TEST: Teufel Real Blue NC – „Mute BT“-Nachfolger mit Gestensteuerung

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Bereits seit 2017 ist der Teufel Real Blue NC verfügbar. Höchste Zeit, dass wir uns den Bluetooth-Kopfhörer mit aktiver Geräuschunterdrückung genauer ansehen. Beim als „Ruhestifter“ titulierten Over-Ear-Hörer handelt es sich um den Nachfolger des Mute BT – besonders beim Noise Cancelling haben die Berliner nach eigenen Angaben optimiert. Anstatt einem Mikrofon sind nun zwei Mikrofone pro Ohrmuschel integriert, mithilfe derer der Real Blue NC Geräusche noch effektiver filtern und dem Zuhörer eine besonders entspannte Hörumgebung liefern soll. Natürlich gibt es auch eine integrierte Freisprecheinrichtung, die neben dem Führen von Telefonaten auch für die Sprachsteuerung von Siri und Google genutzt werden kann. Auf akustischer Seite agieren große Linear-HD-Treiber mit sämtlichen „Bells & Whistles“. Auch an Touch-Steuerung kommt man bei Teufel nicht vorbei: die rechte Ohrmuschel ist berührungsempfindlich und zur Musiksteuerung, Lautstärkeregelung und mehr verwendet werden. Die technischen Raffinessen zwingen dem Real Blue NC eine höhere UVP auf als dem Vorgänger, der „Ruhestifter“ kostet aktuell 229,99 Euro.

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Micro-USB-Slot und Klinkenanschluss

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Power- und Bluetooth-Buttons

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Beiliegende Kabel, auch eine praktische Transportbox ist im Lieferumfang enthalten

Zunächst wollen wir den Akku unseres Neuzugangs laden. Der integrierte Lithium-Ionen-Akku soll bis zu 60 Stunden Musikgenuss liefern. Die maximale Nutzungsdauer bezieht sich auf den Betrieb mit Kabel und aktiver Geräuschunterdrückung. Mit Bluetooth, aber ohne ANC soll der Real Blue NC 30 Stunden durchhalten, mit Bluetooth und ANC kommt man dann immer noch auf 23 Stunden. Um den Akku zu laden, öffnet man die gummierte Abdeckung des MicroUSB-Anschlusses und verbindet diesen mit einem entsprechenden Adapter (der nicht beiliegt) oder eben einer USB-Buche an PC/Notebook/Akkupack. Während des Ladevorgangs leuchtet die LED rot auf, nach vollständiger Ladung leuchtet die Status-LED grün. Mit einem einfachen Druck auf die Power-Taste des Kopfhörers kann man den Batteriestatus auslesen: Leuchtet die LED grün ist der Kopfhörer zwischen 60 und 100% geladen, bei orange sind es 20-60% und bei rot ist demnächst ein Ladevorgang angesagt. Darüber hinaus gibt es, neben einem akustischen Signal, natürlich bei kompatiblen Smartphones und Tablets Ladestandsanzeigen, wenn der Kopfhörer per Bluetooth verbunden ist.

Der Aufbau der Bluetooth-Verbindung war in Verbindung mit unserem iPhone 8 kein Problem. Beim Drücken der Bluetooth-Taste für zwei Sekunden versetzt sich der Kopfhörer in den sichtbaren Modus, ein Klick im Bluetooth-Menü des Smartphones und die beiden Geräte werden verbunden. Will man den Real Blue NC mit einem anderen Gerät koppeln, drückt man die Bluetooth-Taste fünf Sekunden lang. Mit bis zu sechs Geräten kann der Real Blue NC gekoppelt werden. Wissen sollte man noch, dass der Bluetooth-Modus nur ohne angeschlossenes Kabel funktioniert. Das gilt nicht nur für die Verbindung per Klinkenkabel, auch wenn der Kopfhörer via USB geladen wird, ist keine Wiedergabe via Bluetooth möglich.

