TEST: IOTAVX AVXP 2-840 - extrem kraftvolle, zugleich kultivierte Zweikanal-Endstufe

Klang

An unseren Canton Reference 5 K konnte sich die Endstufe ausgesprochen gut entfalten. Unser Stereovollverstärker Quadral Aurum A9 muss sich diesmal auf die Vorverstärkung beschränken - und bei der Endverstärkung dem "Bodybuilder" von IOTAVX das Feld überlassen. 

Wir starten mit Diana Kralls "The Look Of Love" und hören beim Klavier, mit dem der Titel beginnt, genau hin. Die Konturen, die Anschlagdynamik und ein subtiles Gefühl authentischer Räumlichkeit verdichten sich zu einer großartigen Atmosphäre, die weiter gewinnt, als Diana beginnt, zu singen. Das Spezielle in ihrer Stimme, das Melancholische, leicht Rauchige, arbeitet der Endverstärker souverän heraus und harmoniert hier auch gut mit dem detailfreudigen Aurum A9. Der IOTAVX Endverstärker lässt bei höherem Pegel dann die Muskeln spielen, tonal absolut identisch zum Einsatz bei geringer Lautstärke, beweist er, wie gelassen er grundsätzlich agiert. Die Schmerzgrenze bestimmen hier die Zuhörer oder, was wahrscheinlicher sein dürfte, die Nachbarschaft. Sanfte Zwischentöne wie das Abklingen des Klaviers oder von Dianas vokaler Präsenz meistert der britische Endverstärker hervorragend. 

"In The Air Tonight" (2016er Remaster) von Legende Phil Collins steht auf dem Programm. Schon das Intro bereitet Freude pur. Klar definiert, mit einer exzellent ausgeprägten Räumlichkeit schon bei akustischen Einzelheiten, und mit superber Stimmwiedergabe schreitet die AVXP 2-840 weiter den Weg des Erfolgs. Dynamische Differenzen werden umgehend erfasst und entsprechend übertragen, und der gewünschte Hall in Phils Stimme kommt außergewöhnlich realistisch zum Ausdruck. Wichtig in diesem Zusammenhang ist, dass wir nicht von einer Luxusendstufe im fünfstelligen monetären Bereich sprechen. Die AVXP 2-840 kostet exakt 2.199 EUR, und das ist für diese Performance ein absolutes Schnäppchen. Da gibt es bestimmt teurere Kontrahenten, die weder über einen so akribischen Aufbau noch über derartige Leistungsreserven verfügen - aber auch nicht über eine so ausgeprägte Klangkultur. 

Überrascht sind wir bei der eher dürftigen Aufnahme von Sir Elton Johns 80er Jahre-Klassiker "I'm Still Standing". Bei hohen Hörlautstärken wurde Sir Elton Stimme grundsätzlich immer schrill und harsch. Nicht hier. Unsere Kombination sichert einen so authentischen, klaren Sound, dass wir uns verwundert die Augen reiben. Die Stimme des britischen Sängers ruht in sich, gibt aber trotzdem die gesamte Dynamik frei. Dasselbe gilt für das herausragende vorgetragene kurze E-Gitarrensolo: Kein störend-metallischer Einschlag, trotzdem aber eine richtig gute dynamische Präsentation.

"Friday On My Mind" (Gary Moore) macht in den Testreihen ebenfalls Freude, wenngleich man hier doch die Schwächen der Aufnahme durch Dröhnen im oberen Mittenbereich mehr merkt. Hier wird Garys Stimme bei hoher Lautstärke sehr umdetailliert, und die akustischen Ebenen nehmen hinsichtlich der Plastizität ab. Klar, auch hier präsentiert uns die Test-Kombination ihr tadelloses Niveau, aber sie kämpft mit der wirklich unzureichenden Qualität des Tracks. 

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"Time To Say Goodbye" - nein, noch folgen einige Stücke in den Testreihen, aber wir hören in diesen Klassiker von Andrea Bocelli und Sarah Brightman rein. Und beide Künstler werden vokal mit außergewöhnlicher Qualität abgedeckt. Feine Nuancen kommen mit der richtigen Gewichtung heraus, im Bassbereich untermauert die Endstufe, was an Kraft und Nachdruck in ihr steckt. Unsere "kampferprobten" Canton Reference 5K wanken und wackeln nicht, unerschütterlich präsentieren sie Henry Maskes Abschiedssong mit linearer Membranauslenkung und klarer Klangcharakteristik. Die Ordnung innerhalb der Instrumente des Orchesters ist vorzüglich, gerade die Streicher werden filigran und mit dem richtigen Maß an Brillanz dargestellt. 

