TEST: Teufel MOVE PRO In-Ear-Kopfhörer – Klanglicher Hochgenuss für 120 EUR?

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Teufel erweitert das In-Ear-Kopfhörer-Portfolio um den 119,99 EUR kostenden MOVE PRO – damit haben die Berliner ein neues In-Ear-Topmodell. Optisch wirken die In-Ears ausgesprochen edel dank Alu-Komponenten, die überdies störende Reflexionen minimieren. Mit sehr guter Haptik und Optik überzeugt der MOVE PRO, er wirkt deutlich teurer, als er ist. Wir kennen In-Ears für 200 EUR, die nicht so hochwertig daherkommen. Auch das Zubehör passt zum Anspruch.

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Ohrstücke in drei Größen aus medizinischem Silikon befinden sich im Lieferumfang und sind praktisch auf der Spindel untergebracht

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Die Spindel verschwindet in einem durchsichtigen Röhrchen. Die Transportbox gefällt gut

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MOVE PRO in der Transportbox

Eine haltbare Transportbox, ein Röhrchen, in dem verschieden große Ohrstücke untergebracht sind, ein Putztuch – alles ist vorhanden. Praktischerweise sind Aufwickelhilfe und Fixierklemme gleich in der Transportbox enthalten, so dass es keine zeitraubende Geduldsarbeit ist, den MOVE PRO nach Gebrauch wieder einzupacken. Das Kabel macht ebenfalls einen sehr guten Eindruck. Eine Fernbedienung für iOS, Android und Windows Phone ist integriert. Somit bietet der MOVE PRO ein hohes Maß an Flexibilität. Damit der MOVE PRO immer optimal passt, liefert ihn Teufel mit drei Paar unterschiedlich großen Ear-Tips aus. Die kleinsten Ohrstücke sind etwas geschrumpft im Vergleich zu den Gegenstücken bei den bisherigen Modellen (Aureol Fidelity). Davon versprechen sich die Berliner, dass der MOVE PRO auch in den kleinsten Gehörgängen perfekten Halt findet. 

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Kabelfernbedienung

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Stecker und hochwertiges Gewebe-Kabel mit entsprechender robuster Kunststoff-Ummantelung

Es handelt sich beim MOVE PRO um einen 16 Ohm-Kopfhörer, der laut Hersteller Frequenzen zwischen 20 Hz und 20 kHz wiedergeben kann. Integriert ist auch eine Freisprecheinrichtung, die eine gute Qualität bietet und für Gerätekategorie und Preisklasse daher als gelungen zu bezeichnen ist. 

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Hochwertig verarbeitet – auch klangstark? 

Aber Optik und Ausstattung sind bekanntermaßen nicht alles. Auch der Klang muss stimmen. Teufel verspricht einen „erdigen, tiefen Bass dank Neodym-HD-Treiber“. Schließlich sollen die besonders leichten Membranen nicht nur bassstark sein, sondern sich auch für HD-Audiomaterial eignen. Allerdings sollte Teufel dann überlegen, ob, wenn der MOVE PRO tatsächlich für HiRes Audio geeignet ist, es Sinn macht, einen Frequenzgang bis 20 kHz anzugeben. Hier kann dann etwas nicht stimmen, denn mit 20 kHz oberer Grenzfrequenz hat HD Audio nichts gemein. Vielmehr haben HiRes oder HD Audio-Files einen nach oben deutlich erweiterten Frequenzbereich, um auch Oberwellen akkurat darzustellen.

Bis auf 30 kHz sollte daher ein entsprechender Kopfhörer schon spielen können. In unseren Testreihen überzeugt der MOVE PRO auch gleich mit seinem Auflösungsvermögen. Vielleicht wäre hier eine neue Messung des Frequenzgangs angebracht. Wie Teufel verlauten lässt, sollen die aufwändige Treiber im Übrigen auch eine „natürliche, ausgewogene Klang-Abstimmung ohne Überbetonung von Frequenzbereichen“ bieten und die „präzise Abstimmung beider Treiber (sorgt) für gute Tiefenstaffelung und Ortung aller Instrumente. 

