TEST: Onkyo TX-NR929 – Flexibles AV-Receiver-Kraftpaket mit 9 Endstufen

Der TX-NR929 ist direkt zwischen den Flaggschiff-Powerhäusern und der Mittelklasse bei Onkyo beheimatet und soll durch seine umfangreiche Ausstattung besonders flexible Anwender mit vielseitigen Ansprüchen begeistern. Daher bietet der TX-NR929 im Gegensatz zum TX-NR1010 auch neun Endstufen. Und damit nicht genug, Vorverstärkerausgänge stehen sogar 11.2 zur Verfügung. Damit die hohe Kanalzahl auch in hoher Qualität genutzt werden kann sind mit DTS Neo:X, Dolby Pro Logic IIz und Audyssey DSX leistungsfähige Upmixing-Tools integriert. Außerdem können vier der neun verfügbaren Endstufen für Zone 2+3 genutzt werden, der zweite HDMI-Ausgang gibt HD-Inhalte auf einem zusätzlichen Bildwiedergabegerät aus.

Natürlich steht auch integriertes WLAN und Bluetooth auf dem Programm – beides steckt bereits im Gerät und kann ohne zusätzliche Adapter genutzt werden. Nicht nur Smartphone-Steuerung via App sondern auch Internetradio und DLNA-Streaming bzw. Direktwiedergabe via Bluetooth vom Smartphone und Tablet ist damit problemlos möglich. Die hochwertigen 192kHz/24-bit Wandler von TI Burr Brown sorgen somit auch bei der multimedialen Audioverarbeitung für klaren Sound. Damit ein nicht ganz so optimaler Raum dem Klang nicht schadet, ist das leistungsfähige Lautsprecher-Einmesssystem Audyssey MultEQ XT 32 an Bord. Video-Scaling realisiert der Onkyo mit der Marvell Qdeo-Technologie, und das bis zur hohen 4K-Auflösung. Beim TX-NR929 wird eine UVP von 1.599 EUR aufgerufen, am Markt ist er allerdings schon etwas günstiger erhältlich.

8 + 1 (Front) HDMI-Eingänge

Umfangreiche Anschluss-Sektion

Jeder der neun HDMI-Eingänge des TX-NR929 ist 4K-kompatibel. Der AVR kann also von jedem Eingang ein eingehendes 4K-Signal durchschleifen – und natürlich auch ein HD-Signal hochskalieren. Der HDMI-Slot vorne ist zudem MHL-kompatibel und nimmt Signale auch von Smartphones und Tablets entgegen.

An analogen Eingängen steht ebenfalls ein umfangreiches Portfolio zur Verfügung. Neben dem Ausgang und zwei Eingängen von Komponentenvideo sowie FBAS-Slots sind zahlreiche analoge Cinch-Audio-Eingänge sowie jeweils zwei koaxiale und optische digitale Eingänge vorhanden. Nicht zu übersehen auch die Vorverstärkerausgänge.

Lautsprecher-Schraubterminals

Die Schraubterminals sind nebeneinander angeordnet, lediglich der Center tanzt über dem Anschluss des linken Surround-Lautsprechers aus der Reihe. Sämtliche Anschlüsse sind sauber integriert, sitzen fest und lassen sich auch mit leichtem Krafteinsatz kaum in ihrer Position verändern. Die Schraubterminals bestehen aus Kunststoff, machen aber ebenfalls einen robusten Eindruck.

Solide Detailverarbeitung bei den frontalen Bedienelementen

Der Onkyo kommt in silbernem Alu massiv und robust daher

Schönes Punktmatrix-Display in Weiß

Spezifische Features unter der Frontklappe

Lautstärkeregler mit weißer Beleuchtung

Solide und sauber verarbeitet vom massiven Gehäuse bis hin zu feineren Details wie die stationären Bedienelemente wirkt der TX-NR929 sehr robust. Das eher klassische Design und das geschliffene Aluminium der Front verleiht dem AV-Receiver eine eleganten, aber gleichzeitig massiven Auftritt. Die einzelnen Druckknöpfe, sowohl der größer dimensionierte Power-Button als auch die zapfenähnlichen Quellentasten sowie die unter der Frontklappe befindlichen Bedienelemente bieten einen soliden Druckpunkt. Der Lautstärkeregler benötigt nur geringen Kraftaufwand zur Drehung, ist beleuchtet und bietet einen sauberen, ruhigen Lauf.

