TEST: Sony Xperia 10 II - Mittelklasse-Allrounder mit starker Akkuleistung

Huawei ist der neue Weltmarktführer im Bereich Smartphones. Nach der aktuellen Auswertung des weltweiten Smartphone-Marktes vom renommierten Marktforschungsunternehmen Canalys, lieferte HUAWEI im zweiten Quartal 2020 weltweit insgesamt 55,8 Millionen Geräte aus. Samsung liegt mit 54,2 Millionen erstmals knapp dahinter. Dass dieser Sprung nach vorne gelang, ist insofern sogar sehr überraschend, da Huawei die Google-Unterstützung verwehrt bleibt. Der Handy-Markt ist somit so spannend wie schon lange nicht mehr. Hier soll es heute aber um den neuen Mittelklasse-Vertreter aus Japan, das Sony Xperia 10 II, gehen. Für 349 Euro UVP gibt es den attraktiven Allrounder.

Dass auch in der Mittelklasse ein hochwertiger Auftritt möglich ist, beweist dieser Japaner. Das Glasgehäuse ist wie aus einem Guss und angenehm handlich & recht leicht (151 Gramm). Das geringe Gewicht ist allerdings auch dem Plastikrahmen geschuldet. Ein dickes Plus ist ferner der IP68-Standard, sodass der Funker auch für den Einsatz am Strand geeignet ist.

Rückseite

Das 6-Zoll-Display mutet sehr nach Mittelklasse an, denn es ist vor allem ober- und unterhalb von einem breiten Rand umschlossen – das sieht nicht mehr ganz Up to date aus. Dafür bietet es aber ein 21:9 Format und immerhin Full-HD-Plus-Auflösung (2.520 x 1.080 Pixel). Durch die gehobene Pixeldichte von 460 ppi ist die Darstellungsqualität recht scharf und dank der OLED-Technologie stimmt auch die Farbsättigung. Einziger großer Schwachpunkt: Sobald Tageslicht ins Spiel kommt leidet die Ablesbarkeit, denn bei 389 cd/m² ist bereits Schluss – auch das ist nicht mehr ganz zeitgemäß.

Triple-Kamera

Die Triple-Kamera ist auf dem Papier gut für den schnellen Einsatz gerüstet. Neben einer Hauptkamera mit 12 Megapixel Auflösung stehen dem Nutzer auch ein Ultra-Weitwinkel-Sensor und ein zweifacher optischer Zoom zur Verfügung. Wermutstropfen ist, dass der Kamera des Sony-Smartphones ein optischer Bildstabilisator fehlt, das rächt sich, sobald man mit schlechteren Lichtverhältnissen kämpfen muss. Bei Tageslicht ist hingegen alles im Grünen Bereich, sodass schnelle Schnappschüsse für das digitale Fotoalbum problemlos gelingen. Nachtaufnahmen erfordern hingegen eine sehr ruhige Hand und sind somit fast Glückssache, denn im Test gelangen trotz Weichzeichner eher selten scharfe Aufnahmen bei Nacht. Videos kann man mit einer Auflösung von bis zu 4K bei 30 Bildern pro Sekunde drehen. Wer es flüssiger haben möchte (empfehlenswert) sollte aber besser auf Full-HD drosseln, um mit 60 Bildern pro Sekunde zu archivieren. Die Selfie-Kamera arbeitet mit 8 Megapixel und leistet dank vielfältiger Optionen ebenfalls einen guten Tagesjob. Apropos Optionen: Die Ausstattung deckt fast alle relevanten Bereich ab, inklusive Zeitlupe und einem Selfie-Makro-Modus. Praktisch: Selfies lassen sich auch per Fingertipp auslösen.

Aufgenommen mit dem Sony Xperia 10 II

Aufnahme bei Nacht

Auch das sonstige Ausstattungsangebot ist recht üppig. Die Datenschnittstellen präsentieren sich mit Bluetooth 5.0, NFC-Chip, WLAN-ac sowie LTE 2.600 MHz als flott und weitestgehend zeitgemäß. Intern sind zudem üppige 128 GB verbaut, und via microSD lässt sich das Datenarchiv nochmals erweitern – dann ist aber kein Dual-SIM-Betrieb mehr möglich.

