TEST: JBL Partybox 710 - der "große Kracher" für den House- und Techno-Fan

Privatparty gefällig, inklusive Light-Show und Karaoke? Immer doch, wenn man die für eine unverbindliche Preisempfehlung von 799 EUR erhältliche JBL Partybox 710 im Haus hat. Kraftvolle 800 Watt (RMS) stehen bereit, verspricht der Hersteller. Zudem ist das gute Stück spritzwasserfest nach der IPX4-Norm. Gesteuert wird die eigene Club-Maschine per App, und damit lässt sich auch die Light-Show starten. Die Musik wird synchronisiert und die passenden Lichteffekte werden generiert - da wird der One-Man-Entertainer glatt arbeitslos und die Partybox 710 übernimmt. Damit es nicht nur beim Licht bleibt, schiebt die bereits erwähnte 800 Watt-Endstufe einen 216 mm messenden, hart aufgehangenen Tieftöner und zwei 70 mm messende Hochtöner an. Wem selbst das noch nicht genug ist, der hat die Option, zwei Partyboxen miteinander zu koppeln. Das kann entweder per Kabel oder kabellos (True Wireless Stereo) passieren. Das doch recht ausladende Modell (399  mm breit, 905 mm hoch, 436 mm tief) ist dank Rollen problemlos zu bewegen und an der richtigen Position aufstellbar. Neben Bluetooth 5.1stehen anschlusseitig auch ein Mikrofon-Eingang, ein Gitarren-Eingang, USB und ein Aux-In bereit. 

Verarbeitung, Anschlüsse, Ausstattung

Seitliche Perspektive

Solider Tragegriff, mit dem man die Maschine wirklich leicht in den Griff bekommt

Einfache, aber robsute Rollen

Die Partybox 710 steht durchaus stabil

Die Verarbeitung der Party-Maschine ist einfach und robust. Schlichtes Hartplastik markiert das Material fürs Gehäuse. Kontraste setzen orangefarbene Details, zudem ist das Material der Seitenteile strukturiert. Die Spaltmaße sind gleichmäßig, wenn auch nicht extrem eng. Eine Fernbedienung befindet sich nicht im Lieferumfang.

Schutzklappe

Anschlüsse und Bedienelemente

Anzeige

Hinter einer staubdichten und wasserabweisenden Klappe befinden sich Gain1 und Gain2 Regler, der umschaltbare Mikrofon 2-/Gitarreneingang, der Mikrofon 1 Eingang, eine USB-Schnittstelle (USB-A, 5V/2,1 Ampere), Daisy Chain In/Out für Ketten-Kopplung, sowie der Schalter für die True Wireless Sound Kopplung zweiter Partybox 710. 

App

JBL Partybox-App

Verbindung wird vorbereitet

Nach Erkennung und Verbindung wird dem Anwender dieses Hauptmenü präsentiert - Lichtshow, DJ-Effekt, Karaoke oder TWS-Kopplung

Die Art der Lichtshow kann natürlich beeinflusst werden - der Hobby-DJ kann sich hier perfekt ausleben

Tool zur Farbauswahl

Hobby-DJ, Part 2: Auch zahlreiche Geräusche stehen zur Verfügung, die man in den Song nach Belieben einbauten kann

Verschiedene Licht- und Geräuscheffekte stehen über die App zur Auswahl. Anzumerken ist, dass es bei Verwendung der Sound-Effekte zu einer kleinen Verzögerung kommt, also immer minimal früher drücken - damit der Effekt dann zum richtigen Zeitpunkt kommt. 

Regler für Bässe, Höhen sowie Echo

Wissenswertes: Gerätetour, Kurzanleitung, Informationen zum Lautsprecher, mögliches Firmware-Update

Die App ist insgesamt einfach in der Handhabung und bietet "Spielkindern" zahlreiche Optionen, sich auszutoben.

