SPECIAL: Einführung in die Plattenspieler-Technik mit großem Preview des Thorens TD 403 DD + Vorstellung Phonovorstufen

Thorens Td 403 Dd Frontansicht Geschlossen

Auch wir möchten uns zukünftig dem Themenkomplex Plattenspieler zuwenden und werden uns mit den schon seit Jahren immer beliebter werdenden, klassischen HiFi-Quellgeräten beschäftigen. Wir nähern uns dem Sachverhalt komplett unvoreingenommen und möchten unsere Leser an der Reise, den Reiz der Viylwiedergabe zu entdecken, teilhaben lassen. In diesem ersten Special werden wir zunächst einige selektierte Aspekte rund um den Plattenspieler ohne Anspruch auf Vollständigkeit und inhaltliche Perfektion erörtern, um so dem Leser, der sich, ähnlich wie wir, noch nicht näher mit der Technik und dem Praxisbetrieb eines Plattenspielers beschäftigt hat, einige grundlegende Informationen vermitteln.

Im zweiten Teil dieses Berichts gehen wir näher auf unseren Thorens TD 403 DD, einen hochwertigen Plattenspieler mit Direktantrieb, der für rund 1.400 EUR inklusive Ortofon Blue 2M Tonabnehmer zu haben ist, ein. Es handelt sich um einen puristisch konzipierten, manuellen Plattenspsieler, dessen Stromversorgung über ein externes Netzteil erfolgt. Der Thorens TD 403 DD ist in Walnuss Hochglanz (wie unser Sample) oder in Schwarz Hochglanz erhältlich.

Im driten Teil dieses Specials stellen wir einige selektierte Phonovorstufen vor, die man in Verbindung mit einem Plattenspieler und einem Voll- oder Vorverstärker einsetzen kann. 

Erster Teil

Im ersten Teil beschäftigten wir uns dem mit dem Themenkomplex Vinyl und einigen Grundlagen. 

Wissenswertes zum Thema Vinyl-Wiedergabe

Wer sich hier auskennt, braucht nicht weiter zu lesen, wir fokussieren uns hier auf diejenigen Leser, die vielleicht sogar schon länger mit dem Gedanken spielen, einen Plattenspieler zu kaufen, sich mit den elementaren Dingen rund um den Bereich „Schallplatte“ aber nicht auskennen. Daher beginnen wir nun mit wichtigen „Grunddaten“.

Arbeitsweise

Thorens Td 403 Dd Platte 1

Schallplatten sind wieder "En Vogue"

Wie funktioniert überhaupt das Abtasten einer Schallplatte? Hinlänglich bekannt dürfte sein, dass heute die Stereorille Standard ist, und sich in den Rillen der Platte durch ein spezielles Schneideverfahren tatsächlich ein Stereosignal verbirgt, das mit lediglich einer Nadel abgetastet werden kann. Aber beginnen wir ganz am Anfang.

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Herstellungsverfahren von Schallplatten

Aus was besteht eine Schallplatte und wie wird sie hergestellt? Nahezu sämtliche aktuell verkauften Schallplatten werden aus Polyvinylchlorid gefertigt – daher kommt die Kurzbezeichnung „Vinyl“, die nahezu jedem HiFi-Liebhaber geläufig sein dürfte.

Beim traditionellen Verfahren läuft die Herstellung einer Schallplatte in einem mehrstufigen Prozess ab. Zunächst wird die Lackscheibe (Lacquer) erstellt, aus der in weiteren Schritten später Metallkopien angefertigt werden. Die dann folgenden Generationen heißen Vater und Mutter, während am Ende Matrizen stehen, die zum Pressen von Schallplatten verwendet werden.

Thorens Td 403 Dd Platte 2

Direct Metal Mastering

Es gibt seit den 80er Jahren neben dem klassischen Herstellungsprozess als Alternative das "Direct Metal Mastering"-Verfahren, welches die Produktion einer Schallplatte kürzer gestaltet. Während der Aufzeichnung schneidet ein Schneidstichel das Tonsignal auf eine mit einer Kupferfolie überzogene Aluminiumscheibe. Die Kupfer-Konstruktion wird umgehend zur Erstellung von Matrizen für die Produktion eingesetzt. Ist die Matrix erstellt, erfolgt die Vorbereitung der Mischung in der nächsten Stufe. Man setzt die Matrizen in die Presse ein, anschließend wird ein Rillenmuster in die zuvor erhitzte Mischung eingelassen. Auf der Strecke zwischen dem Einlegen eines Materialstücks sowie der Verschmelzung mit der Matrize erfolgt das Hineinpressen eines Etiketts mit einer Beschreibung (Label) zentral in die Platte. Die während dieses Prozesses entstandenen Platten werden dann einem Abkühlprozess unterzogen, und im letzten Schritt werden überflüssige Materialbestandteile entfernt.