Das Display löst in Punktmatrix recht fein auf und ist mit der weißen Schrift auch aus größerer Entfernung absolut problemlos ablesbar. Die Beleuchtung des Lautstärkereglers und das Display lässt sich für den Betrieb im dunklen Heimkino erfreulicherweise komplett abschalten.

Gesamtansicht des Innenlebens

Die Elkos sind zwischen den Endstufen untergebracht

Kräftiger Transformator

Gesamtansicht aus einer anderen Perspektive

Das Innenleben des TX-NR929 wirkt aufgeräumt und die Signalwege sind relativ kurz gehalten. Sehr schön sieht man hier, dass auch wirklich neun diskrete Endstufen im AVR integriert sind, dazwischen sind die Elektrolyt-Kondensatoren zum Abfangen von Leistungsspitzen untergebracht. An der Rückseite obenauf liegt das Video-Board inklusive HDMI-Beschaltung sowie verschiedener Prozessoren (Marvell Qdeo, aber auch für digitales Audio). Besonders auffällig ist natürlich auch die Frontpartie: Abgesehen vom recht eindrucksvollen Trafo fallen die beiden aktiven Lüfter links und rechts des Transformators auf. Diese sind zusätzlich zum massiven Aluminium-Kühlkörper untergebracht und sorgen für eine ordentliche Luftzirkulation innerhalb des Gehäuses. Natürlich darf der AV-Receiver nicht überhitzen – wir hoffen allerdings, dass die beiden aktiven Lüfter zu keiner allzu hohen Geräuschentwicklung führen.

Bewährte Onkyo-Fernbedienung

Keine Experimente macht Onkyo bei der beiliegenden Fernbedienung. Wer Onkyo-Receiver bereits kennt, wird die leicht geschwungene, nicht allzu kompakte aber auch nicht zu groß dimensionierte Remote sofort wieder erkennen. Mittig ist ein Navigationskreuz untergebracht, die Quellenwahltasten sowie Lautstärke und ein paar weitere wichtige Tasten sind beleuchtet.

Audyssey Einmessmikrofon

Wie bereits erwähnt, steckt im TX-NR929 Audyssey MultEQ XT32. Das gleiche automatische Lautsprecher-Einmesssystem, dass auch im TX-NR3010 zum Einsatz kommt. An bis zu acht Hörpositionen misst der Receiver ein und berechnet neben der Messung von Pegel, Abstand und Größe der Lautsprecher auch noch passende EQ-Kurven zur Klangoptimierung in Abhängigkeit des jeweiligen Raumes. Die EQ-Kurve kann auf Wunsch aktiviert oder deaktiviert werden. Prinzipiell arbeitet das Audyssey Einmesssystem sehr gut und greift nur geringfügig negativ in das akustische Geschehen ein. Im Hochtonbereich geht ein wenig Durchhörbarkeit und Detailreichtum verloren. In einem problematischen Raum sollte man also durchaus über den Einsatz von Audyssey nachdenken. In Kombination mit einem THX-Lautsprechersystem und einem akustisch nicht allzu schwierigem Raum, sollte man aber lieber verzichten.

