XXL-PREVIEW: Regallautsprecher Buchardt Audio S400 MKII - Gelungene Evolution des Erfolgsmodells

Die Buchardt Audio S400 konnte im damaligen Test mit exzellenter Akustik, aufwändiger Technik und feiner Optik viele Punkte sammeln. Wir hatten nun direkt bei HiFi Pilot die Möglichkeit, in den Nachfolger Buchardt Audio S400 MKII hineingehören, möchten aber vor der Schilderung der Klangtestreihen gerne noch auf die Neuerungen der zweiten Auflage eingehen. Vorbestellbar (Vorbesteller-Preis 1.800 EUR inn Schwarz oder Weiß Seidenmatt, Walnuss-Furnier plus 150 EUR) ist das kompakte Klangwunder bereits. Später kosten die weiße und die schwarze Variante dann 2.000 EUR, wie auch die erste Generation, und das Modell mit Finish in Walnuss liegt bei 2.150 EUR. 

Optisch gibt es kaum Differenzen, das ist aber keinesfalls ein Problem, denn das schicke und zugleich zweckmäßige Design zeichnete schon die S400 der ersten Generation aus. Technisch wurde jedoch ein großes Upgrade durchgeführt. So haben die Buchardt Audio-Entwickler eine komplett neu gestaltete Frequenzweiche, ein unter akustischen Aspekten wirkungsvoll perfektioniertes Gehäuse und ein neues Woofer-Chassis vorgesehen. 

Verarbeitung

Kantenverarbeitung

Sauber eingepasster Hochtöner

Blick von unten 

Sehr elegante Erscheinung

Leicht geneigtes Gehäuse, hier von schräg hinten

Wie wir es schon von der ersten Generation her kennen, präsentiert sich die S400 MKII in hervorragendem Finish. Sauber gearbeitete Gehäusekanten und präzise eingepasste Chassis (mit sichtbaren Schrauben) beweisen dies ebenso wie die sehr hochwertigen (Single Wirsing) Terminals auf der Rückseite. 

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Technik

Im folgenden Text beschreiben wir zwei Technologien, die bei der ersten und zweiten Generation identisch sind und für eine gewisse Ausnahmestellung der S400 sorgen.

Der Hochtöner 

Hochtöner 

Passivmembran hinten

  • Den speziellen Hochtöner mit kleiner 19 mm Kalotte
  • Die Passivmembran für einen optimierten Bassbereich auf der Rückseite

Der Hochtöner ist bei beiden Generationen identisch - es handelt sich um eine äußerst aufwändige Entwicklung. Das hervorragende Abstrahlverhalten der S400 und auch der S400 MK2 liegt am "CDC-Waveguide", dessen Layout unter der Berücksichtigung aufwändiger Berechnungsmethoden entstand. Alle fünf Prototypen, die Ergebnis dieser Berechnungen waren, wurden mit einem speziellen holographischen Nahfeldscanner überprüft. Der Scanner bildet durch die Messung an 5402 Punkten das Klangbild im gesamten Umfang ab. Ein gigantischer Aufwand, den verständlicherweise kaum ein Lautsprecher-Hersteller betreibt. Das praktische Ergebnis des CDC-Waveguides in Kombination mit dem 19-mm-Kalotten-Hochtöner ist daher als beinahe perfekt zu bezeichnen. Eine enorme Herausforderung, die mit einem derart tiefen Wellenleiter gelöst werden musste, war die Phasenverschiebung zwischen dem Tief-/Mitteltöner und dem Hochtöner, ist diese hörbar, ist die komplette Wiedergabe aus qualitativer Sicht schlecht, da inhomogen. Daher musste man sich etwas Neues einfallen lassen. 

Die Phasenverschiebung wurde durch die Unterbringung des Hochtöners unterhalb des Tieftöners sowie einer kleinen Neigung des Gehäuses von nur zwei Grad eliminiert. Mit dieser Maßnahme war es möglich, die Phase der beiden Chassis exakt aufeinander abzustimmen. Die tiefe Gestaltung des Waveguides hat einen weiteren Vorteil. Die Kantendispersionen (Schallbeugungseffekte am Rand des Gehäuses) konnten im Vergleich zu Standard-Hochtönern um 90% verringert werden. Der Klang löst sich daher ohne jegliche Verzerrungen oder Artefakte vom in plastischer Form vom Lautsprecher-Gehäuse.