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Touch-Bedienung an der rechten Ohrmuschel

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Größenverstellung

Wie anfangs erwähnt, ist der Real Blue NC mit einer Touch-sensitiven Oberfläche an der rechten Ohrmuschel ausgestattet. Mit verschiedenen Tipp- und Wischgesten kann die Musikwiedergabe gesteuert werden. Ein Streichen nach oben oder unten regelt die Lautstärke, nach rechts oder links kann man den nächsten bzw. vorherigen Titel wiedergeben und bei einem Klick in die Mitte der Ohrmuschel wird die Wiedergabe pausiert, ein Anruf entgegen genommen oder beendet. Zweimal tippen bedeutet stumm schalten und bei Drücken und Halten wird ein ankommender Anruf abgelehnt.

Die Verabeitungsqualität des Real Blue NC Headphones ist solide. Auch haptisch macht der Kopfhörer einen ebenfalls sehr guten Eindruck, wenngleich die meisten außenliegenden Materialien aus Kunststoff bestehen. Der vergleichsweise dicke Kunststoff soll aber gut für die Schallisolation sein und bei der Haltbarkeit punkten. Teufel legt nach eigenen Angaben hohen Wert auf bedenkenlose Materialien. Nicht unwichtig, da der Kopfhörer durchaus stundenlang auf dem Kopf sitzt und mit Haut und Haaren in Kontakt tritt. Einen sehr angenehmen Tragekomfort können wir auf jeden Fall bestätigen, dank des nicht allzu starken Auflagedrucks und der bequemen Polsterung sind lange Hörsessions kein Problem. Auch mit heißen Ohren hatten wir nicht zu kämpfen. Ob man bei Sommerhitze das Schwitzen anfängt, lässt sich bei den aktuellen Wintertemperaturen nicht objektiv sagen, laut Teufel handelt es sich aber um schweißhemmendes Material.

Im Lieferumfang des Real Blue NC ist ein Reise-Etui, Klinkenkabel, USB-Ladekabel und ein Flugzeugadapter enthalten. Das Klinkenkabel ist mit einer Fernbedienung ausgestattet.

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Die aktive Geräuschunterdrückung kann per Schieberegler aktiviert und deaktiviert werden

Die aktive Geräuschunterdrückung funktioniert definitiv solide, wie bei allen aktuellen Technologien erweist sich ANC besonders bei kontinuierlichen, relativ tiefen Hintergrundgeräuschen, wie z.B. Straßenlärm, Flugzeuggeräusche, etc. als idealer Partner. Stimmen und Gespräche, die im selben Raum geführt werden, filtert das neue Teufel ANC, genau wie die Geräuschunterdrückungstechnologien anderer Hersteller, nicht komplett, sie werden aber stark in den Hintergrund gedrängt und sind kaum mehr verständlich. In Kombination mit Musikwiedergabe mit entsprechendem Lautstärkepegel kann man sich dann durchaus jeglicher „Belästigung“ von außen entziehen.

Ebenfalls Merkmal der aktuellen ANC-Technologien ist ein mehr oder weniger stark ausgeprägtes Hintergrundrauschen. Auch beim Teufel-Kopfhörer ist dies vorhanden, fällt allerdings schon bei relativ geringem Pegel nicht mehr stark auf. Bei sehr leisen Stellen im Lied und natürlich beim Übergang verschiedener Songs kann man es noch nachvollziehen.

Die Gestensteuerung klappt, allerdings muss man den ein oder anderen falschen Befehl in Kauf nehmen, da die Oberfläche sehr empfindlich scheint. Als wir lediglich die Wiedergabe pausieren wollten, stellten wir zunächst den Lautstärkepegel höher. Nach einigen Versuchen gelang es uns jedoch in der Regel – aber definitiv nicht immer – den gewünschten Befehl auch direkt auszuführen. Wer den Kopfhörer häufiger und langfristiger nutzt und sich auf das Reaktionsverhalten einstellen kann, wird sich unserer Meinung nach mit der Gestensteuerung anfreunden können.

