XXL-TEST: NAD digitaler Vollverstärker C 368 plus MDC BluOS 2i Modul - First Class-Paket für knapp 1.500 EUR

Der NAD C 368 ist ein leistungsstarker digitaler Vollverstärker zum fairen Preis von 975 EUR. Man kann wahlweise in HDMI-Modul oder auch ein BluOS-Streaming-Modul hinzukaufen. Letzteres kommt auf recht üppige 489 EUR. Somit kommen C 368 plus BluOS-Modul zusammen auf 1.464 EUR. Man kann sich auch noch (es gibt 2 Steckplätze für Module) noch das MDC HDM-2 hinzukaufen. Mit diesem wird der C 368 zur standesgemäßen Schaltzentrale auch für Videoquellen, denn es finden sich drei HDMI 2.0-Eingänge und ein HDMI-Ausgang (mit ARC) an diesem Board. Kostenpunkt dieser zusätzlichen Investition: 320 EUR. 

Der C 368 setzt auf die sogenannte "HybridDigital" (Trademark von NAD) Verstärkertechnologie. Dahinter verbirgt sich ein selbstschwingender, mit einer aktiven Gegenkopplung arbeitender Class D-Digitalverstärker. Er wandelt das analoge kurvenförmige Eingangssignal als erstes mittels Pulswellenmodulation (PVM) in ein Rechtecksignal um. Nun befindet sich die Musikinformation ausschließlich in der sich verändernden Pulsweite. Da die Leistungstransistoren benötigen somit lediglich zwei Zustände (0 oder 1). Das führt zu einer ungemein effizienten Arbeitsweise. An eine Leistungsausbeute von über 90 Prozent kommt kein analog arbeitender Verstärker heran. Bei analog aufgebauten Verstärkereinheiten geht im Verlauf des Verstärkungsprozesses im Vergleich viel Energie in Form von Verlustwärme verloren. 

Modular Design Construction - mit BluOS-Modul bei uns zum Test. Oben kann man ein weiteres MDC-Modul einschieben

Rückansicht komplett

Wie bereits eingangs erwähnt, ist der C 368 mittels von MDC (Modular Design Construction)-Modulen erweiterbar. Damit kann man neue, wichtige Funktionen erhalten, so z.B. umfangreiches BluOS-Streaming und Einbindung in BluOS Multiroom-Systeme, wie bei unserem Testgerät. Mit an Bord beim C 368 ist auch Bluetooth, für einfaches Streaming vom Tablet oder Smartphone. Mit dem bereits mehrmals erwähnten BluOS-Modul kann man den C 368 dann drahtlos oder kabelgebunden ins Netzwerk bringen.  Zu steuern ist der Verstärker zudem mit der NAD Remote App, die fließend mit der BluOS-App zusammenarbeitet. 

Der C 368 bringt es auf 2 x 80 Watt Dauerleistung an 4 und auch an 8 Ohm. Die Impulsleistung an 8 Ohm liegt bei 2 x 120 Watt, an 4 Ohm liegen 2 x 200 und an 2 Ohm 2 x 250 Watt Impulsleistung an. Im Mono-Brückenmodus an 6 Ohm liefert der C 368 300 Watt an Leistung. Verbaut sind D/A-Konverter mit 192 kHz/24-Bit (hier setzt NAD nicht auf 32-Bit DACs laut technischen Daten). Für die oben beschriebenen MDC Module gibt es gleich 2 Steckplätze, das heißt, ergänzend zum MDC-Modul für BluOS-Streaming kann man noch ein weiteres Modul einschieben. 

Bluetooth mit aptX findet sich auch dann, wenn man kein MDC-Modul verwendet. Am MDC-Modul ist aber ein weiterer "BT Antenna" Anschluss

Lautsprecherkabel-Schraubanschlüsse in normaler Qualität. Hier wären hochwertigere Terminals mit Acrylglas-Ummantelung die schönere Alternative

Der NAD C 368 verfügt ferner über 2 optische und 2 koaxiale Digitaleingänge, einen Phono MM-Eingang, 2 analoge Hochpegeleingänge, einen Vorverstärker-/Subwooferausgang und einen Kopfhöreranschluss. Das eingebaute Bluetooth-Modul arbeitet bidirektional. Auch vorhanden sind Anschlüsse für 2 Lautsprecherpaare (A + B). Ein- und Ausgänge für IR- und 12V Trigger-Signale fehlen auch nicht. Im Standby-Betrieb braucht der C 368 lediglich 0,5 Watt an Strom. 

