TEST: Regallautsprecher Heco Music Style 200 - Klang-Schnäppchen für Stereo-Liebhaber?
16.11.2012 (cr/sw)
Fronten mit Lautsprecherschutzgittern aus Stoff
Fronten offen - 25 mm Seidenkalotte für den Hochtonbereich,
125 mm Tief-Mitteltöner
Einführung
"Der Preis ist heiß" - so kühl es draußen auch in Anbetracht der
Jahreszeit werden mag, Heco wärmt die Herzen von Stereo-Musikliebhabern mit den
149 EUR/Stück Kaufpreis für die optisch attraktive Music Style 200. Für die
Preisklassen hinterlassen Optik und Verarbeitung gleich auf den ersten Blick
einen außerordentlich guten Eindruck. Die Zweiwege-Bassreflexbox weist eine
RMS-Belastbarkeit von 80 und eine Musikbelastbarkeit von 140 Watt auf. Der
Frequenzbereich, der wiedergegeben wird, reicht von 34 bis 40.000 Hz. Durch den
erweiterten Hochtonbereich können sogar Signale von BD-Audios und SACDs oder
gestreamten Hi-Res-Audiodateien wiedergegeben werden. Der Wirkungsgrad liegt bei
89 dB, die empfohlene Verstärkerleistung gibt Heco mit 20 bis 140 Watt an. Mit
Abmessungen von 195 mm (Breite) x 300 mm (Höhe) x 277 mm (Tiefe) findet die
attraktive Box beinahe überall Platz und macht sich sehr gut z.B. im
Musikzimmer des preis/leistungsbewussten Musikliebhabers.
Übersicht der lieferbaren Ausführungen:
Korpus: Piano Schwarz/Seitenteile: Esche Dekor Schwarz 149 EUR/Stk.
Korpus: Piano Schwarz/Seitenteile: Espresso Dekor 149 EUR/Stk.
Korpus: Piano Weiß/Seitenteile: Esche Dekor Weiß 149,00/Stk
Video
Verarbeitung und Technik
Für den günstigen Kaufpreis fährt Heco ein Maximum an Technik auf. Der
Hochtöner mit neu entwickelter 25 mm Seiden-Compound-Kalotte und
Ferrofluid-Kühlung für hohe Belastbarkeit ist mit einem kräftigen
Magnetsystem ausgestattet. Sehr gute klangliche Ergebnisse sind auch eine Folge
der Wave Control-Geometrie. Front und Oberseite präsentieren sich zudem
hochwertig lackiert, die Oberflächenqualität ist ausgezeichnet und weist keine
Mängel auf. Die Seitenteile sind mit gut aufgebrachter Dekorfolie versehen, die
vorn und hinten gerundete Form sorgt für eine attraktive Optik. Die
Frequenzweiche ist amplituden- und phasenoptimiert und mit tadellosen Bauteilen
bestückt. Das Lautsprecherkabel-Anschlussterminal ist bei diesem Modell
Single-Wired ausgedführt, die Schraubanschlüsse erscheinen sehr hochwertig und
sind entsprechend leichtgängig.
Anschlussterminals
Detailverarbeitung. Auf diesem Bild sind die
Materialübergänge zwischen folierter Seitenwand und hochglanzlackierter Front
zu erkennen
Folierung
Weiteres Bild, das die Detailverarbeitung offen legt
Die Klangtestreihen starten unter schwierigen Voraussetzungen für die
preiswerte Music Style 200: Bedrich Smetanas "Moldau" ist eine
Herausforderung auch für teure Lautsprecher. Unter dieser Prämisse schlägt
sich der Heco Regallautsprecher tadellos. Sicherlich fehlt es an
Detaillierungsvermögen gerade in den hinteren Reihen des Orchesters. Aber das
Ganzheitliche, Fließende, leicht Melancholische arbeiten die Music Style gut
heraus. Dynamiksprünge werden ebenfalls ordentlich dargestellt. Die
Klangcharakteristik ist angenehm, grobdynamisch schlägt sich die Box gut,
überbordende dynamische Prozesse sind ihr allerdings nicht nachzuweisen. Ihr
Hauptaugenmerk liegt auf einer harmonischen, langzeittauglichen
Gesamtwiedergabe. Die Übergänge zwischen Hoch- und Mitteltonbereich sowie
zwischen Mittelton- und Bassbereich kann man ohne Zweifel als gelungen
bezeichnen, der Hochtonbereich entfaltet eine gute Räumlichkeit, die sich mit
erstaunlich akkurater Auflösung im Hörraum verteilt. Weltmeisterliche
Brillanz- und Transparenz-Werte darf man sicherlich nicht erwarten - aber Hörer
mit normalem bis leicht gehobenem Anspruch reicht das Gebotene sehr gut aus. Die
Music Style ist weit mehr als ein Lautsprecher, den man ausschließlich zur
Hintergrund-Beschallung beim gemütlichen Beisammensein verwenden kann: Dazu
sind die akustischen Leistungen als deutlich zu gut einzustufen. Dies möchte
uns die Music Style 200 auch beim rein instrumental dargebotenen 007-Titellied
"Goldfinger" (The Royal Philharmonic Orchestra - James Bond Themes)
unter Beweis stellen, was ihr auch tatsächlich gelingt. Die Blechbläser werden
für die günstige Preisliga sauber heraus gearbeitet, die Streicher sind weit
davon entfernt, oberflächlich oder ungelenk zu klingen: Auch hier steht eine
glaubwürdige und angenehme Präsentation im Mittelpunkt. Kleinere akustische
Einzelheiten werden nicht alle übergangen, die Heco holt sogar recht viele
Details an die Oberfläche. Insgesamt liefert sie beim 007-Titel eine nochmals
überzeugendere Leistung als bei der "Moldau" ab. Dieser Höreindruck
vertieft sich beim Thema von "You Only Live Twice": Auch hier eine
schwungvolle, in sich schlüssige Darstellung, bei der das Zuhören Freude
bereitet. Tempowechsel werden prima gehandhabt, der Bassbereich hat durchaus
Präsenz, was in Anbetracht der relativ kompakten Abmessungen nicht unbedingt in
diesem Maße zu erwarten war.