Das DMM-Verfahren besitzt, obwohl es anfangs unter Kinderkrankheiten und unter herber Kritik "wahrer Musikfans" litt, zahlreiche Pluspunkte. Während des Schreibvorgangs kommt es zu einer deutlich geringeren Ausprägung von Artefakten (zu denen Echo-Effekte und undifferenzierte Wiedergabe hoher Frequenzen gehören) sowie störendem Rauschen, somit gelingt die akustische Präsentation authentischer. Die angefertigten Kopien überzeugen mit geringeren Laufgeräuschen, überdies können im DMM-Verfahren hergestellte Platten länger ohne Qualitätsverluste gelagert werden. 

Bilanzierend halten wir fest: Der gesamte Prozess, Vinylschallplatten herzustellen, ist aufwändig und dementsprechend teuer, was sich auch im Preisniveau von Schallplatten niederschlägt, da es sich um aufwändige mechanische Prozesse mit vergleichsweise hohem Fehlerpotential handelt. In jedem Produktionsschritt kann irgendetwas nicht optimal laufen, was die Qualität des Resultats später naturgemäß einschränkt. Zugleich sind diejenigen Presswerke, die es schaffen, hochwertige Schallplatten herzustellen, schon beinahe als "Künstler" zu bezeichnen. Abschließend müssen wir natürlich auch noch erwähnen, dass von der Güte des Masters vieles abhängt. Das eint die Platte mit allen anderen Medienformen - sei es eine CD, SACD oder seien es Streaming-Dateien. Ist die zugrunde liegende Aufnahme nicht wirklich gut bearbeitet, hilft der beste anschließende Weiterverarbeitungsprozess nichts. 

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Abtastung

Audio Technica At Lp3xbtbk Tonabnehmer

Mit nur einer Nadel wird ein Stereosignal abgetastet - wie geht das?

Rillen von in Stereo erstellten Schallplatten umgibt das „Geheimnis“, wie es möglich ist, mit lediglich einer Nadel den linken sowie den rechten Kanal abtasten zu können. Erste Erklärungsansätze: Es funktioniert aufgrund der Tatsache, dass es zwei Flanken (die innere Flanke steht für den linken, die äußerste Flanke für den rechten Kanal) innerhalb der Struktur einer Rille gibt. Die beiden Flanken ergeben die Form eines "V", und beide Teil des "V" stehen exakt im rechten Winkel zueinander – hier sprechen wir von der „Flankenschrift“

Kurz dazu: Während des Entwicklungsprozesses der ersten Mono-Schallplatten wurde auf verschiedene „Schriften“ gesetzt, um die aufgenommen akustischen Daten in die Rillen einer Schallplatte einzuschneiden. Die Grundlage bildeten die Tiefenschrift – hier sind die Tiefe und damit auch die Breite der Rille je nach Frequenz und Lautstärke des Schalls variabel – und die Seitenschrift. Diese speichert die Schallwellen in einer immer gleich breiten und tiefen Rille. Das Schneidwerkzeug bewegt sich während der Aufnahme ausschließlich in der horizontalen Ebene und ritzt eine schlangenförmig gebogene Spur ins Trägermaterial. Beide Schriften aber waren für die Erstellung einer Stereo-Schallplatte nicht zu gebrauchen, und auch sonst gab es durchaus negative Aspekte.

