TEST: QUAD 3 - Ikonischer Retro-Stereovollverstärker im kompakten Format

Aus dem Hause QUAD, eine der englischen HiFi-Schmieden mit einer sehr langen Tradition, stammt der Gegenstand dieses Einzeltests. Schon die Komponenten der ersten Epoche des Unternehmens zeichneten sich durch Handarbeit, Qualität und eigenwilliges Design aus. Zeit, um kurz die Abkürzung hinter dem Namen zu erläutern: "QUAD" steht für "Quality Unit Amplified Domestic".
Bereits im Jahre 1936 erfolgte die Gründung der Firma Acoustical Manufacturing Company in London durch Peter Walker. 1941 zog die Firma von London nach Huntingdon um. 1949 präsentiert man den ersten Röhrenverstärker QUAD QA12 P. Ab 1953 werden der Röhrenverstärker QUAD II und der Vorverstärker QUAD QC II hergestellt. Weitere wichtige Entwicklungen in der Historie des Unternehmens waren unter anderem der elektrostatische Lautsprecher QUAD ESL-57 von 1957 und der Vorverstärker QUAD 22 ein Jahr später. 1967 begann man bei QUAD mit der Einführung von Transistoren in die laufenden Produktionen, die heutigen Legenden QUAD 33 und der QUAD 303 entstehen - von diesen Devices gibt es seit einiger Zeit Neuauflagen, die wir bereits im Test hatten. Dies nur kurz zur Geschichte des Herstellers.
Hier geht es zum QUAD 33 direkt beim Hersteller und hier zum QUAD 303
Wenden wir uns jetzt unserem Testkandidaten zu, einer QUAD-Neuerscheinung in Form eines Stereovollverstärkers, der ganz schlicht QUAD 3 heißt und kompakt gehalten ist. Sein Retro-Design nimmt mit den orangefarbenen Elementen bewusst Bezug auf die 60er Jahre, Vorbild ist der QUAD 22. Der Preis für den interessanten Briten: 1.490 EUR. Er eränzt damit die Serie aus QUAD 33 und QUAD 303 um ein integriertes Gerät.
Herstellerinformationen zum QUAD 3
Beim QUAD 3 handelt es sich um einen Stereovollverstärker mit einer umfangreichen digitalen sowie analogen Anschlusssektion. Sowohl für den klassischen HiFi-Fan, aber auch für Nutzer von modernen Musikstreaming wurde, so der Hersteller, das neue Modell entwickelt. Um für die Zukunft bestens gewappnet zu sein, verfügt der Stereovollverstärker aus dem Hause QUAD spgar über eine HDMI-Buchse inklusive ARC. Bluetooth mit aptX HD und USB sind ebenfalls an Bord, und die Wandlung digitaler in analoge Signale übernimmt ein äußerst exakt arbeitender DAC.

Massive Frontblende aus Aluminium mit tadelloser Verarbeitungsqualität
Beim QUAD 3 wurde die Designsprache des QUAD 33 Vorverstärker und der QUAD 303 Endstufe aufgenommen und in der Gestalt eines integrierten Gerätes konsequent zu Ende geführt. So befindet sich auf der Frontpartie des Stereovollverstärker eine massive Aluminiumplatte, in die verschiedene Bedienelemente sowie ein orangefarbenes Display eingebettet wurden. Die Oberseite des Stereovollverstärkers präsentiert sich in klassischem Schwarz und im Gehäusedeckel sind zahlreiche Belüftungsöffnungen, um die Bauteile im Inneren thermisch zu entlasten. Die Verarbeitungsqualität der Frontblende sowie des Gehäusedeckel möchten wir als hervorragend einstufen. Scharfe Kanten oder unsaubere Übergänge können wir an unserem Testsample nicht vorfinden.

