TEST: Panasonic In-Ear-Kopfhörer RP-HJX20 mit „Axial Dual Drive“ – Basskraft für 90 EUR

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Panasonic ist auf der Suche nach dem ultimativen Bass – und möchte ihn tatsächlich realisiert haben: Der In-Ear-Hörer RP-HJX20 soll für 90 EUR bei der Wiedergabe tiefer Frequenzen eine besonders nachdrückliche Erfahrung bieten. Daher ist der Hörer mit einer aus Aluminium gefertigten „Bass Boost“-Kammer ausgestattet, die dafür Sorge tragen soll, dass der Bass klar und kraftvoll, ohne störende Vibrationen, daherkommt. Der In-Ear möchte „die große Standbox“ in seiner Leistungsklasse sein: Das großzügig bemessene Volumen innerhalb des Gehäuses hat die Aufgabe, für eine souveräne Wiedergabe zu sorgen. Panasonic setzt auf eine spezielle Konstruktion mit zwei Magneten (besonders kraftvolle Neodym-Bauteile) und zwei Spulen – „Axial Dual Drive“ nennt Panasonic diese Technologie.

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Alu-Gehäuse – Gewicht nur 9 Gramm

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Hier werden die Ohrstücke draufgesetzt 

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 Mitgelieferte Ohrstücke in verschiedenen Größen für bestmöglichen Sitz

Die Verarbeitung des In-Ears hat uns auch überzeugt. Alu-Gehäuse trifft hier auf hohe Passgenauigkeit. Das OFC-Kabel ist 1,2 Meter lang, genau die richtige Länge für mobile Anwendungen. Der Ohrhörer weist eine Impedanz von 26 Ohm auf und gibt Frequenzen zwischen 4 Hz und 35 kHz wieder. Maximal ist er mit 150 mW belastbar und weist eine Empfindlichkeit von 102 dB/mW auf. Die verbauten Wandler messen 13,5 mm. 

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Sehr hochwertiges Finish

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Kabelführung

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3,5 mm Miniklinkenstecker, vergoldet

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 Mitgelieferter Transportbeutel

Dank neu entwickelter Ohrstücke, so Panasonic, ist das Noise Cancelling besonders effektiv, und der RP-HJX20 schirmt gut gegen Umgebungsgeräusche ab. Das stimmt – wir konnten es im Testbetrieb jederzeit nachvollziehen. Was uns fehlt – der moderne, stylish gestaltete Ohrhörer kommt nicht mit Kabelfernbedienung sowie integriertem Mikrofon. Das wird einige potentielle Kunden, die ein Smartphone besitzen und den RP-HJX20 ins Auge fassen wegen seiner aufwändigen Konstruktion und dem kraftvollen Klang, am Kauf hindern. 

Klang

Akustisch zeigt uns der RP-HJX20 gleich die Richtung an, als wir „Raptor“ von Digital X einspeisen. Die Trance-Hymne, die auf der Markus Schulz Global DJ Broadcast von Juni 2013 zu finden ist, stellt eindeutig heraus: Gerade für Trance- und Techno-Liebhaber ist der In-Ear aus dem Hause Panasonic eine lohnenswerte Okkasion. Er zieht im tieffrequenten Bereich mächtig durch und erweist sich als außerordentlich pegelfest. Die gebotene Räumlichkeit und die Homogenität sind ebenfalls herausragend. Die Differenzierung im Hochtonbereich ist nicht ganz so die Stärke des enorm dynamischen RP-HJX20.

Er gibt lieber ungebremst Gas und beeindruckt mit Volumen, Tiefgang und auch Staffelung im Bassbereich. Wie auf den Leib geschneidert ist „Storm Chaser“ von Cosmic Gate im KhoMha-Remix. Hier kann sich der Panasonic-Kopfhörer wieder mit satten Bassanteilen auseinander setzen, die er mit Wucht und Nachdruck präsentieren kann. Und das tut er – er fokussiert klar die tieffrequente Präsentation, der junge Hörer, der bassdynamisch viel erwartet, kann hier zugreifen. Zu klein sollte der Inhalt des Portemonnaies bei 90 EUR Kaufpreis allerdings nicht sein, hier muss der Schüler oder Auszubildende schon etwas sparen.

