PREVIEW: Kabelloses Mehrkanal-Kopfhörersystem JVC Exofield XP-EXT1

Das JVC Exofield XP-EXT1 wird als „Heimkino-Kopfhörersystem“ bezeichnet. Das knapp 1.000 EUR kostende Ensemble besteht aus Wireless Headphones und dem Wireless Transmitter/Signal Processor. Es können bis zu 7.1.4 Kanäle dargestellt werden, Decoder für Dolby Atmos, DTS:X plus die jeweiligen Upmixer DTS Neural:X und Dolby Surround sind an Bord. Der Kopfhörer verfügt daher nicht nur über die Option der nativen Dolby Atmos-Wiedergabe, sondern kann (ab 2.0 Stereo-Signal) ein präzises Upmixing durchführen. Man kann jeweils auswählen, ob man DTS Neural:X oder Dolby Surround verwenden möchte. Hinzu kommen verschiedene Soundmodi: Cinema, Music und Game sowie Flat und Custom.

Hierin steckt die gesamte Signalverarbeitung

Exofield Kopfhörer

Bei letzterem Modus kann man mittels 5-Band-EQ ein eigenes Setting erstellen und speichern. Wichtig und daher gleich zu erwähnen: Möglich ist nur die Konfiguration mit einem Kopfhörer und mit einem  Controller, daher kann man keine zwei Kopfhörer mit einer Prozessor-Einheit verbinden. Grund: es gibt keinen Dolby Atmos Chip, der parallel 2 verschiedene Settings fahren kann, das wäre nötig, weil das Ohr jedes Benutzers individuell eingemessen wird.

Wie sieht es mit den ins Auge gefassten Zielgruppen aus? Zunächst kommen wir zur Zielgruppe 1: Es sind Heimkino-Enthusiasten, die mit geringstmöglichem Platzbedarf Heimkino-Sound genießen möchten – und das zu jeder Uhrzeit. Das heißt: Heimkino, auch mit kräftiger Lautsprecher, zu jeder Tages-/Nachtzeit möglich, und das in sehr hoher Qualität. Als Zielgruppe 2 werden anspruchsvolle Gamer angeführt.

Ansicht von oben

Gerät von vorne

Rückseite mit Anschlüssen

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Lieferumfang

Ausgestattet ist der Kopfhörer mit leistungsstarken 40 mm Neodym-Treibern. Weiche Ohrpolster aus Kunstleder, die selbst vom Besitzer getauscht werden können, sorgen für sehr hohen Tragekomfort. Wir loben die saubere Verarbeitung. Als Farbgebung passt Schwarz/Titan-Dunkel gut zu einem Heimkino-Kopfhörer. Das Kopfband besteht aus Metall. Oben auf dem Kopfband findet sich zur Wiedererkennung ein Exofield Logo, ebenso außen auf den Ohrmuscheln. Direkt an der rechten Ohrmuschel befinden sich due Exofield-Taste zur Aktivierung der Exofield-Funktion. Zudem kann auch direkt an der Ohrmuschel der Eingang gewechselt werden. An der linken Ohrmuschel sind An/Aus-Schalter und der USB-Anschluss fürs Aufladen.

Die Akkulaufzeit von 12 Stunden ist absolut ausreichend. Das komplette Laden des Kopfhörers (über Micro USB) dauert vier Stunden. Die Übertragung zwischen Prozessoreinheit und Kopfhörer erfolgt über 5 GHz Funkübertragung. Es handelt sich um KEINEN Bluetooth-Kopfhörer, das Headphone ist ausschließlich für dieses System gedacht.

Kopfhörer von oben

Ohrpolster und Hörerschale im Detail

"Exofield Theater"-Logo seitlich

Kopfband innen

Die kompakte Prozessoreinheit ist mit HDMI 2.1 Terminals (3 Eingänge, 1 Ausgang) ausgestattet. Weiter finden sich zwei optische Digitaleingänge, so zumindest sieht es aus. In der Praxis verwendet kann nur der mit OPT.IN beschriftete Eingang, nicht der „EXT“ Eingang. Weiter findet sich noch ein analoger Cinch-Eingang und der Anschluss fürs externe Netzteil.

