XXL-TEST: Standlautsprecher Wilson Audio SabrinaX - meisterlich bei Räumlichkeit und Transparenz
Klang

Unsere Kette

VTL ST 150 mit souveräner Leistung (> 150W/Kanal) - viel für einen röhrenbasierten Endverstärker

VTL TL-2.5i Pre-Amp, ausgelegt als Vollröhren-Vorverstärker

Das dürfte weltweit einzigartig sein: Wilson Audio SabrinaX als kleinste und die WAMM Master Chronosonic als größte Standbox des Herstellers in einem Hörraum
Mit einer zugegebenermaßen hohen Erwartungshaltung starten wir in die Klangtestreihen. Zunächst einmal stellen wir die Spielpartner unserer SabrinaX vor. Als Vorstufe agiert die VTL TL-2.5i (7.000 EUR), als Stereo-Endstufe die VTL ST 150 (11.000 EUR). Dazu hatten wir das Glück, dass noch ein Highend-Wandler/Streamer plus separater Clock von dCS im Hörraum aufgebaut war. Somit hatten wir eine überwältigende Zuspielung. Zugespielt haben wir HiRes-Dateien und Dateien in CD-Auflösung, die von Roon gemanagt wurden.
Los geht es mit "The Look Of Love" von Diana Krall. Hier holen die relativ kleinen Standlautsprecher eine Räumlichkeit aus dem Song, die wir in dieser Ausprägung nie erwartet hätten. Man fühlt sich von Klang umgeben, auf höchst angenehme Art und Weise. Zugleich aber sind die vokalen Konturen von Dianas Stimme auf den Punkt gebracht und wirken nicht schwamming oder undefiniert. Das ist häufiger der Fall, wenn eine erstklassige Räumlichkeit mit anderen Nachteilen erkauft wird. Nicht bei der SabrinaX - sie agiert gleichermaßen räumlich dicht wie exakt.
Der Bass zu Beginn von "Till Tomorrow" (Yelleo & Till Brönner) kommt mit der richtigen Dosierung in den Hörraum - hier ist durchaus Nachdruck vorhanden, der aber nie zu massiv erscheint. Tills Parts beweisen einmal mehr, wie gut es die Sabrina versteht, durch eine Mischung aus akustischer Frische und glaubwürdiger Räumlichkeit zu punkten. Natürlich, in der Preisklasse, in der sich die Wilson Audio-Standbox bewegt, bekommt man viele Alternativen, teils riesige, ausladende Konstruktionen, die bei Pegelfestigkeit, Tiefgang und maximal möglicher Basskraft natürlich an der SabrinaX vorbeiziehen. Wer aber so denkt, hat die Mission, die Botschaft der SabrinaX nicht verstanden. Hier betritt ein Lautsprecher die Bühne, der Schönheit und Ästhetik in einer ganz speziellen, sehr feinen, zugleich aber bei Bedarf robust-kräftigen Auslegung verpackt. Auch wenn Miss-Freaks auf der Suche nach dem linearen Klang vielleicht auch eine andere Box bevorzugen - solche Hörer liegen bei Wilson Audio nicht im Fokus. Der Gourmet, der Musik als Kunst ansieht und nicht das Sezieren linear vorgebrachter Klanganteile langweiliger Experimentaljazz-Stücke als den heiligen Gral betrachtet, ist hier der richtige Käufer.
Beim Cindy Lauper-Klassiker "Time After Time" in der Adaption von Carolin No merkt man das auch wieder deutlich. Filigran, mit einer sensibel aufgebauten räumlichen Kulisse, zeigt die SabrinaX ihre Klasse. Sie füllt jeden Hörraum mit klanglicher Noblesse, mit feiner akustischer Schönheit. Mag nun sehr plakativ klingen, aber das ist das Wesen dieses Schallwandlers. Das soll auch nicht heißen, dass die SabrinaX für jeden Hörer das Nonplusultra ist. Jeder setzt andere Prioritäten. Da gibt es den Pegel-Champion, bei dem lauter immer auch besser ist. Falsche Adresse. Denn die SabrinaX schafft für ihre Größe absolut beachtliche Pegel, aber solche Anwender sind bei einer Canton Reference 1 K besser aufgehoben, oder, soll weniger ausgegeben werden, bei einer Quadral Aurum Titan 9. Für sich betrachtet, sind Canton und Quadral Aurum überragende, Begeisterung weckende Boxen. Wir schätzen beide Modelle in der Redaktion enorm. Aber die Wilson hat einen festen Platz bei den besten Lautsprechern, die wir in über 20 Jahren gehört haben, weil sie so anders ist. Ein kleines Kunstwerk und kein hochklassiges technisches Gerät. Natürlich - sie wird in den USA mithilfe modernster Technologie entwickelt und gebaut. Das Endprodukt verhält sich aber anders. Dabei ist sie absolut nicht wie mancher Künstler, der gute und schlechte Tage hat und manchmal ungenießbar ist. SabrinaX hat immer gute Laune und strahlt bei jedem Musikstil pure Spielfreude aus. Das merkt man bei "Time After Time" nicht nur an der plastischen Ausformung der vokalen Elemente, sondern auch an der Anschlagdynamik beim Klavier.