Die Oberseite des Stereovollverstärker, inklusive Kühlrippen und QUAD-Schriftzug

Die Frontblende des QUAD 3 in der Detailansicht
Wie wir bereits erwähnt haben, verfügt der QUAD 3 über zahlreiche Bedienelemente, die sich auf der Frontblende befinden. Im linken Teil der Frontpartie sitzt ein Dreh/Drückregler, mit dem auch sich die Lautstärke regulieren lässt. Drückt man das Bedienelement, wird die Mute-Funktion aktiv, um den Verstärker schnell stumm zu schalten. Der Regler besitzt eine Rasterung und lässt sich dadurch sehr gut dosieren. Wie bei einem Dreh-/Drückregler oft beobachtet, läuft das Bedienrad nicht zu 100% rund. Rund um den Regler angeordnete, rangene LEDs informieren über den gewählten Lautstärkepegel.

Der Dreh/Drückregler im Detail

Drehregler für die Eingangswahl und die Bass-Intensität
Weitere Drehregler für die Eingangswahl sowie die Bass-Intensität wurden ebenfalld auf der Frontblende untergebracht. Mittels einer Drehbewegung können wir die unterschiedlichen Eingänge auswählen und beim Bassregler sind wir in der Lage, den Bassbereich um 3 dB zu erhöhen oder zu verringern.
Im rechten Teil der Frontblende befindet sich ein spezielles Bedienelement, das Tilt-Bedienrad. Dieses ist ein spezielles QUAD-Feature und passt den Klang an, indem er sowohl die Höhen als auch die Bässe anhebt oder absenkt, ohne die Gesamtlautstärke zu beeinflussen. Dadurch kann der Nutzer die Musikwiedergabe je nach Geschmack, kühler oder wärmer gestalten. Mittels des Balance-Reglers justieren wir den Pegel des linken und rechten Lautsprecherkanals, und eine Etage tiefer befindet sich der On/Off Button, um den Stereovollverstärker ein- und auszuschalten. Erfreulicherweise besitzen die vier Drehregler ebenfalls eine Rasterung.

Tilt- sowie Balance-Regler in der Detailansicht.

In der Detailansicht: Das Display des Quad 3 sowie der Kopfhöreranschluss
Sehr schön in die Frontplatte integriert ist das Display des QUAD 3. Dieses sitzt unter den Drehreglern und informiert den Nutzer über den gewählten Eingang, die Wiedergabequalität und darüber, welches Format zugespielt wird. Besonderer Clou des Displays: Erfolgen keine Befehle mit der Fernbedienung oder am Gerät, wird das Display zurückhaltend beleuchtet. Finden dann auszuführende Aktionen statt, wird das Display automatisch in einem hellen Orange beleuchtet. Im beleuchteten Zustand ist das Display gut, wenn auch nicht überdurchschnittlich gut, ablesbar, und die Backlight-Funktion kann mit der im Lieferumfang enthaltenen Fernbedienung ein- sowie ausgeschaltet werden.
Bedienung und Menü

