TEST: Teufel Definion 3 – Definion-Technik und „typische“ Teufel-Performance für 1799 EUR?

Teufel Definion 3 Gruppenbild2

Mit dem Ausnahme-Lautsprecher Definion 5 aus dem Hause Teufel haben uns die Berliner einen Schallwandler vorgesetzt, der in dieser Preisliga seinesgleichen sucht. Koaxial-Flachmembranchassis, eine schlanke Bauform und drei kräftige Tieftontreiber stellen die technischen Highlights. Mit der Definion 3 ist Teufel dieser Linie treu geblieben und bietet zusätzlich zur großen Definion 5 und den kompakteren Definion 5S nun einen Standlautsprecher in einer etwas günstigeren Preisregion an. Die Abmessungen sind beinahe identisch geblieben, die Tieftöner sogar ein paar Millimeter größer geworden und auch hier ist das Koaxial-Flachmembranchassis integriert. Unterschiede ergeben sich wohl im Aufbau der Frequenzweiche und leichten Änderungen beim Material. Die Definion 3 ist ab heute unter www.teufel.de zu haben, wir haben den neuen Hightech-Lautsprecher vorab untersucht. Der Paarpreis beträgt 1799 EUR.

Teufel Definion 3 Front Seitlich2

Definion 3 einzeln

Teufel Definion 3 Hochtoener

Koaxial-Flachmembranchassis

Als offensichtlichstes technisches Highlight kommt wieder das Koaxial-Flachmembranchassis des Mittel- und Hochtöners zum Einsatz, das Teufel sich schon bei der Definion 5 direkt patentieren hat lassen. Bei einer Koaxialkonstruktion sitzt der Hochtöner direkt im Zentrum des Mitteltöners und garantiert die exakt zeitgleiche Ankunft der Mittel- und Hochtonanteile beim Zuhörer. Der Mitteltöner bietet hier einen Durchmesser von 105mm und ist als Aluminium-Hexacone-Kevlar-Sandwich-Membran ausgeführt, die ein geringes Gewicht und ein präzises Ein- und Ausschwingsverhalten kombiniert. Die Gewebekalotte des Hochtöners bietet 22mm Durchmesser.

Teufel Definion 3 Tiefmitteltoener

Tieftöner, drei an der Zahl

Die Tieftöner sind gegenüber der Definion 5 bezüglich ihres Durchmessers sogar gewachsen und weisen laut Datenblatt 160mm aus. Im Gegensatz zur Aluminium-Papierfaser-Sandwich-Membran kommt hier, gut sichtbar, CFK-Gewebe zum Einsatz. Eine strapazierfähige Gummisicke garantiert großzügigen Hub. Am „Triple-Bass-System“ hat Teufel nichts geändert, die Definion 3 ist eine Bassreflex-Konstruktion.

Die übrigen technischen Daten versprechen eine Dauerbelastbarkeit von 140 Watt und einen Frequenzbereich, der bei tiefen 48 Hz beginnt und ein Spektrum bis hin zu 22 kHz abdeckt. Die Empfindlichkeit ist mit 86 dB angegeben. Die drei Tieftöner arbeiten bis 550 Hz, der Gewebe-Hochtöner greift ab 3500 Hz ein. Maximaler Schalldruck? 105 db!

Teufel Definion 3 Verarbeitung

Ähnliche, aber nicht identische Formen- und Designsprache

Teufel Definion 3 Standfuss

Auch die Definion 3 findet auf einem Sockel & Traversenfüßen Platz

Teufel Definion 3 Anschluesse Rueckseite

Hochwertige Lautsprecher-Schraubterminals

Teufel Definion 3 Rueckseite Seitlich2

Rückseite frei stehend

Die Formen- und Designsprache ist prinzipiell ähnlich und bleibt innerhalb der Definion-Familie auf Linie, geringe Unterschiede gibt es aber schon. Das Gehäuse besteht wieder aus MDF, die Schallwand ist bei diesem Modell aber direkt vorne aufgesetzt und nicht wie bei der Definion 5 ineinander greift. Der Aluminium-Schriftzug vorne entfällt, dieser ist direkt auf der weißen Schallwand aufgebracht. Verschraubungen an den Chassis sucht man vergeblich, bei der Definion 3 werden sämtliche Elemente um das Chassis durch runde Gummileisten verdeckt, die beim Koaxial-Flachmembranchassis etwas großzügiger ausfallen.

