XXL-TEST: Yamaha 7.2-Kanal-AV-Receiver RX-A4A - Vollausstattung und sieben Kanäle

Klang Blu-ray, Mission Impossible, "Rogue Nation", Dolby Atmos

Wir legen die Blu-ray von "Mission Impossible - Rogue Nation" ein und wählen das uns bestens bekannte Kapitel, das in Wien spielt. Wir schalten Surround AI aus und aktivieren manuell das für diesen Film ausgezeichnet geeignete "Spectacle" Music-DSP. Zu Beginn der gesamten Wien-Sequenz ist kurz die Skyline der österreichischen Hauptstadt zu sehen, dazu ertönt mächtige klassische orchestrale Musik. In den wenigen Sekunden bereits eröffnet uns der RX-A4A ein freies, weitläufiges sowie gut gestaffeltes Klangbild. Der aktive Subwoofer aus unserem Canton Townus 5.1.2 Ensemble wird äußerst effektiv angesteuert.

Nach dem fulminanten Auftakt befinden wir uns in einer U-Bahn-Station nahe der Wiener Oper. Hier arbeitet der Yamaha alle akustischen Elemente hervorragend heraus. Den aus der Station fahrenden Zug ebenso wie das Gemurmel der Menschen sowie  die Kontaktaufnahme zwischen Benji und Ethan. Auch die Aufregung in Benjis Stimme stellt der RX-A4A überzeugend da - genauso wie das danach folgende Blitzlicht-Gewitter, als der österreichische Bundeskanzler nebst Ehefrau im Dienst-Maybach vor dem Opernhaus vorgefahren wird. Der Spannungsbogen, der vom Music Score aufgebaut wird, ertönt mit Vehemenz, und mit einer exzellenten räumlichen Tiefe und Weite, beides typisch fürs Spectacle-DSP - einem echten Klassiker im DSP-Portfolio der Japaner. Nun geht es ins Innere des Opernhauses, wo in Kürze die Aufführung von Puccinis "Turandot" beginnt.

Die vokalen Elemente, die kleinen Effekte z.B. bei der Kontrolle der Musikinstrumente, präsentert uns der Yamaha sehr lebhaft. Außergewöhnlich gut gefällt uns die nahtlose, zugleich dynamische Einarbeitung der Top Firing-Module. Über den Köpfen der Zuhörer tut sich tatsächlich eine Menge, allerdings immer gut ausbalanciert und nie unpassend übertrieben. Dass der Yamaha auch höchst musikalisch ist, beweist er bei den Opernpassagen. Die Stimmen der weiblichen und der männlichen Protagonisten kommen genau auf den Punkt, der instrumentale Beginn der Oper hat den nötigen Nachdruck, trotzdem werden auch bei enorm hoch liegendem Grundpegel alle Instrumente akkurat auseinander differenziert.

Komplexe Instrumente wie die Streicher sind mit harmonischer Brillanz zu vernehmen, das geht in dieser Preisliga kaum noch besser. Das gilt auch für die Stimmen der Opernsänger, die auch feindynamisch komplett überzeugen können. Ethan allerdings hat weniger Sinn für den musikalischen Genuss, er sucht einen gefährlichen Killer. Mit diesem liefert er sich hoch oben über der Bühne einen harten Faustkampf, den der RX-A4A jederzeit voll kontrolliert und tadellos vom parallel stattfindenden musikalischen Geschehen trennt. 

Insgesamt beeidruckt uns, wie nahe uns der Yamaha an den Inhalt aus klanglicxher Sicht heranlässt. Da fehlt es an nichts, nicht an Realismus, nicht an  Intensität, nicht an Detailreichtum und nicht an Räumlichkeit. Das Spectacle-DSP öffnet den Raum noch etwas weiter, legt besonderen Nachdruck in die Effektwiedergabe, die klaren Strukturen aber bleiben konsequent erhalten. Nichts wirkt künstlich aufgeblasen oder fiktional, alle Klangelemente werden zu einem dichten, klar aufgebauten akustischen Teppich verwoben. 