Klang

Bevor man die Partybox 710 falsch einschätzt, folgen jetzt einige einführende Worte. Der Name ist hier Programm. Die Partybox 710 macht bei Techno-, Trance-, Club-, House- oder auch R&B-Musik jede Menge Freude. Auch 80er Jahre Musik geht, sofern vokal nicht zu anspruchsvoll. Extrem pegelfest - schierer Wahnsinn, was die Partybox 710 hier leistet - mit einer unfassbaren Bassgewalt. Es bewegt sich voran - nicht nur Wunschdenken, sondern Realität bei diesem Spaßbringer.  Das Pegelmonster an seine Grenzen zu bringen, ist schwierig, und auch nach mehrstündiger Hatz bei hohen Lautstärken knickt die Partybox 710 nicht ein. Nun aber folgt unsere Einschränkung. Für Balladen, sanftere Musik, gar Jazz oder Klassik eignet sich der Pegel-Treiber weniger. Stimmen wirken leicht synthetisch, musikalische Details werden erst gar nicht herausgearbeitet. Auch bei Heavy Metal- oder Rock-Musik kann es schwierig werden. Denn hier werden z.B. E-Gitarren oder ohnehin schon bewusst aggressive Gesangseinlagen dann entschieden zu harsch, zu fordernd, zu schrilll präsentiert. Hier sollte man sich beim Kauf der Partybox 710 gleich bewusst sein, wie man sie einsetzen kann, und wie nicht. Als optisch auffälliger Ersatz für eine HiFi-Anlage, auf der ansperuchsvoll und differenziert Musik gehört werden kann, ist die Partybox 710 nicht gedacht. 

Wir starten gleich mit Nachdruck. "Middle Of Nowhere" von Afan Hüjens und Dodobeatz beweist eindrucksvoll, zu was die Partybox 710 imstande ist. Sie schiebt mit einer Wucht voran, die wir nie und nimmer in dieser Ausprägung erwartet hätten. Wenn man bedenkt, dass man noch zwei dieser Monster kabellos miteinander koppeln kann, wird einem schwindelig. Denn schon die eine Partybox 710 jagt eher zartet besaiteten Zeitgenossen Angst ein. Der Bass wummert bis in die Magengrube. Der Raum sollte im Idealfall beinahe völlig leer, aber am besten mit Teppichboden versehen sein. Gegenstände, die sich doch darin befinden, sollten möglichst gut befestigt und schwer sein. Glasvitrinen z.B. sind deplatziert, wenn sich die Partybox 710 an die Arbeit macht. Denn stehen zu viele derartige Gegenstände im Raum, gibt es Vibrationen, ist der Raum akustisch zu hellhörig, passiert dasselbe, zudem schaukelt sich der Klang auf.

Auch bei "Bring It Back" (Brooklyn Bounce, Remix von Svenson & Gielen) gibt die Partybox 710 alles. Massiver Nachdruck, weitläufige Effektverteilung, hohe maximale Dynamik. Wird es laut, wird es partiell schrill. Am Ende ist die Partybox aber deswegen nicht. Zwischendurch mal R&B - "Sheep" (Alan Walker Relift) von Alan Walker & LAY setzt erneut eine ungeheure tieffrequente Energie frei. Die hart aufgehangenen Tieftöner der Partybox gehen nicht in die Knie. Die Effekt und vokalen Anteile sind etwas im Hintergrund. Die Jean-Michel-Jarre-Legende "Oxygen" lassen wir im Russenmafia Remix laufen. Wir drehen weiter den Pegel nach oben. Club-Stimmung macht sich in der Redaktion breit. Harte Bässe, plötzliche Breaks - alles egal. Die Partybox 701 zieht gnadenlos durch. Dazu gibt es die per App steuerbare, passende Lichtshow.

Ans Arbeiten denkt keiner mehr. Es wird vielmehr Zeit, noch "Good Times" von andhim nachzuschieben. Die Stimmung steigt weiter, dazu draußen Schneefall - Aprés Ski-Erinnerungen werden wach, meist managten die Beschallungsanlagen in den Hütten hohe Pegel nicht so souverän wie die Partybox 710. Après Ski - "Wer hat Angst Vorm Tiefen Bass", lässt Lorenz Büffel fragen. Die Partybox 710 schreit am lautesten: "NIEMAND!!!" und legt mit einer Vehemenz ab, dass der Jagertee in den Tassen überschwappt. Lassen wir es nun mit "Rampampam" (Minelli, Filatov&Karas) etwas ruhiger angehen. Es macht sich schon fast Langeweile breit, wer genauer hinhört, bemerkt einige fehlende musikalische Details. Egal, Lied abbrechen, die Partybox 710 wieder schieben lassen. "Fire Wire" von Cosmic Gate, im Remix von DJ Scot, ist perfekt geeignet, dass die JBL-Konstruktion einmal mehr die Muskeln spielen lassen kann. Immer voll auf der Höhe, immer hellwach, nicht kleinzukriegen: Die Club-Maschine heizt die Stimmung weiter an - was sich bei "Because The Night" von Jan Wayne weiter fortsetzt.