Oben auf dem Device finden sich An-/Ausschalter, Input/Info-Taste, Sound Mode/Pairing (erste Funktion – kurzer Tastendruck, zweite Funktion – langer Tastendruck). Rechts oben sind dann „User Data“ Taste (Durchschalten durch die vier Benutzerprofile, die gespeichert werden können) und Exofield-Taste. Auf der Unterseite gibt es noch zwei Schiebeschalter: Empfindlichkeit des Analogeingangs (um 8 dB abschwächen) und die Aktivierung von HDMI-CEC.

Die Front der Prozessoreinheit ist hochglänzend, der Rest des Gehäuses (aus Kunststoff) ist mit schwarzem Softlack überzogen.

Exofield-Logo oben

Bedienelemente an der Hörerschale

Exofield-Einmessung

Die Einmessung kann in zwei Schritte unterteilt werden: Die eigentliche Einmessung – (Messung der Daten) und dann zum zweiten der Optimierung mittels passender Datensätze aus einer großen Datenbank. An dieser Stelle sei allen Privatsphäre-Verfechtern gesagt: Es werden beim Optimieren keine Daten des Anwenders irgendwohin gesendet. Das System funktioniert andersherum: JVC verfügt über eine große Datenbank, in denen reale Ohren an realen Orten eingemessen wurden (zum 90. Firmenjubiläum gab es da eine Aktion von JVC mit interessierten Hörern in Japan). Daraus entstand die umfangreiche Datenbank.

Hochwertige Gelenke

Große, bequeme Ohrpolster

Die Ohrpolster sind abnehmbar und austauschbar

Die Einmessung erfolgt per App (für Android und iOS). Im Kopfhörer sind links und rechts zwei Messmikrofone integriert. Einmessung läuft in 2 Schritten ab: 1. Step Impulse (kurz) zum Einpegeln der Empfindlichkeit der Mikrofone. Zudem wird überprüft, ob die Umgebungsgeräusche zu laut sind. Das dauert zwischen 15 und 25 Sekunden. Im zweiten Schritt werden diese Impulse in zeitlicher Richtung gedehnt (Time Stretched Pulses). Über diese in der Zeit gedehnten Impulse, die in unterschiedlichen Frequenzen vorliegen, wird quasi ein individuelles Reflexionsmuster fürs Ohr erstellt. Dieses fällt natürlich bei jeder Ohrform anders aus, daher ist die Anpassung so immens wichtig.

Idee hinter Exofield ist: Die Töne werden von der Ohrmuschel durch den Gehörgang zum Trommelfell geleitet. Die Formen der Ohrmuscheln sind bei jedem Menschen anders. Daher erreicht der Schall das Trommelfell auf unterschiedliche Art und Weise. Persönliche Merkmale beeinflussen daher alle direkten und alle reflektierten Töne.

Prozessoreinheit

Bedienelemente

Wozu braucht man „Exofield“in der Praxis? Es ist das tragende Element zur „Out Of Head“ Lokalisierung Normalerweise hat man beim Tragen eines Kopfhörers immer das Gefühl, dass der Klang stark begrenzt innerhalb des Kopfhörers stattfindet. Ziel der Exofield Technologie ist es, genau das zu ändern. Kurz gesagt, soll der Träger gar nicht mehr wahrnehmen, dass er einen Kopfhörer verwendet. Der Klang wird, sehr einfach formuliert, „von innen nach außen getragen“. Besonders merkt man diesen Unterschied, wenn man beim Tragen des Kopfhörers den Exofield-Effekt aktiviert oder deaktiviert.

Wichtig: Dieser Exofield-Effekt hat zunächst nichts mit Dolby Atmos o.ä. zu tun. Es geht hier einzig und allein darum, den „Klangeindruck aus dem Kopf heraus zu bekommen“.  Wenn dann in Kombination Dolby Atmos oder DTS:X beziehungsweise hochgerechnetes Material hinzukommt, kann man das Ergebnis mit bis zu 7.1.4 Kanälen genießen. Natürlich ist der Effekt am deutlichsten wenn nativ schon möglichst viele Kanäle vorliegen.

