TEST: Klipsch TV-Sound System SB 120

Klipsch SB120 Front2Aktive TV-Lautsprecher sind ein Trend, das setzt sich auch 2014 fort, wie beispielsweise die CES in Las Vegas zeigte, die vor anderthalb Wochen endete. Auch auf der US-amerikanischen Messe standen verschiedenen neue Sound Plates und aktive TV-Lautsprecher. Bei dem großen Erfolg der neuen Geräte-Spezies möchten auch die Klang-Experten von Klipsch der Konkurrenz nicht kampflos das Feld überlassen. Daher hob man nun den SB 120 aus der Taufe, der Klipsch-typische Tugenden wie nachdrücklicher, kraftvoller Klang und hohe Pegelfestigkeit in einem TV-Sound-System vereinen möchte.

Klipsch SB120 Front Seitlich2

Der TV-Lautsprecher eignet sich für Flatscreens mit einem Gewicht von bis zu 45 kg

Klipsch SB120 Bedienelemente Oberflaechenfinish2

 Sehr gute Oberflächenqualität – das war bei Klipsch nicht immer so 

Klipsch SB120 Fernbedienung

Fernbedienung im Kreditkartenformat

Schon die Abmessungen verdeutlichen, dass es zu keiner Zeit diskutabel war, ein putziges Spielzeug zu entwickeln: 83,1 cm breit, 32,7 cm tief und 9,9 cm hoch, können TVs mit einem maximalen Gewicht von satten 45 kg auf dem SB 120 Platz nehmen. Die Standfuß des Fernsehers darf bis zu 78 cm breit und bis zu 28 cm tief sein. Dass sich die SB 120 auch für „echte Männer“ eignet, soll auch die hohe maximale Spitzenleistung von 160 Watt belegen. 10,4 kg wiegt der aktive TV-Lautsprecher, ein Frequenzgang von 50 Hz bis 20 kHz (bei – 3 dB)wird realisiert. Das System arbeitet mit 2.1 Aufbau, an der Fernbedienung kann man die Bass-Intensität der verbauten Subwoofer (2 Stück, 7,6 x 12,7 cm) regeln. Zu den Woofern gesellen sich zwei 7,6 cm Polypropylen-Mitteltöner und zwei 19 mm Alu-Hochtöner, die mit einem Klipsch-typischen Tractix-Hornvorsatz (90 Grad x 90 Grad) versehen sind. 

Klipsch SB120 Anschluesse Rueckseite1

Anschlussauswahl sehr dürftig

Klipsch SB120 Anschluesse Rueckseite2

 Netzschalter

Klipsch SB120 Rueckseite Seitlich2

 Rückseite komplett

Klipsch SB120 Bedienelemente Front2

 Bedienelemente an der Front. Ein Display fehlt

Klipsch SB120 Verarbeitung

 Eckiges Design, solides Lautsprecher-Abdeckgitter

Weniger gut als um die Bestückung ist es um die Anschlüsse bestellt. HDMI ist nicht vertreten, ebenso fehlt ein koaxialer Digitaleingang. Einmal Cinch-Stereo (analog) und ein optischer Digitaleingang sowie Bluetooth für das kabellose Streaming von Musik von Smartphone und Tablet sind vorhanden. Das Koppeln mit einem Bluetooth-Device ist einfach und unspektakulär, natürlich muss das Tablet oder Smartphone sichtbar sein – dann kann die drahtlose Musikwiedergabe rasch beginnen.

Immerhin ist ein Dolby Digital-Decoder mit an Bord, DTS wird nicht decodiert. Hier muss die Quelle – also der BD-Player – auf PCM umgestellt werden, damit der SB 120 auch Ton wiedergibt. Auf der kleinen, sehr einfachen Fernbedienung findet sich noch die „3D Sound“ Taste für die Aktivierung des virtuellen Surround-Modus. Wer die Lautstärke des Klipsch SB 120 mittels der TV-Remote regeln möchte, kann dies ebenfalls so programmieren. Laut Klipsch ist hier eine Zusammenarbeit mit den meisten existierenden TV-Fernbedienungen bekannter Hersteller möglich. 

