TEST: Sony Xperia L4 - Einsteiger-Smartphone mit 21:9-Display in 6,2"

Erwartungsgemäß hat Corona auch die Smartphone-Branche hart getroffen. Gleich mehrere Marktforschungsinstitute prognostizieren fürs erste Quartal 20 einen globalen Einbruch von ca. 30% und die Zahlen fürs zweite Quartal könnten sogar noch düsterer ausfallen. Selbst der Verkauf des beliebten Home-Office Tools Tablet PC dürfte zurückgehen, von 30 auf 25 Millionen Einheiten. Unternehmen wie Samsung geben daher keine Gewinnprognose für dieses Jahr mehr bekannt.

Sony Xperia L4

Das Sony Xperia L4 beerbt den Vorgänger L3 und bereits optisch ist die größte Verbesserung ersichtlich: Das Display streckt sich im 21:9 Format, sodass dieses beliebtes Maß nun auch die Einsteigerklasse erobert. Trotz des großen Displays liegt das Smartphone gut in der Hand und ist vergleichsweise leicht, da auf schwere Glasbausteine und Metall verzichtet wurde. Die matte Kunststoffrückseite sorgt für eine griffige Haptik, was sehr angenehm ist. Ebenfalls positiv: Die Triple-Kamera schließt eben mit der Rückseite ab. Im Bereich Verarbeitungsqualität liefern die Entwickler solide Arbeit ab. Eine IP-Zertifizierung hat der Japaner allerdings nicht.

Der Touchscreen ist 6,2 Zoll groß, arbeitet mit der günstigen LCD-Technologie und weist eine Auflösung von 1680 x 720 Pixeln auf, was HD+ entspricht. Während die Frontkamera als kleines Notch gut eingearbeitet ist, ist der umlaufende Rahmen vor allem unterhalb des Displays recht üppig bemessen. Qualitativ bewegt sich der Bildschirm auf einem ordentlich Niveau. Im direkten Vergleich zu Spitzen-Smartphones wirkt die Darstellung aber vergleichsweise blass. Die Schärfe und die maximale Helligkeit sind dafür der Preisklasse entsprechend angemessen.
Erhältlich ist das Smartphone in den Farben Schwarz und Blau.

Triple-Kamera

Rückseite

Auch das L4 beherrscht den „Triple“. Die Kamera setzt sich aus Linsen mit 13 Megapixel + 5 Megapixel sowie einer ToF-Linse mit 2 Megapixel zusammen. Letztere „Time of Flight“-Linse ist zuständig für Distanzmessungen und dem beliebten Bokeh-Effekt.

Im Alltagstest überrascht der das Sony-Modell durch eine mehr als ordentliche Fotoqualität. Bei Tageslicht gibt es eine gute Detaildichte und bei Schwachlicht bis hin zum düsteren Kellerlicht überzeugt der Knipser durch eine gute Ausleuchtung, sodass sich das Bildrauschen stark in Grenzen hält. Einziger wirklicher Schwachpunkt: Die Schärfe und Bildsättigung können nicht mit Premium-Smartphones mithalten, was sich natürlich auch in deren Preisgestaltung niederschlägt.

Panorama

Aufnahme bei guten Lichtverhältnissen

Aufnahme im dunklen Keller

Ebenfalls stark ist der Komfort, denn die Kamera ist mit allen wichtigen Standards und mehr ausgestattet. Hilfreich: In einigen Modi lassen sich Helligkeit oder der Unschärfeeffekt vor dem Foto individuell regulieren. Schade nur, dass es bei Videos weder Zeitlupe noch -raffer gibt. Apropos Camcorder: Regisseure können Filme mit maximal 1080p bei 30fps archivieren – das ist nicht die Welt, aber die Qualität passt ebenfalls. Die Frontkamera in der tropfenförmigen Notch löst mit 8 Megapixeln auf und Fotos können im Portraitmodus ordentlich weichgezeichnet werden.

Rundum positiv ist die Speicherausstattung, denn intern sind nunmehr 64 GB verbaut (beim L3 war es nur die Hälfte) und Erweiterungen via microSD sind ebenfalls kein Problem – dann aber ohne Dual SIM-Betrieb.