Ein entscheidender Nachteil der Tiefenschrift ist zum Beispiel der begrenzte Lautstärkeumfang. Die Spur kann man nämlich nicht beliebig tief in eine Schallplatte schneiden – was Limits hinsichtlich des Pegels setzt. Wegen dieser Minuspunkte hat sich schon in der Frühzeit der Schallplatte die Seitenschrift durchgesetzt. Ein dicker Minuspunkt gilt aber für beiden Verfahren: Es lässt sich jeweils nur ein Kanal aufzeichnen, demnach sind nur Monoaufnahmen möglich. Und wie sieht es mit einer Kombination aus beiden Verfahren aus, um auf diese Weise ein Stereosignal auf eine Schallplatte zu bringen? Konnte man ganz schnell abhaken, weil die beiden Prozesse den Schall nicht identisch kodieren – vielmehr wird im einen Falle durch seitliche Auslenkung und im anderen Falle durch eine unterschiedliche Tiefe des Schnitts gearbeitet. Diese speziellen Voraussetzungen sorgten dann dafür, dass beide Kanäle ständigen Beeinflussungen gegenseitig ausgesetzt waren, der Klang war alles andere als überzeugend.

Schon zu Beginn der 30er Jahre fand sich dann eine andere Lösung. Die zwei schrägen Flanken der keilförmigen Rille waren so beschaffen, dass man sie unabhängig voneinander verwenden konnte, um zwei Kanäle aufzuzeichnen – die „Flankenschrift“ war geboren. Wirklich in der Praxis für den Endkonsumenten umgesetzt wurde dieses Verfahren allerdings erst am Ende der 50er Jahre.

Was ist die Grundlage der Flankenschrift? Ebenso wie bei der Kombination von Tiefen- und Seitenschrift sind bei diesem Gravurverfahren sowohl die Tiefe und Breite der Rille als auch deren horizontale Auslenkung variabel gehalten. Jedoch kommt hier das jeweils gleiche Verfahren zum Einsatz, um das Signal in die linke und die rechte Flanke der Rille zu schreiben. Die Qualität der Aufzeichnung ist aus diesem Grunde identisch für beide Kanäle.

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Wie bereits angesprochen, dient eine Seite der Rille als der linke und die andere Seite der Rille als der rechte Kanal. Ohne weitere Erklärungen ist diese Tatsache allerdings nicht von großem Nutzen, denn in der Praxis arbeitet der rechte Kanal sozusagen „andersherum“ als der linke. Was ist damit gemeint? Kommt ein Signal lediglich auf dem linken Kanal vor, würde das exakt identische Signal auf dem rechten Kanal dafür verantwortlich sein, dass die Flanke sich nach unten bewegt. Der rechte Kanal ist somit hinsichtlich der Phase invertiert, „verpolt“. Das hebt sich allerdings sozusagen „wieder auf“, denn in der Signalverarbeitung des Plattenspielers funktioniert der rechte Kanal schlichtweg andersherum. Somit ist die Invertierung erledigt.

Je umfassender die Auslenkungen sind, vor allem bei der Unterschiedlichkeit zwischen beiden Flanken, desto mehr Platz muss auf der Platte vorhanden sein. Dies gilt insbesondere für tieffrequente Anteile, die für eine deutlich stärkere Auslenkung sorgen. Das Fassungsvermögen einer Schallplattenseite ist generell ein nicht zu unterschätzender Aspekt. Mit dem als „Füllschrift“ bezeichneten Verfahren befindet sich eine Rille in geringstmöglichem Abstand an die außen liegende – das sorgt für mehr Platz, denn die Abstände zwischen den Rillen sind auf ein Minimum beschränkt. Als direkte Folge gibt es entweder ein Plus an Laufzeit pro Plattenseite oder eine aber eine höhere Aussteuerbarkeit beim Schnitt. Möglich ist natürlich auch eine sinnvolle Kombination aus beidem.

Es wirken viele Kräfte bei der Wiedergabe einer Schallplatte

Thorens Td 403 Dd 3

Bei der Wiedergabe einer Schallplatte wirken viele verschiedene Kräfte 

Bei der Wiedergabe einer Schallplatte wirken viele Kräfte und am liebsten hätte man nur den Teil davon, der die Nadel zur Abtastung exakt entsprechend des Verlaufs der einzelnen Rillen auslenkt. Leider ist es in der Praxis aber nicht so einfach, und es gibt weitere, unerwünschte Kräfte, welche die Qualität der Abtastung und somit auch die akustische Gesamtperformance des Systems schmälern.