Screenshot Android 10

Gut so: Das aktuelle Android 10 ist vorinstalliert und wird durch das ebenfalls aktuelle Sony UI unterstützt. Im Gegensatz zu früheren Version bleibt die Android-Struktur weitestgehend unberührt. Nutzer finden sich daher schnell zurecht: Die linke Google-Startseite, ein App Drawer sowie das obligate Pull Down Menü ist an Bord. Typisch Sony ist allerdings der „Side Sense“. Durch doppeltes Tippen oder Streichen am Gehäuserand lassen sich Funktionen und Pop Up Menüs öffnen, was in der Handhabung nicht unbedingt perfekt ist.

Ebenfalls weniger gelungen ist der ungewohnte Fingerprintscanner auf der rechten Seite – ebenfalls typisch Sony. Das Problem: Da er gleichzeitig der An/Aus-Schalter ist, darf man nicht zu stark darauf drücken, da sich das Gerät dann wieder ausschaltet. Berührt man die Sensorfläche zu häufig, wird der Sensor zudem für 30 Sekunden deaktiviert, was im Praxistest leider des Öfteren vorkam - ein einzelner Fingerprintsensor auf Rückseite ist einfach praktikabler. Schade ist zudem, dass eine Entsperrung per Gesichtsscan nicht möglich ist. Positiv dafür: Neben einem Always-On-Display gibt es außerdem eine mehrfarbige Benachrichtigungs-LED, die unter anderem neue Nachrichten oder verpasste Anrufe anzeigt.

Seitliche Ansicht

Der Qualcomm-Prozessor Snapdragon 665 steht aktuell für die Mittelklasse und wird auch von Sony bei diesem Modell eingesetzt. Der Achtkerner bietet eine Taktrate von bis zu 2,0 Gigahertz und wird von 4 GB Arbeitsspeicher unterstützt. Nur 4GB muss man dabei sagen, denn die Konkurrenz bietet in dieser Preisklasse deutlich mehr Puffer. Dennoch zeigt das 10 II im Praxistest eine gute Perfomance, was für ein gutes Zusammenspiel aus Soft- und Hardware spricht. Zwar können keine Top-Leistungen erreicht werden, doch nicht nur die täglichen Arbeitsroutinen, auch anspruchsvolleres Multitasking und 3D-Games bringen den Japaner nicht allzu sehr ins Schwitzen, eine gute Leistung für einen 2019-CPU.

Noch besser ist es um die Akkuleistung bestellt, und das obwohl der Akkublock nur eine Kapazität von 3.600 mAh mitbringt. In gleich mehreren Testzyklen lag die Rufbereitschaft bei sehr guten 7 Tagen. Fast schon grandios sind zudem rund 12 Stunden Einsatzbereitschaft beim Dauerstresstest – offensichtlich haben die Japaner ihr früheres Akku-Problem endlich in den Griff bekommen. Gespart wurde dafür beim Netzteil, das nur eine schwache Nennleistung von 10 Watt bietet. Um die 100% zu erreichen muss der Nutzer daher rund 2,5 Stunden einplanen – keine zeitgemäße Ladezeit mehr.

Beim Klang kam ebenfalls der Rotstift zum Einsatz, denn es gibt lediglich einen Speaker unterhalb des Displays und der performt mittelprächtig. Größere Verzerrungen gibt es zwar auch bei höchster Lautstärke nicht, doch dafür ist die Kulisse recht gedrungen, ein echtes Bassfundament fehlt und insgesamt ist der Sound recht schrill. Telefonieren funktioniert dafür zwar weitestgehend unfallfrei, wobei man aber vom Prädikat „Festnetz-Niveau“ meilenweit entfernt ist, in der Spitzenklasse bekommt das Sony viel besser hin.

Sony Xperia 10 II

Fazit

Sony hat einen ordentlichen Allrounder geschnürt, der vor allem durch seine exzellente Akkulaufzeit, dem unaufdringlichen User Interface und modernen Datenschnittstellen Kaufargumente sammelt. Dass dafür an der Soundqualität und am Display gespart wurde, lässt sich verschmerzen. Wichtiger ist dafür, dass es den Machern gelang, eine vernünftige Kamera mit vielen Optionen zu integrieren. Sicherlich: Bei Nachtaufnahmen agiert es aufgrund des fehlenden optischen Stabilisators nicht perfekt, doch bei einem Online-Preis von ca. 350 Euro müssen Kompromisse eingegangen werden. Eine Bitte noch an Sony: Trennt den An/Aus-Schalter vom Fingerprintscanner, damit die Handhabung einfacher wird.

Solider Mittelklasse-Allrounder mit starkem Akku

Smartphones Mittelklasse
05.10.2020

Test: Ulf Schneider
Datum: 05.10.2020

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