Doch dann trumpft der RP-HJX20 mit sehr gutem Sitz im Gehörgang, angenehmem Tragekomfort und einer guten passiven Geräuschisolierung auf. Außengeräusche wie Gespräche oder normale Umgebungsgeräusche, bekommt der Träger des Ohrhörers praktisch nicht mit. Der aktuelle 2015er Dance-Hit“Calavera“ von Klaas macht auch Spaß, denn der Panasonic In-Ear drückt gleich von Beginn mächtig auf die Tube und lässt nie Zweifel daran aufkommen, dass eine umfassende Behandlung des tieffrequenten Spektrums eine seiner liebsten Tätigkeiten ist. Diese „Liebe zum Bass“ sollte allerdings auch der Träger haben, sensible oder analytische Naturen werden sich nicht vom RP-HJX20 angesprochen fühlen. Was uns sehr gut gefällt: Die Basswiedergabe hat wirklich Substanz und Qualität. Unmotiviertes Dröhnen oder Wabern sind nicht festzustellen. Die Bassenergie wird pur und ohne störende Einflüsse übertragen. 

Ihnen trägt der In-Ear entschieden zu dick auf, er ist er der Bass-Rebell für die Jüngeren und Junggebliebenen Techno-Liebhaber: Wir hören klassische Mayday-Hits der 90er Jahre und starten mit „Why Don’t You Dance With Me“ von Future Breeze. Wir erinnern uns – der Bass war enorm, satt und hart. Abwarten, was der Panasonic jetzt macht. Leise Kritik müssen wir üben, geringfügiges Nachschwingen ist zu bemängeln. Und der Hochtonbereich lässt es etwas an Weitläufigkeit missen. Ansonsten aber gibt es wieder viel Hörspaß und es drückt mächtig. Richtig los geht es mit „Feeling So Real“ von Moby, aber nicht im Original-Mix, sondern in der Westbam-Variante von der Mayday.

Und hier rückt sich der RP-HJX20 ganz schnell ins Rampenlicht: Mit Härte, Klarheit, Kraft und Raumwirkung im Bassbereich lässt er zu, dass sich der Titel im Ohr des Hörers voll austoben kann. Hier fehlt es nicht an Emotion, Grobdynamik und Wucht. Der Aufbau des Tracks wird sauber erfasst, mit dem schnellen Rhythmus hat der In-Ear keinerlei Probleme. Und was Panasonic verspricht, hält der Hörer in der Praxis: Es kommt wirklich nicht zu Vibrationen im Bassbereich, auch Verzerrungen leistet sich der RP-HJX20 nur bei hohem Pegel und dann nur in sehr geringem Umfang. 

80er Jahre stehen nun auf dem Programm – und „Sometimes“ von Erasure gibt es nun im „Panasonic Extended Bass Remix“ – so haben wir den Titel noch nicht gehört. Der Bass lebt, und wie. Die Stimme ist trotzdem gut verständlich, nur Themen wie Brillanz und absolute Detailtreue interessieren den Panasonic nicht erstrangig. Der wilde Japaner legt sich eher mit enormer Grobdynamik ins Zeug, wie wir es von den Titel, die wir zuvor hörten, kennen. „West End Girls“ war der große internationale Durchbruch der britischen Pop-Combo Pet Shop Boys. Und wie gut der Panasonic In-Ear den Anfang wiedergibt, ist sehr zu loben.

In den 80ern mit schlappen Headphones und leiernder Kompaktkassette im zu großen Walkman, der bestimmt bei  der spontanen Dance-Einlage aus der Tasche der College-Jacke fällt und auf die Pflastersteine donnert, war das alles nicht zu spaßig. Heute marschieren wir mit iPhone 6 Plus, dem Pana-Hörern ganz entspannt über den Boulevard, und da das iPhone 6 Plus stramm in der vorderen Hosentasche der Used-Jeans klemmt, geht es auch bei der Tanzeinlage nicht verloren. Zu dieser verleitet nämlich die hervorragende Wiedergabe des RP-HJX20 spontan. Absolut genial, was dieser In-Ear aus den 80er Jahre Hits macht! Nichts Fades oder Oberflächliches, hier geht es richtig zur Sache: Kräftig, raumfüllend, mitreißend.