Klang & Tragekomfort

Wir sind überrascht, wie gut der MOVE PRO Umgebungsgeräusche vom Hörer fernhält. Die Fernbedienung ist von der Höhe her perfekt platziert. Drückt man einmal zentral, wird die Wiedergabe unterbrochen, drückt man wieder, geht es weiter. Drückt man zweimal hintereinander, wird der nächste Titel angespielt. Der Sitz mit den richtigen Ohrstücken ist ausgezeichnet. Der MOVE PRO verrutscht nicht, drückt aber gleichzeitig nicht unangenehm. Selbst Hörer, die In-Ears gegenüber eher skeptisch gesinnt sind, könnten mit dem MOVE PRO gut klar kommen.

Mit „A View To A Kill“ starten wir die Hörtestreihen. Was Teufel hinsichtlich der Basswiedergabe versprach, stimmt – soviel sei gleich gesagt. Nachdrücklich, satt, mit tadellosem Tiefgang – so muss Bass klingen. Allerdings möchten wir ja nicht nur die tiefen Frequenzen genießen, sondern auch den Rest – und auch hier überzeugt der MOVE PRO. Im Vergleich zu anderen uns bekannten Teufel In-Ears besticht beim MOVE PRO vor allem das deutlich bessere Auflösungsvermögen. Facetten gerade im Hochtonbereich stellt der neue In-Ear-Hörer viel überzeugender dar. Dies merken wir auch beim 007-Titelsong „You Only Live Twice“. Hier läuft der MOVE PRO zu großartiger Form auf. Man  kann entspannt mit etwas höherem Pegel hören, und immer noch trennt er Stimme und Instrumente akkurat voneinander. Die Stimme klingt nicht, wie oft bei In-Ears, komprimiert, sondern breitet sich recht frei im virtuellen Raum aus. Die Harmonie der gesamten akustischen Vorstellung ist ausgezeichnet, der MOVE PRO eignet sich demnach auch sehr gut für differenzierte Musik.

„Carrie“ von Europe, eine Rock-Ballade aus den 80er Jahren, haben wir auf einem bezahlbaren In-Ear selten in so guter Qualität gehört. Dass das Quellmaterial nur in befriedigender Güte vorliegt, macht der MOVE PRO beinahe vergessen, so klar und lebendig hört sich das Ergebnis an. Und wir bleiben in den 80er Jahren: Mit richtig Schwung kommt der Erasure-Hit „Sometimes“ an. Dynamisch, kraftvoll – aber nicht mit zu dickem, monotonem Bass: Der MOVE PRO macht für knapp 120 EUR Kaufpreis alles richtig. Man merkt, dass Kopfhörern im Teufel Produktsortiment eine deutlich höhere Priorität zukommt als noch vor einigen Jahren. Damals waren es klassische „Me Too“-Produkte, heute möchte man sich mit den Besten der jeweiligen Preisklasse messen. JBL, Beats, Sennheiser, Bose – das sind heute die Teufel-Gegner. Und dass der einzige Weg der nach vorn ist, verdeutlicht der MOVE PRO glänzend: „Don’t Be So Shy“ von Moti Special hat von Beginn an eine enorme Ausdruckskraft. Diese wird aber mit einem erneut guten Auflösungsvermögen gepaart, so dass jeder vordergründige Klangeindruck ausbleibt. Der MOVE PRO klingt komplett und kultiviert, gleichzeitig kraftvoll und dynamisch. Eine tolle Kombination. Dies hören wir auch beim Klassiker „West End Girls“ von den Pet Shop Boys heraus. Der Dynamikumfang, den der MOVE PRO aus dem Quellmaterial herauskitzelt, überzeugt voll und ganz. Der straffe, gleichzeitig satte Bass ebenfalls – ein Volltreffer, dieser MOVE PRO.

