XXL-PREVIEW: NAD T758 V3 - die AV-Receiver-Alternative in der angehenden Oberklasse

Der T758 V3 ist ein laut Datenblatt leistungsfähiger AV-Receiver für 1.499 EUR im typischen NAD-Design. Er repräsentiert die dritte – und nochmals verbesserte – Generation dieses A/V-Receivers. Mit seiner 4K Ultra HD Video-, Dolby Atmos- und DTS:X Unterstützung und fünf individuell programmierbaren A/V-Voreinstellungen bietet dieser AV-Receiver laut Hersteller flexible und zeitgemäße Möglichkeiten für die Wiedergabe von Bild und Ton - wir werden nun überprüfen, ob sich das in der Praxis bewahrheitet.

Rückseite

Integriert ist auf der Rückseite ein Bluesound-Modul. Unserer Meinung nach ist Bluesound zurzeit eine der besten Streaming-Plattformen, die auch MQA unterstützt. Ebenfalls an Bord ist die überaus effektive Dirac Live® Raumkorrektur, die mit Hilfe des zum Lieferumfang gehörenden kalibrierten Messmikrofons in jedem Raum für ein perfektes, stets transparentes Kinoerlebnis sorgt.

Dirac Live-Mikrofon

Der NAD T758 V3 bietet bei der Aussteuerung aller Kanäle 60 Watt Dauerleistung pro Kanal. Da mag manch einer denken: Viel ist das nicht. Völlig falsch. Denn oft werden Leistungen von mehr als 100 oder sogar knapp 200 Watt pro Kanal nur bei Aussteuerung eines Kanals bei 1 kHz erzielt. Der NAD schiebt mit 60 Watt pro Kanal bei gleichzeitiger Aussteuerung aller Kanäle an. Damit ist garantiert, dass im Mehrkanal-Einsatz stets beachtliche Reserven bereitstehen. Etwas spärlich fällt die Bestückung mit HDMI-Terminals aus.

Rückseite komplett

Anschlüsse und BluOS-Modul

Hier die HDMI-Sektion ohne das BluOS-Modul

Das BluOS-Modul wird über USB angeschlossen

7.1 Input mit flexibler Nutzung: Front Height-Speaker oder Zone2 Input. Ähnliches beim 7.1 Ausgang: Surround B/Front Heights oder Zone 2 zuweisbare

Es gibt drei HDMI-Eingänge sowie einen HDMI-Ausgang, die allesamt Dolby Vision-kompatibel sind. Der neueste HDCP-Standard 2.3 ist noch nicht vorhanden, man belässt es bei HDCP 2.2. An weiteren Anschlüssen finden sich zwei optische und zwei koaxiale Digitaleingänge, ein USB-Slot, 3 analoge Cincheingänge, ein Cinch-Ausgang für Zone 2 sowie einen 7.1 Cinch-Eingang und einen 7.1 Cinch-Ausgang, die hinsichtlich der Zuweisung flexibel verwendet werden können. Einen Ethernet-Ausgang hat nur der Anwender, der das BluOS-Modul verwendet - aber auch nur dann macht er Sinn.

Dolby Atmos® und DTS:X werden decodiert, die hochauflösende 24 Bit / 192 kHz Audiowiedergabe, die bereits erwähnte Dirac Live® Raumkorrektur (light Version, Upgrade optional) und 5 individuell programmierbare AV-Voreinstellungen sind weitere Features.

Verarbeitung

Solides Gehäuse

Bedienelemente lins mit Display

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Und die rechte Seite

Gerätestandfüße

Was lässt sich zur Verarbeitung sagen? Hier finden wir nur lobende Worte. Das Gehäuse erscheint massiv, dies dokumentiert auch das stattliche Gewicht. Die Materialübergänge sind sauber, unter dem T757 V3 befinden sich tadellos verarbeitete Gerätestandfüße. Das Punktmatrix-Display ist groß, bietet einen guten Kontrast und besitzt zwei Zeilen. Der Lautstärkeregler ist ordentlich geführt, wenn auch nicht perfekt. Zudem ist er leider nicht gerastert. Da wir gerade bei den Kritikpunkten sind: Die recht einfach gehaltenen Lautsprecherkabel-Anschlüsse hinten passen nicht ganz ins sonstige Bild, das von den vergoldeten Cinch-Anschlüssen beherrscht wird.