In der Prozessoreinheit selber können bis zu 4 Benutzerprofile gespeichert werden, in der App bis zu 6 Benutzerprofile. Vorzug der Profile in der App. Sollte es ein großes Firmware-Update für die Prozessor-App geben, braucht man dadurch, dass die Profile in der App vorhanden sind, kein neues Profil zu erstellen: Einfach das gewünschte Profil wieder auf die Prozessoreinheit übertragen.

Einmessung/Handling mit der App:

Zuerst erfolgt Kopplung Smartphone – Prozessoreinheit über Bluetooth. Für die nun folgende Einmessung wird das Setup-Kabel benötigt. Von der Prozessoreinheit zur „Setup“ Buchse am Kopfhörer. Natürlich müssen Kopfhörer und Box eingeschaltet sein.

Wenden wir uns den Screenshots zu.

Screenshot 1 zeigt die Übersicht, mit gewähltem Eingang, Sound Mode etc.

Screenshot 2 fordert zum Anschluss des Setup-Kabels auf

Screenshot 3: Ausgabe Testsignal Step 1 von 2

Screenshot 4: Ausgabe Testsignal 2/2

Screenshot 5: Übertragung der Messdaten an das Smartphone

Screenshot 6: Datenerzeugung

Screenshot 7: Rück-Übertragen der Daten vom Smartphone zur Prozessoreinheit

Screenshot 8: Vier Speicherplätze in der Prozessorbox, ein Platz ist mit unserer Messung belegt

Screenshot 9: Sechs Speicherplätze in der App, einer davon belegt

Screenshot 10: Umbenennung des Datensatzes innerhalb des Smartphones

Screenshot 11: Eingabe Datenname „areadvd“

Screenshot 12: areadvd wurde nun gespeichert

Screenshot 13: Übertragung von „areadvd“ auf die Speicherplätze der Box

Screenshot 14: Datenübertragung

Screenshot 15: Datensätze in der Box nach Übertragung von „areadvd“

Screenshot 16: DSP-Modi

Screenshot 17: Wählt man „Custom“ an, kann man auf einen grafischen EQ zurückgreifen (80 Hz, 400 Hz, 1 kHz, 4 kHz, 10 kHz)

Sceenshot 18: Eingangswahl

Screenshot 19: Klang-Einstellungen

Screenshot 20: Kanalverstärkung

Screenshot 21: Balance

Screenshot 22: Neural:X oder Dolby Surround?

Screenshot 23: Aktivierung der Audio-Upscaler

Screenshot 24: Dynamic Range Control

Screenshot 25: Übersicht mit Dolby Atmos-Decodierung

Tragekomfort und Klang

Der doch recht wuchtig wirkende Exofield-Kopfhörer sitzt bequem auf dem Kopf und kann präzise auf die Kopfgröße des Trägers eingestellt werden. Außengeräusche werden gut abgeschirmt, der Kopfhörer übt keinen unschönen Druck aus.

Die erzielbaren Pegel sind tadellos, wenn manche Abmischung etwas leise sein sollte und man daher fast bis zum Anschlag aufdrehen muss, ist dies nicht die Schuld des JVC Exofield-Systems. Die Lautstärke ändert man mit einer Wischtaste an der Ohrmuschel oder über die App. Kommen wir zu den Klangbeispielen, im finalen Test wird diese Liste natürlich noch länger.

Dolby Atmos Demo Disc, Auszug aus Jumanji: Hier wird eine erstklassige Differenzierung der Effekte geboten – man glaubt wirklich, dass man keinen Kopfhörer aufhat, sondern dass man inmitten eines Heimkinoraums mit einem leistungsstarken 7.1.4 Lautsprechersystem sitzt. Aber – es handelt sich nicht nur um ein atmosphärisch dichtes Effekt-Spektakel ohne Ordnung. Das Gegenteil ist der Fall: Jeder Effekt sitzt am richtigen Platz und wird mit exakter Balance reproduziert. Der wilde Flug des Helikopters wird mit intensiver Wirkung übertragen, auch das aufgeregte Geschrei der Insassen. Der Music Score entfaltet ebenfalls seine Wirkung, das Geschehen noch fesselnder zu machen. Schusswechsel oder das Drehen der Rotoren: Alles wirkt sehr echt, und derjenige, der den Exofield Kopfhörer aufhat, fühlt sich inmitten eines großen Klangbildes, das auf einer sauber dimensionierten virtuellen Bühne stattfindet.

