TEST: Motorola G8 - Top Allround-Paket für unter 200 Euro?

Nachschub in der Einsteigerklasse: Der Hersteller setzt vor allem auf gute Leistungswerte und ein rundes Gesamtpaket. 199 Euro ist ein magischer Schwellenpreis, denn es markiert den Übergang von der Einsteiger- zur Mittelklasse. Gerade in diesem Preissegment müssen die Entwickler daher besonders auf die gebotene Performance achten, dürfen aber aus Kostengründen nicht über die Stränge schlagen, so erwarten wir, dass vor allem bei den Punkten Kamera und Klang der Rotstift angesetzt wurde. Der Praxistest soll zeigen, ob sich dass Motorola G8 im umkämpften Segment behaupten kann.

Rückseite des G8

Seitenansicht

In dieser Preisklasse sind Designkapriolen eher die Ausnahme, und auch das G8 präsentiert sich optisch eher brav: Abgerundeter Hartplastik-Rahmen, eine weiße, in sich geriffelte Rückseite sowie ein Display, das vollumrandet ist. Einzige Auffälligkeit: Die Frontkamera ist im Display verbaut. Gut gelungen ist auch in die Integration der Hauptkamera, da sie nahezu bündig abschließt – genau wie der rückseitige Fingerprintscanner. Das Gehäuse fühlt sich robust an, ist sehr gut verarbeitet, kommt aber ohne eine IP-Zertifizierung daher.

Der LC-Touchscreen misst 6,4-Zoll im 19,5:9-Format und weist immerhin eine HD+-Auflösung (1.560 x 720 Pixel) auf – das ist in dieser Preisklasse völlig in Ordnung. Im direkten Vergleich zu Oberklasse-Smartphone wirkt die Darstellung allerdings nicht so scharf, und auch die Farbwiedergabe könnte satter sein. Dafür ist die maximale Helligkeit bei 500 cd/m² sehr solide. Typisch Motorola: Eine transparente Schutzhülle aus Silikon gehört zum Lieferumfang.

Integrierte Kamera

Gut: In der günstigen Preisklasse scheint eine Triple-Kamera Standard zu werden. Auch die Architektur hört sich vielversprechend an: Die Hauptkamera löst mit 16 Megapixeln auf und wird von einer Ultra-Weitwinkelkamera sowie einer Bokeh-Linse für Tiefeninformationen unterstützt. Allerdings gibt es einen großen Haken: Der Fotograf muss ohne Bildstabilisierung auskommen und daher stets eine ruhige Hand haben. Das ist gerade bei Schnappschüssen bei Dämmerlicht keine leichte Aufgabe. Apropos Schwachlicht: Während der Knipser bei Tageslicht lupenreine Ergebnisse liefert, sinkt die Qualität rapide, sobald schlechtere Lichtverhältnisse einsetzen – da rauscht es mitunter doch sehr stark. Erstaunlicherweise überzeugt die Kamera dafür beim Kellerhärtetest durch eine gute Ausleuchtung, allerdings braucht der Knipser dafür erstaunlich lange bis das Foto im Kasten ist – ohne die Bildstabilisierung keine leichte Aufgabe.

Aufnahme bei guten Lichtverhältnissen

Kellergewölbe bei schwachem Licht

Videos mit 4K-Auflösung bei 30 Bildern pro Sekunde sind dafür in diesem Preisbereich fast schon erstaunlich gut und auch die Selfiekamera überzeugt durch variabel einstellbare Bokeh-Effekte. Überhaupt gefällt die Auswahl an Optionen, denn neben allen Standards, gibt es sogar Zeitlupe & Zeitraffer sowie austauschbare Hintergründe im Freistellungsmodus – die Ausstattung ist hier eher auf Oberklasse-Niveau.

