TEST: Meridian Ellipse - All-In-One-Streaming-Aktivlautsprecher mit superber Klangqualität
Klang

Was leistet der Ellipse aus akustischer Sicht?
3.699 EUR sind "eine Menge Holz" für einen kompakten Streaming-Lautsprecher, daher sind die akustischen Erwartungen enorm. Kann das Device, vollgepackt mit Meridians "berüchtigter" DSP-Technologie diesen Anforderungen gerecht werden? Wir starten mit "The Look Of Love" von Diana Krall und hantieren umgehend mit 2Bass & Space" herum. Wir stellen sogleich fest, dass man hier, ohne sich akustische Nachteile wie eine nicht mehr klar definierte Stimme einzuhandeln, sogar auf den maximalen Wert in der App gehen kann. Es ist absolut beeindruckend, wie weit, und zugleich wie authentisch, sich die Klangbühne präsentiert. Dianas Stimme ertönt charismatisch, auch das Abklingen und/oder Hauchen vokaler Anteile ist klar herauszuhören. Das Klavier gibt der Ellipse ebenfalls fundiert und mit guter Erkennung der Temperatur wieder. Wir sind, trotz der vorhandenen Erwartungshaltung, überrascht, wie gut, wie kultiviert und wie komplett sich der britische Streaminglautsprecher in Szene setzen kann.
Bei "Till Tomorrow" (Till Brönner & Yello) ist auch ein kräftiger Bassbereich gefragt. Diesen liefert das Meridian System in einem wirklich erstaunlichen Umfang. Trotzdem müssen wir hier hinzufügen, dass auch die talentierten Meridian-Ingenieure keine "Harry Potters der Audiowelt" sind - zaubern ist nuneinmal unmöglich, daher ist es klar, dass es gerade in größeren Hörraumen hier schon an Nachdruck im Frequenzkeller fehlt. Im kleineren Hörraum aber, und wenn man sich vielleicht rund 2 Meter vom Device entfernt aufhält, ist die Bassenergie, die freigesetzt wird, mehr als ausreichend und wirklich auf einem Niveau, das einen erstaunt zurücklässt. Die Klarheit des gesamten Klangbilds, die Präzision, trotz dem Ausnutzen der maximalen "digital erzeugten Räumlichkeit, fasziniert uns voll und ganz. Tills Trompete besitzt überdies recht feine Konturen, und der Hochtonbereich spielt frei sowie räumlich auf.
Es wird klassisch, im wahrsten Wortsinne, und wir lauschen Jonas Kaufmann, wie der Tenor die legendäre Arie "Nessun Dorma" aus Puccinis Oper "Turandot" zum Besten gibt. Hier stellen wir fest, dass die Tonalität ausgesprochen authentisch und neutral ist. Jonas' enormer vokaler Umfang kommt sauber heraus, ohne Schnörkel, und überraschend gut auf den Punkt gebracht. Die Instrumente gruppieren sich tadellos ausbalanciert ums vokale Zentrum, und ein weiteres Mal ist die Räumlichkeit sehr gut. Der Chorgesang, oftmals eine Schwierigkeit bei einer kompletten Darstellung, bereitet dem Ellipse kaum ernsthaft Probleme.
Eva Cassidys Klassiker "Ain't No Sunshine" meistert der Ellipse ebenfalls nahezu one Fehl und Tadel, er offeriert eine Bühne, die absolut verblüffend ist. Mit geschlossenen Augen würde man es kaum für möglich halten, dass ein so kleines Device für diese beeindruckend weitläufige Wiedergabe verantwortlich ist. Die Stimme Evas hat freien Strukturen, das gilt auch für die Instrumente. Die Balance Instrumente - vokale Präsenz ist in sich vollkommen schlüssig. Tonal wieder frisch und zugleich angenehm, kann der Meridian Aktivlautsprecher seinen erfolgreichen Weg nahtlos fortsetzen.
Phil Collins' "I Wish It Would Rain Down" in der 2016er Remaster-Version ist kein leicht verdaulicher Content für jede Anlage. Denn die leichte Überschärfung in den oberen Mitten und Höhen sorgt für einen etwas harschen Klang, das merkt man vor allem bei gehobener Lautstärke. Der Ellipse lässt dieses Manko beinahe in Vergessenheit geraten, er bleibt auch dann noch akustisch unauffällig im positiven Sinne, wenn man durchaus lauter hört. Die Stimme von Phil wird sauber getroffen, die DSP-Funktionen für ein intensives räumliches Gefühl arbeiten ein weiteres Mal überzeugend. Die E-Gitarre hat Verve und Energie, zudem erfolgt die Wiedergabe exakt.
Den 007-Titelsong "Moonraker", gesungen von der legendären Shirley Bassey, erfasst der britische Aktivlautsprecher ebenfalls mit sorgfältiger Detaillierung. Und wieder sind wir erstaunt, wie feinfühlig und zugleich grobdynamisch ausgezeichnet sich der Ellipse bemerkbar macht. Die Streicherklänge sind transparent, aber nie zu metallisch, und auch, wenn Shirley die Stimme erhebt, bleibt der Meridian-Speaker Herr der Lage, praktisch keine Verzerrungen, keine unnötige akustische Härte.
Die 2013er Remaster-Version des Eagles-Songs "Hotel California" unterfüttert unsere zuvor getroffenen Feststellungen. Der rein instrumentale Anfang weist sehr akkurate Konturen auf, und als die Gesangsdarbietung beginnt, verleiht der Ellipse der männlichen Stimme eine sehr gute Präsenz. Das gesamte Timing des Titels gelingt vorzüglich, der Klang ist angnehm straff und weist eine stimmige Balance auf. Dynamische Differenzen innerhalb des Songs werden zudem mit untadeliger Impulstreue umgesetzt.
Auch mit klassischer Trance-Musik wie dem Three'N'One-Remix des Energy 52-Tracks "Café Del Mar" kommt der Meridian-Streamingspeaker bestens zurecht und fällt direkt von Beginn an durch eine präzise und räumlich weite Wiedergabe positiv auf. Den Rhytmus erfasst der Lautsprecher zuverlässig und besticht mit der mittlerweile bereits gewohnten Impulstreue. Er holt gerade aus den zahlreichen elektronischen Effekten eine dichte Atmosphäre heraus, sodass man verblüfft ist, dass dies aus einem so kleinen Gehäuse überhaupt möglich ist. Nichts wird vermisst, im kleineren Hörraum sind auch die maximal erzielbaren Pegel wahrhaft üppig und geben keinen Anlass zur Kritik.-
Fazit