Der Hochtöner konnte in allen Testreihen überzeugen

Abschließend noch die Frage: Warum setzt Buchardt Audio auf einen so kleinen Hochtöner? Normalerweise werden für Hifi-Lautsprecher 25 bis 29 mm messende Kalotten-Hochtöner eingesetzt. Grundsätzlich gilt: Ganz gleich, ob klein oder groß, beide Varianten haben ihre Vor- und Nachteile. Ein großer Hochtöner arbeitet mit einer niedrigeren Übergangsfrequenz, aber er hat Probleme beim Frequenzgang außerhalb der Achse und gibt sehr hohe Frequenzen nicht optimal wieder. Genau gegenteilig verhalten sich die kleineren Hochtöner: Vorteile beim Abstrahlverhalten und bessere Leistung in den hohen Frequenzbereichen, aber dafür auch eine notwendigerweise höhere Übergangsfrequenz. Mit Hilfe des sehr tiefen Waveguides erhält der 19-mm-Hochtöner jedoch so viel Unterstützung, dass eine niedrige Übergangsfrequenz von 2000 Hz genutzt werden konnte. Mit der Kombination aus tiefem Waveguide und kleinem Hochtöner konnte daher ein passendes Gesamtkonzept entwickelt werden. 

Die Passivmembran

Die S400 MK2 ist mit einer rückseitigen Passivmembran ausgestattet. Das ist eine deutlich kostspieligere Lösung als ein Bassreflex-Rohr, dafür aber gibt es nicht zu unterschätzende Vorteile:

  • 30% Reduktion des Gehäusevolumens
  • Deutliche Verbesserung der Bassleistung
  • Keine Strömungsgeräusche, die von einem Bassreflexrohr verursacht werden
  • Keine Komprimierung im Bassreflexrohr
  • Platzierung äußerst nahe an der Wand möglich

Eine Passivmembran sieht von vorne aus wie ein normales Chassis, aber es fehlt der Antrieb, also Magnet etc. plus die Ankoppkung an die Frequenzweiche. Eine solche Konstruktion besteht nur aus der Membran, der Aufhängung und dem Lautsprecherkorb.

Vom Prinzip her ist eine Passivmembran demnach ein reaktionäres Gerät, wie bereits der Name vermuten lässt. Wenn ein "normales" Chassis (z. B. ein Subwoofer) an einer versiegelten Lautsprecherbox (Gehäuse) montiert ist, beeinflusst die physische Vorwärts- beziehungsweise Rückwärtsbewegung des Chassis den Luftdruck innerhalb des Gehäuses. Ist an der gleichen Lautsprecherbox zusätzlich eine Passivmembran vorhanden, bewirken diese internen Luftdruckschwankungen, dass sich die Passivmembran vorwärts bzw. rückwärts bewegt. Dabei verhält sie sich so, als ob sie auch ein angetriebenes Chassis wäre und erzeugt Schalldruck genau wie ein solches Chassis: Das wiederum führt zu einer besseren, kräftigeren Tiefbasswiedergabe. Und das ohne die Strömungsgeräusche des Bassreflexrohrs und mit einer verblüffenden Wirkung.

Lautsprecher mit passiver Membran können somit einen überragenden Tiefgang garantieren: Aus einem recht kleinen Gehäuse kann tatsächlich ein tiefer, kräftiger Bass kommen. Abhängig von der Abstimmung beim Einbau beginnt sich eine Passivmembran zu bewegen, wenn das "normale" Chassis niedrigere Frequenzen erzeugt. Durch seinen Einsatz absorbiert die Passivmembran einen Teil der Energie des "normalen" Chassis, wodurch dessen Bewegung reduziert wird (es handelt sich dabei um Dämpfung). Da sich das "normale" Chassis jetzt weniger bewegt, besteht ein geringeres Risiko, dass es durch übermäßige Auslenkung zu einer Überlastung kommt. 

Insgesamt besitzt das Konzept zwei Hauptvorteile: Erstens wird die Bewegung des "normalen" Chassis gedämpft, wodurch der Frequenzgang neutraler wird. Dies sorgt für eine natürlichere Klangwiedergabe.Und zweitens: Passivmembransysteme können die gleiche Schallleistung wie größere Lautsprecherboxen erreichen, jedoch im wesentlich kleinerem Gehäuse. Das erhöht die Flexibilität. 