Optisch ist der SB 120 Lautsprecher schlicht und kantig gehalten – aber er gefällt uns. Anstatt auf ein manchmal billig wirkendes Stoff-Lautsprecherschutzgitter ist ein Metall-Lautsprecherschutzgitter sauber auf der Front verbaut. Die Oberflächenqualität ist gut. 

Viel interessanter ist natürlich die Frage, wie sich Klipschs akustisches Adrenalin für den TV in den Klangtestreihen schlägt. Hier starten wir mit dem aktuellen 007-Film „Skyscraper“, und zwar in der Sequenz, als der flüchtende Killer Patrice mit einer gestohlenen Polizei-Enduro von Bond, ebenfalls auf einer Enduro, über die Dächer des Grand Bazar in Istanbul gejagt wird. Hier profiliert sich der SB 120 TV-Lautsprecher erst einmal mit seiner bemerkenswerten Pegelfestigkeit. Nur maximal Zimmerlautstärke? Viel zu langweilig. Beim SB 120 kann man durchaus so nachdrücklich Gas geben, dass sich manches dedizierte 5.1-Komplettsystem wundern dürfte – und ein Großteil der Konkurrenten bei den aktiven TV-Lautsprechern sowieso. Das Angenehme ist, dass der Klang auch dann nicht zu dröhnend und oberflächlich wird, wenn man die Lautstärke deutlich anhebt. Sicher, eine leichte Betonung des oberen Mitteltonbereichs ist schon wahrzunehmen, aber im Großen und Ganzen bleibt der Klang souverän sowie dynamisch. 

Die Motorrad-Verfolgungsjagd überzeugt auch durch die gute Gesamtdynamik und das ordentliche Herausarbeiten auch kleinerer Effekte, als z.B. einzelne Dachziegel, bedingt durch die wilden Fahrmanöver auf den teils baufälligen Dächern, wegfliegen. Auch das Hochdrehen der zweizylindrigen Enduromotoren kommt richtig gut zum Ausdruck. Der von Klipsch mitgelieferte 3D-Modus ist für die Wiedergabe rein musikalischen Materials nicht optimal, aber für eine Filmtonspur dafür tadellos geeignet. Vor allem der Eindruck räumlicher Weite und Tiefe steigt merklich an. Das Ganze geschieht angenehm subtil und nicht misslungen vordergründig. Nur, als nach der Anfangssequenz der berühmte Titelsong von Adele ertönt, sollte man den 3D-Sound für diese Zeit der reinen Musikwiedergabe deaktivieren – dann klingt die Stimme natürlicher, ebenso der Bass. 

Wenn parallel Music Score und andere Handlungen stattfinden, kann man die Funktion aktiviert lassen. Der Music Score kommt auch während des erbitterten Kampfes auf den Dächern des Zuges gut heraus, ohne dass die Darstellung der Fahr- und Kampfgeräusche vernachlässigt wird. Stimmen allgemein sind gut verständlich, aber nicht überpräsent. Nur kleinere Effekte im Hintergrund büßen in Dialogsequenzen etwas an Prägnanz ein. 

Als M kurze Zeit später vor ihrem Notebook sitzt und draußen der prasselnde Regen zu vernehmen ist, kann die räumliche Darstellung dieses Effekts durchaus überzeugen. Der Klipsch TV-Lautsprecher schafft eine recht umfassende akustische Atmosphäre, die auch das Tippen auf der Notebook-Tastatur gut eingearbeitet. Die zweite Macau-Szene beginnt, als 007 seinen Drink gemischt bekommt. Das Mixen der Zutaten im Shaker beweist ebenfalls, dass sich der SB 120 Lautsprecher kleineren Effekten keinesfalls verschließt, sondern auch hier bemüht ist, diese akkurat einzuarbeiten. Die Präsentation der Stimmen von Bond und Sévérine gelingt sogar mit Anflügen von nachvollziehbarem Charisma. So schafft es der Klipsch-Lautsprecher, die Emotion und die Brisanz dieses Gespräches gut herauszustellen. 

