XXL-PREVIEW: Denon 9.2-Kanal-AV-Netzwerk-Verstärker AVC-X3700H

Der Denon AVC-X3700H für exakt 1.099 EUR ist der kleinste Denon AV-Verstärker aus der 2020er X-Serie. Dr decodiert bis zu 11.2 Kanäle, eingebaut sind neun analoge Endstufen mit jeweils 180 Watt. Zu den wichtigen Ausstattungsmerkmalen gehört die Unterstützung für Dolby Atmos, DTS:X, DTS Virtual:X, Dolby Atmos Height Virtualization sowie IMAX Enhanced.

Zubehör: Fernbedienung und alles fürs Lautsprecher-Einmessen inklusive Mikrofon und "Behelfsstativ"

Komplette Rückseite

Der 3700 verfügt über dedizierte „8K“-HDMI-Unterstützung für 8K/60Hz- und 4K/120Hz-Video-Passthrough sowie Unterstützung wichtiger HDR-Formate (einschließlich HDR10+ und Dynamic HDR). Das neue HDMI-Feature QMS (Quick Media Switching) ermöglicht es zudem, direkt zwischen unterschiedlichen Auflösungen und Bildraten zu wechseln, ohne dass ein schwarzer Bildschirm angezeigt wird. Natürlich unterstützt der kleinste Verstärker der X-Serie nach wie vor HDR10, HLG (Hybrid Log Gamma), Dolby Vision, 4:4:4 Pure Color Subsampling sowie BT.2020-Passthrough.

HDMI-Sektion

Eine außergewöhnliche Bewegungsschärfe mit 4K/120-Hz-Passthrough sowie VRR (Variable Refresh Rate), das Frame-Tearing entgegenwirkt und die Präzision insgesamt erhöht, ist ein Kernfeature der 2020er Denons und somit auch vom AVC-X3700H. Zudem sind ALLM (Auto Latency Mode) und QFT (Quick Frame Transport) vorhanden, um Verzögerungen zu verringern und Reaktionszeiten zu verbessern.

Nun kommen wir zu einem weiteren neuen Kern-Ausstattungsmerkmal, denn die neuen Modelle der Denon X-Serie inklusive unserem Test-Kandidaten sind zudem in der Lage, bestehende HD- und 4K- Inhalte auf 8K zu skalieren, um die Vorteile der 8K-Auflösung einem breiteren Spektrum an Quellen zugänglich zu machen. Da es mittlerweile zahlreiche 4K Medien gibt und immer mehr Displays in nativer 8K Auflösung auf den Markt kommen, war die Weiterentwicklung konsequent - allerdings muss gesagt werden, dass die meisten 8K-TVs sehr gut von FullHD oder UltraHD auf 8K hochrechnen können. Natürlich ist der AVC-X3700H auch mit HDMI eARC ausgestattet - somit kann man, wenn der 3700 mit dem TV verbunden ist, auch z.B. Dolby Atmos-Ton von Netflix zum AV-Verstärker lotsen. 

Weiter neu in 2020 ist der spezielle Vorverstärker-Modus. Wie auch die beiden größeren Denon Modelle AVC-X4700H und AVC-X6700H wartet auch der AVC-X3700H mit einem neuen Vorverstärker-Modus auf, mit dem bisher nur der Flaggschiff-AV- Verstärker AVC-X8500H ausgestattet war. Im Vorverstärkermodus werden die internen Verstärker abgeschaltet, wenn der Receiver als AV-Prozessor eingesetzt und alle Lautsprecher von externen Verstärkern gespeist werden. Dies sorgt für einen reinen Signalpfad sowie höhere Ausgangsspannungen bei geringeren Verzerrungen.

Passung der Frontblende

Display

Quellwahlregler

Lautstärkedrehregler

Standfuß im Detail

Der AVC-X3700H präsentiert sich in gewohnter Denon-Optik und mit sauberer Fertigungs- und Materialqualität. Alle Spaltmaße sind gering, der günstigere 3700 muss allerdings mit einer (sauber eingepassten) Kunststoff-Front auskommen. Unter dem Gerät sitzen große Standfüße. Die beiden Drehregler für Quelle (links) und Lautstärke (rechts) sind ebenso typisch Denon wie die fest sitzenden Terminals hinten und die recht handliche sowie übersichtliche Fernbedienung.

Fernbedienung

Für die Preisliga geht sie qualitativ völlig in Ordnung. Alternativ kann man den AV-Verstärker auch mit der passenden, schon älteren Denon-App steuern.