Mit Titeln von Diana Kralls Album „Wallflower“ hat der Berliner Klang-Experte ebenfalls keine Berührungsängste. „Desperado“ hat Substanz und Kontur, Dianas Stimme wird einwandfrei vom Klavier getrennt, das für sich betrachtet ebenfalls sehr lebendig dargestellt wird. Klar, ein 120 EUR-Headphone kann nicht den gesamten anschlagdynamischen Umfang wiedergeben, das, was übrig bleibt, ist aber schon beachtlich. „Superstar“ mit dem schön melodiösen Beginn wirkt authentisch, atmosphärisch dicht – der MOVE PRO zeigt sich hier wieder von seiner kultivierten, erwachsenen Seite. Mit seiner sorgfältig komponierten Auslegung spricht der In-Ear-Hörer somit einen breiten potentiellen Interessentenkreis an. Auch anspruchsvoll darf der zukünftige Besitzer sein – wie gut Dianas Stimme bei „Superstar“ herauskommt, verdient für diese Preisklasse höchsten Respekt. Auch die Instrumente gruppieren sich stimmig um die vokalen Elemente.

Bei Trance-Musik von der „Future Trance Classics – Hands Up!“ geht der MOVE PRO sehr dynamisch und energiegeladen mit verschiedenen Tracks um. Wir starten mit „Someday“ von den DJs@Work, und dieser Titel liegt den Berliner In-Ears offensichtlich besonders gut. Der Bass hat enorme Kraft bei jedem Pegel, die Effekte werden präzise gestaffelt, und auch bei gehobener Lautstärke bleibt der Klang souverän und klar. „Bassdusche“ von Ziggy X kommt ebenfalls überragend heraus. Hart und exakt ist der Bass, das Timing beweist die hohe Impulstreue, die der MOVE PRO bereithält. Der Rhythmus wird zu jedem Zeitpunkt ausgezeichnet dargestellt, sich aufbauende Effekt-Szenarien beweisen, wie gelungen der MOVE PRO hinsichtlich seiner gesamten Auslegung ist. „Lifestyle“ von Beam & Cyrus haben wir uns auch noch angehört. Und wieder schlägt der MOVE PRO eiskalt zu: So einen harten, gleichzeitig koordinierten Bass offeriert in diesen Preisgefilden kaum ein anderer In-Ear-Kopfhörer. Doch auch die Räumlichkeit der elektronischen Effekte ist verblüffend gut. 

Was bietet die Konkurrenz? Für 90 EUR unverbindliche Preisempfehlung tritt der gut verarbeitete Panasonic In-Ear-Hörer RP-HJX20 an. Mit „Axial Dual Drive“ mit zwei Magneten und zwei Spulen realisiert der In-Ear eine ähnlich gute Bass-Performance wie der MOVE PRO. Allerdings ist das Auflösungsvermögen ebenso schwächer ausgeprägt wie die Gesamt-Dynamik. Überdies fehlt eine Kabelfernbedienung.

Wer es gern sportlich angehen lässt und einen robusten Sport-Kopfhörer sucht, der kann zum JBL Synchros Reflect BT greifen, der ab rund 90 EUR Marktpreis zu haben ist. Er sitzt recht fest im Ohr und bietet einen satten Bass. Kultivierter und angenehmer aber klingt der MOVE PRO, der überdies auch bequemer zu tragen ist.  

Fazit

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Der Teufel MOVE PRO liefert im Testbetrieb eine erstklassige Leistung ab. Sehr gut verarbeitet, mit hervorragendem Sitz und Tragekomfort, setzt der Berliner In-Ear-Kopfhörer Maßstäbe. Er erweist sich als pegelfest, bietet eine tolle Räumlichkeit und ein überdurchschnittliches Auflösungsvermögen. Der klare, aber nie unangenehme Hochtonbereich ist ein weiterer Vorzug. Die Freisprecheinrichtung arbeitet tadellos, und die Kabelfernbedienung ist ideal platziert. 

Berliner Exzellenz: Der MOVE PRO erzielt in allen Disziplinen erstklassige Ergebnisse
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In-Ear-Kopfhörer bis 200 EUR
Test 10. August 2016

Test: Carsten Rampacher
Fotos: Philipp Kind
Datum: 10. August 2016




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