TEST: Ultrasone Edition 8 EX – Würdiger Nachfolger aus der bayerischen Manufaktur?

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Beinahe neun Jahre ist es her, dass Ultrasone den beinahe schon legendären „Edition 8“ der Welt der anspruchsvollen Kopfhörer-Enthusiasten vorstellte. Der Erfolg spricht laut Ultrasone für sich selbst: Kein anderer Manufaktur-Kopfhörer verkaufte sich so häufig wie das damalige Meisterstück der High-End-Schmiede. Doch jetzt hat man sich nach eigenen Angaben lange genug auf den Lorbeeren ausgeruht, es ist Zeit für einen Nachfolger! Ultrasone Edition 8 EX heißt das gute Stück, und ebenfalls handelt es sich dabei um einen geschlossenen Midsize-Kopfhörer, der in der bayerischen Kopfhörer-Manufaktur gefertigt wird. Erlesene Materialien, innovative Technologien und ein überzeugendes Design sollen auch das neue Modell auszeichnen. Der Preis übrigens, ist gleich geblieben: 1.799 EUR werden für den Edition 8 EX veranschlagt.

„Wie kann man ein Meisterstück noch besser machen?“ – Diese berechtigte Frage haben sich die Ultrasone-Entwickler schon zu Beginn des Lebenszyklus des neuen Modells gestellt. Mit Innovation und Präzision war die Antwort aus eigenen Reihen. Das Resultat ist der erste Kopfhörer mit S-Logic EX Technologie und symmetrischer Signalführung. Dabei soll der doch nicht ganz günstige Ohrhörer nicht nur zuhause an High-End Equipment eine exzellente Figur machen, sondern als Midsize-Kandidat auch unterwegs am Smartphone oder Tablet überdurchschnittlich gute akustische Performance bieten. Dafür in großem Maße verantwortlich soll der 40mm große Mylar-Schallwandler sein, mit dem der Edition 8 EX einen Frequenzgang von 5 bis 46.000 Hz realisiert. Das ist deutlich mehr als das menschliche Hörvermögen, aber hier gilt wohl das gleiche wie beim Hubraum. Zweifellos steht die High-resolution Audio-Tauglichkeit außer Frage.

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Ultrasone Edition 8 EX

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Dezente Lasergravur im Keramik-Inlay

Trotz des heftigen Preises hat sich Ultrasone an der spielfreudigen Auslegung des Vorgängers orientiert und will hier nicht nur absolute Präzisionsfanatiker ansprechen, denen endgültige Neutralität wichtiger ist, als die Freude an der Musik. Bisher war die aufwendigste Entwicklungsstufe von S-Logic dem Ausnahme-Kopfhörer Edition 5, der mit noch einem saftigeren Preisschild als der Edition 8 EX daherkommt, vorbehalten. S-Logic EX basiert auf einem dezentral angesetzten, trichterförmig nach vorne angeordneten Schallwandler. Durch Signalreflexionen und der besonderen Struktur der Ohrmuschel wird eine sehr dreidimensionale Schallwahrnehmung und sehr breite Bühne erzeugt.

Wer 1.799 EUR für einen Kopfhörer ausgibt, der erwartet ein stimmiges Gesamtpaket. Dazu gehört auch eine ästhetische Verpackung. Der Edition 8 EX kommt in einem stabilen Hardcase mit Schließmechanismus daher, auf dem mittig ein Ultrasone-Logo platziert ist. Darin liegt der Kopfhörer gut geschützt und das in blaue Beutelchen verpackte Zubehör findet seinen Platz.

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Der Edition 8 EX kommt im schicken Case

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Schick eingebettet

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Mit hochwertigen Kabeln mit LEMO-Steckverbindungen

Schon beim ersten Erfühlen des Kopfhörers werden die hochwertigen Materialien und die solide Verarbeitungsqualität des Ultrasone-Hörers deutlich, und das obwohl der Edition 8 EX mit einem Gewicht von 330g (ohne Kabel) keinesfalls zu den Schwergewichten gehört. Das wird sich im Bereich Tragekomfort noch positiv auswirken. Dennoch spürt man, dass man hier etwas in der Hand hält, dass mit großer Sorgfalt handwerklich konstruiert und zusammengesetzt wurde. Die Ohrkapseln sind hochglänzend verchromt und mit einem Verfahren, dass sich PVD nennt, verschleißfest beschichtet. Darin eingebettet sind Keramik-Inlays. Hier ließ man es sich nicht nehmen, das Ultrasone-Logo mittels Laser einzugravieren – dennoch: nicht auffällig und protzend, sondern dezent. Understatement eben.

