DOPPELTEST: Heos by Denon Amp und Link – High-Tech für multimediale Spitzenleistung?

Heos by Denon Amp Front Seitlich3

Heos by Denon Link Front Seitlich1

Heos by Denon bietet nicht nur die in einem separaten Test behandelten aktiven Wireless-Multiroom-Lautsprecher Heos 7, Heos 5 und Heos 3, sondern auch die Komponenten Heos Amp ( oberes Bild, 499 EUR) und Heos Link (unteres Bild, 349 EUR). Den zwei „Spezialisten“ widmen wir einen eigenen Doppeltest. 

Heos by Denon Amp Seitenansicht Anschluesse Rueckseite

Heos Amp: Die Anschlüsse

Heos by Denon Amp Rueckseite Seitlich

Heos Amp – die Rückseite

Heos by Denon Amp Seitenansicht Bedienelemente

 Saubere Verarbeitung, interessante Formgebung. Hier die seitlichen Bedienelemente des Heos Amp

Heos Amp für 499 EUR ist besonders interessant, denn mittels des Amp kann man, wenn man noch zwei normale passive Lautsprecher hat, diese zwei Lautsprecher mit dem Heos Amp verbinden und hat dann eine weitere Hörzone, die in ein Heos System eingebunden werden kann. Im schlanken Gehäuse des Amp, der ebenso wie der Link im typischen Heos by Denon Design gehalten ist, arbeitet ein Class D Digitalverstärker, über dessen Leistung allerdings keine Angaben gemacht werden. Wir konnten allerdings bereits in Erfahrung bringen, dass Heos Amp über 2 x 100 Watt (an 6 Ohm) an Leistung verfügt, ob sich der Eindruck üppiger Power auch in der Praxis bestätigt, werden wir später überprüfen. Analoger Eingang, Netzwerk/Ethernetbuchse, optischer sowie koaxialer Eingang und USB-Terminal finden sich rückseitig. Alle Eingangssignale werden im Übrigen innen digitalisiert. Sogar ein Subwoofer Pre-Out ist vorhanden, für den direkten Anschluss eines aktiven Subwoofers. Der Heos Amp ist 221 mm breit, 93 mm hoch und 214 mm tief. Das Gewicht liegt bei 2,8 kg. 

Heos by Denon Link Anschluesse Rueckseite

Es fehlen die Endstufeneinheiten, darum ist Heos Link nicht nur 150 EUR günstiger, sondern auch kompakter – hier die Anschlusssektion

Heos by Denon Link Rueckseite Seitlich

Heos Link von hinten

Heos by Denon Link Seitenansicht Bedienelemente

Der Heos Link sieht, bis auf etwas veränderte Abmessungen, ebenso aus wie der Heos Amp

Heos Link für 349 EUR macht eine bestehende HiFi- oder Multiroom-Anlage sozusagen „Heos-fähig“ und sorgt für umfangreiche Einsatzmöglichkeiten. Es finden sich auch beim Link, sozusagen einem „Heos-Vorverstärker“, optischer sowie koaxialer digitaler Eingang, Netzwerkbuchse, Subwoofer-Pre-Out und IR Out. Der Heos Link ist 155 mm breit, 74 mm hoch und 150 mm tief. Er wiegt 1,3 kg. 

Beide Heos Komponenten präsentieren sich in ansprechender Optik und Verarbeitungsqualität. Alle Gehäuseteile sind sauber zusammengebaut, die beiden seitlichen Bedienelemente ordentlich eingepasst. Auch auf der Rückseite kann man keinerlei Mängel entdecken, alle Anschlussbuchsen sind gerade und fest installiert. Sehr zu loben ist, dass der Anwender beim Heos Amp auf hochwertige Lautsprecherkabel-Schraubanschlüsse mit Acrylglasummantelung zurückgreifen kann, die auch Bananenstecker-tauglich sind. Das zeigt,, dass bei Heos by Denon der hohe HiFi-Qualitätsanspruch von Denon auch bei Kleinigkeiten voll berücksichtigt wurde. 

Wie bei allen Heos Komponenten ist ein eigener Heos Account wichtig, in dem man beispielsweise Passwörter von Musikdiensten, Favoritenlisten und Musikwiedergabelisten ablegen kann. Der Heos Account wird dann nicht unbedingt benötigt, wenn man nur lokale Musik, z.B. auf Smartphone oder vom Home Server, wiedergeben möchte, zwingend braucht man ihn aber, wenn man auf onlinebasierte Musikdienste zurückgreift.