Innenleben

Wie man es von Denon kennt, punktet auch der 3700 mit einem sehr sauberen Aufbau innen, nirgendwo findet sich Kabel-Wirrwarr oder unsolide gelagerte Platinen. Alles ist fest verschraubt, zudem sind die diskreten Endstufen so aufgebaut, dass jede Endstufe identische Arbeitsbedingungen vorfindet. Groß dimensionierte Kühleinheiten und solide mit dem Gehäuseboden verschraubte Transformatoren sind weitere Merkmale. Das Denon Referenz-Design findet sich in dieser Klasse natürlich nicht, trotzdem gefällt auch der AVC-X3700 mit einem tadellosen Innenaufbau.

Dank dem bewährten, 2020 nicht überarbeiteten HEOS® Built-in gibt der AVC-X3700H Musik von zahlreichen Streaming-Diensten wie Spotify und Spotify Free, Napster, Amazon Music (HD), TuneIn, Deezer, SoundCloud und TIDAL wieder. Zudem natürlich auch von USB, von NAS-Systemen, vom Home Server und vom Notebook/PC. Die Musikbibliothek von Smartphone und Tablet kann nicht nur per Netzwerk-Streaming, sondern auch über Bluetooth wiedergegeben werden. Einfach kann man den 3700 in ein Heos Multiroom-Setup einbinden und ihm eine Hörzone mit Raumnamen zuweisen. Der AVC-X3700 unterstützt zudem Apple AirPlay 2 und ist zu allen drei Sprachassistenten Apple Siri, Amazon Alexa und Google Assistant kompatibel.

Die AV-Verstärker der 2020er X-Serie verfügen zudem über die Zertifizierung „Roon Tested“, sodass Anwender ihre Musikbibliothek mithilfe der fortschrittlichen Roon Benutzeroberfläche auf PCs und Smart Devices optimal nutzen können. Über AirPlay 2 können die Roon zertifizierten Denon AVRs problemlos von Roon identifiziert und eingerichtet oder per Kabel mit einem Roon Core Gerät  (zwingend für die Verwendung von Roon erforderlich) verbunden werden.

Neben der Möglichkeit zum High-Res-Audio-Streaming ist jeder der 2020er X-Verstärker auch mit einem USB-Eingang an der Vorderseite ausgestattet, der eine unkomplizierte Wiedergabe von MP3- und hochauflösenden Audioformaten (WAV, FLAC, ALAC und DSD 2,8/5,6 MHz) ermöglicht.

Audyssey-Mikrofon 

Die Modelle der X-Serie aus dem Jahr 2020 unterstützen zudem die neu eingeführte Funktion „Dual Speaker Setup Preset“, die es ermöglicht, zwei Lautsprecherkonfigurationen (per Audyssey-Einmessung ermittelt) zu speichern und direkt zwischen ihnen zu wechseln. Beispielsweise können Anwender sowohl das Audyssey Kalibrierungsergebnis direkt vom Receiver als auch eine über die Audyssey MultEQ Editor App (optional) erstellte benutzerdefinierte MultEQ-Kurve auf dem Receiver speichern, um sie so auf unkomplizierte Weise zu vergleichen und die bevorzugten Einstellungen zu wählen. Alternativ ließen sich auch Audyssey Messungen für zwei unterschiedliche Lautsprecherkonfigurationen vornehmen, zum Beispiel 2.0 für Musik und 5.1.4 für Filme.

Und wie sieht es nun mit der Inbetriebnahme aus? Hier macht der AVC-X3700H keine Ausnahme. Er bringt den bewährten und immer wieder verfeinerten Denon Einrichtungsassistent mit. Die Einmessung mittels Audyssey MultEQ XT32 (Einmessung an bis zu 8 Hörpositionen) ist in die Ersteinrichtung integriert. In unseren Testläufen funktioniert die Lautsprecher-Einmessung absolut problemlos, es wurden recht präzise Ergebnisse geliefert. Des Weiteren einigt man sich bei der Erstinstallation auf die gewünschte Sprache, die passende Endstufen-Konfiguration, auf den richtigen Anschluss potentieller Quellen und man führt die Verbindung zum Netzwerk durch (per leistungsstarkem Dualband-WLAN oder kabelgebunden mittels Ethernet-Kabel). Hier folgen noch die Screenshots zur ersten Inbetriebnahme.

Sprachwahl

Erste Erläuterungen

Übersicht über die benötigten Teile

Nun beginnen Aufstellung und Anschluss der Lautsprecher

Richtiger Anschluss der Boxenkabel

Mit Detailanweisungen, da kann nichts mehr schiefgehen

Nun wird die Lautsprecher-Konfiguration festgelegt

Atmos-Lautsprecher: Keine, zwei oder vier Boxen?

