XXL-TEST: Hegel DAC D50 "The Raven" - hoch entwickelter D/A-Konverter für reinsten, plastischen Klang
Anschlüsse

Rückseite komplett
Die Anschluss-Sektion ist ebenfalls aufwändig ausgeführt und mit hochwertigen Schnittstellen bestückt. Alles ist sauber integriert und wirkt äußerst robust, häufiges Umstecken sollte keinerlei Probleme bereiten.

Digitaleingänge
An digitalen Eingängen stehen ein USB-Slot vom Typ B sowie ein koaxialer Eingang zur Verfügung. Außerdem gibt es AES/EBU sowie einen BNC-Koaxialeingang - ein BNC-Kabel liegt dem DAC D50 für die Verwendung des DAC Loops in Kombination mit einem Hegel-Verstärker bei.

Ausgänge
An Ausgängen gibt es ein besonders hochwertig geartetes Cinch-Stereopaar sowie symmetrische XLR-Ausgänge. Der D50 ist, neben der Unterstützung sämtlicher typischer Formate und Container, kompatibel zu MQA und DSD256. Zusätzlich verfügt er über eine automatische Ausschaltfunktion, die individuell eingestellt werden kann. Der DAC D50 kann sich bei Nichtgebrauch nach zwanzig Minuten, einer Stunde oder gar nicht von selbst abschalten. Außerdem gibt es eine "Wake-on"-Funktion, so dass sich das Gerät bei Erkennen eines anliegenden Eingangssignal selbst einschaltet.
Klang

Zusammen mit dem Hegel H400 konnte der D50 begeistern
Wie im Abschnitt DAC-Loop bereits beschrieben, kommt der Hegel D50 bei uns in Kombination mit dem H400 Streaming-Vollverstärker zum Einsatz. Satte 250 Watt an 8 Ohm werden hier mittels Class-AB-Verstärkerschaltung realisiert. Aber auch Streamingfunktionen hat der leistungsfähige Verstärker an Bord. Musikstreaming aus dem Netzwerk, Spotify Connect, Google Cast™, Airplay, Tidal Connect und Roon Ready sind allesamt an Bord. Wir spielen außerdem vorwiegend von externer Quelle mittels einem Cambridge Audio CXN sowie dem Eversolo DMP-A8 Streaming-Player zu, um dem DAC D50 sein volles Potential zu entlocken.
Bei Nothing Else Matters in der Jungle Cruise Version muss er sich auch sofort aufs Äußerste beweisen. Doch schon nach wenigen Sekunden ist klar, dass wir der Hegel-Kombination vermutlich kein größeres Geschenk hätten machen können. Die zunächst sanftmütige, ruhige Kulisse ist von feinster Durchzeichnung geprägt, selbst feinste Nuancen kommen hier klar heraus und werden uns mit außergewöhnlicher Luftigkeit und Transparenz präsentiert. Die leichten Saitenanschläge werden feindynamisch höchst präzise erfasst und zum Hörplatz getragen. Die exzellente Differenzierung und der enorme Facettenreichtum zieht sich aber durch das gesamte Frequenzspektrum. Auch die schlagkräftigen Bässe erfolgen in Perfektion und werden in ihrer Vielschichtigkeit vollständig abgebildet.

