TEST: Phonovorstufe clearaudio smart phono V2 - kompakt und klangstark

Plattenspieler und das ganze Umfeld, also passende Tonabnehmer, Phonostufen etc. liegen seit einigen Jahren massiv im Trend. Nicht wenige Platten-Fans stellen sich aber die Frage, ob man zum Plattenspieler auf den im jeweiligen Verstärker oder in der jeweiligen Vorstufe verbauten Phono-EQ vertrauen soll, oder ob es gar Sinn macht, gleich einen Vinyl-Experten mit direkt eingebauter Phonovorstufe zu kaufen, was den Anschluss des Plattendrehers an jede Cinchbuchse, die am Verstärker, am Receiver oder der Vorstufe, die frei ist, möglich macht.
Auf der anderen Seite natürlich sind die eingebauten Vorstufen-Abteilungen zwar für den Alltagsgebrauch tadellos geeignet, aufgrund des eher schlichten Aufbaus und der zwar guten, aber nicht äußerst hochwertigen Bauteilqualität für Fans einer überaus detailreichen und kultivierten Wiedergabe nicht optimal geeignet. Dasselbe gilt im übrigen für die Phonostufen in vielen Verstärkern und Vorstufen. Wer einen MC-Tonabnehmer nutzt, hat ohnehin gerade bei kostengünstigeren Verstärkern/Vorstufen Pech, da in vielen Fällen nur MM-Tonabnehmersysteme unterstützt werden.
Somit kommen wir endlich zur dritten Variante: Wer einen MC-Tonabnehmer einsetzt und/oder eine hervorragende Klangqualität realisieren möchte, greift zu einem separaten Phonovorverstärker. Modelle, die für MM/MC geeignet sind, gibt es bereits für rund 300 EUR, hier sollte man aber klanglich nicht richtig viel erwarten. Mit dem clearaudio smart phono V2, der auf einen Kaufpreis von 800 EUR kommt und sich als äußerst kompakt gehaltener Phono-Vorverstärker präsentiert, kann man gehobene Ansprüche - so zumindest die Theorie - schon eher erfüllen. Grund genug für uns, einen der Klassiker im clearaudio-Portfolio genauer unter die Lupe zu nehmen, und zu überprüfen, ob er wirklich bessere akustische Leistungen im Vergleich zu hochwertigen Vollverstärkern mit integriertem Phono-Preamp offerieren kann.
Unser Testkandidat ist in schwarzer oder silberfarbener Variante erhältlich und ist selbstverständlich für MM- und MC-Systeme, jeweils mit eigenem Schaltungskreis und eigenen Einstellmöglichkeiten, geeignet. Er präsentiert sich als außerordentlich hochwertig verarbeitet und verfügt auf der Oberseite über einen präzise arbeitenden Pegelregler. Die sehr edel auftretenden Cinchbuchsen auf der Rückseite sind ebenfalls lobend hervorzuheben. Unter dem kleinen Phonovorverstärker befinden sich vier Gummifüße für den soliden Stand auf praktisch jedem Untergrund.

Standby-Knopf und Pegelregler oben

Unterseite mit kanalselektiven MC Load-Einstellungen und der Anpassung der Kapazität für MM-Systeme

Anpassung im Detail sowie der MM/MC-Umschalter, einzeln für jeden Kanal. Hinzu kommt ein Subsonic-Filter zum Rausfiltern tiefster Frequenzen

Rückseite - exzellent verarbeitet

Die sehr hochwertigen Cinch-Anschlussbuchsen im Detail
Das gesamte Gerät wiegt 620 Gramm und lässt sich mit einer Breite von 95 mm, einer Tiefe von 125 mm und einer Höhe von 34 mm nahezu überall unterbringen. Bezüglich seiner technischen Daten gibt er sich keinerlei Blöße, so kann die Verstärkung bei 1 kHz mit bis zu 34 dB (MM-Betrieb) und mit bis zu 54 dB (MC-Betrieb) erfolgen.
Dadurch, dass die induzierten Spannungen bei einem MC-Tonabnehmer kleiner sind als bei MM-Systemen, muss das Signal in der Phonostufe höher verstärkt werden. Darum sind zwei Dinge wichtig: Ein entsprechend höherer Verstärkungsfaktor von der Phonostufe, zum zweiten sollte letztere hochwertig ausgeführt sein, dass man diese größere Verstärkung ohne "akustische Störenfriede" serviert bekommt. Der Signal-/Rauschabstand sollte daher tadellos sein - im Falle des clearaudio smart phono V2 sind dies bei MC-Systemen 72 dB (A). Bei MM-Systemen liegt der Signal-/Rauschabstand aufgrund der geringeren Verstärkung naturgemäß höher, im Falle des smart phono V2 wird er mit 85 dB (A) angegeben.
Wenden wir uns weiteren technischen Daten zu. Die Manufaktur aus dem fränkischen Erlangen gibt die RIAA-Genauigkeit mit +/- 0,3 dB bei 10 Hz bis 100 kHz an, und der Klarrfaktor liegt bei sehr guten > 0,004 % MC ("A" bei 1 kHz/- 1 dB @ Max). Der Hersteller nennt 18 dB (MC, Main-Control beim Maximum) als Übersteuerungsfestigkeit und die maximale Ausgangsspannung wir mit den 10 V effektiv (bei 1 kHz) angegeben. Die Kanaltrennung liegt bei mehr als 90 dB bei 1 kHz (gegenüberliefender Kanal kurzgeschlossen). Der Ausgangswiderstand beläuft sich auf 75 Ohm, und die Leistungsaufnahme beziffert clearaudio mit 2,7 Watt im Bwtrieb. Die Spannungsversorgung geschieht mittels externem Netzteil.
Unterm smart phono V2 befinden sich, für jeden Kanal einzeln regelbar, kleine umlegbare Schalter. Bei MC-Systemen kann man hier den Widerstand einstellen. Es gilt, circa das 10-fache des Innenwiderstands des verwendeten MC-Tonabnehmers, zu verwenden, hier nimmt man dann den Einstellwert, der dem Ergebnis am nächsten kommt. Unser clearaudio concept MC Signature weist einen Innenwiderstand von 11 Ohm auf, daher verwenden wir die 100 Ohm-Einstellung an der Unterseite.
Unser Thorens TD 403 DD verfügt über einen MM-Tonabnehmer. Hier ist die wichtig, die Kapazität korrekt einzustellen. Hier stehen 150 pF, 250 pF und 400 pF zur Auswahl. Beim Ortfon 2M Blue, der beim TD 403 DD als MC-Tonabnehmer montiert ist, wird 150 - 300 pF Lastkapazität empfohlen. Besonders, so der Hersteller, ist eine, falls vorhanden, Einstellung von 250 pf ratsam, die unser clearaudio Phono-Vorverstärker anbietet. Somit findet der Ortofon MM-Tonabnehmer später die besten Bedingungen vor, um sich akustisch voll entfalten zu können.
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