Ndht Ar Wilson Audio Chronosonic Xvx Thorens 6

Der Tonabnehmer folgt möglichst mit kompromissloser Präzision den Rillen 

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Wichtig ist es daher, diese Kräfte weitestgehend zu unterbinden, und darauf zu achten, dass die sensible Nadel auch den Höhen sehr gut folgen kann, bei gleichzeitig garantierter Wiedergabesicherheit ohne störende Aussetzer beim Abspielen der Schallplatte. Dieses exakte Folgen ist nur bei einer richtig dosierten Auflagekraft möglich. Ist diese zu niedrig, können Verzerrungen auftreten. Zu hoch sollte die Auflagekraft der Nadel aber auch nicht ausfallen, sonst wird es bedenklich hinsichtlich des Abriebs am Medium – schließlich geht es ums Auslesen, nicht um das Anfertigen von Toninformationen. Natürlich hängt die Güte der gesamten Wiedergabe auch deutlich von der Qualität der Nadel an sich ab. Hier finden sich nicht nur unterschiedliche Qualitätsstufen, sondern auch verschiedene Schliffe des Diamanten, die allesamt mit spezifischen Plus- und Minuspunkten behaftet sind.

Thorens Td 404 Dd Tp 160 Seitlich

Der Dreh- und Arbeitspunkt des Tonarms befindet sich außerhalb des Plattentellers

Schneidesysteme, welche die Rillen in die jeweilige Platte bringen, funktionieren als sogenannte Tangentialsysteme, während sich der Arbeits-/Drehpunkt eines Tonabnehmers außerhalb des Plattentellers befindet – wie man an nahezu jedem Plattenspieler sehen kann. Diese Tatsache führt zu geometrischen Spezialbedingungen und Kräften, die während des Abspielvorgangs auf den Tonarm einwirken. Hier bringen wir die Antiskating-Einstellung ins Spiel. Bei dieser wird der Zug des Tonarms durch das Reibungsverhalten zwischen Rille sowie Nadel in innerer Richtung begrenzt, indem eine leichte Gegenkraft auf den Tonarm ausgeübt wird.

Thorens Td 403 Dd 2

Bevor eine Schallplatte akkurat wiedergegeben werden kann, muss man das System penibel justieren

Technics Ndht Sl 1300g 2

Wenn sich der Tonarm mit dem Tonabnehmer und der Nadel nach innen wandert, ändert sich die Geschwindigkeit, mit der sich die Rillen unter der Nadel bewegen

Im inneren Bereich der Schallplatte bewegt sich die Rille mit einer geringeren Geschwindigkeit als am Anfang der Schallplatte unter der Nadel hinweg. Das kann sich insbesondere im Hochtonbereich durch Verzerrungen bemerkbar machen und erfordert daher eine genaue Justage des Tonabnehmers.

Halten wir bilanzierend fest, dass der Abspielvorgang einer Schallplatte durch Nadel/Tonarm-System und dem Aufliegen der Schallplatte auf dem Plattenteller als durchaus kompliziert zu bezeichnen ist. Mit einem hochwertigen, präzise justiertem Tonarm und Tonabnehmer kann aber eine ansprechende Klangqualität erzielt werden.

Rega Planar 2 Tonabnehmer

REGA PLANAR mit passendem Tonabnehmer

Natürlich hängt das jeweilige Szenario auch von der jeweiligen Position des Tonabnehmers auf der Platte ab. Hier anzumerken wäre, dass eine Platte kreisförmig ist und die inneren Rillen daher prinzipbedingt eine stärkere Krümmung mit sich bringen. Hier läuft die Nadel, wie bereits erwähnt, mit geringerer Geschwindigkeit, was wiederum andere Abtastbedingungen zur Folge hat. In der Theorie wäre es perfekt, wenn beide Flanken der Stereo-Rille lediglich für eine mechanische Auslenkung in exakt diese eine Richtung verantwortlich wären – und der andere Kanal wäre nicht betroffen, sozusagen eine perfekte Kanaltrennung. Dieses Maß an Perfektion müssen wir allerdings ins Reich der Theorie verbannen, es ist absolut unmöglich in der Praxis, dass sich beide Bewegungsrichtungen nicht gegenseitig beeinflussen. Daher ist die Trennung beider Kanäle in der realen Welt nie optimal, damit büßt die resultierende Stereoabbildung etwas an Präzision und Trennschärfe ein.