DTS:X , DTS Demo Disc 2019, „Transient“: Es beginnt mit einem heftigen Gewitter, das sehr räumlich dicht herausgestellt wird. Das Zucken der Blitze nimmt man sehr gut als „außenstehenden“ Effekt wahr. Die verschiedenen räumlichen Ebenen sind so gut differenziert, dass man nur verblüfft sein kann. Die Effekte werden zudem exzellent vom Music Score getrennt. Das Schöne am Exofield System ist: Die Wiedergabe ist keinesfalls störend, überfordernd. Sondern echt, authentisch, man fühlt sich hervorragend ins akustische Geschehen integriert. Daher ist es auch möglich, entspannt über mehrere Stunden zu hören, ohne dass sich unangenehme Nebenwirkungen dazu gesellen.

DTS:X/IMAX Enhanced Demo-Content, Volume 1: “Only The Brave” und “Bumblebee” sowie “Space Station”: Beim ersten Ausschnitt aus „Only The Brave“ kommt ein Hubschrauber von oben, um Wasser aus einem Swimming Pool zu saugen. Der stehen Helikopter, das Sauggeräusch und der Music Score werden erneut akkurat voneinander getrennt. Das Geschehen hat genau das richtige Maß an Weitläufigkeit. Nun fliegt der Helikopter zurück ins Waldbrandgebiet, die Fluggeräusche der Rotorblätter empfinden wir als komplett realistisch. Bei „Bumblebee“ richtet sich der Transformer auf, und ein Hummer kommt herangefahren. Sofort hastet Bumbleebee durch den Wald, der Hummer nimmt die Verfolgung auf. Stimmen, Effekte, Music Score: Woeder leistet das Exofield-System ganze Arbeit. Tonal angenehm neutral, sehr detailreich, wird ein weiteres Mal ein dichtes, zugleich räumlich weites Klangbild erschaffen. Der Spannungsbogen, der durch den Music Score wesentlich mit getragen wird, kommt exzellent heraus. Insgesamt erlebt man alles so, als wäre man mittendrin. Räumliche Limits, wie man es sonst von Kopfhörersystemen kennt, gibt es nicht. Dieser Effekt verblüfft immer wieder, und wie enorm er ist, kann man sehen, wenn man die Exofield-Funktion ausschaltet: Dann wirkt der Klang wie „gefangen“, es fehlt an Differenzierung, Weitläufigkeit, Dichte. Sehr deutlich merkt man dies auch bei „Space Station“ – das startende Space Shuttle wird höchst beeindruckend wiedergegeben. Vor allem hört man das erstaunliche Differenzierungsvermögen heraus: dadurch steigt auch der Eindruck einer realistischen Plastizität.

Fazit

Das JVC Exofield-System ist mit einem Kaufpreis von knapp 1.000 EUR nicht unbedingt günstig, so sieht es auf den ersten Blick aus. Aber: Für ein vollwertiges „Heimkino aus Kopfhörer und Prozessor“ ist das absolut nicht zu viel. Der sauber verarbeitete Kopfhörer (wenn auch mit etwas hohem Kunststoffanteil) und die kompakte Box erlauben ein realistisches Mehrkanal-Spektakel, das wir in dieser Güte von einem Kopfhörer-basierten System noch nicht kannten. Akkurate Kanaltrennung, dichte Räumlichkeit, tadellose Detaillierung – der offerierte Standard verblüfft immer wieder. Das Handling des Exofield-Systems ist ausgesprochen einfach. Die Einmessung gelingt innerhalb kürzester Zeit, und die Handhabung der App stellt keinen, der schon mal mit einer Unterhaltungselektronik-App gearbeitet hat, vor keinerlei Probleme.

 

Special: Carsten Rampacher
Datum 30.10.2020

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