Sprachwahl für die Erstinstallation

Die einzelnen Schritte des Installations-Assistenten

Start von Audyssey MultEQ XT32

Auswahl zwischen Schnellstart (nur Pegel, Abstand, Größe) oder Kalibrierung (mit EQ)

Ansicht während des Messvorgangs

Fernbedienung einrichten

Netzwerkverbindung herstellen

Dank integriertem WLAN ist sowohl eine drahtlose als auch kabelgebundene Einbindung möglich

Die Einbindung war erfolgreich

Sogleich meldet der Onkyo ein Firmware-Update

Im Receiver steckt ein umfangreicher Installations-Assistent, der bei der ersten Inbetriebnahme des Gerätes automatisch gestartet wird. Zunächst wird mit Audyssey die Einmessung vorgenommen. Hier kann man bereits wählen, ob man lediglich Pegel, Abstand und Größe der Lautsprecher bestimmen möchte oder direkt eine komplette Einmessung inklusive EQ-Kurve wählt. Man kann allerdings in jedem Fall eine komplette Einmessung durchführen, der Raumakustik-EQ kann später einfach an- oder abgeschaltet werden. Danach empfiehlt sich die Einbindung des Receivers ins Netzwerk, da nicht nur für die Nutzung aller Multimedia-Features eine Internetverbindung erforderlich ist, sondern auch für wichtige Firmware-Updates. Nach erfolgreicher Integration meldet der TX-NR929 auch sofort, dass ein Update verfügbar ist.

Setup

Lautsprecher-Einstellungen vornehmen

Manuelle Konfiguration der Übergangsfrequenz

Bildeinstellungen

HDMI-Einstellungen

Das OSD ist ebenfalls seit einigen Receiver-Generationen weitgehend identisch. Der dunkle Hintergrund und hohe Kontrast ist passend fürs Heimkino und sorgt für Übersicht. Das Menü erreicht man mit der Home-Taste der Fernbedienung. Hier kann man auf sämtliche Einstellungen, die Lautsprecher, Bild oder HDMI inklusive InstaPrevue betreffen, zugreifen. Die Steuerung geht problemlos von der Hand, dazu trägt auch die schnelle Reaktion des Receivers auf Eingabebefehle der Fernbedienung bei. Auch bei den Netzwerk-Features ist keine träge Reaktion zu bemerken, eine gute Interntetverbindung vorausgesetzt.

Netzwerk-Features

Streaming von einem DLNA-Server

High Resolution Audio wird vom Onkyo wiedergegeben

Internetradio tunein

Die NET-Taste auf der Fernbedienung öffnet eine Übersicht der integrierten Multimedia-Features des Onkyo TX-NR929. Aus vTuner wird hier das ebenfalls kostenlose Internetradio tunein. Auch hier werden die zahlreichen Sender vorsortiert, nach Aktualität, Musik, Talksendungen, Sport, Sprachen, Podcasts, etc. Ebenfalls zur Internetradio-Ausstattung gehört bei Onkyo AUPEO! Personal Radio, das mit höherer Datenübertragungsrate punktet.

Spotify lässt sich ebenfalls mit dem AV-Receiver nutzen und steuern. Allerdings ist es weiterhin nicht möglich, sich am Onkyo Receiver direkt mit dem Spotify (Facebook) – Benutzernamen & Passwort anzumelden. Für den Receiver muss ein eigenes Geräte-Passwort erstellt werden – weitere Infos hier: support.spotify.com

Mit simfy ist ein ähnlicher Dienst integriert, der sogar bereits vor Spotify in Deutschland nutzbar war und ähnlichen Bedienkomfort und Wiedergabequalität bietet. Darüber hinaus lassen sich auch die Dienste von last.fm und MP3tunes genießen.

Von einem Medienserver bzw. PC können freigegebene Dateien via DLNA oder auch SMB-Freigabe am Onkyo wiedergegeben werden. FLAC, ALAC und DSD-Dateien können dabei mit Datenraten von bis zu 192 kHz/24-Bit übertragen und in hoher Qualität wiedergegeben werden.

