TEST: VTL Röhrenvollverstärker IT-85 - US-amerikanische Handarbeit trifft auf unvergleichliche akustische Auslegung

Weiteres Equipment

Vtl Test It 85 Setup 1

Unser Setup mit Perlisten S5m

In unserer Kette kam der Perlisten Audio S5m zum Einsatz. Der S5 Monitor ist, obwohl absolut gesehen nicht extrem ausladend, konsequent auf akustische Höchstleistungen ausgerichtet und beeindruckt mit modernsten Treibern. Die untere Grenzfrequenz liegt bei imposanten 29 Hz und aufs Ganze gesehen ist die Akustik auch fürs Studio-Monitoring geeignet. Die komplette S-Serie von Perlisten ist übrigens die erste Lautsprecher-Baureihe mit THX Dominus-Lizenz. THX Dominus zertifizierte Systeme müssen Kinoräume bis zu einer Größe von 184 Quadratmetern mit Pegeln von 120 dB beschallen können. Und das bei niedrigsten Verzerrungswerten an jedem Hörplatz und mit jedem Material. Somit ist gesichert, dass er S5m Monitor exzellent auch für den harten Einsatz in einer Test-Kette geeignet ist. 

Vtl Test It 85 Dcs 1

dCS Rossini APEX Player

Wenden wir uns einer weiteren Komponente zu, die wir verwendet haben. Das Multitalent innerhalb der Rossini-Serie ist der dCS Rossini APEX Player. Ausgestattet ist er mit der dCS Ring DAC APEX Technologie. Der Rossini Player bietet neben dem äußerst hochwertigen CD/SACD-Laufwerk zudem Audio-Streaming von vielen Plattformen: TIDAL, Qobuz und Deezer und Internetradio mittels der dCS Mosaic Control-App. Zudem ist der Rossini Player auch Roon Ready. AirPlay, Spotify Connect und dem UPnP-Standard werden ebenfalls unterstützt, und vollwertiger MQA-Decoder befindet sich in der Ausstattungsliste. USB, AES, Dual AES and S/PDIF digitale Audioeingänge sorgen für Vielseitigkeit.

Klang

Wir starten im wahrsten Wortsinn „klassisch“, und zwar mit der Ouvertüre zu Wolfgang Amadeus Mozarts Oper „Figaros Hochzeit“ (Wiener Philharmoniker unter Claudio Abbado). Hier spielt der IT-85 gleichermaßen entschlossen wie feinfühlig auf und lässt jedem Instrument im Orchester den richtigen Platz, um sich zu entfalten. Für ein Röhrengerät klingt er erstaunlich transparent und frisch, weniger opulent und warm, als wir es spontan vermutet hätten. Der abgebildete akustische Raum tritt authentisch und mit einer soliden Staffelung auf. Die Streicher hat der VTL gut im Griff und liefert hier auch eine sehr saubere Detaillierung. Tiefe Frequenten bauscht er nicht auf, er klingt auch nicht so „dick“ wie mancher andere Röhrenverstärker. Das vorhandene Fundament ist stets spürbar, aber nie übertrieben.

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Nun folgt „Nessun Dorma“ aus Puccinis „Turandot“, gesungen von Jonas Kaufmann. Hier holt der VTL sein großes Talent bei der Präsentation eindrucksvoller Stimmen heraus. Er modelliert nicht nur feine Strukturen aus Jonas‘ Stimme konsequent durch, sondern erfreut uns ebenso beim Chorgesang, den er klar und zugleich mit der nötigen Sensibilität abbildet. Die Streicher sind erneut transparent und brillant – aber nicht ganz so homogen wie bei vielen anderen Röhren- und auch Transistorverstärkern. Der IT-85 bleibt seiner Linie treu und bleibt akustisch schlank für einen Röhrenverstärker, und auch der frei atmende Hochtonbereich ist atypisch für Verstärker mit dieser Technologie.

Die Instrumentierung von „Ain’t No Sunshine“ (Eva Cassidy) seziert der VTL äußerst exakt. Hier sitzt jede Nuance sauber an ihrem Platz. Evas Stimme hat Dynamik und Kontur – bei diesem Stück gefällt uns der IT-85 enorm gut. Das liegt auch daran, dass die Auslegung des Röhrenvollverstärkers aus den USA hier besonders gut passt, dieses Natürliche, Ungefilterte, sorgt für pure Hörfreude bei diesem Song. Auch das Klavier wird hervorragend eingearbeitet, hier ist auch die Anschlagdynamik herauszuhören, und kleine dynamische Differenzen werden impulstreu erfasst. Der VTL beweist uns, wie unterschiedlich Röhrenverstärker klingen können, sogar dann, wenn sie mit „schlichten Standardröhren“ in der Verstärkersektion bestückt sind. Die US-Amerikaner haben dem IT-85 definitiv eine ganz eigene Note mit auf dem Weg zum HiFi-Fan gegeben, die ihn unverwechselbar und einzigartig macht.