Haupt- und Zusatz-Fernbedienung

Im Lieferumfang enthalten ist eine aus qualitativer Perspektive ordentliche Fernbedienung. Die Hauptfernbedienung wird ergänzt durch eine kleine Zusatz-Remote für die elementaren Funktionen.

Aufbau innen

Akkurates Platinenlayout

Aluminium-Kühlkörper

Audio-DSP

Seitliche Ansicht

Hier fokussiert auf den Trafo 

Das Innenleben gefällt mit sorgfältigem Platinenlayout und einem großen Kühlkörper aus Aluminium. Das Chassis ist nicht besonders aufwändig konstruiert, zudem gibt es im Inneren auch keinen Aufbau in unterschiedliche Kammern. 

Menü

Die Menü-Screenshots in englischer Sprache folgen nun. Wie üblich, möchten wir hier einen Überblick über alle relevanten Funktionen geben.

Hauptmenü

DSP-Optionen

Ton-Einstellungen

Zone 2 - Optionen

Setup-Menü

Control Setup

Setup für die Quellen

Umfangreiche Einstelloptionen pro Quelle

Nun folgt das Lautsprecher-Setup (manuell)

Übersichtlich: Die Übernahmefrequenzen

Pegelabgleich

Einstellung der Lautsprecher-Abstände vom Hörplatz

Zuweisung der Endstufen

Dolby-Setup

DTS-Setup

Display-Dimmer etc.

Programmierbare Presets

Sprachauswahl

Die Menüs sind übersichtlich und grafisch schlicht, aber modern gehalten. Was fiel uns auf?

  • kein Einrichtungsassistent
  • Der NAD reagiert flink und zügig auf Eingabebefehle
  • Manuelles Lautsprecher-Setup: Abstand in 0,3 m Schritten einstellbar, viele Konkurrenten bieten 0,1 Meter-Schritte

Einige kleine Kniffe sollte man bei der Bedienung wissen

  • ENTER-Taste auf der Fernbedienung ist kein "OK"-Button, sondern fungiert wie eine "nach unten"-Taste - Bug? - Bedienung daher etwas umständlich, mit einem Klick nach rechts wird der gewünschte Parameter ausgewählt und dann mit oben und unten (am Navigationskreuz) entsprechend gesetzt
Klang Mehrkanal - Deadpool, Dolby Atmos, Szene 2 & 3, Taxi, Verfolgungsjagd und Gefecht

Insgesamt offeriert der T758 V3 eine enorm räumliche Kulisse mit sehr hoher Dichte. Auch in der Überkopf-Ebene stellen wir eine immersive, nahtlose Atmosphäre fest. Dabei agiert der NAD immer authentisch. Es gibt keine künstlich wirkenden Überkopf-Effekte, dafür umhüllt die gesamte Kulisse glaubwürdig, wenn nötig auch subtil, den Zuschauer, und man fühlt sich dadurch ins Geschehen eingebettet. Herauszuhören ist die sehr gute Stimmwiedergabe des Protagonisten hinter seiner Maske, nach dem Abnehmen der Maske im Taxi kann man die charakteristischen vokalen Eigenschaften von Ryan Reynolds Stimme klar nachvollziehen.

Natürlich ist der T758 V3 in der Lage, auch nachdrücklich zupacken zu können. Im Action-Geschehen schiebt der NAD monströs an und schleudert die Explosionen und Geschosse dem Zuschauer entgegen. Dynamiksprünge werden blitzschnell, explosionsartig umgesetzt - dieses Reaktionsvermögen ist einer der großen Vorzüge des NAD AV-Receivers. Auffällig ist überdies die sehr gute Einbindung des Subwoofers, dieser bleibt auch präzise im vorgegebenem Frequenzbereich.