Tonabnehmer: MM und MC

Generell kommt dem Tonabnehmer eine enorme Bedeutung innerhalb des Systems „Plattenspieler“ zu. Er beeinflusst die Klangqualität massiv, darum gibt es auch deutliche Unterschiede, wenn man das identischen Laufwerk und den identischen Tonarm mit unterschiedlichen Tonabnehmern kombiniert. Der Tonabnehmer folgt der Rille der Schallplatte, und er sollte korrekt eingestellt und für sich betrachtet entsprechend hochwertig sein, um eine einwandfreie akustische Reproduktion des auf der Platte enthaltenen Signals zu gewährleisten.

Die in die Platte eingelassenen Klanginformationen werden dann in ein akustisches Signal konvertiert, das allerdings recht schwach ist, daher im angeschlossenen Verstärker verstärkt und danach an die Lautsprecher weitergegeben wird. Ein Tonabnehmer wandelt das Signal mechanisch, indem Bewegungsenergie in Strom konvertiert wird. Nachteilhaft ist bei aller Liebe zum analogen Plattensound immer, dass der Tonabnehmer oft mit zahlreichen, den Klang verschlechternden externen Einflüssen zu kämpfen hat. Er ist eben ein hochpräzises mechanisches Tool, das aber auch die bestmögliche Peripherie benötigt, um optimal arbeiten zu können. Bei Tonabnehmern gibt es die beiden Systeme „Moving Magnet“ (MM) oder „Moving Coil“ (MC).

In der Praxis sind MM-Tonabnehmer oft die günstigeren Alternative und gerade günstigere Verstärker oder Receiver unterstützen ohnehin nur MM-Tonabnehmersysteme. Nur teurere, exklusivere Geräte bringen zusätzlich die Kompatibilität zum Moving Coil-System mit. MC-Tonabnehmer stehen in dem Ruf, eine bessere Klangqualität zu ermöglichen, sind gleichzeitig aber auch merklich kostspieliger.

MM

Clearaudio Tonabnehmer N1 Mm

Clearaudio N1 MM-Tonabnehmer - brandneues Produkt 

Bei einem MM-Tonabnehmer bewegt sich ein kleiner Magnet hinten am Nadelträger, und durch den Bewegungsvorgang kommt es zu einer induzierten Spannung bei den im Tonabnehmergehäuse fest verbauten Spulen: Das ist dann das Audiosignal. Ein MM-Tonabnehmer ist im Vergleich zu einem MC-System schlicht aufgebaut, Nadel, aber auch den Nadelträger kann der Anwender austauschen, und es ist nicht nötig – was Kosten spart – direkt das gesamte Tonabnehmersystem auszuwechseln. Weiterhin sind MM-Systeme für die Zusammenarbeit mit einer Vielzahl an Tonarmen ausgelegt. Das liegt daran, dass der Nadelträger an sich relativ weich aufgehangen ist, hinzu kommt das klein ausfallende Gewicht des Gehäuses. Auch ein Pluspunkt: Es ist möglich, dass die Spulen relativ groß ausfallen, was dafür sorgt, dass die induzierten Spannungen im Vergleich zu Moving Coil-Systemen größer sind – und das wiederum beeinflusst den Signal-Rausch-Abstand positiv. Das hat insgesamt zur Folge, dass die Phono-Vorstufe in der Signalkette mit einem nicht so hohen Verstärkungsfaktor arbeiten muss. Wo viel Licht ist, ist leider auch Schatten: Die Masse des Magneten, die bewegt werden muss, liegt vergleichsweise hoch, resultierend daraus ist die Impulstreue auf keinem so enormen Level wie bei einem MC-Tonabnehmersystem, und die Präzision bei der Abtastung ist nicht so hoch wie beim MC-Konkurrenten.

MC

Clearaudio Diamant Detail

MC-Tonabnehmer Clearaudio Diamant Jubilee MC

Das MC-Tonabnehmersystem ist anders aufgebaut. Hier befinden sich die Magnete fest integriert im Tonabnehmergehäuse und es arbeiten dann kleine, extrem leichte Spulen, die am Ende des Nadelträgers, der sich im Spalt eines kraftvollen Magnetsystems bewegt, montiert sind. Abhängig von der Bewegung der Nadel, erzeugt der Nadelträger die Spannung, die dann zur weiteren Verarbeitung an den Verstärker geschickt wird.