Zusammenfassung der Neuerungen bei der MKII Auflage

Kommen wir nun zu den Neuerungen der MKII-Auflage und stellen diese und ihre Wirkung vor.

Bühnenabbildung: Eine verbesserte Breite und zugleich eine größere Tiefe der Bühne sind Kennzeichen der zweiten Generation. Buchardt Audio spricht von einer "bemerkenswerten Verbesserung" gegenüber der bereits sehr guten ersten Generation. Einzelne akustische Elemente lösen sich noch besser von den Chassis und verteilen sich gleichermaßen präzise und homogen im Hörraum. Einzelne Instrumente beim Auftritt einer Band auf der Bühne, aber auch innerhalb eines großen Orchesters werden hörbar besser voneinander getrennt, ohne dass eine harmonische Gesamtdarstellung darunter leiden würde. 

Hochtonbereich: Der Hochtöner wurde vom Vorgänger übernommen. Dass er trotzdem noch klarer, transparenter und räumlicher aufspielen kann, liegt an der neu entwickelten Frequenzweiche. Buchardt Audio spricht sogar von einem "gänzlich anderen" Klang. Noch mehr Details, noch mehr Souveränität und Ausgewogenheit als schon zuvor.  Mit viel Zeit und entsprechender Sorgfalt wurden Layout und Bauteilauswahl der Frequenzweiche angegangen. Am Ende, nach vielen Testreihen,  haben wir uns für die Verwendung eines sehr präzise arbeitenden Ultra-High-End-Kupfer/Papier/Öl-Kondensators von Miflex entschieden. Dieser hoch entwickelte Kondensator, kombiniert mit weiteren sorgfältig geprüften Bauteilen von Jantzen Audio Denmark, sorgt für eine erstaunlich ausgewogene und neutrale Abstimmung.

Mitteltonwiedergabe: Die Tonalität und Ausgewogenheit, wie der S400 MKII menschlichen Gesang präsentiert, soll nochmals ausgeprägter sein als beim Vorgänger, der in diesen Belangen schon ausgezeichnete Ergebnisse ablieferte. Der Mitteltonbereich fügt sich nahtlos und mit feinen Übergängen zwischen Hochton- und Bassbereich ein, sauber ausbalanciert, und mit exakten Strukturen gerade bei der Präsentation vokaler Anteile. 

Bass: Präzise, tief, raumfüllend: Der neue 6-Zoll-Mittelton/Basstreiber überzeugt in jeder Hinsicht, er vereint Struktur und Volumen, Präzision und Nachdruck in sich. Mit verantwortlich für den klanglichen Zugewinn zeichnen auch die großen, überdimensionierten Spulen im neuen Frequenzweichen-Design. Diese sind mit dickem 1,6 mm hochreinem Kupferdraht umwickelt und unterstützen effektiv die Realisierung eines sauberen, unverzerrten Klangs, bei gleichzeitig enormer Belastbarkeit.

Alle Daten in der Übersicht 
  • 2-Wege Kompaktlautsprecher mit rückwärtiger Passivmembran
  • Hochtöner: 1 x 19mm speziell gewebtes Textil mit CDC-Wellenleiter aus Aluminium
  • Tiefmitteltöner: 1 x 150 mm Aluminum Tiefmitteltöner mit Auflösungsoptimierung 
  • Passivmembran: 1x 125x200 mm Langhub Tieftöner  - für erweiterten Tiefgang und mehr Volumen im Tiefbassbereich
  • Frequenzgang (+/- 3dB): 33 - 40.000 Hz (im Raum) - durch die obere Grenzfrequenz von 40 khz auch für die Wiedergabe von Hi-Res-Audio-Dateien mit erweitertem Dynamikumfang gerade im Hochtonbereich geeignet
  • Impedanz: 4 Ohm
  • Wirkungsgrad (2,83 V / 1 m): 88 dB - ein ordentlicher Wirkungsgrad für einen Kompaktlautsprecher
  • Belastbarkeit (Musik/Dauer (IEC 268-5)): 350 W beziehungsweise 200 W - sehr gute Werte, daher kann man auch kräftige Verstärker im Verbund verwenden. 
  • Abdeckung: magnetisch, schwarz
  • Anschlüsse: vergoldetes Terminal
  • Abmessungen (B x H x T): 180 x 365 x 280 mm
  • Gewicht: 7,5 kg
  • Farben: Schwarz Matt, Weiß Matt, Walnuss Furnier
  • Herstellergarantie: 10 Jahre
Klang

