TEST: Sony Xperia XA – Top in der Mittelklasse?

Nach dem Flaggschiffmodell X schicken die Japaner gleich einen Vertreter der Mittelklasse hinterher – und der ist optisch schon mal ein echter Hingucker! Nach dem Bekenntnis zu hauseigenen Smartphones trotz dunkelroter Zahlen und dem „Begräbnis“ der Z-Reihe blickt Sony wieder nach vorne und bringt direkt neue Modelle in den Handel. Dass es sich beim XA-Modell um das preisgünstigere Gerät handelt, ist aber auf den ersten Blick alles andere als klar.

Denn gerade das XA ist äußert schick und schnittig geraten. Die Abkehr von der Z-Serie tut den neuen Flaggschiffen somit gut. Die Zutaten aus der Vollverglasung der Frontseite mit matter Rückseite, Klavierlack in vier Farbvariationen und abgerundeten Seiten wurden hier edel zusammengefügt, sodass man einen deutlich höheren Verkaufspreis vermutet. Durch den ebenfalls leicht abgerundeten Touchscreen mutet das Xperia XA sogar ein wenig wie ein Samsung EDGE-Modell an.

Rückseite

Der seitliche An/Aus-Schalter ist gegenüber dem Schwestermodell X deutlich kleiner geraten, da er keinen Fingerabdrucksensor bietet. Das klingt wie ein ärgerlicher Sparzwang, wird aber recht gut kompensiert – doch dazu später mehr.

Ärgerlicher ist vielmehr der Umstand, dass auch das XA-Modell keine IP-Zertifizierung hat, sodass vom Einsatz am Strand oder Wasserbecken dringend abzuraten ist. Unverständlich, warum Sony dieses Feature komplett auf die Streichliste gesetzt hat. Ansonsten ist die Verarbeitungsqualität aber top und die Materialauswahl hochwertig – auch wenn nur der Rahmen aus Metall ist.

Das Display weist gegenüber der X-Variante eine klare Sparmaßnahme auf, denn der 5 Zoller bietet nur eine HD-ready Auflösung auf (1280 x 720 Pixel). Full HD Videos werden auf die native Auflösung skaliert. Im Alltagsbetrieb fällt dieses Manko aber eher weniger auf, da die Qualität in den Kategorien Helligkeit, Kontrast, Farbwiedergabe und Schärfe ansonsten gut bis sehr gut ist. Für diese Preisklasse daher eine absolute einwandfreie Vorstellung.

Sony Xperia XA Foto

Aufgenommen mit dem Xperia XA

Gut: Bei der Hauptkamera wurde (wie häufig bei Mittelklasse-Modellen) nicht gespart. Die 13-Megapixel-Kamera arbeitet nicht nur schnell, präzise und ist opulent ausgestattet, sie liefert gemessen an der Preisklasse auch bei Tageslicht beeindruckende Ergebnisse. Knackig Scharf bis zum Rand, detailliert und mit guter Helligkeit. Nur bei der Farbsättigung und vor allem bei weniger Licht muss das Sony qualitativ aktuellen Referenzgeräten den Vorrang lassen, denn hier verschwimmen die Ergebnisse schnell. Schöne Idee: Lächeln kann wieder als Auslöser aktiviert werden – sogar in drei Stufen (Lächeln bis Lachen). Für Selfies ist der Japaner aber auch dank 8-Megapixel sehr gut aufgestellt, denn bei guten Lichtverhältnissen sind die Ergebnisse absolut vorzeigbar. Schön zudem, dass mit dem Camcorder auch Full HD Aufnahmen möglich sind, obwohl das Display sie nicht in dieser Auflösung darstellen kann.

Erwartungsgemäß bietet Sony wieder einmal ab Werk eine breite Palette an exklusiven Multimedia-Angeboten. Neben einer PlayStation betrifft das vor allem die Musikfunktionen mit eigener Bibliothek, Equalizer und ein paar exotischen Features. So lassen sich auch Formate wie FLAC abspielen, auch aptX ist an Bord.

Wer viel knipst und das reichhaltige Multimedia-Angebot nutzen möchte, sollte aber schon vor dem Kauf über die Anschaffung einer microSD-Karte nachdenken, denn von den 16 GB steht dem Nutzer gerade einmal 8 GB zur freien Verfügung – und die sind schnell verbraucht.

Übrigens: Es gibt nach wie vor keine USB-C Unterstützung bei Sony.