Wie eben schon erwähnt, bringen diese Spulen ein deutlich geringeres Gewicht als der MM-Magnet mit und arbeiten dadurch mit höherer Impulstreue, die Abtastwerte liegen auf einem weiter oben angesiedelten Niveau. So können MC-Tonabnehmer einen sehr detailreichen, zugleich dynamischen Klang von höher Güte realisieren. Aber auch beim MC-System finden sich Nachteile. Diese Art von Tonabnehmern ist aufwändiger hinsichtlich des Fertigungsprozesses, was sich auch direkt auf den Kaufpreis niederschlägt: Die extrem kleinen Spulen beinhalten äußerst dünne Drähte, was den meist von Hand erfolgenden Herstellungsprozess massiv verteuert.

Zudem sind MC-Systeme nicht so wartungsfreundlich, die Nadel kann nicht einfach mal rasch ausgetauscht werden. Ein abgenutzter Diamant kann höchstens durch "Retipping" in einer Fachwerkstatt ersetzt werden. Dadurch, dass die induzierten Spannungen kleiner sind als bei MM-Systemen, muss das Signal in der Phonostufe höher verstärkt werden. Und dieser Umstand beeinflusst auch den Signal-Rausch-Abstand unter Umständen negativ.

Auf was kommt es beim Tonabnehmer-System noch an?

Wilson Benesch Tesselate Igx

Highend: Wilson Benesch Tesselate Ti Tonabnehmer - mit modernsten Materialien und Fertigungsmethoden

Immer mehr Tonabnehmer-Systeme verfügen über Gehäuse aus kompromisslosen Hightech-Materialien. Leicht, resonanzarm, zugleich hochfest, das sind die Attribute der modernen Gehäuse von Tonabnehmern. Extrem teure Modelle setzen dabei durchaus auch auf extravagante Materialien, die natürlich auch nicht günstig zu bekommen sind. Aufmerksamkeit ist zudem dem Nadelträger zu widmen. Resonanzarmut, ein geringes Gewicht und hohe Steifigkeit kristallisieren sich als elementar entscheidend heraus. Was das Material für Nadelträger angeht, gibt es einiges zur Auswahl: Entweder normales Aluminium, oder aber auch exotische Werkstoffe wie Bor oder Titan.

Die Nadel selbst wird aus einem in unterschiedlichen Formen geschliffenen Diamanten hergestellt. Die jeweilige Form des Schliffs hat natürlich eine entscheidende Wirkung auf die Abtastung der Schallplatten-Rillen und somit auf das Niveau der gebotenen Klangqualität. Je nach Preisniveau gibt es verschieden aufwändige Schliffe bei den Nadeln, und so besser und passender der jeweilige Schliff, umso präziser erfolgt die Abtastung des sensiblen Signals.

Gerade im Einstiegssegment befindet sich im Lieferumfang von Plattenspielern oft nur ein Tonabnehmer mit einfacher sphärischer Nadel, die mit ihrer runden Form das klangliche Potential der Schallplatte nur bedingt ausschöpft. Besser sind Tonabnehmer mit elliptischer Nadel, die auch tiefere Bereiche der Rillen erreichen und mehr Kontaktfläche bieten was die Wiedergabe klarerer Höhen und weniger Verzerrungen ermöglicht. Die Flagschiffe sind Tonabnehmer mit sogenannten "Microline" und "Shibata"-Schliffen, die aber auch preislich wesentlich höher angesiedelt sind als einfache elliptische Nadeln.

RIAA-Kurve

Das hat man sich zu einfach vorgestellt: Einfach die Schallplatte auflegen, die Wiedergabe starten, und los geht es. Das System aus Plattenspieler und Verstärker sowie den Lautsprechern gibt das auf der Schallplatte enthaltene Signal ohne störende Einflüsse wieder. In der Praxis ist es aber doch noch ein wenig komplizierter, weil das Audio-Signal auf der Schallplatte nicht mit einem linearen Frequenzgang gespeichert ist.

Ursprünglich gab es viele verschiedene Schneidkurven, und erst mit der Zeit hat sich die standardisierte  RIAA-Kurve durchgesetzt. LP-Schallplatten und Plattenspieler müssen für die Wiedergabe eine Standard-EQ-Entzerrung einhalten, die bereits in den 1950er Jahren von der Recording Industry Association of America (RIAA) entwickelt wurde.

Bevor der einheitliche Standard festgelegt wurde, verwendete jede Plattenfirma ihre eigene Verarbeitung, was zu einer Vielzahl von möglichen Wiedergabekombinationen führte. Daraus resultierte, dass sich die Rundfunkanstalten gezwungen sahen, sich grundätzlich auf zahlreiche verschiedene Aufnahmecharakteristika einzustellen, da die Alben, je nach Plattenfirme, nur auf einem speziell für diese Verarbeitung vorgesehenen Plattenspieler wiedergegeben werden konnten.