Das Setup

Unsere Tracks:

  • Diana Krall, California Dreamin‘
  • Andrea Bocelli, Sarah Brightman, Time To Say Goodby
  • Phil Collins, Against all Odds, 2016 Remastered
  • Dancing with my Demons, Stockholm Noir
  • Prodigy, Hyperspeed

Die Buchardt Audio S400 MKII beweist uns gerade bei den ersten drei Stücken ein Mehr an Stimmkontur. Insgesamt ist sie im Vergleich zur ersten Generation minimal heller abgestimmt. Gerade bei California Dreamin' und bei Time To Say Goodbye fällt die Bühne mit mehr Präsenz, mehr Breite und Tiefe auf. Das Klavier, so zeigt sich bei "California Dreamin", ist nochmals besser aufgelöst und die Temperatur ist für die Preisklasse, in der sich die S400 MKII befinden, sauber auf den Punkt gebracht. Weibliche Vocals (Krall, Brightman) wie auch männliche (Collins, Bocelli) weisen sauber herausgearbeitere Konturen auf.

Wir können Besitzer der ersten S400-Generation umgehend beruhigen: Auch die ältere S400 ist immer noch eine ausgezeichnete Box. Man muss nicht sofort das Upgrade auf die zweite Generation durchführen. Aber wer jetzt auf der Suche nach einem sehr plastisch und detailreich klingenden Regallautsprecher ist, kann guten Gewissens die Vorbestellung der S400 MKII wagen. Zumal der Schallwandler auch beim bassstarken "Dancing With My Demons" erstaunliche Qualitäten besitzt. Der neu entwickelte Tief-/Mitteltöner ist nicht zu weich aufgehangen, im Gegenteil: Harte Kickbässe versieht die S400 MKII mit tadelloser Präzision und auch mit dem nötigen Nachdruck. Das Bassfundament, das noch in tieferen Frequenzen unter der Kickbass-Linie verborgen ist, holen die S400 MKII wider allen Erwartungen tatsächlich aus dem Keller hervor - eine grandiose Leistung für einen Schallwandler mit diesen Gehäuseabmessungen.

Den schrägen Prodigy Breakbeat-Track managen die Buchardt Audio-Lautsprecher ebenfalls gelassen und behalten auch bei hohem Pegel immer den Überblick. Auch hier managen die Boxen den Bassbereich wieder mit Gelassenheit, mit dem schnellen Rhythmus des Tracks haben die Lautsprecher keinerlei Probleme. Die gewollte Aggressivität in den Vocals stellen sie sauber heraus, ohne dabei zu stark ins Schrille, Harsche abzudriften. Bedenkt man, dass das Quellmaterial in höchstens durchschnittlicher Qualität vorliegt, ist dies eine richtig gute Leistung.

Insgesamt haben wir bewusst völlig unterschiedliche Musikstücke ausgewählt - schließlich müssen Lautsprecher der Preisklasse, in der die S400 MKII zu finden sind, mit allem Material sehr gut klarkommen. Die Buchardt Audio-Schallwandler übertreffen allerdings unsere bereits hohen Erwartungen nochmals. Gerade, wenn man genau hinhört, merkt man bei vokalen Elementen, aber auch bei der Gesamt-Plastizität des Klangs, dass auch im Vergleich zur ersten Generation eine weitere Steigerung zu verzeichnen ist. 

Erstes Fazit

Die Buchardt Audio S400 MK2 kann mit ihren umfangreichen Verbesserungen voll überzeugen. Das Bühnenbild wirkt noch realistischer, plastischer, der Klang löst sich noch besser von den Lautsprechern. Auch die bereits zuvor ausgezeichnete Wiedergabe von Stimmen konnte nochmals optimiert werden. Nach wie vor verblüffend ist der satte, kräftige Bass, der zudem auch mit einem hervorragenden Tiefgang aufwarten kann.

Special: Carsten Rampacher
Fotos: Oksana Fritz
Datum: 07. Dezember 2021

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