TEST: Sony Xperia XZ3 - Jetzt mit 6 Zoll OLED-Display

Gehört Sonys Smartphone-Sparte zur bedrohten Spezies? Angesichts der Dominanz von Samsung und chinesischen Herstellern könnte man dies vermuten. Also heißt es Flucht nach vorne: Sony attackiert in der Spitzenklasse erstmals mit einem OLED-Display und einem eigenen Feature namens "Side Sense". Wir prüfen, was das Sony Xperia XZ3 im Praxisbetrieb leistet.

Eines kann man Sony ja nicht vorwerfen: Faulheit. Die Japaner bringen weiterhin die Topmodelle in einem Halbjahresmodus auf den Markt. Das Sony Xperia XZ3 ist eine Update vom XZ2, hat aber erstmals ein OLED-Display verbaut. Endlich - muss man sagen, denn der Nutzer profitiert stark von der deutlich besseren Farbsättigung, die Darstellung ist einfach plastischer als bei den bisherigen Triluminos-LCDs. Mit 6 Zoll ist der Touchscreen außerdem nochmals gewachsen und dank der hohen Auflösung von 2.880 x 1.440 Pixel erreicht das Gerät eine Pixeldichte von 537 Bildpunkten.

Rückseite

Qualitativ kann Sony daher endlich zu den großen in der Branche aufschließen, denn die maximale Helligkeit ist sehr gut, die Schwarzwiedergabe top und die Schärfe knackig! Wem die Farbbrillanz zu intensiv ist, kann übrigens auch etwas feinjustieren.

Optisch ist das XZ3 wohl endlich die Abkehr vom kantigen Gehäuse früherer Modellreihen. Insgesamt ist der optische Auftritt zwar sehr ansprechend, eine gewisse Design-Eigenständigkeit fehlt aber. Ebenfalls schade: Das Display streckt sich zwar über die Seitenränder, doch über- und unterhalb gibt es größere Aussparungen, hier ist die Konkurrenz Sony noch einen Schritt voraus.

Das XZ3 ist zwar etwas länger als das Vorgängermodell liegt aber dank geringerer Bautiefer dennoch gut in der Hand – trotz immerhin knapp 200 Gramm Gewicht.

Seitliche Ansicht

Eine optische Finesse bietet die Glasrückseite aus Corning Gorilla Glass 5, die Käufer in den Farben Black, White Silver, Forest Green und Bordeaux Red wählen können. Der große Vorteil: Das Xperia XZ3 kann auch kabellos geladen werden. Der Nachteil: Das Gerät ist sehr rutschig, was auch daran liegt, dass Kameralinse und der Fingerprintscanner nahezu plan abschließen.

Insgesamt ist die Verarbeitungsqualität zwar hochwertig, doch beim Übergang vom Metallrahmen in die Vorder- und Rückseite gibt es leicht erhöhte Spaltmaße. Übrigens: Eine Kompakt-Version des Xperia XZ3 ist diesmal nicht vorgesehen.

Anzeige

Aufgenommen mit dem Sony Xperia XZ3

Beim Herzstück jeder Smartphone-Ausstattung hat sich gegenüber dem Xperia XZ2 kaum etwas verändert, denn die 19-Megapixel-Kamera ist ein guter alter Bekannter. Auf dem ersten Blick ist das allerdings schade, denn es fehlt weiterhin eine zweite Linse sowie ein optischer Bildstabilisator – eine ruhige Hand ist bei Schnappschüssen dafür erforderlich.

Der eher schlichter ausgestatteter Knipser konzentriert sich auf die wesentlichen Optionen: Panorama-Modus, kreative Effekte, manueller Profi-Modus, Zeitlupe, Google Lens (Informationen zu Objekten) sowie Fotos mit Sounduntermalung. Die Front-Kamera mit Weitwinkel-Funktion ist zudem mit 13 Megapixel solide gerüstet und kann – natürlich – im Portrait-Modus auch Gesichter glätten.

Kamera

Qualitativ kann sich die Kamera immer noch sehen lassen. Bei Tageslicht knallen die Farben förmlich, ohne unnatürlich zu wirken und die Detaildarstellung ist ausgesprochen gut. Bei Kneipenlicht streicht der Knipser außerdem nicht so schnell die Segel. Lediglich die Lichtempfindlichkeit könnte etwas stärker ausgeprägt sein.

Bei den Datenschnittstellen ist ein schnelles und breites Programm angesagt: Bluetooth 5.0, NFC, LTE-Geschwindigkeiten bis zu 1.200 Mbit/s sowie das flotte WLAN-ac.

Mit 64 GB internem Speicherplatz (ca. 47 GB frei nutzbar) plus microSD-Karte mit bis zu 512 GB verfügt der Nutzer über ein ausreichend großes Datenarchiv. Im Dual-SIM-Betrieb muss die Speicherkarte aber pausieren. Gut: Ein 3,5 mm-Klinkenanschluss und ein Adapter von Klinke auf USB-C gehören zum Lieferumfang dazu.

Side Sense

Auch Sony ist um Innovation bemüht und hat daher mit "Side Sense" eine Erneuerung beim Handhabungskonzept erdacht. Das Prinzip: Tippt man mit dem Finger zwei Mal auf den linken oder rechten Bildrand, öffnet sich ein kleines Untermenü mit dem gewünschten Apps. "Side Sense" ist dabei sogar lernfähig und passt sich an die Gewohnheiten und den Standort des Nutzers an. Es erfordert allerdings ein wenig Übung erforderlich, um Side Sense bei jedem Mal erfolgreich zu aktivieren. Schade ist zudem, dass das Untermenü nicht im Standby-Modus zu Verfügung steht. Der Nutzwert von Side Sensor darf daher hinterfragt werden, zumal auch vergleichbare Short Cuts bereits zur Verfügung stehen.

