XXL-TEST: Elac Vela FS 407.2 - klangstarker Standlautsprecher mit JET6 Hochtöner
Klang

Zuspieler
Bei der legendären Puccini-Arie "Nessun Dorma" aus der Oper "Turandot" , gesungen von Startenor Jonas Kaufmann, beweist uns die Vela FS 407.2 gleich, wie viel Feingefühl in ihr steckt. Sehr vielschichtig, sehr intensiv, und daher mit viel Gefühl nehmen wir die Klänge wahr. Jonas' Stimme steht frei in einem klar definierten, weitläufigen virtuellen Raum. Komplexe Elemente wie die Harfe, die kurz vor dem Einsatz des Chors zu hören ist, die Streicher und der Chor selber haben stets genau festgelegte Konturen und fügen sich impulstreu zu einem homogenen Ganzen zusammen. Der JET 6 präsentiert uns sein Können durch die Mischung aus brillanter und harmonischer, stets authentischer Reproduktion. Er holt auch kleine Zwischentöne heraus, die für einen kompletten, sehr plastischen Gesamteindruck mit verantwortlich zeichnen.
Nun lauschen wir Sarah Brightmans Version von "Time To say Goodbye", die auf dem 2018 erschienen Album "Hymn" zu finden ist. Hier profiliert sich der JET6 Hochtöner erwartungsgemäß als purer Performance-Bringer und punktet mit seidigem Glanz, der filigranen Herausarbeitung vokaler Details und mit einer fein dosierten, weitläufigen Räumlichkeit. Die Trennung vokaler und instrumentaler Anteile gelingt auf hohem Level, und die nahtlose Eingliederung des Mitteltonbereichs ins tonale Gesamtgefüge sticht hervor. Unten herum ist der Bassbereich stets in Form eines sauber gestaffelten Fundaments präsent, überlagert aber nie andere akustische Anteile.
Nur kurz dauert die instrumentale/orchestrale Jungle Cruise-Version von "Nothing Else Matters". Diese Zeit reicht aber, um zu verdeutlichen, wie gut die Vela FS 407.2 mit komplexem orchestralem Geschehen klarkommt. Die gesamte Akustik ist von einer Durchhörbarkeit geprägt, die beispielhaft für diese Leistungsklasse bei passiven Standlautsprechern ist. Sensibel, mit einer fein getrimmten räumlichen Ausbreitung, wird das klangliche Geschehen dokumentiert. Die FS 407 holt aus jeder musikalischen Ebenen eine Vielzahl von Details und fügt diese impulstreu Klangbild ein. Dass auch hier wieder ein Fundament bereitsteht, das man der schlanken Box nie zugetraut hätte, ist ein weiterer Vorzug. Die tonale Auslegung erfreut durch ein hohes Maß an Ausgewogenheit, was dafür sorgt, dass man auch lange Hörsessions mit dem Elac-Schallwandler bestreiten kann.
Die Diana Krall Cover-Version von "Desperado" liegt dem Vela FS 407.2 Lautsprecher ebenfalls. Er feilt mit Erfolg an vielen Nuancen von Dianas charimatischer Stimme, um diese umfassend sowie kultiviert zum Ausdruck zu bringen. Das Klavier punktet durch die sehr gute Feindynamik, die auch die typische Anschlagdynamik beinhaltet. Die Trennung der vokalen von den instrumentalen Anteilen gelingt zu jedem Zeitpunkt des Songs, auch bei höherem Pegel. Lautstärken, die deutlich über dem liegen, was man als "Zimmerlautstärke" bezeichnet, gehen den schlanken Boxen erstaunlich leicht von der Hand. Die runde, stimmige Auslegung bleibt auch dann beinahe vollumfänglich erhalten, und dynamische Differenzen werden impulstreu verarbeitet.
Wir setzen mit dem Klassiker "Wicked Game" von Chris Isaac fort. Bei aller Begeisterung über das auch hier wieder deutlich vorhandene sensible Gefühl des JET6 für die hohen Frequenzen müssen wir hier auch den straffen und kräftigen Bassbereich loben, der sich am Ende des Frequenzspektrums nahtlos integriert. Chris' Stimme wird nie davon beeinflusst, sondern steht frei im Raum, was auch bedeutet, dass sich der Klang sehr gut von den Lautsprecher-Chassis löst. Kleine vokale Einzelheiten sammeln die Vela FS 407.2 sorgfältig auf und beeindrucken dabei durch Gelassenheit und eine erlesene Feindynamik. Der Präsenztonbereich ist bezüglich der Konturen exzellent eingebunden - nahtlos erfolgt zudem der Übergang zu den Höhen auf der einen und zu den Bässen auf der anderen Seite.
Bei "Living On A Prayer" scheren sich die Vela FS 407.2 kaum darum, dass die Qualität des Quellmaterials nicht bis ins letzte Detail überzeugt. Allerdings ist dieser Titel nicht perfekt geeignet, die superben Qualitäten des JET6 auszuschöpfen. So beschränkt sich die Vela hier auf eine homogene, räumlich gefällige Präsentation, die auch bei höherem Pegel mit einer sauberen Trennung von Stimmen sowie Instrumenten zu überzeugen weiß. Der Bassbereich tritt in sich schlüssig und mit einem soliden Fundament auf.
Nun können die schicken Kieler Schallwandler ihre Fähigkeiten zu einer erstaunlich vollmundigen Bassdarstellung en weiteres Mal unter Beweis stellen: "Altes Kamuffel" von Paul Kalkbrenner verwöhnt uns mit einem außergewöhnlich massiven tieffrequenten Nachdruck, zu dem sich zahlreiche, teils alternierende elektronische Effekte gesellen. Hier liefern die FS 407.2 einen Punch, den man den eher schmächtig wirkenden Lautsprechern nie und nimmer zugetraut hätte. Überdies ist es auch sehr gut um den Tiefgang bestelt. Der JET6 ermöglicht auch bei elektronischer Musik, die weniger diffizil gestrickt ist, eine ungeheure Auflösung im Hochtonbereich - allerdings fasziniert uns nicht nur das Auflösungsvermögen des JET6, sondern auch das breit angelegte, dabei stets authentische räumliche Gefühl.
Beim Trance-Klassiker "Universal Nation" von Push beweist uns die kultivierte Vela FS 407, dass die gepflegte Wiedergabe z.B. von Klassik oder Jazz zwar ihre Domäne ist, sie aber auch mit elektronischen Inhalten sehr gut umgehen kann. Klar, noch größere Boxen schieben bei den harten Kickbässen noch massiver an, aber das, was die schlanke Klangsäule hier leistet, ist ohne Zweifel hervorragend. Die Reaktionen im Bassbereich sind, bedingt durch die Membranen mit recht kleinem Durchmesser, äußerst flink. Die räumliche Ausbreitung ist ebenfalls überragend, und der JET6 schafft eine enorme Klarheit bei der Präsentation hoher Frequenzen, auch wenn er natürlich nicht sein volles Potential ausschöpft - dazu ist der Track zu wenig herausfordernd für das Kieler Meisterstück.
Konkurrenzvergleich