Sony Xperia XA Screenshot

Android 6.0

Styling ist auch bei der Nutzeroberfläche angesagt, denn Sony stellt dafür bereits ab Werk einige Apps zur Wahl. Ansonsten wurde das aktuelle Android 6.0 nicht sonderlich abgewandelt, wenn man von den vielen hauseigenen – bunten – Sony-Apps mal absieht.

Da eine Entsperrung nicht über den Fingerscan möglich ist (hat auch kosmetische Gründe, da das Display bis an den Rand geht) rückt neben den Standards (z-B. PIN) der Gesichtsleser in den Fokus – und der löst fast schon James Bond Feeling aus. Nach dem „Einlesen“ des Gesichts muss man einfach nur auf das Display schauen, denn „Trusted Face“ arbeitet automatisch, sobald es aktiviert ist. Die Frontkamera reagiert dabei in der Regel so präzise, dass auch das Fehlen der Brille bemerkt wird. Großer Nachteil gegenüber dem Fingerscan: Da auch die Lichtverhältnisse relevant sind, klappt „Trusted Face“ nicht mehr bei schummrigen Licht. Eine Entsperrung via Stimme ist übrigens auch möglich. Der Nutzer kann in der Option „Smart Lock“ zudem festlegen, dass das Smartphone grundsätzlich entsperrt bleibt, wenn man beispielsweise an einem bestimmten Ort ist – clever.

Um den Standby-Betrieb zu beenden muss hingegen alleine der An/Aus-Schalter gedrückt werden. Das praktische Doppelklopfen auf dem Display wird nicht unterstützt.

Ansonsten bedienen sich die Macher aller bewährten Android Menüverästelungen und Short Cuts und das Arbeitstempo ist durchgehend zügig.

Seitliche Ansicht

Unter der Haube steckt für ein Mittelklasse-Modell viel Leistung. Dafür verantwortlich ist ein die CPU Helio P10 von MediaTek mit 2 GB Arbeitsspeicher und 2 GHz Taktung. Im Praxistest läuft daher alles geschmeidig. Nur beim Öffnen von anspruchsvollen Apps können kleine Wartezeiten auftreten – doch die sind verkraftbar. Was allerdings negativ auffällt ist die mitunter starke Erwärmung, wenn das XA längere Zeit aktiv ist. 

Weniger schön ist zudem die Akkuleistung. Selbst bei geringer Nutzungsintensität liegt die Rufbereitschaft bei gerade einmal drei Tagen. Wer häufiger zum Smartphone greift, muss sogar noch einen Tag abziehen. Vier Tage Nonstop-Einsatz ist daher nur möglich, wenn der Japaner quasi alleine als Deko-Gegenstand genutzt wird. Die Konkurrenz ist in dieser Disziplin besser aufgestellt.

Schade zudem: Die versteckten Stereo-Frontlautsprecher der Z-Modelle sind beim XA nicht mehr zu finden. Stattdessen gibt es nur einen Mono-Speaker am Geräteende. Der spielt aber recht lebendig auf und hat auch bei hohem Pegel das Klangbild noch gut im Griff – daher eine klar überdurchschnittliche Leistung.

Auch das Telefonieren verläuft komplett „unfallfrei“. Stimmen werden ausreichend laut, natürlich und weitestgehend frei von Nebengeräuschen wiedergegeben. Unter dem Strich hat Sony aber auch schon eindrucksvollere Vorstellungen in diesem Bereich abgeliefert.

Fazit

Zum einen gelang es den Designern das Objekt Smartphone in dieser Preisklasse prächtig in Szene zu setzen, auf der anderen gibt es aber gegenüber der früheren Z-Produktlinie klare Rückschritte. Besonders vermissen wir die beiden Frontlautsprecher als tolles Alleinstellungsmerkmale. Auch das Thema Akkuleistung hatte Sony bei früheren Modellen schon besser im Griff gehabt. Dass das Display nur mit 1280 x 720 Pixeln auflöst ist beinahe zu vernachlässigen, da man signifikante Unterschiede auf dem ansonsten guten 5 Zoller nur schwer erkennen kann. Da der Online-Preis bei rund 250 Euro liegt und auch die Kamera überzeugt, können wir für das Sony Xperia XA trotz kleiner Schwächen eine Kaufempfehlung aussprechen.

Hervorragendes Mittelklasse-Smartphone mit leichten Schwächen
sehrgut
22.08.2016

+ Schlank & elegant
+ Gute Multimedia-Ausstattung
+Sehr guter Gesichtsscanner

– Kein Fingerprintscanner
– Mäßige Rufbereitschaft
– Nur HD-Auflösung

 

Test: Ulf Schneider
Datum: 22.08.2016




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