Überprüfung, ob der Anschluss der Lautsprecher korrekt ist

Jetzt beginnt die Lautsprecher-Kalibrierung mittels Audyssey

Auch hier gibt es wieder präzise Anweisungen, so zum Beispiel, dass das Mikrofon auf Ohrhörern stehen sollte

Wahl: Audyssey Dynamic EQ ja oder nein?

Anschluss der Antennen für Bluetooth und WLAN

Netzwerkeinrichtung

Automatische Updates aktivieren

Einrichten der Eingänge

Zur Verfügung stehende Apps

Apps und deren Eigenschaften

Nun ist die erste Einrichtung abgeschlossen

Der Denon AVC-X3700H präsentiert sich als voll ausgestattet, einfach zu handhaben und sehr gut verarbeitet. 

Klang

Was kann der kleinste Denon 2020er AV-Verstärker akustisch? Fans & Freaks werden bedauern, dass Auro-3D fehlt, aber das gibt es erst ab dem AVC-X4700H (Marktpreise ab 1.460 EUR). Da klafft zumindest den aktuellen Preisen nach schon eine große Lücke, da es den AVC-X3700H für schmale 1.100 EUR gibt. Wir haben nun die 2019er DTS Demo Ultra HD-Blu-ray herausgeholt, um die Fähigkeiten des 3700ers zu überprüfen.

Die erste Sequenz aus "Jurassic Parc - Fallen Kingdom" managt der AVC-X3800H souverän. Beeindruckend sind die Pegelfestigkeit und die Tatsache, wie gelassen der Denon unser 5.0.2 Setup bedient. Richtig gelesen, um die analogen Endstufen richtig zu fordern, haben wir nur die Canton Reference 5 K vorn am Start, da muss sich der 3700 durchkämpfen. Das gelingt viel besser als erwartet, sogar so gut, dass man bestimmt nicht zwingend einen aktiven Subwoofer benötigt. Auch bei großer Lautstärke differenziert der authentisch aufspielende Denon noch die verschiedenen Effekt-Ebenen auseinander, das Gluckern des Wassers, die Schreie, den Music Score und natürlich das ohrenbetäubende Gebrüll der Dinosaurier und die zahlreichen Detonationen. 

Nächster Filmausschnitt aus "The Incredible Hulk": Scharfe Schusswechsel mit wegspritzenden Patronenhülsen während der Salven aus automatischen Waffen, heftiges Gebrüll, dazu der stets präsente Music Score: Wieder behält der AVC-X3700H den Überblick. Teurere Modelle, wie der AVC-X6700H, haben noch mehr Schärfe bei heftigen Schusswechseln, sind noch eine Idee kraftvoller im Antritt und bei sehr hohem Pegel noch gelassener, das ist klar. Aber für viele ist schon zutiefst beeindruckend, was der preislich bodenständige 3700 für ein Feuerwerk abbrennt. Er löst auch bei hohem Pegel noch ansprechend auf, und wieder versorgt er die großen Canton Standboxen vorn mit soviel Energie, dass ein massives Bass-Fundament aufgebaut werden kann. 

Nun wechseln wir auf die 2018er Ultra HD Blu-ray von DTS. Hier hören wir uns die Sequenz aus "Harry Potter und die Heiligtümer des Todes, Teil 1" an. Und höre da, es passiert auch einiges über den Köpfen der Zuhörer, und der 3700 ist stets mit hoher Impulstreue dabei. Auch deutliche dynamische Wechsel managt er, als es plötzlich für kurze Zeit beinahe völlig ruhig ist und dann der Drache wie aus dem Nichts brüllt und Feuer speit. Als er den Kopf zur Kuppel hinaus reckt und splitterndes Glas nach allen Seiten spritzt, beweist der Denon sein ausgezeichnetes Auflösungsvermögen. Richtig gut gefällt uns bei dieser Sequenz, wie brillant die Streicher im Music Score am Ende des kurzen Ausschnitts klingen. Räumlich dicht, homogen und klar, das ist absolut exzellent für einen AV-Verstärker dieser Preisklasse. 