Wir springen erneut eine Kapitel, bis zur Flicht Raoul Silvas aus der Einzelhaft beim MI6. Hier besitzt der Music Score erneut einiges an Ausdruckskraft – einen beträchtlichen Teil davon holt der SB 120 aus dem Material heraus. Der kräftige Bassbereich macht das Ganze noch lebendiger und druckvoller. Das Geräusch der fahrenden U-Bahn ertönt mit guter Räumlichkeit,  also 007 sich Zutritt zum fahrenden Zug verschafft, wird auch das Auf- und Zumachen der Tür ordentlich herausgearbeitet.  Insgesamt überrascht, dass Klipschs TV-Lautsprecher durchaus in der Lage ist, filmisches Flair akustisch zu verbreiten. Monotoner, dumpfer und oberflächlicher Klang sind ihm fremd. Bedingt durch die doch beachtlichen Abmessungen, kann überdies eine gute Souveränität offeriert werden. 

Wie sieht es mit der Darstellung von ausschließlich musikalischem Material aus? Um dies zu ermitteln, haben wir uns „Tequila Sunrise“ von den Eagles angehört. Den 3D-Soundmodus haben wir gleich deaktiviert, weil er sich gerade für solche Art von Musik weniger gut eignet. Im „normalen“ Betrieb dann sind wir von den Leistungen des SB 120 positiv überrascht. Eine gelungene Raumwirkung, eine prima Stimmdarstellung und eine lobenswerte Trennung vokaler und instrumentaler Anteile sind herauszuhören. Die Dynamik ist gut, und auch hier kann man durchaus mit höherer Lautstärke hören, ohne dass es zu unschönen akustischen Konsequenzen kommt.  Bei „Love Will Keep Us Alive“ setzt sich die Reihe dieser erfreulichen Eindrücke fort. Der Klang wirkt nicht gepresst, auf einen Ort beschränkt, sondern breitet sich tadellos im Raum aus. Die Darstellung der Stimme ist auch beim 2. Beispiel von der „Farewell Tour“ Blu-ray für eine solche Systemlösung löblich. 

Mit der elektronischen Musik des Berliner Star-DJs Paul Kalkbrenner kommt der SB 120 ebenfalls ausgezeichnet zurecht. Wir haben uns das „Alte Karmuffel“ angehört. Die elektronischen Effekte gleich zu Beginn, zusammen mit den deutlichen Beifallsbekundungen des Publikums, werden lebendig herausgearbeitet. Nach kurzer Zeit dann mischt der DJ einen sehr nachdrücklichen Bass unter das Effektgebilde – und wir staunen, denn der aktive TV-Lautsprecher überrascht uns mit einer satten, klaren Wiedergabe. Jeder neu hinzugekommene elektronische Effekte wird flott eingearbeitet, die tadellose Raumwirkung sorgt auch bei diesem anders gearteten Klangbeispiel für Zufriedenheit. Der Klang löst sich gut vom Lautsprecher und verteilt sich mit klar nachvollziehbarer Breiten- sowie Tiefenwirkung. Kleinere dynamische Differenzen werden gekonnt erfasst.

Der SB 120 trifft auf teils harte Konkurrenz. Zu nennen wäre hier z.B. der Quadral Magique TV-Lautsprecher für 599 EUR. Mit noch etwas mehr Noblesse im Detail bei der Verarbeitung und mit seiner etwas feineren Detaillierung rechtfertigt er seinen Mehrpreis – allerdings ist die Pegelfestigkeit und die Gesamt-Raumwirkung beim Klipsch SB 120 noch etwas ausgeprägter. Überdies verfügt der SB 120 über einen Dolby Digital-Decoder, der dem Quadral Magique fehlt. 