Man setzt bei RIAA auf die Anwendung einer speziellen EQ-Entzerrung aufgrund der großen Wellenlängen tiefer Frequenzen. Die Rillen, die diese tiefen Frequenzen erzeugen müssten, sind für den Tonabnehmer kaum abzutasten. Außerdem wäre die Spielzeit einer LP auf wenige Minuten begrenzt, um diese großen Rillen zu ermöglichen. Mit der RIAA-Norm wurde daher ein Aufnahmeverfahren aus der Taufe gehoben, das tiefe Frequenzen um 20 dB reduziert, hohe Frequenzen jedoch gleichzeitig um 20 dB anhebt. Die Wiedergabegeräte setzen dann auf eine Umkehrung dieser Entzerrung, damit das Signal so klingt, wie es beabsichtigt ist. Entsprechend können nun die Rillen für die tiefen Frequenzen viel kleiner gehalten werden.

Doch das ist noch nicht alles: Denn das Oberflächenrauschen, welches normalerweise leider inerhalb des hörbaren Bereichs liegt, wird zusammen mit dem Hochtonsignal gedämpft. Bässe sowie Höhen klingen also korrekt und ertönen zugleich mit 20 dB weniger Oberflächenrauschen. Ist die RIAA-Filterung abgeschlossen, wird das Signal vom Phono-Verstärker auf einen Pegel angehoben, der dem "Line-Pegel" entspricht, den z.B. Netzwerk-Streamer oder ein CD-Spieler ausgeben. Der Pegel dieser Endverstärkung bis zum Line-Pegel hängt davon ab, ob ein MM- oder einen MC-Tonabnehmer eingesetzt wird. Der Verstärkungsfaktor liegt, wie wir schon wissen, bei einem MC-System höher. 

Phono-EQ und Phonovorstufen

Marantz Link 10n Phono Input

Extrem hochwertige Komponenten wie der Marantz LINK 10n besitzen auch eine sehr hochwertige eingebaute Phonostufe

Die spezielle Signalverarbeitung bei einer Schallplatte ist dafür verantwortlich, dass man am Verstärker/Receiver oder der Vorstufe einen dedizierten Phonoeingang mit Eingangsentzerrung benötigt, oder aber der Phono-EQ befindet sich gerade bei neueren Modellen direkt im Plattenspieler.

Thorens Mc 1600 Front

Maximale Performance mit der Thorens MC 1600 Phonostufe

Variante Drei sind separate Phonovorstufen, die es in einfachen Varianten zu kleinen Preisen bereits ab rund 200 EUR, aber ebenso in Luxus-Editionen zu Preisen, die gut und gerne 5.0000 EUR und mehr betragen können - natürlich inklusive streng selektierten Baugruppen und umfassenden Einstellungs- und Anpassungsmöglichkeiten, gibt. 

Rose Ra180 Bedienelemente Detail

Edle Verstärker wie hier der HiFi-ROSE RA180 besitzen ebenfalls ausgeklügelte Phonovorstufen mit zahlreichen Anpassungsmöglichkeiten (unten rechts)

Die Phonovorstufe und ihre Funktionen

Warum braucht man überhaupt eine Phonovorstufe?

Nochmals in aller Kürze: Das Musiksignal eines Tonabnehmers ist äußerst schwach  und liegt zudem nicht in der richtigen Form vor, um einfach weiterverarbeitet zu werden. Daher müssen eine zusätzliche Anpassung und eine passende Verstärkung vorgenommen werden, bevor das Signal dann in Richtung der Vor- und Endverstärkersektion geht.