Passung Frontblende-Gehäuse

NAD-typisch ist der leider nicht gerasterte Lautstärke-Drehregler

Sehr gutes Display

Informative Anzeige aller Settings, hier Balance

NAD-Logo, Multifunktionselement und Kopfhörerbuchse

Anzeige

Quellwahl und Lautstärkeregelung

Seitliche Ansicht

Ansicht von oben

Gerätestandfuß

Die Verarbeitung des C 368 ist nicht zu kritisieren, im Gegenteil. Das kompakte, relativ flache Gehäuse mit dem großen Display wirkt optisch minimalistisch, zeitlos, elegant. Und an der Materialqualität lässt sich nichts aussetzen, auch in Details nicht. Die Gerätestandfüße wirken hochwertig und auf der Rückseite sind alle Anschlüsse präzise und fest eingepasst. Auch das Spaltmaß zwischen der Frontblende und dem Rest des Gehäuses ist gleichmäßig und eng. 

Die mitgelieferte Fernbedienung geht für die Preisklasse völlig in Ordnung. Sie liegt tadellos in der Hand, gibt keine Rätsel auf und überzeugt uns mit guter Materialqualität. 

Zubehör

Fernbedienung

Das Geräteinnere präsentiert sich aufgeräumt, und nicht übertrieben prall gefüllt, somit etwas unspektakulär. Das Platinenlayout erscheint sorgfältig, es finden sich zwar einige Kabelstränge, diese sind aber recht sauber verlegt. 

Innenleben gesamte Ansicht

MDC-Board

Lautsprecher-Terminals von innen

Phono-Board

Digitale Endstufen

Stromversorgung

Der NAD C 368 lässt sich mittels der mitgelieferten Fernbedienung und dem großen  Display ebenso bedienen wie über die Bluetooth-basierte NAD Remote App. Auch direkt am Gerät finden sich, möchte man auf diese Lösung zurückgreifen, alle relevanten Bedienelemente. 

Wie lässt sich das BluOS-Modul handhaben? Hier unsere Screenshots:

BluOS-Optionen

BluOS Player-Auswahl

BluOS-App Audioeinstellungen

BluOS-App, Hauptmenü. Man kann jederzeit Musikdienste nach Wahl hinzufügen

Musikdienste, Teil 1

Musikdienste, Teil 2

BluOS-App Tidal-Anmeldung. Im Gegensatz zu Spotify (hier läuft alles direkt über die Spotify-App) kann man sich in der BluOS-App bei Tidal anmelden

Da BluOS auch MQA-Dateien wiedergibt, kann man sich Titel in Tidal Master Quality nativ anhören. Hier eine entsprechende Liste

Tidal: Meine Musik

Wählt man Spotify für die Wiedergabe aus, läuft alles über die Spotify-App

Wahl des BluOS-Moduls im C 368 in der Spotify-App

Wiedergabe eines Titels

Die BluOS-App präsentierte sich in den Tests wieder von ihrer besten Seite. Sofort wurde das Modul von der App auf dem iPhone erkannt, und direkt konnte man mit der Verwendung beginnen. Einfach ist es, aus einer reichhaltigen Auswahl Musikdienste zum Hauptmenü hinzuzufügen. Auch einfach gestaltet sich der Wechsel zwischen potentiellen unterschiedlichen Playern. Während man sich direkt aus der BluOS-App bei Tidal anmelden kann, wird beim Aufrufen von Spotify sofort zur Spotify-App gewechselt. Dort sucht man sich den C 368 als Player heraus und direkt beginnt die Wiedergabe. Nochmals kurz zu Tidal. Aufgrund der Tatsache, dass BluOS MQA beherrscht, kann man sich alle Titel in Tidal Master Quality (entsprechendes Abonnement vorausgesetzt) in nativer Qualität (Hi-Res) anhören. 

Neben  der BluOS-App gibt es auch eine NAD Remote App. Zu dieser haben wir nach dem Download aus dem App Store ebenfalls Screenshots erstellt.

Der C 368 wurde von der Bluetooth-basierten App sofort erkannt

Anzeige der aktuellen Quelle

Grundmenü

Menü "Settings"

Settings mit aufgeklapptem Menü "Pre Out/Subwoofer"

Settings mit aufgeklapptem Menü "Bass"

Der C 368 wurde von der NAD Remote App umgehend erkannt und es kam zu keinerlei Schwierigkeiten während des Betriebs. 