Mit 399 EUR günstiger und von den Abmessungen her auch recht ausladend präsentiert sich das TV-Lautsprechersystem LS-T10 von Onkyo. Der Aufbau ist hier anders. Vier Vollbereichstreiber und je ein Lautsprecher auf der linken und der rechten Seite sowie ein Subwooferchassis auf der Unterseite werden separat angetrieben. AuraSphere DSP-Technik sorgt für tadellose, gelungene Räumlichkeit – leider aber ist der Hochtonbereich bei Nutzung leicht dumpf. Drei Klangfelder für Nachrichten, Musik und Film sind vorhanden. Es findet sich nicht nur ein optischer, sondern auch ein koaxialer Digitaleingang. Wie auch der Klipsch SB 120,  hat der LS-T10 einen Dolby Digital-Decoder. Der TV, der auf dem LS-T10 Platz nimmt, darf aber nur 35 kg wiegen und der Standfuß kann  lediglich 674 mm breit und 265 mm tief sein – das sind nicht ganz die Werte, die vor vom SB 120 her kennen. Die Klipsch-Alternative ist überdies nochmals pegelfester und kokettiert mit höherer Gesamtdynamik. 

Wer eine besonders preiswerte und kompakte TV Speaker-Bar sucht, kann getrost zur Denon DHT-T100 greifen. Für schlanke 299 EUR angeboten, eignet sich der recht kleine aktive TV-Lautsprecher eher für kleinere Flatscreens und tritt in direkte Konkurrenz zum Bose Solo. TVs mit maximal 50 Zoll Bilddiagonale und bis zu 27 kg Gewicht können auf dem zierlichen DHT-T100 Platz nehmen. Wie bei den Konkurrenten fehlt eine HDMI-Beschaltung, das eingebaute 2-Wege-System verzichtet auf ein separates Subwooferchassis, vielmehr setzt Denon auf eine spezielle Bassreflex-Technologie. Des Weiteren liefert Denon zahlreiche, recht gut gelungene DSP-Betriebsarten mit. Natürlich ist, wie auch bei Klipsch, Onkyo und Quadral, Bluetooth mit an Bord. Mit angenehmem, durchaus kräftigen und räumlichen Klang ist der DHT-T100 zum kleinen Preis eine verlockende Alternative. Die Basskraft und Pegelfestigkeit des Klipsch SB 120 kann man natürlich nicht erwarten.

Fazit

Klipsch SB120 Front1

Klipsch bleibt seiner klanglichen Linie auch beim Bau aktiver TV-Lautsprecher treu – und das ist sehr gut so: Denn der für 499 EUR angebotene SB 120 macht richtig Spaß. Er klingt erstaunlich komplett und souverän, ist bassstark und pegelfest sowie überzeugt mit ausgezeichneter Gesamtdynamik. Akustisch gehört er demnach zu den besten uns derzeit bekannten aktiven TV-Lautsprechern. Der Preis ist nicht eben günstig, ist aber in der Praxis aufgrund der Eignung nicht nur für größere Räume bis rund 25 Quadratmeter, sondern auch aufgrund der Kompatibilität der Konstruktion zu großen Flachbildschirmen absolut angemessen. Die Ausstattung ist mager, bis auf Bluetooth und ein 3D-DSP für virtuellen Surround-Sound ist nichts an Bord. HDMI – Fehlanzeige, aber das kennen wir auch von einem Großteil der Konkurrenten. Immerhin gibt es einen Dolby Digital-Decoder. Keine Kritik gibt es an der Verarbeitung – der schlichte, zeitlose aktive TV-Lautsprecher tritt solide auf und ist tadellos verarbeitet. 

Kraftvoll, lebendig, pegelfest – akustisch ist der SB 120 TV-Lautsprecher von Klipsch eine einzige Freude
ueberragend
Aktive TV-Lautsprecher Obere Mittelklasse
Test 24. Januar 2014

+ Kraftvoller, lebendiger Klang
+ Sehr pegelfest
+ Ausgezeichnete Räumlichkeit
+ 3D-Surroundprogramm sehr gut für Filme geeignet
+ Stabile Bluetooth-Verbindung
+ Nimmt auch große Flat-TVs auf
+ Solide Verarbeitung und gefällige Optik

– Magere Ausstattung

Test: Carsten Rampacher
Fotos: Sven Wunderlich

 

 




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