Etwas an Harmonie büßt die Heco bei der Maxi-Version des a-Ha-Hits "The
Sun Always Shine On TV" ein. Hier merkt man direkt, dass die Abmischung
durchaus etwas spitz und scharf ist. Es gibt jedoch eine Vielzahl von
Lautsprechern mit durchgängig analytischer Auslegung, die aufgrund ihrer
neutrale Charakteristik diese aufnahmebedingten Nachteile noch mehr in den
Vordergrund rücken. Gerade bei der Stimmwiedergabe, in Verbindung mit höheren
Pegeln, "kippt" die Wiedergabe leicht und erscheint dann nicht mehr
sauber. Wie wir aber detailliert aufgeführt haben, liegt dies nicht an
konstruktiven Mängeln. Der Rhythmus kommt gut heraus, der Bassbereich, recht
schlank bei der Aufnahme, wird durch die spezielle Auslegung der Heco gekonnt
und nicht zu ausdrucksschwach heraus gearbeitet. Wir wenden uns moderner "Chill
Out" Music zu und testen den Lautsprecher bei "Talismanic" von
ATB: Die Music Style zeigt uns hier, dass sie deutlich weniger Wärme mitbringt
als frühere Heco-Lautsprecher. Dies wurde bei der "Moldau" weniger
deutlich als hier, die Heco zeigt sich zwar um hohe Gesamtharmonie bemüht,
erzielt diese aber in erster Linie durch die flüssigen Übergänge zwischen den
einzelnen Teilen des Frequenzspektrums. Die Grobdynamik ist gut, die
Räumlichkeit ebenfalls, und der Klang löst sich prima von den beiden
Regalboxen. Wir holen die EM 2012 nochmal in den Hörraum - Oceanas "Endless
Summer" liegt der Music Style 200 offensichtlich. Der Bass ist kräftig,
die Pegelfestigkeit liegt auf sehr gute Niveau, und die
Stimm-/Instrumentaltrennung weiß ebenfalls zu überzeugen. Die Dynamik und die
Räumlichkeit ordnen sich nahtlos in die ausgezeichneten Ergebnisse ein. Mit
kraftvollen Verstärkern hat die Heco wenig Probleme - besser mehr Kraft als zu
wenig, denn der Wirkungsgrad ist zwar ordentlich, für
Einstiegs-Stereo-Verstärker der 200 EUR-Klasse eignet sich die Music Style 200
aber kaum.
Im Vergleich zur Konkurrenz stellen wir fest, dass sie teilweise aus den
"eigenen Reihen" kommt und dass der bereits ältere Regallautsprecher Heco Metas XT 301
immer noch gut mithalten kann. Er ist etwas weniger dynamisch, spielt etwas
runder, aber gefällt uns mit der homogenen Gesamtakustik ebenfalls sehr gut.
Die Teufel Ultima 20 des Jahrgangs
2010 spielt nüchterner, neutraler und offeriert fürs Geld sehr viel
Grobdynamik. Die Basskraft ist dafür bei der kleinen Heco noch besser
strukturiert. Für die Pulheimer Box spricht auch die größere Auswahl an
Gehäusefarben. Mit viel Punch und toller Grobdynamik trumpft Klipsch
Reference RB-51 II auf. Sie ist allerdings etwas teurer und kommt auf ca.
250 EUR/Stück. Optisch ist sie konservativ und eine typische
"Männerbox".
Fazit
Die Heco Music Style 200 sieht gut aus, ist kompakt, preiswert
und klingt richtig gut - das sind beste Voraussetzungen für eine erfolgreiche
Karriere. Die Verarbeitung überzeugt, zudem gibt es verschiedene lieferbare
Farbvarianten. Der Wirkungsgrad ist durchschnittlich, einen einigermaßen
kraftvollen Verstärker sollte man schon einsetzen. Die Pegelfestigkeit ist
ausgezeichnet, daher gibt es von dieser Seite keine Probleme.
Preiswert, klangstark, optisch attraktiv - die Music Style
200 wird durchschlagenden Erfolg haben
Regal-Lautsprecher Untere Mittelklasse
Test 16. November 2012