Klang Blu-ray Lichtmond, "The Journey", Dolby Atmos

Die Tracks "The Journey 1", "The Journey 2", Flowing Like A River" sowie "Nothing But Change" geben klare Rückschlüsse auf die akustischen Talente des Yamaha. Wir haben ihn im "reinen" Dolby Atmos-Modus betrieben, was sich als guter Griff herausstellte. Mit seinem Vermögen, eine weitläufige, zugleich klar definierte Räumlichkeit aufzubauen, entpuppte er sich als akustischer Könner, der praktisch jeden Effekt treffsicher im virtuellen Raum unterbringen konnte.

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Dank der Kraft seiner sieben leistungsfähigen Endstufen benötigt der RX-A4A keinesfalls zwingend einen aktiven Subwoofer als tieffrequente Unterstützung. Natürlich - wer Tiefgang liebt und das massive Bassfundament dieser Blu-ray vollumfänglich umgesetzt haben möchte, wird kaum auf einen aktiven Subwoofer verzichten wollen. Dieser sollte dann allerdings auch ein nicht zu knapp bemessenes Gehäusevolumen und eine Endstufe mit reichlich Leistung besitzen. Schon ohne aktiven Subwoofer schiebt der RX-A4A mit Nachdruck an, wenn die Standlautsprecher einen relativ tief nach unten reichenden Wiedergabebereich besitzen, wird man nur wenig vermissen.

Dabei schafft es der Yamaha immer, eine entsprechend ausbalancierte Einpegelung vorausgesetzt, den Bass nicht zu dominant in den Vordergrund zu stellen. Die Effekte und in den entsprechenden Stücken auch die weibliche Gesangsstimme und den männlichen Sprechgesang werden stets ebenso klar umrissen. 

Klang Stereo

Ja, moderne AV-Receiver können auch im Stereo-Betrieb richtig gute Ergebnisse erbringen. Das verdeutlicht uns der Yamaha RX-A4A zum Beispiel bei "Nessun Dorma", gesungen von Jonas Kaufmann. Die legendäre Arie aus Puccinis "Turandot" bietet der AV-Receiver mit einer facettenreichen vokalen Herausarbeitung dar. Das betrifft nicht nur Jonas' vokale Präsenz, sondern auch den Gesang des Chors, der mit akkuraten Konturen und einer passenden tonalen Auslegung punkten kann. Sämtliche Instrumente gruppieren sich in präziser Ausprägung um die vokalen Elemente und gefallen durch Homogenität und saubere Differenzierung der unterschiedlichen Charakteristika. 

"The Look Of Love" von Diana Krall liegt dem RX-A4A ebenfalls. Dianas charismatische Stimme stellt der Yamaha gekonnt und passend in den Mittelpunkt. Aber auch, wie gut er das Klavier herausarbeitet, verdient enormen Respekt. Denn sogar die Anschlagdynamik der Tasten wird berücksichtigt. Das freie räumliche Gefühl, das der AV-Receiver erzeugt, fördert zudem ein entspanntes Hören, auch über mehrere Stunden.

"Won't Forget You" (Shouse, Remix von Felix Jaehn) lässt weitere Talente des Yamaha aufblitzen. Er schafft eine enorm harte, auch bei hohem Pegel den Punkt treffende Basswiedergabe und eine stets impulstreue Wiedergabe. Dynamische Differenzen erfasst er sofort und stellt sie vollumfänglich dar. Die vokalen Elemente im Song bringt er auf den Punkt, ohne dass Nachdruck und Energiegeladenheit des akustischen Gesamterlebnisses nachlassen. Auch bei solchen Tracks merkt man, dass der RX-A4A in der Lage ist, über den gesamten Frequenzbereich ausgezeichnet aufzulösen.