Elac Solano FS 287.2: Mit einem Stückpreis von 1.499 EUR ist die Solano, ebenfalls in Neuauflage und ebenfalls mit dem JET6 Hochtöner ausgestattet, ein gutes Stück günstiger. Im Hochtonbereich erzielt sie beinahe ebenso überzeugende Resultate, fein auflösend und enorm impulstreu. Im Mittel- und Bassbereich zeigt die teurere Vela FS 407.2 mehr Konturen und agiert noch eine Idee zackiger bei kleinen, kurzen Impulsen - kurzum: Der sehr versierte Hörer nimmt die Differenzen wahr und greift zur FS 407.2.
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Dali Opticon 8 MK2: Mit knapp 3.600 EUR ist das Topmodell der Dali Opticon MK2-Serie günstiger als die Vela FS 407.2. Der in der Dali-Zentrale in Dänemark gefertigte Lautsprecher nutzt sein enormes Gehäusevolumen aus, um bei Pegelfestigkeit und Tiefgang voll zuzuschlagen. Hier macht dem dänischen Schallwandler so schnell keiner etwas vor. Der klare und frische, aber nie harte Hochtonbereich überzeugte uns aber auch, nur im Detail klingt der JET6 noch eine Idee luftiger. Im Präsenztonbereich gibt sich der Opticon MK2-Standlautsprecher keine Blöße und stellt Stimmen facettenreich und lebendig dar.

Canton Ergo GS: Sehr exklusiv und sehr speziell ist die Ergo GS, eine Hommage an einen legendären Canton Lautsprecher und an den Firmengründer Günther Seitz. Die Optik mag man, oder eben nicht, sie wirkt natürlich gröber, weniger ästhetisch als die der Vela FS 407.2. Klanglich spielt die Ergo GS, die überragend verarbeitet ist, groß auf und weiß mit dem recht üppigen, kräftigen, zugleich aber exakten Bassbereich zu überzeugen. Insgesamt wirkt sie auch akustisch wuchtiger als die zierliche Elac, der äußerst runde, homogene Sound ist ihr Markenzeichen. 7.000 EUR kostet das Paar, also deutlich mehr als die Vela, dafür eignet sich das hessische Sondermodell auch für nochmals größere Räume und punktet mit dem exzellenten Tiefgang.
Fazit

Die Elac Vela FS 407.2 brilliert im Test durch die unglaublich feine, zugleich räumliche und brillante Darbietung des neuen JET6 Hochtöners. Aber das ist naturlich nicht alles: Auch der Mitteltonbereich und die Basswiedergabe überzeugen praktisch gänzlich. Der volle, satte Bass überrascht, wenn man bedenkt, wie schlank des FS 407.2 ist - selbst der Tiefgang ist tadellos. Mit der kultivierten, lebendigen Auslegung eignet sich die FS 407 bestens für praktisch alle Musikrichtungen. Sie ist ein echter kleiner Feingeist, der natürlich besonders den Liebhabern von Klassik oder Jazz enorm gut gefallen dürfte. Wie wir es von den edlen Schallwandlern aus Deutschlands Norden gewohnt sind, begeistert auch die Vela 407.2 mit ihrer überragenden Verarbeitungs- und Materialqualität.
Edler, schlanker Standlautsprecher mit feinster Detaillierung und hervorragender Räumlichkeit

Standlautsprecher Obere Mittelklasse
Test 16. Januar 2024
Test: Carsten Rampacher
Fotos: Oksana Fritz
Datum: 16. Januar 2024
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Tags: Elac • Lautsprecher