Echte akustische Steigerungen sind möglich
Die gesamte Kulisse ist von dichter Atmosphäre und weitläufiger Räumlichkeit geprägt, auch bei den folgenden Musikstücken "The Road to Dallas" von James Newton Howard und "Heroic Opportunities" der Soundcritters eindeutig nachvollziehbar. Dabei ist besonders hervorzuheben, dass selbst bei komplexem Geschehen jede Einzelheit und jede noch so feine Nuance nicht untergeht. Dabei findet aber auch keine Überbetonung statt. Man ist in der Lage, das gesamte Geschehen mit jeder Einzelheit zu erfassen, findet aber trotzdem eine absolut glaubwürdige, natürlich wirkende Bühnenkulisse vor. Brilliant und feinauflösend, mit sehr präsenten Mitten, aber stets harmonisch, angenehm, nie fordernd. Mit nachdrücklichem, streng konturiertem Tiefton, der durchweg blitzschnell und auf den Punkt kommt.
Wir haben bei den verschiedenen Titeln auch einmal zwischen der direkten Verbindung zwischen Streaming-Player und H400 und der Verwendung des DAC-Loops hin- und hergeschalten. Dabei zeigt sich, dass der Vollverstärker zweifellos bereits eine exzellente Wandlung und Signalverarbeitung durchführt. Der Zugewinn ist aber insbesondere in der Transparenz und Durchhörbarkeit der Kulisse sowie der penibelst exakten Erfassung aller akustischen Elemente spürbar. Trotz der Komplexität bleibt jedes feine Detail erhalten und auch die Platzierung auf der breiten und tiefen Bühne im Raum ist hervorragend. Bei weniger komplexem Geschehen begeistert besonders die Feindynamik und Auflösung bei der Wiedergabe der einzelnen Instrumente, kein noch so filigraner Bestandteil der Aufnahme geht hier verloren. Beeindruckend ist auch die zusätzliche Struktur und die zwar geringfügig erscheinenden Vorteile der Definition im Bassbereich, die das Geschehen in seiner Gesamtheit aber subjektiv nochmals direkter, unmittelbarer, klarer erscheinen lassen.

Hegel hat erneut ein erstklassiges Produkt realisiert
Weiter geht es mit "Ain't no Sunshine" von Eva Cassidy und auch hier können wir die Lobeshymne fortführen. Der Saitenanschlag ist beispielhaft, hier auch grobdynamisch ein Traum. Die Stimmwiedergabe verdient praktisch identische Zensuren, denn hier wird jede Einzelheit der Vokalcharakteristik herausgearbeitet. Dabei geht das Hegel-Ensemble aber nicht nüchtern, nicht zu neutral vor. Harmonisch, mit hoher Ausgewogenheit geht das norwegische Paket zu Werke und lädt zu ausgedehnten Hör-Sessions ein. Bei hohem Pegel muss an ein wenig aufpassen. Allerdings nicht, weil der H400 schnell im Grenzbereich ist und zu verzerren beginnt. Ganz und gar nicht, eher weil hier im Bedarfsfall sofort, geradezu explosiv die Bässe am Hörplatz erklingen, wie man gegen Ende des Titels bei etwa 2 Minuten und 45 Sekunden feststellen wird, wenn man sich hier im oberen Lautstärke-Drittel bewegt. Die Klangfarbe des Pianos sollte man hier auch noch erwähnen. Extrem nahe ist man dabei an der Live-Performance, was gerade beim Tasteninstrument eine sehr schwierige Aufgabe ist. Die Hegel-Kombination findet eine nahezu perfekte Balance zwischen einem leicht warmen Timbre, gleichzeitig aber einem sehr präzisen Anschlag und einer passenden Schärfe in den höheren Lagen, die aber zu jedem Zeitpunkt weit entfernt von forschem Charakter ist.
Wie wir es bereits bei ersten Hörtests in der KEF Gallery in London festgestellt haben, ist die Performance des D50 beeindruckend. Der H400 legt die Messlatte bereits sehr hoch und - das ist natürlich eine verflixte Zwickmühle - wer den DAC D50 nicht kennt, wird vermutlich kaum etwas vermissen. Schaltet man den "The Raven" aber zu, ist der Benefit beachtlich. Und zwar nicht nur in der Theorie, sondern klar, an verschiedenen Parametern, nachvollziehbar. Das zeigt sich auch sehr gut bei den treibenden, teils harschen Metal-Klängen von "Land of Confusion" von Disturbed. Die erweiterte Klarheit, die zusätzliche Struktur und Differenzierung in allen Frequenzebenen ist schon erstaunlich. Wer über einen offenen Raum mit vielen harten Oberflächen verfügt, darf natürlich bei diesem Titel nicht mit der Lautstärke übertreiben, hier kann es dann hier und dort ein wenig spitz werden. Das kann man aber nicht zwingend dem Hegel-Duo anlasten. Hier wird schlicht die Aufnahme in absoluter Direktheit an den Hörer transportiert. Mit außergewöhnlicher Plastizität und einer nahezu dreidimensional erscheinenden Staffelung der Bühne.