Auch das übrige Ausstattungsportfolio ist erfreulich breit gefächert. So gibt es sogar die gute alte Kopfhörerbuchse, einen USB-C-Anschluss sowie eine Dual-SIM-Funktionalität, dann aber ohne microSD-Karte. Während Bluetooth auf aktuellen Stand ist, tritt das G8 bei den anderen Datenschnittstellen eher auf die Bremse. WLAN funkt nur im alten N-Standard (Wifi 4) und im langsameren 2,4-GHz-Band, ein NFC-Chip fehlt komplett und bei LTE sind 2.600 MHz das Maximale. 64 GB als interner Speicherplatz plus microSD sind dafür voll in Ordnung.

Android 10 ist installiert

Ordentlich! Das aktuelle Android 10 ist bereits vorinstalliert. Die Oberfläche wird dem Nutzer eher ungeschminkt präsentiert, denn auf ein eigenes User Interface wird weitestgehend verzichtet. Dafür gibt es aber ein paar nette Gimmicks. Schüttelt man das Smartphone zwei Mal schnell, wird beispielsweise die Taschenlampe aktiviert. Ansonst bewegt sich aber die Menüführung allen obligaten Androidpfaden: linke Google-Startseite, Pulldown-Menü sowie ein App Drawer – weniger ist auch manchmal mehr.

Dass allerdings auf eine Gesichtserkennung zur Entsperrung verzichtet wurde, ist schade. Dafür funktioniert der rückseitige Fingerprintscanner einwandfrei. Er ist gut erreichbar und reagiert schnell und zuverlässig. Insgesamt eine routinierte Vorstellung ohne größerem Schnickschnack.

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Motorola G8 Gesamtansicht

Der Qualcomm Snapdragon 665 ist ein beliebter Antreiber in den unteren Preisklassen. Im Zusammenspiel mit einer Taktung von 1,8 Gigahertz und durchaus üppigen 4 Gigabyte Arbeitsspeicher präsentiert sich dieser günstiger Funker als durchaus potenter Vertreter für gerade einmal 200 Euro. Im Praxistest erzielt das 8G zwar keine Bestwerte, aber für Casual Gaming und tägliche Routinen reicht die Performance auf alle Fälle aus. 

Wer gerne zockt, ist mit diesem Gerät, was die Akkuleistung anbelangt, sogar sehr gut bedient! Bei einer moderaten Nutzungsintensität sind über eine Woche Rufbereitschaft möglich. Der 4.000 mAh starke Akkublock schafft im Dauerstresstest sogar rund 17,5 Stunden, was ein neuer AreaDVD-Rekord ist – Bravo! Kleiner Wermutstropfen: Das 10-Watt-Netzteil braucht fast drei Stunden bis der Akku wieder zu 100% voll ist. Kabelloses Aufladen ist erwartungsgemäß in dieser Preisklasse immer noch nicht möglich.

Rückseite quer liegend

Nächste positive Überraschung: Der große Mono-Lautsprecher tönt richtig gut und lässt sich via Equalizer sogar nach eigenem Geschmack tunen. Das Klangfeld ist breit gefächert, die Höhen kommen luftig rüber mit etwas gutem Willen ist sogar ein Bassfundament ausmachbar. Das günstige G8 schlägt somit viele deutlich teurere Modelle. Bei Telefonaten treten keinerlei Probleme auf, allerdings ist die Sprachwiedergabe aber auch weit entfernt vom Prädikat „Festnetzniveau“.

Fazit

Das Motorola Moto G8 zeigt, wie ein 200-Euro-Smartphone sein soll, denn bei einigen Werten übertrumpft es sogar Top-Modelle. Vor allem die grandiose Rufbereitschaft von bis zu acht Tagen ist ein Fingerzeig an die Konkurrenz. Erfreulich ist zudem, dass auch bei der Klangqualität nicht übermäßig gespart wurde. Klar, beim Display und der Kamera muss der Käufer mit Einschränkungen leben, aber bei einem derart gestalteten Online-Preis fällt dies nicht eklatant negativ ins Gewicht. Im Gegenteil: Das Motorola Moto G8 ist in dieser Preisklasse in einigen Punkten der neue Maßstab.

Technisch leistungsfähiges und umfangreich ausgestattetes Einsteiger-Smartphone

Smartphones Untere Mittelklasse
01.08.2020

Test: Ulf Schneider
Datum: 01.08.2020

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