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Hörzonen können umbenannt werden

Die Installation aller Heos Komponenten geht identisch vonstatten, und zwar mittels eines speziellen mitgelieferten Kabels, das aussieht wie ein normales 3,5 mm Miniklinkenkabel, aber andere Zwecke erfüllt: Es wird auf der einen Seite ins Smartphone oder Tablet gesteckt, auf dem die Heos App installiert ist, und auf der anderen Seite ins Heos Device. Anschließend, nachdem das Kabel eingesteckt ist, geht die Installation in zwei Minuten vonstatten, und das Heos Device ist einsatzbereit. Jede neue Heos-Komponente wird nach dem identischen Schema installiert. Zunächst tauchen die Namen der jeweiligen Heos-Komponente in der Übersicht auf, also z.B. Heos Amp und Heos Link, man kann die Zonen aber auch umbenennen. Genug Vorschläge werden gleich mitgeliefert. Insgesamt kann ein Heos-System bis zu 32 Hörzonen berücksichtigen, als Party-Zone mit dem gleichen Signal aus allen Lautsprechern sind als Maximum 8 Zonen möglich. 

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Bass- und Höhenregler

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Einstellungen Heos-Komponenten gesamt

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 Wählt man „meine Geräte“ als Menüpunkt an, kann man bei jeder Heos-Komponente nochmals eigene Einstellungen treffen

 In den Einstellungen, die man für jede Heos-Komponente einzeln treffen kann, gibt es beispielsweise Regler für Höhen und Bässe, die man hinter dem Begriff „EQ“ findet. Ebenfalls kann man die Wiedergabequalität auf „hoch“ einstellen.  Nicht unsere volle Zustimmung finden die unterstützten Abtastraten. Bei 48 kHz ist Schluss, also ist es nicht möglich, echtes HiRes wiederzugeben. 88,2, 96 oder gar 102 kHz Abtastrate werden derzeit nicht unterstützt. Das ist allerdings auch darum schade, weil 384 kHz/32-Bit D/A Wandler zum Einsatz kommen. An Formaten werden MP3, WMA, AAC, Flac und unkomprimierte WAV-Dateien akzeptiert, sowie, seit einem Update im Dezember, Apple Lossless (bis 48 kHz). USB-Massenspeicher können an den Heos Amp oder auch an den Heos Link direkt angeschlossen werden, um eine unkomplizierte Wiedergabe zu ermöglichen. 

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Übersicht der anwählbaren lokalen Quellen und internetbasierten Musikdienste

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Geräteauswahl bei Spotify Connect 

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 Spotify Connect – Wiedergabe

Unkompliziert ist auch das Stichwort, wenn es um die Nutzung von Spotify Connect geht. Wir wählen Spotify aus der Liste der Musikwiedergabedienste in der Heos App aus oder aber verwenden direkt die Spotify-App. In der Liste der potentiellen Wiedergabe-Devices tauchen die aktiven Heos-Komponenten dann sofort auf, und wir können in Erfahrung bringen, wie der Heos Amp in Verbindung mit zwei schicken Quadral Chromium Style 52 Standlautsprechern klingt. „Bayfront“ von Markus Schulz ist unser erstes Versuchtsobjekt, und schnell wird klar, dass der Heos-Amp einiges an Kraft mitbringt.

Die beiden Quadral Chromium Style 52 bieten den Fähigkeiten des Heos Amp einigen Spielraum, doch wollen wir wissen, ob nicht noch mehr geht – und sind etwas unfair, indem wir die beiden großen Nubert nuVero 14 anschließen, bestimmt nicht der Lautsprecher-Typ, der in der Praxis meist von Besitzern des Heos Amp verwendet wird. Und nun kommt die faustdicke Überraschung: „Bayfront“ von Markus Schulz kommt hervorragend heraus, mit Nachdruck, Volumen und Lebendigkeit – das hätten wir nie gedacht.