Mit Nachdruck geht es bei Wax „Building A Bridge To Your Heart“ voran – der Rhythmus des One-Hit-Wonders wird tadellos erfasst, es gibt, wie beim Panasonic üblich, ordentlich „Bass auf die Ohren“ und die Räumlichkeit gefällt ebenfalls. Bei jedem Song, den wir hören, fällt aber auch auf, dass eine hochpräzise Wiedergabe mit maximaler Differenzierung nicht die Spielwiese des RP-HJX20 ist. Er stellt stets die pure Freude am kraftvollen Hören in den Mittelpunkt all seiner Bestrebungen. Bei Hubert Kahs „Military Drums“kommt dem Panasonic seine Dynamik wieder zugute, direkt von Anfang an generiert er eine lebhafte Klangkulisse und überzeugt durch Volumen und Räumlichkeit. 

Auch für Verliebte eignet sich der RP-HJX20: „St. Elmo’s Fire“ von John Parr lädt zum Kuscheln ein. Und der Panasonic In-Ear lädt zum lauten Hören ein, auch wenn das ungesund für die Ohren ist. Kurz mal aufgedreht, dann bitte wieder auf Gehörgang-verträgliches Niveau herunterregeln.  Aber Spaß macht das, was der Panasonic mit auf den Weg gibt. Die zuvor gemachten Feststellungen treffen auch hier zu. Nur die Stimme von John wirkt etwas unterrepräsentiert, hier ist der Bass zu dominant. „Living On A Prayer“ – das war der einer der ersten Superhits von Bon Jovi. Und die eher unterdurchschnittliche Aufnahme macht der Panasonic zu einem guten Teil vergessen: Auch hier marschiert er kräftig vorwärts, und im Gegensatz zum Stück zuvor verhilft er auch hier der Stimme Jon Bon Jovis zum richtigen Maß an Prägnanz. 

Wie sieht es mit 007-Titesongs aus? Bei Rita Coolidges „All Time High“ aus Octopussy (1983) übertreibt es unser Bass-Athlet etwas und schenkt zu üppig ein, wie ein Wirt, der es zu gut meint und das Glas überlaufen lässt. Das mag für denjenigen, der gern mit Nachdruck und Tiefdruck hört, sogar richtig gut sein, für zurückhaltendere Zeitgenossen aber ist es des Guten zuviel. „Bei „You Only Live Twice“ sind wir überrascht, den alten Titel gibt der Panasonic richtig mit Verve wieder. Auch hier aber ist der Bassbereich recht massiv hörbar. Die Stimme liegt trotzdem auch gut im Fokus und wird nicht zu sehr vom massiven Bass überlagert. Aus den 80er Jahren stammt „A View To A Kill“ von Duran Duran. Hier ist der Bass erneut sehr intensiv, die Stimme erzeugt ein gutes Raumgefühl. Die Instrumente fallen etwas hinter die Vocals und den massiven Bassbereich zurück. Beenden wir mit „Live And Let Die“ unsere Session mit 007-Songs. Hier lässt der Panasonic direkt von Beginn an spüren, dass er ein sehr dynamischer Vertreter seiner Zunft ist. Die Dynamiksprünge managt er souverän, zudem überzeugt er durch gute Räumlichkeit und eine energiegeladene Gesamtvorstellung. 

Fazit

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Mit sehr guter Verarbeitung, viel High-Tech und grandioser Basskraft wird sich der Panasonic RP-HJX20 gerade bei jüngeren und junggebliebenen Anwendern mit Sinn für Qualität etablieren. Er punktet mit sehr gutem Tragekomfort, wobei dessen Bewertung bei einem In-Ear auch immer etwas relativ ist – schließlich gleicht kein Ohr genau dem anderen. Kritikpunkt: Der In-Ear bringt keine Fernbedienungen für die Steuerung der elementaren Funktionen von iOS- oder Android-basiertem Smartphone und auch kein integriertes Mikrofon für die Nutzung als Freisprecheinrichtung mit. 

In-Ear-Kopfhörer mit aufwändiger Konstruktion und sehr kraftvollem Bassbereich
ausgezeichnet
In-Ear-Kopfhörer bis 100 EUR

+ Pegelfest
+ Kraftvoller Bassbereich
+ Gute Räumlichkeit
+ Hochwertige Verarbeitung

– Kein Mikrofon und keine Fernbedienung

Test: Carsten Rampacher
Fotos: Sven Wunderlich
Datum: 13. Mai 2015




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