Die übrige Verarbeitung ist ebenfalls absolut solide und zeigt gerundete Kanten und geringes Spaltmaß. An die Präzision der Definion 5 kommt die „kleinere“ Box aber nicht ganz ran, die Übergänge sind teilweise nicht ganz eben und bei den Traversen-Standfüßen müssen wir etwas Kritik anbringen. Diese scheinen nämlich direkt von der Definion 5 übernommen worden zu sein, anstatt aber die massiven Standfüße, die in die Traversen eingeschraubt werden, mitzuliefern, liegen lediglich kleine Gummifüßchen bei, die in die Gewinde der Traversen einfach eingesetzt werden. Verrückt man die Lautsprecher einmal, bleiben die Gummifüßchen gerne liegen.

Die „cleane“ Rückseite kommt auch bei der neuen Definion 3 voll zum Tragen. Abgesehen von den, sehr hochwertigen, gekapselten und vergoldeten Lautsprecher-Schraubterminals, ist auf der Rückseite nichts zu finden. Auf Bi-Wiring muss man verzichten, sowohl Bananenstecker als auch ein großzügiger Kabelquerschnitt sind aber kein Problem.

Teufel Definion 3 Gruppenbild1

Definion-Power für unter 2000 EUR?

Bevor wir uns den einzelnen Klang-Checks etwas genauer widmen, wollen wir auch bei der Definion 3 auf die sehr harmonische und homogen stimmige Tonalität hinweisen. Auch bei höherem Pegel ist der Standlautsprecher durch seine sehr angenehme Auslegung problemlos im modernen Wohnraum einsetzbar. Modern – das bedeutet in diesem Sinne fast schon spartanisch eingerichtet, Holz- bzw. Parkettboden und eher wenig dämpfende Materialien. Viele aktuelle Lautsprecher mit nicht ganz so harmonischer bzw. heller Auslegung haben hier dann mit aggressiver und unangenehmer akustischer Wirkung zu kämpfen. So gar nicht die Definion 3, die auch bei hohem Pegel stets angenehm und keinesfalls anstrengend wirkt. Trotzdem schafft das Teufel-Paar eine hohe Detaillierung und durchdringende Gestaltung der Klangkulisse.

Wunderbar zu erkennen bei Mozarts Violinkonzert in D-Dur (Allegro), gespielt von Marianne Thorsen und den Trondheim Solistene, aufgenommen in Norwegen von „2L Audiophile Reference Recordings“. Als Elektronik kommt bei uns der MAX-450 von Advance Acoustic sowie der Pioneer A-70 zum Einsatz. Die Streicher werden exzellent erfasst und mit entsprechender Seidigkeit und Präzision an den Hörer getragen. Mit der Geschwindigkeit haben die Definion keinerlei Probleme, die einzelnen Klangebenen zeitgenau zu übertragen. Auch als die unteren Frequenzschichten sich hinzugesellen, strahlen die Definion 3 enorme Souveränität und Kraft aus. Untenrum wird gezielt und kräftig eingegriffen, ohne jemals zu dick aufzutragen und sich in die oberen Frequenzränge einzumischen. Nur bei überdurchschnittlich hohem Pegel fehlt es uns ein wenig an Substanz in den Mitten, diese wirken dann leicht hintergründig und zerfließen ein wenig, während die übrigen Frequenzbereiche stets präsent bleiben. Die Gesamtharmonie bleibt aber stets erhalten und in der Regel präsentieren die Definion 3 ein sehr geschlossenes und überzeugendes Gesamtbild. Die exzellente Präsentation zeigt sich auch beim „Dena Piano Duo“, einer Mozart-Sonate für zwei Klaviere, die den Teufel Lautsprechern mit überdurchschnittlicher Authentizität gelingt. Für die Preisklasse unter 2.000 EUR wird hier das warme Piano-Timbre hervorragend getroffen und kraftvoll demonstriert. Auch die Instrumentaldifferenzierung fällt extrem leicht, außerdem müssen wir wieder die exzellente Zusammenarbeit der einzelnen Frequenzbereiche erwähnen, bei der wir beinahe keine Laufzeitunterschiede auch im tiefen Bereich feststellen können. Auch die Definion 3 überzeugt mit einer atmosphärisch sehr dichten und kraftvollen Kulisse, die den Zuhörer direkt in den Konzertsaal versetzt.