Wir nahmen an, dass der Heos Amp von den Leistungsanforderungen der großen schwäbischen Standbox überfordert wäre – doch eine kraftvolle, souveräne Wiedergabe ist die Folge unserer Anschluss-Bemühungen. „Ping Pong“ von Armin van Buuren stellt ebenfalls sehr klar heraus, dass der Heos Amp nicht umsonst auf den ersten Blick ziemlich teuer erscheint. Aber er ist leistungsfähiger als so mancher Stereoverstärker dieser Preisliga, er ist überdies kompakter, verursacht kaum Verlustwärme durch die eingesetzten, effizienten Digitalendstufen und bietet noch die Heos-Vollintegration. Effekt-Nachdruck, Bassenenergie und Räumlichkeit sind hervorragend, so dass man ebenso wie vor den möglichen maximalen Pegeln nur den Hut ziehen kann.

Neutral und lebendig agiert der Amp – also wirklich feine Verstärkertechnik, die Heos by Denon in dieser Preisklasse bietet. Und noch ein dritter sehr kraftvoller Titel muss her, weil es gar zu schön ist: „Timebomb“ von  David Gravell lässt sich nicht lumpen, unsere Kombination aus Heos-Amp und nuVerso 14 ein weiteres Mal zu Höchstleistungen via Spotify anzuspornen. Der Aufbau des Tracks, die satten Bassschläge, das Volumen und die Räumlichkeit sind absolut begeisternd, wenn man bedenkt, dass der Heos-Amp rund 500 EUR kostet. Insgesamt, so stellen wir fest, ist Heos Amp gerade für Club- und Trance-Musik hervorragend geeignet. Das spezielle Feeling, die Dynamik und die Effektgewalt werden erstklassig zum Ausdruck gebracht. Dabei werden die beiden Nubert nuVero 14 natürlich souverän beinahe jeder potentiellen Anforderung gerecht. Tiefgang, Nachdruck, Dynamik, Volumen und Pegelfestigkeit sind über jeden Zweifel erhaben. Aber dass so ein Mini-Verstärker wie der Heos Amp die beiden Boxen so massiv antreiben kann, ist schon sehr bewundernswert.

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Lokale Musik

Nun wechseln wir komplett den Musikstil und hören uns „Nobody Does It Better“ aus dem 007-Film „Der Spion, der mich liebte“, gesungen von Carly Simon, an. Auch hier überzeugt uns der Heos Amp, wenngleich der Musikkenner hier zwar den gleichermaßen frischen wie angenehmen Klang loben dürfte, aber etwas feindynamische Finesse vermisst – welche die nuVero 14 zweifelsohne bieten, hier aber ist der Heos Amp der limitierende Faktor. Trotzdem wird, in Relation zur Preisklasse, ein gelungenes, räumlich überraschend dichtes Klangbild geboten. Bei „All Time High“ aus „Octopussy“, gesungen von Rita Coolidge, legt sich der Heos Amp interessanterweise gekonnter ins Zeug, hier ist der Klang ausgesprochen fesselnd, dicht und lebendig – obwohl beide Titel vom selben Album kommen. 007-Fans sei der Heos Amp auf jeden Fall ans Herz gelegt, denn auch bei Shirley Basseys Titellied zu „Moonraker“ sind die Ergebnisse überragend – klar, mit gut ausbalancierter Stimmwiedergabe, und kräftigem Antritt wird die Emotionalität des Songs sehr gut zum Zuhörer transportiert. 

„Love In Portofino“ aus Andrea Bocellis Album „Passione“ liegt dem Heos Amp ebenfalls, denn auch hier ist die Stimmwiedergabe akkurat ausbalanciert, die Stimme Andreas steht auf der einen Seite im Fokus, fügt sich aber auf der anderen Seite sehr gut ins tonale Gesamtgefüge ein. Der emotionale Tiefgang des Songs, der bei Menschen, die für diese Art Musik empfänglich sind, so wichtig ist, kommt ausgezeichnet heraus. Sogar die Streicher wirken nicht ungelenk und eintönig, sondern farbenfroh und frisch – ohne störende Aggressivität. „Senza Fine“ aus dem gleichen Album zeigt die gleichen Merkmale auf. Hier kommt wiederum die sehr lebendige, straffe und kraftvolle Basswiedergabe zum Tragen, die wir schon an anderer Stelle herausgehört haben. 

Nehmen wir uns nun den Heos Link vor, der als Vorverstärker agiert. Wir haben ihn mit einem Advance Acoustic Stereoverstärker etwas älteren Datums, dem MAX 450, verbunden, und betreiben darum nun die ausgewogenen Quadral Chromium Style, eine durchaus praxisgerechte Kombination. Wer einen Denon AV-Receiver, einen Denon Vollverstärker oder ein Denon Musiksystem besitzt, kann sich überdies darüber freuen, dass mittels Heos Link und der Heos App eine Steuerung des AVRs, Stereoverstärkers oder Musiksystems möglich ist. 