Im Lieferumfang enthalten ist eine eher einfach auftretende Fernbedienung
Im Lieferumfang des QUAD 3 befindet sich, für eine komfortable Steuerung vom Hörplatz aus, eine Fernbedienung in silberner Farbgebung. Sie liegt gut in der Hand, die Verarbeitungsqualität sowie die Anmutung möchten wir als einfach einstufen. Die Remote bietet Zugriff auf die zahlreichen Funktionen des Sterevollverstärkers, und so befinden sich Knöpfe für das Ein- und Ausschalten des QUAD 3, zahlreiche Bedienelemente für die Klangregelung und Eingangswahl auf der Oberseite. Mittels des Menü-Tasters gelangen wir ins Hauptmenü des QUAD 3. Dort angekommen, können wir z.B. ingesamt 5 digitale Filter auswählen. Zur Verfügung stehen Filter in Form von "HYBRID FAST", "LINEAR FAST", "LINEAR SLOW", "MINIMUM FAST" sowie "MINIMUM SLOW". Auf die Filtervarianten möchten wir natürlich etwas genauer eingehen:
- LINEAR (Fast): Dieser allgemein gewählte Filter bietet eine saubere Gesamtunterdrückung und hervorragende Rückweisung, ist am besten für Musik mit großen Transienten (kurzen, kräftigen Energieschüben, plötzlich aufbordende dynamische Spitzen) geeignet und bietet einen sauberen und klaren Hochtonbereich.
- LINEAR (Slow): Eine geringe Gruppenverzögerung und symmetrisches Eingangsverhalten mit geringerem Ringing als "Linear-Phase Fast Roll-Off". Bietet druckvolleren Bass als LINEAR (Fast), mit sauberen Höhen. Dies ist die Werksteinstellung.
- MINIMUM (Fast): Bietet minimales Pre-Ringing (Vorschwingen). Diese Einstellung wird allgemein für optimales Imaging und eine exakte Bühnendarstellung bevorzugt. Sie bietet kein störendes Aliasing im Frequenzbereich und bietet einen kräftigeren Bass als "LINEAR (Fast), bei zugleich akkuat gezogenen Höhen.
- MINIMUM (Slow): Ein nichtsymmetrischer Filter, entwickelt, um Pre-Ringing (Vorschwingen) zu minimieren. Er bietet einen starken und druckvollen Bass mit guter Handhabung dynamischer Spitzen.
- HYBRID: Dabei handelt es sich um eine Kombination aus LINEAR (Fast) und MINIMUM (Fast). Bietet eine enorme Impulstreue bei kurzen, dynamischen Einlagen und liefert einen druckvollen Bass sowie klar definierte Höhen.
Weiter geht es im Menü des Device mit dem Untermenü "MQA Mode". MQA ermöglicht hochauflösendes Audio bei reduzierter Dateigröße, was bei der Nutzung von Musikstreaming sowie bei Hi-Res-Downloards von Vorteil ist. Allerdings hat die Bedeutung von MQA in letzter Zeit abgnommen, trotzdem gibt es natürlich nach wie vor hochauflösendes Musikmaterial in diesem Format. Im Untermenü des QUAD 3 können wir zwischen "Full Decoder A", "Full Decoder B" sowie "Passthrough Modus" wählen. Auch darauf möchten wir etwas genaue eingehen:
- Full Decode A (PCM Upsampling Off) - dies ermöglicht den vollständigen internen MQA-Dekodierungsprozess des QUAD 3 und ermöglicht gleichzeitig PCM Streaming über SPDIF (Koaxial oder Optisch) mit bis zu 192 kHz Abtastfrequenz. Die SPDIF-Slots werden ausgeschaltet, wenn MQA Dekodierung stattfindet oder wenn die Abtastfrequenz des PCM-Streams höher als 192 kHz ist. Dieser Modus ist am besten für MQA-Streaming und die Verwendung der analogen Anschlüsse geeignet, oder aber für das Streamen von PCM (FLAC, WAV, usw.) und die Verwendung entweder der analogen oder der digitalen Verbindungsmöglichkeiten.
- Full Decode B (PCM Upsampling On) - dies ermöglicht den vollständigen internen MQA Dekodierungsprozess des QUAD 3 und führt ein Upsampling sowohl für MQA Dateien als auch für PCM Dateien auf 352,8 kHz oder 384 kHz durch. Dieser Modus eignet sich nur für die Verwendung mit den analogen Anschlüssen. Die SPDIF-Terminals (koaxial und optisch) sind deaktiviert.
- Passthrough Modus - dabei wird die MQA Dekodierungsstufe im QUAD 3 intern umgangen und das Audiosignal durchgeschliffen.
Der nächste Menüpunkt nennt sich "DPLL". Diese Einstellung wird für die Veränderung der Bandbreite der digitalen Phasenregelkreis eines D/A Wandlers, um unterschiedliche Jitterpegel (Jitter - Zeitlauffehler im digitalen Audiosignal) im einlangenden SPDIF Signal unterzubringen. Der "Normal" Modus sollte für Signale mit geringem Jitter gewählt werden, während der "Wide" Modus für Signale mit abnormal hohem Jitter verwendet werden soll. Für die beste Tonqualität sollte die Einstellung "Normal" verwendet werden und "Wide" sollte nur bei einem Eingang verwendet werden, wenn die akustische Performance unzureichend ist.
Ein weiterer Menüpunkt ist "Sensitvity". Hier wir eine Verstärkung der Analogsignale von AUX1, AUX2 und PHONO vornehmen können, und zwar in einem Bereich von ± 6 dB in Schritten von 1 dB. Weitere Menüpunkte sind selbstverständlich ebenfalls vorhanden, allerdings möchten wir uns hier auf die am meisten relevanten Parameter beschränken.