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Kopfband mit Teufel-Schriftzug

Heute legen wir direkt mit einem modernen Indie-Folk-Klassiker los und lassen uns von den gemächlichen Klängen von Passenger’s „Let Her Go“ verzaubern. Der Teufel-Kopfhörer weiß mit den weichen Gitarrenklängen ausgezeichnet umzugehen und bietet auch bei der Stimmwiedergabe des britischen Songwriters Natürlichkeit und setzt charakteristische Akzente. Exzellent gefällt auch die dichte Atmosphäre, als nach etwa einer Minute die gesamte Band einsteigt und eine sehr füllige Kulisse formt. Kräftig und voluminös, aber nicht zu dick aufgetragen, wirkt die Bassdrum des Schlagzeugts, auch die übrigen Percussion-Elemente können sauber differenziert werden und fügen sich harmonisch ins Gesamtgeschehen ein. Der unterstützende Background-Chor ist sauber im Hintergrund platziert, geht aber nicht im Gesamtgeschehen unter. Mit Klarheit und sehr guter Dynamik überzeugen die Mitten, obenrum zeigt der Kopfhörer brillante Details, ohne je unangenehm spitz zu werden. Auch der Schluss, wenn Mike Rosenberg A Cappella singt, kann der Kopfhörer absolut überzeugen.

Der Real Blue NC zeigt bei Aktivierung der aktiven Geräuschunterdrückung nicht die Nachteile mancher Konkurrenten, dass sich die akustische Charakteristik des Kopfhörers stark verändert. Weitgehend identisch wirkt er, ohne bemerkbare Veränderungen im Mitten- und Hochtonbereich. Untenrum hatten wir aber schon bei „Let Her Go“ den Eindruck, dass die tiefen Töne etwas weniger voluminös wirken. Dasselbe empfinden wir bei Paul Kalkbrenners Remix von Leonard Cohen’s „You Want it Darker“. Es handelt sich hier lediglich um Subtilitäten, aber wenn man genau hinhört, ist es nachvollziehbar. Ohne ANC ist der Bass etwas voller und „boomiger“ und wirkt dadurch geringfügig kraftvoller, mit aktiver Geräuschunterdrückung wirkt er etwas zurückhaltender, straffer. Selbst in dieser Form wird die Bassdrum den Liebhaber elektrischer Klänge überzeugen, wie erwähnt ist der Unterschied nicht enorm. Insgesamt liefert der Teufel-Kopfhörer in beiden Varianten eine exzellente Klangkulisse, die den Zuhörer angenehm umhüllt. Auch die übrigen Sound-Elemente werden vom Real Blue NC klar und mit feindynamischer Struktur wiedergegeben.

Ruhig, aber dafür umso emotionaler wird es mit „Mein Freund“ aus dem ersten Album von Mine. Sprachgewaltig und mit klassischen Elementen wie Kontrabass und Piano liefert die Baden-Württembergerin ein akustisch starkes Spektakel, der Real Blue NC ist der Aufgabe gewachsen und begeistert besonders durch eine ausgezeichnete Wiedergabe der Vokalstimme. Klar und präzise wird die Stimme mit feinen Details versehen, aber auch die einzelnen Instrumente kommen sehr detailliert und authentisch beim Zuhörer an. Die gesamte Kulisse wirkt strukturiert, auch der Bühnenaufbau gefällt. Die Platzierung der einzelnen Instrumente könnte noch etwas prägnanter sein, dafür gelingt eine sehr räumliche und weitläufige Darstellung des Geschehens. Im Tieftonbereich gefällt der Kopfhörer mit flinker Reaktionsgeschwindigkeit und nachdrücklichem Sound.