Die Funkverbindungen sind mit W-LAN a/b/g/n/ac im 2,4- und 5-Gigahertz-Band, Bluetooth 5.0 und NFC gut und ausreichend flott aufgestellt. Ebenfalls erfreulich für „Nostalgiker, dass die gute alte Klinkenbuchse für Kopfhörer vorhanden ist.

Android 9 Pie

App Drawer

Keine allzu große Überraschung: Das Gerät wird noch mit Android 9 Pie ausgeliefert und es darf bezweifelt werden, ob es noch ein Upgrade in dieser Preisklasse geben wird. Was allerdings schwerwiegender ist: Es gibt keinen Gesichtsscanner für die unkomplizierte Entsperrung. Stattdessen muss man mit dem Fingerprintscanner vorliebnehmen, der – typisch Sony – nach wie vor seitlich platziert ist. Das Problem dabei ist, dass man das Sensorfeld schnell unsauber berührt, sodass die Beendigung des Standby-Modus dann über den PIN erfolgen muss. Da es während der Testphase häufiger passierte, scheint der rückseitige platzierte Fingerprintscanner die bessere Lösung zu sein.

Eine weitere Spezialität ist der „Side Sense“. Durch zweimalige Tippen auf die rechte Seite soll sich ein personalisierbares Mini-Menü öffnen, das unter anderem die Einhand-Bedienung vereinfacht. Im Praxistest funktioniert die Aktivierung von Side Sense allerdings mehr schlecht als recht und der Nutzwert ist ohnehin eher fragwürdig. Gut daher, dass es ansonsten alle bewährten Short Cuts gibt, inklusiven einem App-Untermenü.

Seitliche Ansicht

Nach langer Zeit testet AreaDVD ein Smartphone, dessen Leistung nicht wirklich überzeugen kann. Der Mediatek M6762 mit gerade einmal 3 GB Arbeitsspeicher mutet anno 2020 etwas antiquiert an, denn gegenüber dem Vorgängermodell hat sich bei der CPU-Architektur nichts getan. Entsprechend hakelig präsentiert sich das L4 im Praxistest. Das Öffnen von Apps geht alles anderes als flott von der Hand und bei aufwändigen 3D-Games werden dem Japaner schnell die Grenzen aufgezeigt – hier haben die Macher am falschen Ende gespart.

…nicht aber beim Stromspeicher. Der Akkublock weist eine Kapazität von 3.580 Milliamperestunden auf und konnte in mehreren Testzyklen das Smartphone eine komplette Woche am Stück „am Leben halten“ – in dieser Disziplin zeigt das L4 somit vielen Mitbewerbern die Rücklichter. Auch beim Nonstop-Test knackt der Fernöstler die magische 10-Stunden-Marke.

Im Bereich Audi-Qualität backt das L4 hingegen wieder deutlich kleinere Brötchen. Der Mono-Lautsprecher quält sich bei hoher Lautstärke und das Klangfeld ist von der Breite und Luftigkeit her stark begrenzt. Immerhin leitest sich der Funker bei Telefonaten keine Aussetzer, wobei von Festnetzqualität keine Rede sein kann.

Sony Xperia L4

Fazit

Dieses günstige Smartphone gleicht einer regelrechten Achterbahnfahrt: Akkuleistung Hui, Performance Pfui und die guten Multimedia-Qualitäten werden durch die Handhabungsschwächen wieder etwas zunichte gemacht – und warum gibt es keinen Gesichtsscanner? Da gerade in dieser Preisklasse trotz Rotstift auf ein homogenes Zusammenspiel geachtet werden muss, haben die Macher diesmal kein glückliches Händchen bewiesen, denn der Nutzer muss mit Performance-Einschränkungen leben und der Umgang ist mitunter etwas gewöhnungsbedürftig. Schade, denn die tolle Akkuleistung und die vergleichsweise gute Kameraqualität hätten das L4 zu einem Hit machen können.

Stärken und Schwächen liegen hier leider eng beieinander

15.07.2020

Test: Ulf Schneider
Datum: 15.07.2020

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