Wenden wir uns Till Brönners „The Good Life“ zu. Hier trumpft der IT-85 mit den bereits bekannten Tugenden auf, und beeindruckt durch die kompromisslose Impulstreue auch bei kleinen, kurzen Impulsen. Dieses Verhalten hat zur Folge, dass man Tills virtuoses Spiel in enormer, direkter Klarheit erleben darf, und auch das begleitende Piano wird nicht vernachlässigt, im Gegenteil: Ein stimmiges Zusammenspiel von Trompete und Klavier bei gleichzeitiger Betonung der einzelnen instrumentalen Charakteristik ist hier in jeder Sekunde des Titels gegeben. Die Räumlichkeit ist auch hier wieder realistisch, natürlich und punktet mit dem treffenden Aufbau der virtuellen Bühne.

Auch der 007-Titelsong „Goldeneye“ – gesungen von der unvergessenen Tina Turner -  liegt dem IT-85. Er holt viele vokale Facetten aus Tinas Stimme, die rauchig und unverwechselbar aufteritt, und durch dieses dichte Charisma den Zuhörenden fesselt. Die sich darum gruppierenden Instrumente überzeugen uns durch die überragende Dynamik und die akkurate Gewichtung. Die instrumentalen Sequenzen sind immer hellwach, voll präsent, lassen Tinas Stimme zugleich aber keine Sekunde aus dem Fokus rutschen.

„Over The Hills And Far Away” in der Version von Nightwish ist nicht der optimale Song, möchte man die Qualitäten des IT-85 besonders überzeugend demonstrieren. Hier merkt man bei höherem Pegel, dass es an Leistung fehlt, um hier noch einen solchen souveränen Nachdruck zu erzeugen, wie ihn der Fan solcher Musik schätzt. Das soll nun nicht falsch verstanden werden, bei normalen bis erhöhten Lautstärken macht der VTL seine Sache hervorragend, trennt die akustischen Elemente akkurat voneinander und lässt auch der E-Gitarre und dem Schlagzeug viel Entfaltungsspielraum. Aber die zuvor wiedergegebenen Stücke passen schlichtweg besser zum Charakter des IT-85.

Überraschend gut kommt der IT-85 mit der Radio-Version des Trance-Klassikers „Insomnia“ von Faithless zurecht. Hier zeigt der Röhrenvollverstärker eine Dynamik, die man sonst von Röhrengeräten definitiv nicht kennt. Er baut den Trance-Track impulstreu auf, liefert exzellente Basskonturen, und bietet ein exzellentes Gefühl von Weitläufigkeit. Klar – die legendäre Trance-Hymne klingt anders als man es sonst oft hört. Weniger treibend, dafür deutlich erwachsener, differenzierter – aber genau das zieht uns an, sodass wir den Song sogar mehrmals hintereinander hören. Das plastische akustische Gebilde, das der VTL aufbaut, mit der überdurchschnittlich sorgfältigen Behandlung auch kleiner Effekte, sorgt tatsächlich für ein einmaliges Feeling, das uns außergewöhnlich gut gefallen hat.

Fazit

Vtl Test It 85 Front 1

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Der VTL IT-85 ist ein einzigartiger Röhrenvollverstärker. Er dokumentiert dies bereits durch seinen speziellen Formfaktor, den man sonst von kaum einem anderen Gerät kennt. Bestückt mit gängigen EL34 Tubes für die beiden Kanäle, macht es die VTL-eigene spezielle Peripherie aus, ein Gerät mti Charakter zu formen. Der IT-85 klingt enorm dynamisch und authentisch - wer ihn hört, ohne ihn zu sehen, würde vielleicht gar nicht darauf tippen, dass der IT-85 ein reinrassiger Röhrenverstärker ist. Eine warme akustische Auslegung ist ihn im größeren Umfang fremd, er agiert ziemlich zügig, wirkt nie träge, und begeistert uns mit seinem sensiblen, zugleich durchaus entschlossenen Spiel, wenn sofort Dynamik gefordert ist. Die Verarbeitung und der technische Aufbau erfüllen höchste Ansprüche. Für diese Produktqualität geht auch der verhältnismäßig hohe Kaufpreis von 8.690 EUR in Ordnung.

Exzellent verarbeiteter Röhrenvollverstärker mit unverwechselbarem Klang
Ueberragend Neu
Stereovollverstärker Luxusklasse
Test 04. März 2024

Test und Fotos: Carsten Rampacher
Datum: 04. März 2024

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