Klang

Wir haben den NAD C 368 an den Canton Reference 5 K getestet. Zugespielt haben wir Musik von Tidal, und zwar in Master Quality und in HiFi-Qualität. Generell beeindruckend ist die enorme Pegelfestigkeit des C 368, der überhaupt keine Mühe hat, die teuren Reference 5 K entschlossen anzutreiben. Souverän werden bei "All Day And Night (Jax Jones & Martin Solveig) enorme Pegel erzielt, und zwar ohne akustische Einschränkungen. Der Bass weicht nicht auf, der Hochtonbereich hält zu jeder Zeit die richtige Balance zwischen Klarheit und einer nie zu spitzen oder metallischen Charakteristik. Die weiblichen Vocals bringt der C 368 mit sauberer Struktur in den Hörraum. Das gelingt immer noch bei 80 bis 85 Prozent des maximal möglichen Pegels, was einer exzellenten Performance entspricht. Richtig gut ist es auch im die Räumlichkeit bestellt.

Der NAD Vollverstärker baut einen richtig großen, gleichzeitig glaubwürdigen Raum auf. Er sollte am besten mit großen Standlautsprechern kombiniert werden, die dieses Volumen, welches der C 368 generieren kann, auch umsetzen. Genau diese Tugenden helfen dem NAD bei "Feeling You" von Croatia Squad: Echtes Club-Feeling kommt hier auf, mit sattem Bass, den bewusst harschen Ryhtmus-Wechseln und einer breit angelegten Räumlichkeit. 

In Tidal Master Quality hören wir "I Don't Care" von Ed Sheeran und Justin Bieber. Mit einem auf den Punkt kommenden Bass, der eine für diese Preisklasse nahezu optimale Mischung aus Volumen und Präzision bereitstellt, und einer ausgezeichneten Loslösung der Stimme von den Lautsprechern ergänzen sich der C 368 und die Canton Reference 5 K hier sehr gut. Der Rhythmus des Stücks wird mit stets untadeliger Impulstreue erfasst, und auch kleine musikalische Einzelheiten berücksichtigt der NAD-Verstärker zu jedem Zeitpunkt. Er vermittelt einen sehr kultivierten Gesamteindruck, ohne es aber an Dynamik und Spielfreude fehlen zu lassen. 

Auch bei "Shallow" (Lady Gaga, Bradley Cooper) bleibt der NAD seiner klaren, doch zugleich homogen-angenehmen Auslegung treu. Er modelliert Bradleys Stimme feinfühlig  heraus, ohne dafür an der Detaillierung der akustischen Gitarre zu sparen. Diese ertönt sehr plastisch, und auch der Übergang, als Lady Gaga beginnt, zu singen, wirkt nahtlos, trotzdem tiefgründig und exakt. Der sich dazu gesellende Bass kommt wieder exakt richtig vom Timing her, und die ganze Atmosphäre, die sich rund um die elementaren akustischen Elemente abspielt, wird exzellent präsentiert. So entsteht der Eindruck eines lückenlosen, intensiven Hörerlebnisses, das für unter 1.000 EUR (NAD C 368 ohne BluOS-Modul) schlichtweg sensationell ist.

Für den satten, tiefen Bass ist "Paradise" von Bazzi berüchtigt innerhalb unserer Testreihen. Wie die vorangehenden Titel liegt auch dieser Track in Tidal Master Quality vor. Und erneut bringt der C 368 dank der kraftvollen HybridDigital-Endstufen den Bass hervorragend zur Geltung - ohne dass die vokalen Elemente unpassend in den Hintergrund rutschen würden. Stets wird auch der Stimme genug Präsenz an vorderster Front eingeräumt. Diese Mischung sorgt erneut für einen richtig hohen Erlebnisfaktor. Man hört hier einfach gern zu, und soll es noch lauter werden, damit man richtig akustisch eintauchen kann: Kein Problem, der NAD macht auch richtige Pegel-Orgien mit, ohne überlastet zu wirken. 