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Solide Bügel und Gelenke

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Innenansicht

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Gegenüberliegende Seite

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Großer Anpassungsbereich

Bügel und Gelenke bestehen aus geschliffenem Aluminium und unterstreichen den hochwertigen Auftritt. Die Ummantelung des Kopfbandes sowie die Ohrkapseln sind aus äthiopischem Langhaarschaf-Leder. Ultrasone-Fans kennen dies bereits von anderen Hörern der Kopfhörer-Schmiede. Die Kombination aus aus dunklen Farbtönen und mattem silber erzeugt einen Look, der nicht nur sehr elegant und wertig wirkt, sondern auch Technikaffinität ausstrahlt. Also genau das, was den Edition 8 EX auszeichnet. An der Solidität auch der Gelenke gibt es nichts auszusetzen, nirgendwo wackelt etwas oder wirkt zu leichtgängig, sämtliche Materialübergänge sind nahtlos und präzise.

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Ohrpolster aus äthiopischem Langhaarschaf-Leder

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Detailansicht

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Auch das Kopfband ist mit dem hochwertigen Leder bezogen

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LEMO-Verbindung im Detail

Die Ohrpolster sind übrigens mit vier starken Magneten befestigt und lassen sich so mit einem kurzen Handgriff sehr einfach und komfortabel lösen. Im Gegensatz zum „Gefummel“ bei manchen Kopfhörern, wenn die Ohrpolster für einen Austausch fällig werden, ist das beim Edition 8 EX ein wahrer Segen. Das 3m lange Kabel strahlt ebenfalls Hochwertigkeit aus. Es ist mit vierpoligen LEMO Steckverbindern ausgestattet und garantiert so eine stabile Signalübertragung. Auf den 3,5mm Klinkenstecker kann ein 6,35mm Adapter aufgeschraubt werden. Auch hier sieht man, dass Ultrasone durchaus den mobilen Einsatz vorsieht und eine direkte Verbindung mit einem mobilen Audioplayer oder gar Smartphone möglich ist, wenn auch das Kabel mit 3m hierfür etwas lang ist.

Laut Ultrasone wird jeder Edition 8 EX von Hand gefertigt und durchläuft vor Auslieferung eine rigorose Qualitätskontrolle. Erfüllt der Kopfhörer die hohen Anforderungen, wird er freigegeben und mit einer individuellen Seriennummer versehen. Ultrasone gibt fünf Jahre Garantie auf den Edition 8 EX.

Klang

Der Ultrasone Edition 8 EX verspricht eine große Bandbreite an Komponenten, mit denen er lebendigen, authentischen und mitreißenden Sound realisiert. Dazu sollen neben High-End Kopfhörerverstärkern oder hochwertige portable Player, wie z.B. ein Astell & Kern oder entsprechende Konkurrenten von Pioneer & Onkyo, ebenso zählen wie ein konventionelles Smartphone mit vergleichsweise einfachen D/A-Wandlern. Ebenso breit gefächert müssen also unsere Klangtestreihen ausfallen, um diesem sehr interessanten und gleichzeitig schwierigen Anforderungsprofil gerecht zu werden.

Beim ersten Aufsetzen des Hörers merkt man auch gleich an den sonst üblichen Druckstellen des eigenen Kopfes, dass der Ultrasone wirklich extrem leicht ist und besonders angenehm aufliegt. Auch an den Ohren ist bei passender Einstellung, die nebenbei von sehr kleinen Köpfen bis hin zu Ausmaßen von Boxer Walujew ausreichen sollte, kein unangenehmer Anpressdruck zu spüren. Dennoch liegen die Ohrkapseln anschmiegsam an und verschaffen dem Edition 8 EX ein solides Maß an passiver Geräuschabschirmung. Die geschlossene Konstruktion hat ebenfalls einen entscheidenden Vorteil: Eine mögliche zweite Person in Nähe des Ultrasone-tragenden Musik-Enthusiasten wird auch bei höherem Pegel nicht gestört.