Im weiteren Verlauf manifestieren sich unsere anfänglich getroffenen Feststellungen. Die immersive Klangkulisse wirkt in jeder Sequenz sehr weitläufig, Geschosse und herumfliegende Objekte können sehr präzise geortet werden. Der NAD bleibt auch bei hohem Pegel absolut souverän und beschallt unser mittelgroßes Wohnzimmer in Kombination mit anspruchsvollen Lautsprechern in exzellenter Manier - klar, man bekommt für 1.500 EUR auch schon zahlreiche Modelle mit 9 Endstufen, aber ob diese so leistungsfähig sind wie die 7 des T758 V3, bezweifeln wir doch. Auch in sehr hohen Pegelbereichen erzeugt unser Testkandidat ein absolut ausgewogenes und harmonisches Klangbild. Mitreißend und schwungvoll wird das Kampfgeschehen von einem Music-Score unterlegt, die Sprachverständlichkeit bleibt dabei stets auf hohem Niveau

Stereo - Eva Cassidy, Ain't no Sunshine & Filmmusik Hans Zimmer - Wheel of Fortune

Natürlich kann der T758 V3 auch im Zweikanal-Betrieb mit seinen zahlreichen Qualitäten punkten. Die sehr klare, authentische Wiedergabe der Stahlsaiten-Gitarre ist zu loben, hier hört man den Unterschied zwischen Zupfen und Anschlagen der Saiten eindeutig heraus Eva Cassidy Stimme begeistert: Charismatisch, dynamisch, facettenreich. Dazu passt die breite, weitläufige Bühne mit sauberer örtlicher Staffelung. Auch hier wird, ebenso wie im Mehrkanal-Betrieb, eine dichte, authentische Atmosphäre geboten. Das einsetzende Klavier begeistert mit exzellenter Klangtemperatur, auch die Anschlagdynamik wird erfasst. Immer wieder spricht uns die exzellente Auflösung im Hochtonbereich an, sehr durchhörbar und brillant, jedoch nie spitz.

Bei der aus Fluch der Karibik bekannten Filmmusik von Hans Zimmer bietet der NAD nochmal alles auf und man kann sich auf seine Leistungsreserven absolut verlassen. Sehr schnell und impulstreu wird hier agiert,  die tiefen Bässe kommen punktgenau und präzise. Die einzelnen orchestralen Instrumente lassen sich mühelos unterscheiden. Wieder hervorzuheben: Der sauber gestaffelte Bühnenaufbau mit leicht nachvollziehbarer Struktur. Die kraftvollen, nachdrücklichen Paukenschläge überzeugen mit beeindruckendem Tiefgang. 

Erstes Fazit

Der 7.1-Kanal-AV-Receiver NAD T758 V3 unterscheidet sich in einigen Punkten von den Offerten, die Pioneer, Onkyo, Marantz, Yamaha oder Denon in der identischen Preisklasse bereithalten. Während die großen Hersteller oft schon Modelle mit 9 Endstufen und jeder Menge HDMI-Terminals anbieten, setzt NAD im T758 V3 sieben Endstufen ein, die aber mit einer extremen Leistungsfähigkeit begeistern können. Pegelfest, Dynamik, Impulstreue - grandios. Akustisch spielt sich der T758 V3 nicht nur an die Spitze der Preisklasse, auch in der Region über 2.000 EUR, so unsere bisherigen Eindrücke, kann der NAD noch souverän konkurrieren. Zudem ist er ausgezeichnet verarbeitet - von kleinen Schwächen abgesehen: Der Lautstärkedrehregler sollte gerastert sein, und die Lautsprecherkabel-Anschlussterminals sind für diese Preisklasse nicht sonderlich hochwertig. Prima gefällt uns das zweizeilige Display und auch im Inneren der große Alu-Kühlkörper. Das Streaming-Modul für die Verwendung der BluOS-Plattform wird mitgeliefert, ist aber nicht fest im T758 V3 integriert. Das ist etwas gewöhnungsbedürftig. Die drei HDMI-Eingänge und der eine Ausgang sind nicht mehr als Minimalbestückung - andererseits: Wer braucht wirklich sieben und mehr HDMI-Slots. Wenigstens vier oder fünf Eingänge wären, ebenso wie zwei Ausgänge, aber schon gut. Das aufwändige Dirac Live-Lautsprecher-Einmesssystem werden wir im finalen Test noch ebenso ausführlich behandeln wie die Möglichkeiten mit dem BluOS-Modul.

Preview: Carsten Rampacher, Philipp Kind
Fotos: Philipp Kind
Datum: 01.05.2020

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