Die Rückseite des Stereovollverstärkers
Wenden wir uns nun der Rückseite des QUAD 3 Stereovollverstärkers zu. Im linken Teil befinden sich dort die analogen Anschlüsse, an denen sich beispielsweise ein Plattenspieler sowie zwei weitere analoger Zuspieler einbinden lassen. Darauf folgen die Pre-Out Anschlüsse, möchte der Nutzer einen externen Endverstärker, Subwoofers oder Signalprozessors nutzen.

Die analoge Anschlusssektion im Detail

Die vergoldeten Lautsprecheranschlüsse

Die digitalen Anschlüsse in der Übersicht
Der QUAD 3 bringt eine Vielzahl von Digitaleingängen mit, was für weitreichende Verbindungsoptionen mit den gängigsten Digitalquellen sorgt. Er verfügt über einen koaxialen digitalen Eingang für die Verbindung zu entsprechend kompatiblen Zuspielern. Der optische Digitaleingang kann etwa für die Einbindung eines älteren Fernsehers genutzt werden. Ebenfalls besitzt der Stereovollverstärker ein HDMI-ARC-Terminal für die Verbindung zu einem Smart-TV. Ein PC lässt sich mittels USB-Kabel ebenfalls mit dem QUAD 3 verbinden. Im Mittelteil des Verstärkers ist die Bluetooth-Antenne zu finden.

Die Bluetooth-Antenne in der Nahansicht

Das Innenleben des Stereoverstärkers im Detail
Nachdem wir den Gehäusedeckel aus massivem Metall entfernt haben, wird der Blick auf die inneren Werte des QUAD 3 frei. Auf den ersten Blick fällt sofort der üppig dimensionierte Ringekerntrafo ins Auge. Im Inneren arbeitet eine Class AB-Endstufe mit großzügiger Stromversorgung: Ein 235 VA-Ringkerntransformator und Elektrolyt-Kondensatoren mit 30.000 µF Siebkapazität liefern stabile Reserven. So erreicht der QUAD 3 eine Ausgangsleistung von 2 × 65 W an 8 Ohm (bis 100 W an 4 Ohm) – ausreichend, um auch größere Lautsprecher souverän anzutreiben. Ein sehr hochwertiger ESS9038Q2M DAC sorgt für eine äußerst exakte digital-analoge Signalwandlung, unterstützt durch eine Class A-Ausgangsstufe zur analogen Nachbearbeitung. Ein separater Current-Feedback-Kopfhörerverstärker garantiert zudem exzellenten Klang auch beim Hören über Kopfhörer.

Im Detail: Der Ringkerntrafo

Sauberes Platinenlayout

Die Elektrolytkondensatoren in der Detailansicht

Eine weitere Detailaufnahme vom Innenleben

Gummierte Standfüsse auf der Unterseite
Bislang sind wir sehr angetan vom QUAD 3. Er präsentiert sich als zeitgemäß und flexibel ausgestattet und punktet zudem mit einem sehr hochwertigen inneren Aufbau und mit einer hervorragenden Verarbeitung. Auf der nächsten Seite setzen wir uns nun damit auseinander, ob der QUAD 3 seine durchaus guten Voraussetzungen und Gene in einen hervorragenden Klang umsetzen kann.
Weiter auf: Nächste Seite
Tags: Bluetooth • IAD • Quad • Stereo-Vollverstärker • Stereovollverstärker • Vollverstärker