Im ersten Schritt schließen wir den 1.799 EUR teuren Kopfhörer an unser Lenovo-Notebook, dass in einem deutlich günstigeren Preisbereich angesiedelt ist, an. Hier muss sich der Bayer direkt mit schwachen Wandlern auseinandersetzen und präsentiert sogleich das Notebook-Soundkarten-bedingte Hintergrundrauschen. Wenn schon, denn schon: Wir lassen komprimierte Musikdatenströme von Spotify erklingen und wollen sehen, was der Ausnahme-Kopfhörer daraus macht.

Schlechte Wandler hin oder her, die für Ultrasone typischen akustischen Charakterzüge sind sofort erkennbar. Luftig offene und klare Höhen und exzellente Dynamik entwickelt sich schon in den ersten Sekunden von D-A-Ds „Laugh ‚N‘ A 1/2“, die Stahlsaiten werden hervorragend herausgearbeitet und auch die Stimmwiedergabe gefällt sofort. Ein elementarer Bestandteil, weshalb der Ultrasone sofort als so ansprechend, spielfreudig und mitreißend empfunden wird, ist nicht ganz so offensichtlich. Trotz der mehr als suboptimalen Ausgangssituation wird eine sehr räumliche und breite Bühne mit sauberer Differenzierung der Instrumente geboten. Sänger, Gitarrist und Schlagzeuger können lokal sehr gut zugeordnet werden und genießen ihren eigenen „Standort“ im komplexen Geschehen. Selbst feinere Details und Effekte bei „Sleeping My Day Aways“ kann man wahrnehmen und es fügt sich ein durchhörbares, dynamisches Gesamtgeschehen mit keinen erkennbaren Vorteilen in einem bestimmten Frequenzbereich zusammen.

Auch untenrum spielt der Ultrasone trotz „Bitrate-starving“ kräftig und nachdrücklich auf. Dass das ganze auch Struktur hat, beweist der Hörer beim Album „Killers“ von Iron Maiden und „The Ides of March“, ob schneller Double-Bass oder flinke Snares, der Edition 8 EX ist sofort und präzise zur Stelle. Auch tief hinunter geht er und arbeitet auch hier kleinere Frequenzunterschiede sauber heraus. Darüber offenbaren sich verzerrte Gitarren-Tiraden und der typische Stimmcharakter von Paul Di’Anno während seiner letzten Mitwirkung der britischen Kult-Metaller. Am Smartphone, in diesem Falle ein iPhone 6 – das hatte ja noch einen Klinkenausgang… – spiegelt sich übrigens ein ähnliches akustisches Bild wieder. Der Kopfhörer holt aus der Signal-Zuspielung raus, was vorhanden ist und bietet dafür eine dynamische Kulisse mit breiter Bühne und solider Staffelung. Aufgrund der ähnlich schwachen Performance von Smartphone und Notebook haben wir hier aber auch keine merklichen Unterschiede erwartet.

Jetzt ist es aber genug, der Edition 8 EX verdient bessere Zuspielung. Hier wenden wir uns aber nicht nur High-End-Verstärkern von Branchen-Größen wie Violectric oder RME zu, sondern lassen den Ultrasone-Hörer auch mal mit einem Apogee Grove zusammenspielen, denn mobil heißt nicht gleich qualitativ schlecht. Das kompakte Gerät schafft durchaus exzellente Performance im kompakten Format und findet in jeder Reisetasche Platz.