Natürlich geht es auch in der Sequenz aus dem 6. Teil der Vollgas-sage "The Fast And The Furios" rund. Eine wilde Jagd über die Autobahn, an der auch ein bulliger Panzer beteiligt ist, fordert hier das Equipment. Der Music Score wird sehr gut eingearbeitet, das Geräusch der laufenden Ketten des Panzers kommt authentisch heraus. Erst dann, wenn man es enorm laut angehen lässt, ist ein minimales Nachlassen beim Differenzierungsvermögen zu erkennen. Aber das passiert erst bei Pegeln, die in der Praxis schon die Nachbarn zwei Häuser weiter auf den Plan rufen, wenn man dicht an dicht wohnt. Als der schwere Panzer durch die Luft fliegt und es danach kurz ruhig wird, und eine romantische Melodie ertönt, beweist der 3700 wieder, dass ihm jede Gangart liegt: Ganz gleich, ob es eher beschaulich zugeht, mit Musik und kleinen Effekten sowie Stimmen, oder richtig lebendig, mit massiven Effekten, einem mächtigen Music Score, der den Spannungsbogen weiter hebt, und aufgeregtem Geschrei. Er ist immer Herr der Lage und gibt sich außergewöhnlich gelassen.

Wie sieht es aus, wenn wir Musik-Stereo-Signale mittels Dolby Surround auf 5.0.2 aufpolieren? Über die Heos-App spielen wir Signale in Tidal HiFi-Qualität zu. Leider funktioniert es nicht mit Tidal Master Quality, weil das Heos-Modul kein MQA beherrscht. Wir hören "Natural" (Imagine Dragons) und sind bis zu mittleren Pegeln recht angetan, da wir eine breite Bühne, die aber trotzdem nicht unpräzise wirkt, vernehmen und mit einem kräftigen Bass rechnen können. Wenn wir den Lautstärkeregler dann weiter aufdrehen, läuft die Darbietung aus dem Ruder, verliert an Detaillierung und wird zu schrill. Hier prüfen wir nun, ob es auch im Stereobetrieb so ist, dann liegt es wohl an der Quelle, oder ob die Ursache in der Betriebsart Dolby Surround zu suchen ist. Um jede Beeinflussung zu minimieren, wählen wir den "Pure Direct" Modus aus. Und nun stellt sich die Sache anders dar: Tonal authentischer, homogener, keine schrillen Untertöne mehr, keine spitzen  Höhen. Hier, für diesen Track, ist Dolby Surround offenbar bis zu leicht gehobenem Pegel ein prima Upscaler, wenn es lauter zugeht, geht der Auslegung allerdings Harmonie verloren. Im Stereobetrieb beeindruckt uns der 3700 mit stabilem Bühnenstand, einer sauberen vokalen Kontur und einer insgesamt tadellosen Grob- sowie Feindynamik. 

"Make It To Heaven" (David Guetta with Raye) klingt direkt ab Beginn im Stereobetrieb sehr mitreißend. Der straffe, kräftige, aber nie aufgeblasen wirkende Bassbereich korrespondiert hervorragend mit dem Rest. Die Stimme wird geschickt fokussiert, ohne aber dass sie zu weit im Vordergrund zu stehen scheint. Der Rhythmus, alles andere hätte uns auch gewundert, wird impulstreu erfasst. Das gilt auch für die ruhigeren Passagen, als etwas "Dampf" herausgenommen wird und die Stimme sowie einige Streicher im Mittelpunkt stehen. Der Denon beweist uns hier ein weiteres Mal, dass er mit allen akustischen Situationen zurecht kommt. Dolby Surround wirkt hier prima, die Bühne wird weiter, und man wähnt sich im Zentrum einer räumlich dichten Darbietung. Der Effekt, dass es bei hoher Lautstärke dann nicht mehr so ausgewogen wirkt, ist aber auch hier festzustellen. Klare Bilanz: Im Stereo-Betrieb agiert der 3700 für seine Liga meisterlich. Dolby Surround macht durchaus Spaß, bringt bei normalen Pegeln eine toll Räumlichkeit zustande. Wird es sehr laut, gibt es weniger Homogenität und Harmonie. 

Erstes Fazit

Der Denon AVC-X3700H hinterlässt einen hervorragenden Eindruck. Gegenüber dem AVC-X4700H muss man zwar hinnehmen, dass es etwas weniger Leistung, einen etwas weniger aufwändigen Aufbau und vor allem kein Auro-3D gibt, dafür ist der kleinste Denon AV-Verstärker ein Meister des erstklassigen Preis-/Leistungsverhältnisses. Volle Ausstattung inklusive kompletter 8K-Kompatibilität und 8K-Upscaling, neun sehr kräftige analoge Endstufen und ein toller Klang mit feiner Auflösung, enormer Kraft im tieffrequenten Bereich und einer dichten Räumlichkeit sind hervorzuheben. 

Preview: Carsten Rampacher
Fotos: Philipp Kind
Datum: 25. August 2020

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