Wie eben schon erwähnt, kann eine Phonovorstufe 

  • sich im Plattenspieler befinden
  • sich im Verstärker/der Vorstufe befinden
  • als separater HiFi-Baustein im eigenen Gehäuse erworben werden. Diese Variante besitzt in den meisten Fällen die umfangreichsten Einstellmöglichkeiten und die beste akustische Performance

Wie erwähnt, besitzen gerade günstigere Verstärker meist nur eine MM-Vorstufe. Wer ein MC-System verbinden möchte, muss sich zusätzlich eine separate Phonovorstufe kaufen. Etwas aufwändigere Verstärker oder Receiver haben auch etwas aufwändigere Phonovorstufe, bei denen man zumindest zwischen dem MM- und dem MC-Betrieb umschalten kann. Für die elementare Wiedergabe reicht dies, intern erfolgt dann eine jeweils für MM oder MC standarisierte Signalverarbeitung mit entsprechender Entzerrung. In den Abschnitten über MM- und MC-Tonabnehmer haben wir grundlegende Eigenschaften beider Systeme schon beschrieben, wir gehen hier aber nochmals darauf ein.

Rudimentäre Funktionen reichen dem wahren Platten-Fan nicht aus. Er verlangt nach zusätzlichen Justageoptionen, die man entweder bei den eingebauten Phonostufen teurer Verstärker und Vorverstärker, oder aber in einem separaten Phonovorverstärker findet. Hier kann man zum Beispiel dann die höhere Ausgangsspannung eines MM-Tonabnehmers einstellen (meist Werte von 2 bis 7 mV). Es gelten für MM-Tonabnehmer eine Eingangsimpedanz von 47 kOhm und eine Kapazität grob in einem Bereich von 100 bis 300 pF. Bei der Berechnung der Gesamtkapazität kommen zwei Faktoren zusammen: Die Kapazität des Phono-Vorverstärkers und die Kapazität des Kabels vom Plattenspieler. Diese Kapazität wird mit dem optimalen Bereich, in dem der Tonabnehmer arbeitet, abgeglichen. 

Anders verhält es sich bei MC-Systemen. Hier ist die Ausgangsspannung geringer (0,1 bis 0,5 mV), und die benötigte Eingangsimpedanz liegt deutlich niedriger, oftmals in Bereichen von 100 Ohm oder noch weniger. Die Kapazität erweist sich in den meisten Fällen als unkritische Komponente. Elementar wichtig beim MC-Tonabnehmer ist der Widerstand. Gängige Werte umfassen hier einen Bereich von 10 bis circa 100 Ohm.

Einstellen sollte man noch den Verstärkungsfaktor (Gain), der beim MM-Tonabnehmer kleiner (40 bis 50 dB) und beim MC-Tonabnehmer größer (rund 60  bis 70 dB) ausfällt. Der Gain-Wert sollte an die anderen Quellgeräte angepasst werden, und die Verstärkung solte stets so erfolgen, dass keine Verzerrungen stören. 

Marantz Serie 30 Phonoboard

Phonoboard aus dem Marantz Model 30

Der Phono-Eingang enthält die entsprechende Vorverstärkerschaltung, um die Wiedergabe der Schallplatte zu steuern. Beim direkten Anschluss an einen Line-Eingang ohne Verstärker wäre das Signal zu leise.

Plattenspieler mit Direkt- oder Riemenantrieb?

Thorens Td 404 Dd Direktantrieb Seitlich

Direktantrieb bei Thorens

Unser Thorens TD 403 DD ist mit einem Direktantrieb versehen. Alternativ gibt es auch den Riemenantrieb, und zahlreiche Hersteller, auch Thorens, bieten beide Antriebsprinzipien an. Andere Marken setzen wieder auf nur ein Antriebsverfahren (z.B. Technics auf den Direktantrieb). Der wartungsarme Direktantrieb sorgt dafür, dass der Plattenteller auf kürzestem Wege direkt über Magnete sowie Spulen gedreht wird. Weitere mechanische Baugruppen finden sich nicht.

Plattenspieler, die auf einen Riemenantrieb setzen, verfügen über einen speziellen Übertragungsriemen zwischen dem Motor sowie dem Teller. Der Riemenantrieb verlangt nach etwas mehr Wartung, hält man diese ein, ist die Haltbarkeit aber nicht kürzer als beim Direktantrieb. Plattenspieler mit Riemenantrieb lassen sich prinzipiell einfacher realisieren und haben den Vorteil, dass der Motor außerhalb  des Plattentellers platziert werden kann, und es nicht zu Vibrationen vom Motor kommt – hochklassige moderne Direktantriebe haben hier allerdings kaum Schwierigkeiten. Zusammenfassend lässt sich nicht klar ausmachen, welches das „bessere“ und welches das „schlechtere“ Prinzip ist, es kommt auch, wie immer auf den Rest des Systems und auf die ganze Peripherie an.

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