Mit Klassik gibt es, was wir auch schon erwartet hatten, keinerlei Schwierigkeiten. Beim ersten Allegro aus Wolfgang Amadeus Mozarts Klavierkonzert Nummer 20 begeistert der NAD durch die gekonnte Mischung aus Dynamik und Sensibilität. Filigran umreißt er die Streicher und das Klavier ist, wie man so schön sagt, "wohltemperiert". Auch dynamische Wechsel werden subito erledigt, ohne dass irgendeine ernstzunehmende Anstrengung seitens des C 368 wahrzunehmen wäre. Die dichte, zugleich feine Räumlichkeit zeichnet den Verstärker auch diesmal wieder aus. Durch die klare, kultivierte, mitreißende Präsentation des Allegros spielt sich der NAD auch in die Herzen der Klassik-Liebhaber. Wieviel Kraft seine Endstufen besitzen, verdeutlicht er in den Passagen, in denen sich dynamisch, auch nach oben heraus, viel tut. Natürlich managen solche Parts teuere Verstärker noch besser, keine Frage. Aber der C 368 kostet in "Grundausstattung" 975 EUR. Dafür ist das Gebotene ohne Zweifel nicht nur sehr gut, sondern rundherum exzellent.

Allerdings trifft der C 368 auf extrem harte Konkurrenz, was ihm "das Leben" gewiss nicht einfacher macht. Besonders in Erscheinung tritt hier der Marantz PM-7000N. Der hervorragend verarbeitete Verstärker mit Heos Streaming-Modul ist für knapp 1.200 EUR zu haben. Klar, das ist mehr als beim C 368, aber beim Marantz ist das Heos Streaming-Modul serienmäßig inkludiert. Da verzeiht man dem PM-7000N auch, dass das Heos-Modul nicht in der Lage ist, MQA-Dateien wiederzugeben. Dafür ist der Marantz Vollverstärker enorm hochwertig aufgebaut und verfügt über außergewöhnlich edle Lautsprecherkabel-Schraubanschlüsse, die in einer ganz anderen Liga spielen als die eher normalen des C 368. Im Gegensatz zum C 368 setzt der Marantz auf klassische analoge Endstufen - die man aber keinesfalls unterschätzen sollte: Trotz der nicht eben gigantisch klingenden Leistung von 2 x 60 Watt schiebt der PM-7000N auch große Standboxen ohne jedes Problem an. Insgesamt ergibt sich hier praktisch ein Patt: Für den Marantz sprechen sein mit Streaming-Modul günstigerer Preis, seine sensationelle Verarbeitung vor allem auch innen sowie bei den Anschlüssen und der ungemein kräftige, völlig homogene Sound. Der NAD C 368 kontert mit nochmals etwas höherer Pegelfestigkeit und einer etwas höheren Grobdynamik sowie dem erstklassigen Display. Zudem gefällt uns die Option, zwei Module nachzurüsten, sehr gut.

Doch die beiden Asse trumpfen nicht alleine auf, sondern müssen sich auch noch mit dem Quad Vena 2 Play herumärgern. Er kostet 999 EUR, komplett mit DTS Play-Fi-Streamingmodul und ausgezeichneter Verarbeitung. Der Vena 2 Play ist allerdings einfacher gehalten, ohne Display, aber die Materialgüte  auch innen ist für knapp 1.000 EUR ebenso überragend wie der frische, nachdrückliche Sound. 

Fazit

Das gibt es auch nicht oft: Der NAD C 368 zieht nach und setzt sich nach dem Marantz PM-7000N als zweites Masterpiece ganz oben in unserer Bestenliste fest. Er gefällt uns sogar nochmals besser als der "Edel-Bruder" M10 (2.999 EUR), der sicherlich besonders nobel aussieht und zudem noch mit Dirac Live ausgestattet ist, aber bestimmt nicht so viel besser klingt wie er mehr kostet. Der C 368 - sorry NAD - kommt der Klangqualität sehr nahe und mit 975 EUR Grundpreis (Module addieren sich dazu) ist er richtig günstig für diese technische und akustische Qualität. Selbst Boxen mit 7.000 EUR Paarpreis können ohne wirkliche Abstriche am famosen C 368 betrieben werden, der schlichtweg, gerade in der "nackten" Basisversion, ein unschlagbares Preis-/Leistungsverhältnis bietet.

Unfassbare Kraftreserven fürs Geld, plus praktische Erweiterungsmöglichkeiten - der NAD C 368 rockt seine Klasse

Stereo-Vollverstärker bis 1.000 EUR (Grundpreis)
Test 20. Juli 2020

Test: Carsten Rampacher
Fotos: Philipp Kind
Datum: 20. Juli 2020

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