Konkurrenzvergleich

Yamaha RX-A6A: Ab knapp 2.670 EUR gibt es den RX-A6A mit neun Endstufen. Das sind rund 1.000 EUR mehr für zwei zusätzliche Endstufen sowie Auro 3D-Decoding - viel Geld. Das zeigt auch wieder das einzige wirkliche Problem der aktuellen Aventage AV-Receiver: Die Geräte sind schlichtweg zu teuer. Auch bei Denon muss der Kunde infolge von Lieferengpässen, Chipmangels und gestiegenen Transportkosten mit einem höheren Preisniveau zurechtkommen. Doch bei Yamaha ist es unserer Meinung nach einfach des Guten zuviel. Denn wäre er preisgünstiger, gäbe es am kraftvoll und lebendig aufspielenden RX-A6A mit seiner erstklassigen DSP-Sektion nichts auszusetzen. 

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Denon AVC-X3800H: Mit rund 1.420 EUR derzeitigem Marktpreis nimmt der AVC-X3800H AV-Verstärker die Rolle des Preis-/Leistungs-Champions ein. Er hat neun sehr kräftige Endstufen, Decoder für alle drei 3D Audioformate, zudem Cross Upmixing, einen hervorragenden Assistenten für die Ersteinrichtung direkt an Bord und beeindruckt mit einem geschmeidigen, sehr gut ausbalancierten Klang. Hier bekommt der Kunde zum fairen Kaufpreis einen exzellent ausgestatteten AV-Verstärker, der bis auf die lediglich durchschnittlich verarbeitete Fernbedienung keine Schwächen aufweist. Gut, Audyssey MultEQ XT32 misst nicht perfekt ein, das tut das modernere YPAO im RX-A4A aber auch nicht. Man muss immer manuell nachkorrigieren, insbesondere bei den Pegeln. 

NAD T758 v3i: Mit Marktpreisen von rund 1.600 EUR ist der NAD, ebenfalls mit sieben Kanälen und Decodern für Dolby Atmos und DTS:X ausgestattet, ebenfalls kein Schnäppchen. Er spielt in diesem Umfeld die Rolle des Liebhaber-Geräts. Seine spezielle Optik und die extrem dynamisch zupackenden Endstufen, dazu das äußerst flexible BluOS-Modul, das auch wegen der MQA-Kompatibilität HEOS und MusicCast gegenüber überlegen ist: Diese Mischung zeichnet den NAD aus. Dafür nimmt der Käufer deutliche Ausstattungsschwächen hinsichtlich der HDMI-Bestückung und der HDMI-Features in Kauf. 

Fazit

Der Yamaha RX-A4A ist ein äußerst hochwertiger Siebenkanal-AV-Receiver im progressiven Design, der mit weitgehend kompletter Ausstattung im Test überzeugt - nur Auro-3D als dritter 3D Audio-Decoder fehlt bei diesem Modell. Yamahas aufwändige Yamaha DSP-Technik inklusive dem KI-basierten Surround AI und dem weiter entwickelten Cinema DSP HD3-Prozessor ist beim RX-A4A selbstverständlich an Bord. Mit einem atmosphärisch dichten, vielschichtigen, zugleich enorm kräftigen Klangbild offeriert der AV-Receiver mit DAB-Tuner ein hervorragendes akustisches Niveau. Wem sieben Endstufen reichen, der bekommt mit dem Yamaha AV-Receiver einen zwar teuren, aber auch äußerst leistungsfähigen AV-Boliden an die Hand. Dass das Gehäuse komplett aus Kunststoff gefertigt ist, stellt sich als ein Wermutstropfen heraus, dafür liefert Yamaha eine auch qualitativ hervorragende Fernbedienung mit. Anstatt des AV Setup Guide würden wir uns einen integrierten Assistenten für die erste Einrichtung wünschen, das ist aber sicherlich auch Geschmackssache.

Überdurchschnittlich leistungsstarker AV-Receiver mit hochwertiger DSP-Technologie

AV-Receiver bis 2.000 EUR
Test 23. Februar 2023

Test: Carsten Rampacher
Fotos: Sven Wunderlich
Datum: 23. Februar 2023

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