Bei der Farewell Tour, live aus Melbourne, der Rock-Legenden „Eagles“ spielen die Teufel-Lautsprecher ihre Stärken voll aus. Kraftvolles Schlagwerk, charakteristische Vocals und ein klarer, sauber detaillierter aber angenehmer Hochtonbereich vereint sich zu einem lebendig dynamischen und absolut mitreißendem Gesamtergebnis. Die einzelnen Instrumente werde exzellent differenziert, wenn auch die Stereobühne noch einen Tick strukturierter sein könnte, insgesamt aber eine überragende Performance. Einzelne akustische Elemente werden akkurat in die Kulisse integriert, ohne dass das übrige Ensemble an Transparenz und Definition verliert. Die drei Tieftöner schaffen nicht nur einen soliden Unterbau sondern bieten zum richtigen Zeitpunkt ordentlich Power und Volumen, ohne an Präzision und Struktur einzubüßen. Bei „Hotel California“ überzeugen die Definion 3 ebenso und zeigen schon zu Beginn beim Posaunenintro des Live-Konzerts, wie detailliert und angenehm sie aufspielen können. Die Stahlsaiten der Gitarren kommen ebenso klar heraus wie die charakteristische Gesangsstimme. Kraftvoll, präzise und strukturiert agiert das Schlagzeug, stets zur richtigen Zeit und nie übertriegen komplettieren der voluminöse Tieftonbereich das dynamische Gesamtgeschehen. Auch bei der enormen Komplexität gegen Ende des Liedes bleiben alle Instrumente durchweg differenzierbar und werden von den Definion 3 absolut sauber erfasst und authentisch wiedergegeben.

Bei der zweiten Blu-ray Disc von Tiestos Elements of Life Tour in Kopenhagen entwickeln die Teufel eine brachiale Kickbass-Performance und zeigen neben Kraft auch Struktur und Präzision. Wer die drei Tieftöner der Definion 3 solide antreiben möchte, darf aber nicht unbedingt auf einen Einsteiger zurückgreifen sondern sollte sich ab der Mittelklasse, besser der gehobenen Mittelklasse umsehen. Erst dann spielen die Teufel Schallwandler ihr Potential bezüglich der exzellenten Definierung einzelner Klangebenen und Frequenzbereiche voll aus. Die Räumlichkeit ist ein weiterer hervorragender Aspekt der Stereo-Komponenten. In Kombination mit der sauberen Loslösung des Klanggeschehens von den Lautsprechern wird eine sehr dichte, umhüllende Atmosphäre gebeten, die den Zuhörer bei den Synthesizer-Klängen von DJ Tiesto auf die Tanzfläche des Clubs transportiert. Bei „Back in Your Head“ wird im Bassbereich noch eine Schippe obendrauf gelegt, die Definion 3 meistern auch das souverän und geben sich keinerlei Blöße – selbst in den obersten Pegelregionen bleiben die Standlautsprecher unbeeindruckt und schieben gnadenlos weiter nach vorne. Auch die hohe Geschwindigkeit bereitet keinerlei Probleme.