Bei der Blue Lagoon Cover-Version des One Hit-Wonders "Break My Stride" (Matthew Wilder) zeigt uns die Endstufe eine andere Seite ihres Wesens: Denn hier schiebt sie plötzlich massiv an, lässt die Kraft nicht nur subtil spüren, sondern setzt sie aktiv und mit unglaublich kurzer Reaktionszeit ein. Auch bei einem solchen, eher weniger differenzierten Track lässt sie sich bei der Bildung einer glaubwürdigen vokalen Präsenz und bei der Schaffung eines intensiven räumlichen Erlebnisses nicht das Allerkleinste vorwerfen, sondern zieht kompromisslos durch. 

Was dieses Kraftwerk an Energie freisetzen kann, dokumentiert sie einDRUCKsvoll bei "Middle Of Nowhere" von Adan Hüjens. In diesem Track spielen unfassbar massive Bässe eine Hautrolle. Diese müssen für maximalen Output aber auch vom Timing her passend arrangiert werden und nicht einfach ohne Kontur und Dimension für Krach im Hörraum sorgen. Wie es richtig gemacht wird, zeigt unser Testkandidat. Mit unnachgiebigem, präzisem Schub donnert sie diesen Titel in den Hörraum, ohne Gnade auch bei enorm hoch liegender Lautstärke. Alle elektronischen Effekte werden mit überragender Räumlichkeit dargestellt und platzieren sich exakt und wirkungsvoll. 

Und wir lassen es weiter "krachen" und schieben noch "Fly So High" vonZombic, Rocco und Steve 80 nach. Und wieder staunen wir - was hier an unbändiger, aber zugleich definierter und kontrollierter Kraft losgelassen wird, das erreicht vom Pegel her das Niveau professionellen Equipments. Zwei AVXP 2-840 in die Dorfdisco gestellt, und schon sprudeln die Einnahmen, denn der neue Club in der Kleinstadt bietet nicht dieses direkte Feeling erlebter Kraft. Die Endstufe bleibt absolut neutral, lässt sich nie zu einer harschen Note zwingen. Limitierende Faktoren sind eher der Hörer und/oder die verwendeten Lautsprecher. 

Konkurrenzvergleich

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IOTAVX AVXP 1: Die Siebenkanal-Endstufe liegt bei 1.379 EUR und kann für Stereo und Surround verwendet werden. Sie beeindruckt, ebenso wie unsder Testkandidat hier, durch den hervorragenden Aufbau. Für den schmalen kaufpreis nach wie vor eine Macht, hat sie im Stereoeinsatz keine Chance gegen die AVXP 2-840. Letzere hat ein ganz anderes Leistungsniveau, ballert Pegel heraus, die unfassbar sind, und bleibt immer höchst souverän und kontrolliert. Hier lohnt sich für Zweikanal-Liebhaber der Aufpreis wirklich. 

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Nubert nuPower A: Mit 3.990 EUR ist die nuPower A deutlich teurerer, aber hier handelt es sich um eine der besten Endstufen mit analogem Konzept, die wir überhaupt kennen. Der grandiose Aufbau, die Liebe zum Detail, die fantastisch dynamische, neutrale Auslegung - ein Sahnestück von der Ostalb, ohne jeden Zweifel. Die beinahe nur halb so teure AVXP 2-840 macht aber nichts deutlich schlechter. Gerade, was die Reserven angeht, kann sie mithalten und ebenso große Hörräume und leistungshungrige Lautsprecher problemlos versorgen. Klar, die Nubert-Lösung bietet im Detail noch etwas mehr Kultur, Kontur und Plastizität, aber da muss man auch über eine entsprechende Kette verfügen, die in der Lage ist, das überzeugend herauszustellen. 

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Elac Alchemy DPA-2: Für einen Preis von 1.599 EUR macht man mit der ultraflachen Elac-Endstufe ein sehr gutes Geschäft. Klar, die Pegel wie die AVXP 2-840 stemmt sie nicht. Aber in Hörräumen bis rund 35 Quadratmeter hat sie auch immense Kraft und überzeugt zudem mit dem natürlichen Sound und einer realistisch ausgeprägten Räumlichkeit. Sehr speziell ist der Aufbau mit einem Class A-Aufbau in der Eingangssektion und einer Class D-Ausgangssektion. 

Fazit

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Für knapp 2.200 EUR markiert die IOTAVX AVXP 2-840 die Spitze des Machbaren. Selbst im Bereich doppelt so teurer anderen Endstufen muss sie sich keinesfalls verstecken. Dank des extrem sorgfältigen Doppel-Mono-Aufbaus und dem unfassbaren Aufwand hinsichtlich der verwendeten Bauteile kann man dieses Kraftwerk jedem versierten Stereo-Liebhaber, der den Fokus auf maximale Klangqualität und ein erstklassiges Preis-/Leistungsverhältnis legt, nur wärmstens ans Herz legen. 

Nimmt man das Preis-/Leistungsverhältnis mit ins Kalkül, ist die AVXP 2-840 eine der besten Endstufen, die man kaufen kann
Masterpiece neu
Stereo-Endstufen
Test Montag, 02. Oktober 2023

Test: Carsten Rampacher
Fotos: Philipp Kind
Datum: 02. Oktober 2023

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