Hervorragendes Team: D50 und H400
"No Goodbye" für tiefe, knackige und kraftvolle Bässe darf als Abschluss nicht fehlen und bereitet großen Spaß. Das ist überhaupt noch ein wichtiger Punkt, den man bei all der "audiophilen" Lobpreiserei nicht übersehen darf. Oft arbeiten Komponenten zwar mit außerordentlich hoher Präzision und feinster Detailerfassung, das Geschehen wirkt teils aber ein wenig statisch, gar emotionslos. Das ist hier überhaupt nicht der Fall. Hegel H400 und D50 DAC sorgen für eine dichte, umhüllende Kulisse, die den Zuhörer voll mitnimmt und klares Gänsehaut-Feeling provoziert. Bei diesem Titel liegt der Fokus klar ein wenig woanders, Kritik üben bleibt uns aber weiterhin verwehrt. Kraftvoll, nachdrücklich, mit absolut trockener Exaktheit werden uns die Bässe präsentiert. Sanft hingegen umschmeicheln uns die unaufgeregten Vocals. Die HiFi-Talente aus Norwegen verüben stets volle Kontrolle über die Klangkulisse und bleiben auch bei diesem Genre meisterhaft souverän. Komplexität im musikalischen Geschehen quittieren sie mit Gelassenheit, gar Gleichgültigkeit und liefern in jeder Situation ein kultiviertes Hörerlebnis, dass vor Transparenz, Klarheit und Präzision vollumfänglich strotzt.
Wir kennen viele exzellente Vorstufen/DAC/Streamer - multifunktionale Talente mit Volausstattung, die hohe akustische Gesamtansprüche souverän erfüllen. Der D50 aus dem Hause Hegel aber kokettiert mit Reizen, die wir so nie erwartet hätten: Dieses enorm hohe Maß an feinem, dreidimensionalen Klang, in dessen Fokus die vorzügliche Einarbeitung kleinster Details steht, hat uns schlichtweg überwältigt. Hier macht sich die Philosophie des High End-Herstellers aus Norwegen bezahlt, mit dem D50 einen echten Meister seines Fachs anzubieten, der sich ausschließlich auf die D/A-Wandlung beschränkt, dies aber so extrem gut macht, dass man nur den Hut vor den Entwicklern ziehen kann. Bei nahezu jedem Musikstil finden wir einen akustischen Bonus vor, somit spielt es auch beinahe keine Rolle, ob man Klassik, Jazz, Rock, Pop oder Elektro hört.
Fazit

Hegel hat mit dem D50 "The Raven" einen außergewöhnlichen D/A-Wandler geschaffen, der etwas fertigbringt, was wir kaum für möglich gehalten hätten: Er erzeugt einen nochmals hörbar besseren Klang, und zwar auch an völlig "normalen" Komponenten und nicht nur an Lautsprechern mit Paarpreisen ab 20.000 EUR und mehr. Das zeigt, dass der D50 stets eine sinnvolle Investition ist, ganz besonders gilt dies natürlich, wenn ein älterer, technisch noch topfitter Hegel Stereo-Vollverstärker ein machtvolles Upgrade durch "The Raven" erhält. Was die ungemein durchdachte, sorgfältige Konstruktion an Plastizität, Klarheit und Detailreichtum freisetzen kann, ist fabelhaft, und die geniale DAC Loop-Schaltung ist in der Praxis äußerst nützlich und eröffnet flexible, einfach zu realisierende Nutzungsmöglichkeiten. Das robuste, langzeitstabile Finish spricht auch für den DAC aus Norwegen, der ein echter Spezialist sein möchte: Einfach einer der besten D/A-Konverter der Welt, ohne jeden weiteren Ballast, der zur Schmälerung der Klangqualität führen könnte.
"DAC Supreme": Der Hegel D50 "The Raven" liefert eine signifikante klangliche Steigerung und ist eine Top-Investition

D/A-Konverter Luxusklasse
Test 27. Februar 2025
Test und Fotos: Philipp Kind
Redaktion: Carsten Rampacher
Datum: 27. Februar 2025
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Tags: D/A-Wandler • DAC • Hegel