Insgesamt eine exzellente akustische Performance, die die Tradition der Definion-Familie erfolgreich fortsetzt. An die akustische Kompetenz des Flaggschiffs kommen sie nicht ganz heran. Gut, das war nicht anders zu erwarten, wer würde sonst noch die Definion 5 erstehen? Allerdings liegt sie auch keinesfalls Galaxien entfernt. Der exzellente harmonische und angenehme Sound der Definion-Familie ist auch bei der „3“ zu finden, auch die Performance bezüglich Power und Geschwindigkeit im Tieftonbereich ist exzellent. Lediglich die Definierbarkeit und Detaillierung der Mitten, besonders bei höherem Pegel und komplexem Klanggeschehen, können die Definion 5 nochmal besser. Auch die Feingeistigkeit und Durchhörbarkeit ist beim Topmodell noch besser ausgeprägt. Ein kleines Problem bekommt die Definion 3 eher mit den „kompakten“ Definion 5S, die gerade einmal 200 EUR teurer als die günstigeren Standlautsprecher und dabei kaum schwächer als das Topmodell sind. Die Verarbeitung scheint bei den Definion 5 noch etwas aufmerksamer und, wie bereits angesprochen, sind die Standfüße deutlich durchdachter. Im ähnlichen Preisbereich sind die Chromium Style 100 beheimatet. Die Hannoveraner verfolgen beim Gehäuse ein eher klassisches Design und sind exzellent verarbeitet. Technologisches Highlight ist der Bändchen-Hochtöner und auch die Chromium Style 100 arbeiten mit drei Tieftönern. Tonal sind sie ähnlich wie die Definion 3 ausgelegt und bietet ein sehr harmonisches Klangbild. Mit exzellenter Räumlichkeit, Pegelfestigkeit und Dynamik überzeugen beide Lautsprecherpaare.

Fazit

Teufel Definion 3 Gruppenbild2

Mit der Definion 3 integrieren die Berliner Teufel einen würdigen „Zweiten“ in die Riege des hochwertigen Stereo-Arsenals. Design- und Formensprache bleiben bestehen, wenn auch bezüglich der Farben leicht anders kombiniert – abgesehen von unserer Variante „Weiß/Schwarz“ wird es die Definion 3 auch noch in Anthrazit geben. Etwas Kritik muss bei den Traversenfüßen, die ausschließlich mit kleinen Gummifüßchen bestückt sind, geübt werden. Allerdings sehen die Berliner hier Spikes und Unterlegscheiben vor, die dann auch solide mit den Traversenfüßen verschraubt werden. Diese waren bei unserem Modell leider noch nicht dabei. Die übrige Verarbeitungsqualität bleibt auf hohem Niveau und verleiht dem Ganzen einen schlichten und gleichzeitig sehr eleganten Look. Nichts zu beanstanden haben wir demgegenüber bei der akustischen Performance. Hier wird ein angenehmer und harmonischer Auftritt groß geschrieben, der mit exzellenter Räumlichkeit, Dynamik und Kraft zu einem hervorragenden Gesamtergebnis führt.

Kraftvolle Standlautsprecher mit technischen Highlights und sehr angenehmer akustischer Auslegung zum fairen Preis
ueberragend
Stereo-Standlautsprecher
28.01.2015

+ Sehr angenehme Tonalität
+ Sehr kraftvoll
+ Präzise und schnell
+ Exzellente Räumlichkeit und dichte akustische Atmosphäre
+ Koaxial-Flachmembranchassis
+ Fairer Kaufpreis

– Gummifüßchen an Traversen / nicht perfekt gelöst

 

Test: Philipp Kind
Fotos: Sven Wunderlich
Datum: 28.01.2015




Alle aktuellen Tests auf AREA DVD
  ZURÜCK