Rockig geht es weiter mit „Into the Wild“ von Johnossi. Auch hier beherrscht es der Teufel-Kopfhörer, den Sänger, der mit einer rauhen Vokalstimme gesegnet ist, exzellent darzustellen. Auch die Gitarrenklänge glänzen verzerrt und werden mit soliden Details versehen. Hier profitiert die Kulisse auch wieder von der dichten Atmosphäre und Räumlichkeit, die der Real Blue NC realisieren kann. Einzelne akustische Elemente werden sauber im Raum platziert und unterstützen die dreidimensionale Wirkung des Geschehens. Das komplexe Geschehen, auch beim nächsten Titel des Albums  „Transitions“ bereitet dem Real Blue NC überhaupt keine Probleme. Mitreißend und lebendig agiert der Kopfhörer, die Struktur der einzelnen Instrumente geht dabei nicht verloren. Die Musiker bleiben weiterhin differenziert und auch einzelne charakteristische Details bleiben erhalten.

Im direkten Vergleich mit dem Vorgänger „Mute BT“ muss man etwa 30 Euro auf den damaligen Verkaufspreis legen. Auch der Mute BT war bequem zu tragen und bot eine mehr als solide akustische Performance. Bei der aktiven Geräuschunterdrückung liegt das neue Modell aber vorne, hier wurde im Bereich der Stimmendämpfung zugelegt. Besonders fäll aber die bessere Materialqualität auf. Zwar ist auch beim Real Blue NC viel aus Kunststoff, dieser wirkt aber bezüglich seiner Haptik besser. Darüber hinaus lässt sich das neue Modell mit Wischgesten steuern, allerdings ist der Akku des neuen Modells nicht ohne weiteres austauschbar. Das war beim Mute BT mit einem einfachen Handgriff möglich. Bei aktivem Noise Cancelling denkt man natürlich auch sofort an die Bose QuietComfort Headphones. Akustisch sehen die Teufel Real Blue NC aber keinesfalls schlechter aus, dabei ist der Platzhirsch mit 379 Euro UVP deutlich teurer. Auch bei der Gestensteuerung muss der QC 35 passen, die konventionellen Bedienelemente sind aber sauber integriert und angenehm zu bedienen. Der Bedienkomfort wird beim Bose-Kopfhörer mit der „Bose connect“-App unterstützt. Beim Tragekomfort tun sich beide nicht viel, wenn auch der Bose immer noch eine Spur edler und auch bei Flugreisen um den halben Erdball so wirkt, als würde man nichts auf dem Kopf haben. Beide bieten einen sehr guten Faltmechanismus und können in einem praktischen Reise-Etui verstaut werden.

Fazit

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Teufel Real Blue NC

Der Teufel Real Blue NC ist ein würdiger Nachfolger des Mute BT und rechtfertigt den Mehrpreis mit höherer Materialqualität, innovativer Gestensteuerung und exzellenter Akku-Laufzeit. Auch optisch finden wir den Real Blue NC deutlich ansprechender, wenngleich dies sicherlich im Auge des Betrachters liegt. Die Wischgesten erfordern etwas Eingewöhnungszeit, da die Touch-Oberfläche sehr empfindlich zu sein scheint. Ebenfalls schade finden wir, dass der Kopfhörer die Bluetooth-Funktion verweigert, sobald das Ladekabel angeschlossen wird. Davon abgesehen bietet der Berliner Hersteller aber einen solide verarbeiteten ANC-Kopfhörer mit hohem Tragekomfort an, der besonders beim akustisch anspruchsvollen Klientel punkten kann. Die aktive Geräuschunterdrückung funktioniert ausgezeichnet und filtert mittlerweile selbst Unterhaltungen relativ gut. Allerdings bleibt das typische Grundrauschen, mit dem so gut wie alle Kopfhörer dieser Kategorie zu kämpfen haben. Praktisch ist die mitgelieferte Transportbox, die den Kopfhörer dank robuster und fester Außenhülle sehr gut schützt.

Preislich fairer Bluetooth-Kopfhörer mit hoher akustischer Leistungsfähigkeit und ausgezeichneter Geräuschunterdrückung
ueberragend
19.01.2018

Test: Philipp Kind
Fotos: Sven Wunderlich
Datum: 19.01.2018




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