Auch wenn man mit dem Edition 8 EX in Verbindung mit mobilen Endgeräten mit schwachen Handlern ohne Probleme sehr angenehm und schwungvoll hören kann, so sollte man doch zugeben: Erst in Verbindung mit hochwertigem Equipment schöpft er sein volles Potential aus – und was für eines! Bei Deep Purples „Highway Star“, der Live-Aufnahme von 1972, versetzt er uns in die erste Reihe des Konzertes in Osaka. Der Edition 8 EX realisiert eine Bühne, als könnte Ritchie Blackmöre persönlich vor einem stehen und die Saiten seiner Fender Stratocaster malträtieren. Extrem schwungvoll und mit sensationeller Dynamik geht der Kopfhörer enorm schnell und präzise zur Sache, bietet aber stets eine kräftige Kulisse mit dichter Atmosphäre und voluminösem Fundament. Untenrum geht es trocken, dick, strukturiert, satt – je nachdem, was gerade eben verlangt wird – zur Sache. Der Edition 8 EX präsentiert hier keinen klaren Einschlag, sondern gibt die Aufnahme absolut authentisch mit all ihren Facetten wieder. Das gefiel uns bei früheren getesteten Modellen von Ultrasone und das gefällt uns auch hier wieder! Ein Kopfhörer, der für so einen satten Preis angeboten wird, der darf, nein der muss – Neutralität in allen Ehren – Spaß machen. Und das tut der Edition 8 EX über allen Maßen. Sanft, zurückhaltend, behutsam, z.B. zu Beginn vom zweiten Track „Child in Time“, mit warmen Klängen der Hammond-Orgel und dem lauen Touch der Percussion. Und dann aber ab etwa Minute 4 heißt es: Feuer frei! Blitzschnell wird umgeschalten, schnelle Wechsel, harte, tiefe Bässe, der Edition 8 EX ist sofort da und setzt die Kulisse mit spielender Leichtigkeit authentisch und natürlich um. Wer hier unbeeindruckt ruhig sitzen bleibt, der muss schon das  vorurteilsbehaftete Abbild eines stocksteifen Finanzbeamten in Person sein. Besonders in den unteren Bereichen zeigt der Kopfhörer, dass er nicht nur enormen Tiefgang beherrscht, sondern auch dynamische Feinheiten des Schlagzeugs perfekt beherrscht. Saubere, präsente Mitten und ein brillianter aber nie unangenehmer Hochtonbereich schließt sich an.

Zum Abschluss darf sich der Ultrasone Edition 8 EX auch nochmal bei elektronischer Musik richtig austoben und uns die Bassbombe „Hollywood“ von Vintage Culture präsentieren. Die ersten Sekunden des Tracks spielt der Hörer sehr klar auf, die Stimmwiedergabe mit scharfen S-Lauten ist aufnahmetypisch, die dezenten Hintergrundgeräusche sind hervorragend eingearbeitet. Als die unnachahmliche Bassdrum einsetzt, sind wir nicht überrascht. Denn es tritt ein, was wir nicht anders erwartet haben: Sehr tief, mit massiver Härte und exzellenter Räumlichkeit wird uns das Geschehen ans Ohr getragen. Bei diffizilen Stücken mit vielen Details, feindynamischen Akzenten und insgesamt komplexerem Geschehen kann man weniger versierte Hörer mit dem Edition 8 EX viel schneller beeindrucken, da er hier wirklich alles ausspielt, was er kann. Aber auch hier zeigt er, dass auch bei elektronischer Musik hochwertiges Equipment einen deutlichen Unterschied macht.

Fazit

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Ultrasone Edition 8 EX

Ultrasone hat es mal wieder geschafft. Klar, knappe 1.800 EUR sind kein Pappenstiel, aber im Falle des handgefertigten Hörers aus der Manufaktur in Bayern bekommt für sein investiertes Geld auch den entsprechenden Gegenwert geboten. Zunächst einmal eine sehr solide und mit Sorgfalt und Detailverliebtheit versehene Verarbeitungsqualität mit ausgewählten, bewährten Materialien mit Bedacht auf Nachhaltigkeit. Nach dem Motto „Form follows Function“ bieten sich auch praktische Vorteile, wie z.B. der sehr einfache Ohrpolsteraustausch dank magnetischer Befestigung. Aufgrund der leichten Materialien erreicht der Edition 8 EX für einen High-End-Kopfhörer ein sehr geringes Gesamtgewicht, was zur angenehmen Passform und hohem Tragekomfort auch bei längeren Hör-Sessions in großem Maße beiträgt. Allem voran aber steht natürlich die akustische Performance, bei der der Edition 8 EX voll auf die bereits erprobten Charakteristika früherer Ultrasone-Hörer setzt: Exzellente Dynamik, offener, detailreicher Sound und eine überdurchschnittliche Räumlichkeit und Bühnendarstellung mit hoher Authentizität dank der hausintern entwickelten S-Logic EX-Technologie. Diese Armada an positiven Eigenschaften weiß der Kopfhörer zudem flexibel einzusetzen und bietet auch bei akustisch nicht so potenten Zuspielern ein sehr gutes Ergebnis.

Würdiger Nachfolger des legendären Edition 8 mit beeindruckenden akustischen Fähigkeiten und innovativen Neuerungen
referenz
21.03.2017

Test: Philipp Kind
Fotos: Sven Wunderlich
Datum: 21.03.2017




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