TEST: Samsung Galaxy A72 sorgt für Spitzenklasse in der Mittelklasse

…allerdings ohne 5G-Technologie. Die Koreaner überraschen bei dem neuen Topmodell der Mittelklasse mit einer mutigen Entscheidung. Möglicherweise lagen umfangreiche Befragungen dieser Entscheidung zugrunde, denn die anvisierte Käuferschicht setzt auf andere Prioritäten wie Akkuleistung oder Kameraqualität – und genau hier spielt der Fernöstler gezielt seine Trümpfe aus. Doch dazu später mehr.

Seitenansicht

Worin das gesparte Geld investiert wurde, wird sofort klar, wenn man das robuste Gehäuse in Hand nimmt, denn das Display ist sehr großflächig und bietet sowohl eine integrierte Frontkamera als auch einen Fingerprintscanner. Ein echtes Highlight ist zudem die IP67-Zertifizierung, sodass der Einsatz am Strand kein Problem ist – ein Feature, das eher den Oberklassemodellen vorbehalten ist.
Optisch wird zwar nichts Besonderes geboten, doch die mattierte Rückseite sorgt für eine gute Haptik und die vier Kameralinsen ragen nicht übermäßig hervor.
Ein echtes Kaufargument ist aber zweifellos der Bildschirm. Der ist stolze 6,7 Zoll groß, löst mit üppigen 2400x1080 Pixel (Full HD+) auf und arbeitet mit der farbstarken OLED-Technologie. Als Extrabonbon hat es zudem eine Bildwiederholrate von bis zu 90 Hertz – auch das ist in der Mittelklasse die Ausnahme. Qualitativ spielt der Fernöstler diese Trümpfe voll aus. Kontrast und Farbsättigung sind top und mit 1225 Candela je Quadratmeter ist es zudem auch ausgesprochen hell – so viel Displayqualität bietet aktuell kaum ein anderes Smartphone in dieser Preisklasse.

Wenn man sich die nackten Specs der Kamera ansieht, fühlt man sich gleich wie in der Oberklasse, denn der Knipser bietet ein echtes Tele-Objektiv mit dreifacher optischer Vergrößerung und 8 Megapixel – das ist in dieser Preisklasse die klare Ausnahme. Die restlichen Zutaten setzen sich aus einer 64 Megapixel Hauptkamera, einer 12 Megapixel Ultraweit-Kamera sowie einer 5 Megapixel Makrokamera zusammen.

Tageslicht-Aufnahme

weitere Aufnahme bei guten Lichtverhältnissen

Nachtaufnahme

Panorama

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Im Praxistest überzeugt die Kamera durch gute Zoom-Aufnahmen und absolut Fotoalbum-taugliche Tagesaufnahmen. Bei widrigen Lichtverhältnissen sind Qualitätsunterschiede zu Referenzmodellen dann aber doch offensichtlich, und das aus zwei Gründen: Durch den fehlenden Autofokus verwackeln Schnappschüsse schnell und der Blitz leuchtet nicht sauber aus. Dennoch gehört die Kamera in dieser Preisklasse zu den besseren, denn die Architektur geben dem Fotograf viele Möglichkeiten und mit ruhiger Hand lassen auch abends noch vernünftige Aufnahmen einfangen. Hinzukommt, dass die 64 Megapixel Frontkamera gestochen scharfe Selfies knipst und der 4K-Camcorder bei 30 FPS lupenreine Videos archiviert. Im Bereich Ausstattung gibt es on Top alle Standards plus einige Extras, wie z.B. Food-Aufnahmen oder AR-Zeichnungen.

Kamera

Beim Speicher sammelt das A72 gegenüber dem Topmodell S21 sogar Pluspunkte, denn er ist dank eines microSD-Slots flexibel erweiterbar. Intern sind 128 GB verbaut, wobei für den deutschen Markt auch eine 256-GB-Variante geplant ist.

Bei den Datenschnittstellen wird zwar alles auf gehobenen Niveau abgedeckt, aber besonders schnelle Breitbandschnittstellen, wie WiFi 6 fehlen aus Kostengründen. Zusätzlich gibt es noch die gute alte Klinkenbuchse – auch das fehlt dem S21.

