch endlich eine neue Fernbedienung mit Touchpad und kompakten Abmessungen. 
  • Wichtiges Thema – TVs, die mit dem Android TV-Betriebssystem antreten. Hier tat sich gleich zu Jahresbeginn TP Vision/Philips hervor. TV-Geräte der Premiumklasse sollen noch in diesem Jahr mit Android-Betriebssystem in den Handel  kommen. Hisense zeigte auf der CES das VIDAA-Konzept mit besonders einfacher Benutzeroberfläche, das ebenfalls auf Android basiert, unter diesem Namen allerdings nur in China und in den USA angeboten wird. Ein ähnliches System ist für Europa unter anderem Namen angedacht. Smarte Fernseher mit Android-Betriebssystem kamen auch von Changhong und TCL. 
  • Panasonic erweitert die Funktionalität der 2013 neu eingeführten „My Homescreen“ Funktion, hier werden die inhaltlichen Präferenzen des Anwenders entsprechend berücksichtigt. 

Insgesamt kann man gespannt sein, was 2014 passiert – und das gilt nicht nur für globale neue Trends, sondern auch für Weiterentwicklungen: Immer leistungsstärkere Bildprozessoren verlangen nach immer mehr CPU-Power, da natürlich die Hersteller UHD-TVs verkaufen wollen und genau wissen, dass in den meisten Fällen von den Geräten niedriger auflösendes Basismaterial auf die UHD-Auflösung des TVs hochgerechnet wird. Damit die „Faszination UHD“ auch funktioniert, muss also Content, der z.B. in FullHD vorliegt, glänzend aussehen. Die Zwischenbild-Interpolationsalgorithmen werden ebenfalls immer leistungsfähiger, der Bildlauf flüssiger, Bewegungen stabiler und schärfer. Auch dieser Trend wird sich 2014 fortsetzen. Am meisten wird natürlich mit Spannung erwartet, ob nun 2014 endlich mehr Content in 4K zur Verfügung steht. das Endspiel der Fußball-WM in Brasilien soll zumindest schon mit 4K-Kameras aufgezeichnet werden. 

Text: Carsten Rampacher
Datum: 03. Februar 2014




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