Wir setzen mit zwei James Bond 007 Titelsongs fort: "For Your Eyes Only" (Sheena Easton" und "The World Is Not Enough" (Garbage). Und beide Male beeindruckt uns die Klarheit, die Feinheit, die weite, zugleich sauber definierte Räumlichkeit. Mit geschlossenen Augen vermutet man, dass ein deutlich größerer Lautsprecher im Spielbetrieb ist. Natürlich darf man nicht außer Acht lassen, dass sich die SabrinaX auf absolute Premium-Zuspieler verlassen kann. Im gleichen Atemzug muss aber auch erwähnt werden, dass solche hochklassigen Zuspieler keinerlei Fehler von Seiten des Lautsprechers verzeihen. Darum schmälert die zuspielende Kette die Leistung der SabrinaX nicht. Wie filigran Sheenas Stimme ertönt, ist ebenso vorzüglich wie die vokale Dynamik bei "The World Is Not Enough." Und die kleinen Nuancen, die einen Titel erst gänzlich zum Leben erwecken, werden voll erfasst und impulstreu eingebunden. Sei es ein kleines Abklingen oder ein schneller, kurzer Impuls eines Instruments - der SabrinaX entgeht nichts.
Auch nicht bei der legendären Arie "Nessun Dorma" aus Puccinis Turandot, gesungen von Jonas Kaufmann. Die faszinierende Stimme des Startenors bereitet den Wilson Audio-Schallwandlern keinerlei Schwierigkeiten. Leichtes Vibrato, enorme Steigerung der Dynamik, feines Abklingen: Die US-Boxen meistern alles nicht nur klaglos, sondern mit einem Esprit, der aufhorchen lässt. Die vokalen Anteile stehen klar im Fokus, trotzdem gruppieren sich die Instrumente mit dem passenden "Mitspracherecht" um die Stimme von Jonas. Der Chor wird ebenfalls exzellent präsentiert, mit erkennbaren Konturen, ohne jede Unklarheit bei der Definition der räumlichen Abbildung.
Ein Klassiker wie das "Hotel California" darf natürlich ebenfalls nicht fehlen. Und die SabrinaX punktet hier mit einer sehr genauen, von der Detailverliebtheit getragenen Darstellung der akustischen Gitarre. Als dann die Stimme einsetzt, brilliert die Box mit einer hervorragenden Trennung von Stimme und Instrumenten. Der Rhythmus trifft genau den richtigen Punkt - etwas anderes hätten wir auch nicht erwartet. Die breite, aber exakte Bühne, und die überragende akustische Tiefe ergänzen sich zu einem schon beinahe spektakulären Klangeindruck, den man auch in der recht hochpreisigen Liga nur selten erleben darf.
Kann die SabrinaX auch anders? Wenn es massiv, basskräftig, nachdrücklich, enorm dynamisch wird? Wir testen "Land Of Confusion" in der Cover-Version von Disturbed und stellen fest, dass dies zwar nicht die absolut perfekte Spielwiese für die kleine, edle Standbox ist, sie aber das Geschehen mit einer erstaunlichen Souveränität präsentiert. Das gewollt Aggressive in den vokalen Elementen kommt treffend heraus, und der Nachdruck ist überraschend ausgeprägt. Nein, der Schallwandler lässt sich nichts zuschulden kommen und sammelt auch bei diesem Track wieder mit der praktisch restlos überzeugenden Räumlichkeit Punkte.
Überraschen kann uns SabrinaX dann bei "Push" (Universal Nation). Die Trance-Hymne aus den 90er Jahren ist dem kompakt bauenden Nobel-Lautsprecher eigentlich nicht "wie auf den Leib geschneidert". Aber wer denkt, hier gäbe es eine zwar bemühte, aber letzten Endes nicht wirklich fesselnde Wiedergabe, hat sich komplett getäuscht. Ohne mit der Wimper, oder besser der Sicke, zu zucken, schiebt die SabrinaX an. Der Bass wird auf den Punkt serviert, hart, unnachgiebig. Als gäbe es nichts Leichteres, zumal, mit der richtigen Zuspielung, das Ganze auch bei deutlich gehobener Lautstärke funktioniert. Das hätten wir nicht gedacht, dass sich auch ein kleiner Partystar hinter der Wilson Audio-Fassade versteckt. Klar, der Hör-Gourmet wird sich fragen, warum wir den Schallwandler mit solchen Titeln quälen. Aber eine sauber konstruierte Box dieser Preisklasse, so unsere Meinung, muss alles können, ohne Einschränkung.
Daher wundert es uns kaum noch, dass der Lautsprecher auch bei "Won't Forget You" von Shouse im wahrsten Wortsinne zuschlägt. Wir wählen das Felix Jaehn Remix, da dieses ein paar besonders fiese Gemeinheiten im tieffreuqenten Bereich bereithält, an denen manch ausladender Schallwandler schier verzweifelt. Nicht so die SabrinaX - ohne Verzerrungen, ohne es an Nachdruck fehlen zu lassen, geht es mit einer tadellosen Ausdruckskraft voran. Dass die Box räumlich enorm dicht darstellt, ist zudem auch bei solchen Tracks ein nicht zu unterschätzender Vorteil.
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Tags: Lautsprecher • Wilson Audio