Screenshot I

Screenshot II


Wer das A72 kauft bekommt beim Bedienungskonzept Spitzenklasse geboten, denn auch hier ist ab Werk Android 11 sowie die neuste Fassung der Oberfläche OneUI 3 implementiert. Noch spannender ist aber der Umstand, dass Nutzer auch die Update-Politik des Galaxy S21 on Top erhalten. Und das bedeutet vier Jahre lang Sicherheitsupdates sowie drei Android-Updates. Wer also nicht wechselt kann sogar noch aufs Android 14 updaten- das nennt man Zukunftssicher!
Ebenfalls löblich: Für die Entsperrung gibt gleich drei Verfahren: PIN-Eingabe, Fingerkuppe sowie Gesichtserkennung. Da der Sensor im Display integriert ist muss man allerdings den Finger recht präzise auf den Sensor platzieren. Während der Testphase gab es leider des Öfteren Ableseprobleme. Die schnell arbeitende Gesichtserkennung lässt den Sensor bei guten Lichtverhältnissen allerdings kaum zum Einsatz kommen.

Abgerundet wird das User Interface mit zahlreichem Short Cuts, Eingabehilfen, einem Einhand-Menü sowie vielen Gestensteuerungen. Wer sich die Zeit nimmt, kann sich das A72 also sehr präzise nach den eigenen Bedürfnissen einrichten. 

Im Inneren werkelt ein guter alter Bekannter. Der Prozessor Snapdragon 720 wurde 1:1 vom kleineren Schwestermodell A52 übernommen. Allerdings lässt sich der Arbeitsspeicher auch auf 8 GB RAM aufrüsten, wobei diese Modellvariante hierzulande schwer zu bekommen ist. Im Alltag spürt man leider etwas, dass hier gespart wurde, denn nicht alles läuft gewohnt flott und flüssig. Für die normalen Alltagsroutinen ist die Performance aber auf alle Fälle ausreichend. Dennoch ist das Ergebnis ein wenig enttäuschend, da günstigere Modelle mit 5G ein Ticken flotter unterwegs sind.

Rückseite

Einen ganz großen Auftritt hat das A72 dafür bei der Akkuleistung. Bereits die 5.000 mAh machen klar, dass dem Netzteil eine längere Pause vergönnt ist. In mehreren Testzyklen hielt der Stromspender rund sechs Tage durch, wenn der Nutzer das A72 gezähmt nutzt. Elf Stunden im Nonstop-Betrieb sind ebenfalls ein Topwert. Weiteres Plus: Dank des beigelegten 25-Watt-USB-C-Netzteils ist der Akku nach nicht einmal 90 Minuten wieder voll aufgeladen. Induktives Aufladen bleibt aber weiterhin den Topmodellen vorbehalten. Einzige Ausnahmen derzeit: das Gigaset GS4 und Gigaset GS3.
 
Auch die Soundvorstellung ist für die Preisklasse mehr als angemessen. Zwei Speaker unter- und oberhalb des Displays sorgen für knackige Bässe und ein lebendiges Klangbild. Bei hoher Lautstärke sind die Höhen allerdings leicht schrill. Bei Telefonaten gibt es in beide Senderichtungen keinerlei besonders negative oder positive Auffälligkeiten.

Samsung Galaxy A72

Fazit

Samsung stellt mit dem A72 ein wirklich spannendes Mittelklasse-Smartphone auf die Beine. Statt es wie so oft als Zehnkämpfer zu platzieren, setzen sie klare Schwerpunkte und verzichten stattdessen auf 5G und einen Hightech-Prozessor. Wer damit leben kann, erhält ein Smartphone mit einem exzellenten Display, Top-Akkuleistung und einer ausgesprochen guten Kamera. On Top gibt es sogar einen microSD-Slot und eine IP67-Zertifizierung, was den Funker noch attraktiver macht. Das A72 wird sich daher trotz starker Konkurrenz mit Sicherheit auf dem deutschen Markt etablieren.

Der neue Mittelklasse-Star kommt aus Südkorea

07.11.2021

Test: Ulf Schneider
Datum: 07.11.2021

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