Wir probieren es kurz mit "Land Of Confusion" in der Cover-Version von Disturbed. Nein - das war nix. Zu aggressiv, so schrill, dass die Differenzierung der Grundkonturen leidet. Da schalten wir lieber weiter zum "Party Rock Anthem" von LMFAO, Lauren Bennett und GoonRock. Genau das Richtige für die Partybox 710. Harter Kickbass, weiteres Bass-Fundament noch tiefer. Kein Problem, alles wird erfasst und mit einer Kraft in den Hörraum transportiert, die nach wie vor unfassbar ist. "I'm Still Standing" von Sir Elton John, ein weiterer Versuch zur Rückkehr ins normale Leben. Ja, nett. Falsch macht die Partybox nichts. Aber die Laune steigt nicht weiter. Das passiert erst bei Mitgröhl-Hymnen wie "Move Your Ass" von Scooter. Bei vielen wird sich der Magen umdrehen. Aber die Partybox schiebt weiter. Massiv und mit Pegeln, die einfach nur mit "krass" zu umschreiben sind. Nach dieser Session, dieser unerwarteten spontanen Redaktions-Party kommen wir nun alle wieder runter. Kaltes, klares Wasser, ein doppelter Expresso und nun der Konkurrenzvergleich und das Fazit.

Konkurrenzvergleich

Wer hätte das gedacht - aber der Ur-Rockster der zweiten Generation von Teufel wirkt deutlich weniger wild und viel verbindlicher als die Partybox 710. Mit dem sauber abgestimmten Rockster kann man - Nomen Est Omen - auch Rockmusik sehr gut hören, ja, sogar bei Jazz oder Klassik schlägt er sich tadellos. Die Materialqualität wirkt hochwertiger, auch wenn es Tiefschläge wie die Klappe über dem Mischpult gibt. Ja, das Mischpult, ein weiterer Rockster-Vorzug. Was die schieren Pegel und die schiere Bassgewalt angeht, muss sich der Rockster dem kaum zu bändigenden JBL-Monster beugen, das zudem mit App-Steuerung und Lightshow aufwarten kann. Da wirkt der Rockster tatsächlich seriöser und erwachsener. 

Mal ein komplett gegenteiliger Entwurf eines größeren Bluetooth-Lautsprechers: Der Heco Direkt 800 BT sieht wunderschön aus in seinem edlen Retro-Design. Top-Verarbeitung mit liebevollen Details, ein runder, gesunder, gefälliger Klang und eine gute Pegelfestigkeit zeichnen ihn aus. Der Preis ist mehr als fair: 599 EUR unverbindliche Preisempfehlung. 

Wer es doch noch transportabel haben möchte, kann sich die JBL Boombox 2 ins Haus holen. Die kann man noch zur spontanen Party mitnehmen, ohne dass man danach zum Orthopäden muss. Denn so praktisch die Rollen der Partybox 710 auch sind, schon allein wegen des Gewichts und des mangelnden Stromanschlusses vor Ort eignet sie sich nicht für den Grillplatz am Waldsee. Stimmung macht auch die Boombox 2. Zwar ohne Lightshow, dafür mit einem richtig kräftigen Klang, den man dank der sehr guten Akkulaufzeiten zudem lange genießen kann. Der aktuelle Marktpreis beläuft sich auf gut 430 EUR.

Fazit

Die JBL Partybox 710 präsentiert sich als krasse Pegel-Maschine für die Party zuhause. Techno, Trance, Club-Hymnen, R&B-Tracks - das ist die ideale Mischung für die auffällige Konstruktion, zu deren Ausstattungsumfang auch eine per App steuerbare Lightshow zählt. Wer die Partybox 710 richtig einsetzt, bekommt puren Spaß serviert - dank der robusten Ausführung bleibt diese Freude auch lange erhalten. 

Der Party-Kracher mit unfassbarer Basskraft und Pegel-Garantie

Bluetooth-Lautsprecher Oberklasse 
Test 28. Dezember 2021

 

Test: Carsten Rampacher
Fotos: Sven Wunderlich
Datum: 28. Dezember 2021

Werbung - Für Käufe bei Amazon.de, Media Markt, SATURN, JPC, Disney+, Sky & Apple iTunes erhalten wir Provisionen über Affilliate-Links. Preise & Verfügbarkeit unter Vorbehalt.

Tags:

Anzeige

Alle aktuellen Tests auf AREA DVD
  ZURÜCK