Cooler ist da schon ein Foto mit einem Doppeltippen auszulösen. Clever zudem: Wenn man das Smartphone wie ein Fotokamera quer hält, geht das XZ3 auf Wunsch automatisch in den Kameramodus.

Der gute Eindruck beim Bedienungskonzept wird auch durch das aktuelle Android 9 und rundum flotte Eingabetempo bestätigt, Sony hat hier seine Hausaufgaben gründlich gemacht.

Screenshot

Leider gilt dies aber nicht beim Fingerprintsensor, denn der liegt soweit unterhalb der Kameralinse, dass man den Finger stets krümmen muss, um ihn zu ertasten. Das ist schlichtweg störend und ein unnötiger Fehler beim Designkonzept.

Beim Prozessor gibt es keinerlei Überraschungsmomente, denn es kommt wieder der Snapdragon 845 zum Einsatz. Gefüttert wird er mit soliden 4 GB Arbeitsspeicher, sodass bei Routineaufgaben alles in einem lupenreinen Tempo abläuft, oder umgekehrt ausgedrückt: Man muss das XZ3 schon gehörig „quälen“, damit Wartezeiten entstehen.

Positiv fällt auch das Urteil über die Akkuleistung aus, denn hier wurde nochmals auf 3.300 Milliamperestunden aufgestockt – das merkt man im Alltag auch. In mehreren Testzyklen lag die Rufbereitschaft bei guten fünf Tagen, das Netzteil bekommt also eine echte Auszeit, obwohl die OLED-Technologie recht gierig Strom frisst. Unter Dauerstress fällt das Urteil allerdings anders aus, da bereits nach 7,5 Stunden Schluss ist. Das liegt klar unter dem Durchschnitt von 9 bis 10 Stunden Nonstop-Einsatz. Dennoch: Eine gute Rufbereitschaft ist höher einzustufen als ein Nonstop-Einsatz. Ärgerlich allerdings: USB-C wird zwar unterstützt, doch ein schnellladefähiges Netzteil liegt nicht im Karton – ein dicker Malus in dieser Preisklasse. Bis der Japaner wieder 100% meldet dauert es daher rund drei Stunden.

Rückseite

Schön dagegen: In alter Sony-Tradition bietet das Smartphone wieder zwei Front-Lautsprecher mit einigen Tuning-Möglichkeiten. Das ist gut für Fans von Videospielen, da sie dann im Querformat ein echtes Stereo-Erlebnis haben. Bei einigen Klingeltönen gibt es aber interessanterweise Unterschiede bezüglich der Lautstärke bei beiden Speakern. Klanglich schlagen sich die Lautsprecher recht ordentlich, können aber nicht mit der luftigen Präsenz, Bassfundament und stabilen Dezibelstärke eines Samsung Galaxy S9 mithalten. Netter „PlayStation“-Gag: Selbst beim Musikhören, kann das Smartphone in vier Stufen ein haptisches Feedback geben – das macht vor allem beim Zocken durchaus Laune.

Eine Stärke von Sonys Smartphones war fast immer die Sprachqualität, und auch das XZ3 ist dabei keine Ausnahme. Die Stimmen werden in beide Senderichtungen ohne störende Nebengeräusche übertragen und die Natürlichkeit ist klar überdurchschnittlich. Sicherlich kein Festnetzniveau, aber das Telefonieren mit dem Sony Smartphone funktioniert angenehm problemlos.

Fazit

Sony Xperia XZ3

Ohne Zweifel: beim Sony Xperia XZ3 kommt viel Gutes zusammen. Der Umstieg auf die OLED-Technologie tut der Displayqualität so gut, dass man sich fragen muss, warum die Multimedia-Profis aus Japan das nicht schon früher getan haben. Auch in den Bereichen Kameraqualität, Performance und technischen Messwerten kann man dem Fernöstler kaum etwas ankreiden. Mit dem Handhabungskniff "Side Sense" haben die Entwickler zudem ein klitzekleines Alleinstellungsmerkmal geschafften. Was Sony allerdings unbedingt optimieren muss, ist die Platzierung des Fingerprintscanners, denn es kann nicht Sinn der Sache sein, dass man für die Nutzung stets den Finger knicken muss. In dieser Preisklasse muss außerdem ein schnellladefähiges Netzteil zum Lieferumfang gehören. Für ein Premium-Gerät ist der Online-Preis aber auf alle Fälle absolut konkurrenzfähig. Gut so, denn Sony braucht solche Smartphones, um angesichts der chinesische Übermacht nicht unterzugehen.

Premium-Smartphone mit sehr gutem Preis-/Leistungsverhältnis und kleinen Schwächen

07.04.2019

+ Gute Rufbereitschaft
+ Top OLED-Display
+ Gute Kameraqualität

- Ungünstig platzierte Fingerprintscanner
- Kein schnellladefähiges Netzteil im Lieferumfang
- Keine Dual-Kamera & optischer Bildstabilisator

Test: Ulf Schneider
Datum: 07.04.2019

Anzeige

Für Einkäufe bei Amazon.de, Media Markt, SATURN, Sky und im Apple iTunes Store erhalten wir Werbeprovisionen über Affilliate-Links auf unserer Seite.

Tags:


Alle aktuellen Tests auf AREA DVD
  • Archive


  • Kategorien

    • NEWS
    • TEST + TECHNIK
    • REVIEWS
    • ANGEBOTE




    Link-Partner

  •   ZURÜCK