Der Meridian Ellipse präsentiert sich, oberflächlich betrachtet, zunächst als ein kompakter Streaminglautsprecher, der enorm kostspielig ist. Gut, die britischen DSP-Spezialisten versprechen Maßstäbe setzende DSP-Technologie an Bord des multifunktionalen aktiven Speakers, aber ob das den Preis rechtfertigt? Der Ellipse wird in Großbritannien nicht nur entwickelt, sondern auch gefertigt - was ihn naturgemüß auch nicht preiswerter macht im Vergleich zu in Fernost produzieren Konkurrenten. Trotzdem muss da noch deutlich mehr kommen, soll der immense Kaufpreis seine Rechtfertigung finden. Eine zuverlässige App sowie die Kompatibilität zu relevanten Streamingdiensten sowie zu AirPlay 2 sind eine Selbstverständlichkeit schon bei Modellen, die nur einen kleinen Bruchteil des Ellipse kosten. Aber unser Aktivlautsprecher lässt sich nicht aus der Ruhe bringen - und liefert vollumfänglich. Seine akustischen Fähigkeiten sind hervorragend, gerade, was die räumliche Weite und die räumliche Tiefe angeht. Sehr klar und fundiert spielt der Ellipse ebenfalls auf, der Hochtonbereich verstärkt diesen Eindruck durch eine überraschend Brillanz. Selbst im Bassbereich macht sich keine Enttäuschung breit, tiefe Frequenzen werden präzise und durchaus kraftvoll präsentiert. Insgesamt ein faszinierendes produkt - wer das Besondere liebt und kompromisslos hochkarätige Technik um sehr kompaklten Format erwartet, dürfte hier genau das richtige Produkt gefunden haben.
Genialer Ingenieursstreich - der Meridian Ellipse beeindruckt mit exzellentem Klang aus sehr kompakten Abmessungen

Streaming-Lautsprecher Luxusklasse
Test 22. September 2024
Test: Carsten Rampacher
Fotos: Oksana Fritz
Test: 22. September 2024
Weiter auf: Vorherige Seite
Tags: Audio Reference • Ellipse • Lautsprecher • MERIDIAN • Streaming-Lautsprecher