Kommen wir zu den Wiedergabequalitäten. Bei „Senza Fine“ ist ein lebendiger, klarer Klang die Folge, mit besonders feinem Hochtonbereich, was allerdings auch Verdienst des Bändchenhochtöners der Chromium Style 52 ist. Und wir setzen hier nun mit „A View To A Kill“ fort, ebenfalls aus einem James Bond-Film. Der kräftige Bass kommt sehr gut heraus, kleinere dynamische Differenzen ebenfalls. Wir haben dem MAX 450 das Signal analog zugespielt, das heißt, die Wandlung findet im Heos Link statt, was anscheinend in tadelloser Qualität gelingt.

Der Heos Link hat die identische umfangfreiche Heos Funktionalität, so dass wir auch, wenn wir einen Heos-Account besitzen, den kostenlosen Internet Radio Service TuneIn nutzen können. Hier läuft auf „90s Dance Classics“ gerade „Right In The Night“ von Jam & Spoon, und obwohl die Quelle nicht eben weltmeisterliche Klanggüte besitzt, ist das, was wir hier im Testraum hören, von guter, angenehmer sowie homogener Qualität. Die „Ministry Of Sound Anthems“ des Ministry Of Sounds Radio-Senders kommen ebenfalls sehr gut heraus, lebendig, frisch und mit straffem Bass.

Hören wir Spotify mit dem Heos Link, so geht dies natürlich genauso komfortabel wie beim Heos Amp. Auch hier starten wir durch mit der Armin Van Buuren 2014 Top 20 – und Timebomb von David Gravell. Erstaunlich, wie kräftig die schlanken Quadral Chromiumm Style im Bassbereich antreten. Ohne Verzögerung wird der Stream geladen, Heos Link, merkwürdigerweise innerhalb der App als „Heos Player“ bezeichnet, sichert eine stets unterbrechungsfreie, klare Wiedergabe – Voraussetzung ist natürlich eine entsprechend zügige Internet-Einbindung. 

Fazit

Beide Heos by Denon-Spezialisten erfüllen ihre Aufgabe ausgezeichnet. Besonders beeindruckt hat uns jedoch der Heos Amp. Für sehr faire 150 EUR Aufpreis gegenüber dem Heos Link bietet er zwei enorm kräftige digitale Endstufen, die selbst zum Antrieb großer, leistungsfähiger Lautsprecher geeignet sind. Kaum Wärmeentwicklung, kompakte Abmessungen und volle Heos-Integrationsflexibilität sind weitere Vorzüge des gut verarbeiteten Heos Amp. Zahlreiche onlinebasierte Musikdienste sind vertreten, zudem ist die App übersichtlich, leicht bedienbar und neigt nicht zu unschönen Fehlfunktionen. Die Erstinstallation mit dem beiliegenden Kabel ist zwar etwas ungewöhnlich, funktioniert aber sehr gut. Heos Link ist für eine Heos-Extension für bestehende Anlagen mit rund 350 EUR recht teuer geraten. Leider fällt in Anbetracht des ohnehin recht hohen Kaufpreises bei allen sonstigen Qualitäten, die zweifellos vorhanden sind, das Fehlen einer Wiedergabemöglichkeit für echtes HiRes-Audio doch ins Gewicht. Fernab dieses Nachteils, der für beide Heos-Komponenten gilt, lässt sich allerdings auch am Link nichts Negatives feststellen. Einfach kann so z.B. ein älterer, aber immer noch leistungsfähiger Stereoverstärker fit für die Heos-Welt gemacht werden.

Heos Amp:  

Heos by Denon Amp Front Seitlich3

Leistungsstark, kompakt, flexibel – der Heos by Denon Amp bietet viel Potential
ueberragend
Wireless-Multiroom-Komponenten bis 500 EUR
Test 05. Februar 2015

Heos by Denon Link Front Seitlich1

Der Heos Link eröffnet eine komfortable, einfach zu handhabende Möglichkeit, eine bestehende Anlage für die Heos-Welt zu öffnen
ausgezeichnet
Wireless-Multiroom-Komponenten bis 500 EUR
Test 05. Februar 2015

Test: Carsten Rampacher
Fotos: Sven Wunderlich
Datum: 05. Februar 2015




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