Onkyo Remote App

Der TX-NR929 wird sofort gefunden

Startbildschirm

Quellenwahl

Rudimentäre Klangeinstellungen

Musik-Streaming über die App

Auswahl verschiedener Netzwerk-Features

Mit der aktuellen Onkyo Remote 2 App lässt sich der AV-Receiver komfortabel steuern, auch sämtliche Netzwerk-Features können genutzt werden. In den Klangeinstellungen lässt sich auch Onkyos „Phase Matching Bass“ zuschalten. Dabei wird ein kräftiger Bass und bessere Dynamik erreicht, die häufig bei komprimierten Musikdateien verloren geht. Bei einfachen Bassverstärkern geht dies aber häufig auf Kosten der Mitten, die dann nicht mehr so klar wirken. Onkyo hat hier ein System entwickelt, bei dem die Transparenz der Mitten trotz einer kräftigerenTieftonwiedergabe erhalten bleibt. Die Onkyo Remote 2 Applikation ist für iOS und Android kostenlos.

Klang

Unsere Klangtestreihen starten wir mit einem Violinkonzert von Mozart, vorgetragen von Marianne Thorsen und den Trondheim Solistene eher sanftmütig. Sanftmütig bezieht sich hier aber lediglich auf das Genre bzw. Mozarts Stück, denn die exzellente Aufnahme, die auf der 2L – The Nordic Sound Blu-ray zu finden ist, fordert den akustischen Qualitäten des Onkyo Receivers enorm viel ab. Die Aufnahme liegt in Stereo PCM und DTS-HD MA 5.1 vor. Da der TX-NR929 ja mehr als ausreichend Endstufen besitzt, darf er sich an der 6-Kanal Variante versuchen. Der AVR gibt sich beim prompten Beginn keine Blöße, impulstreu und präzise lässt er die Violinklänge erschallen. Sofort bemerkt man auch, dass auch dieser Onkyo wieder ein exzellenter Grobdynamiker ist und auch feine Unterschiede sauber herausdifferenziert. Im Gegensatz zu manch anderem Gerät aus selbigem Hause macht der TX-NR929 aber Schluß mit dem eher wärmen Hochton- und Mittenbereich. Hier wird stärker auf Klarheit und Transparenz gesetzt als auf samtige Höhen. Das bedeutet aber keinesfalls, dass man mit diesem Onkyo nicht laut hören kann. Trotz der etwas spitzeren Auslegung wird der 929 nicht schrill oder unangenehm bei höherem Pegel.

Auch exzellent serviert empfinden wir die Orchesterbühne. Die Aufstellung der einzelnen Instrumente ist breit und klar in ihrer Position definiert, was zu einer ausgezeichneten räumlichen Darbietung führt. Der Tieftonbereich schließt sich dezent, aber präzise und zielsicher den übrigen Frequenzbereichen an. Auch in unteren Bereich sind Dynamiksprünge kein Problem und so greift der Subwoofer nicht zu stark ein, setzt aber Akzente, wo sie benötigt werden. Auch die folgende Klaviersonate gefällt uns sehr gut. Der Piano-Anschlag kommt für ein Gerät dieser Preisklasse überdurchschnittlich gut zur Geltung. Tiefe Anschläge kommen satt zur Geltung, ziehen sich aber flink wieder zurück, so dass keine ungewünschten Folge-Effekte auftreten.

Aber genug der Klassik, wir wollen zur Gitarre greifen. Beziehungsweise zunächst erstmal zur Trompete. Sie ahnen es vermutlich schon, der Klassiker! Mit Hotel California von den Eagles darf uns der Onkyo TX-NR929 beschallen, vorgetragen auf der Farewell Tour aus dem australischen Melbourne. Die Trompete empfängt uns, in typischer Blechbläser-Manier, mit leichter Spitze, entfaltet aber gleichzeitig ihren die Bühne umschließenden Sound. Den Einsatz der Gitarre haben wir nicht anders erwartet, der Sound der Stahlsaiten ist hier in keinem Fall wegzudiskutieren. Als das Schlagzeug einsetzt, sind für uns alle Fragezeichen Geschichte – der Onkyo ist ein waschechter Allrounder, so wie ein echter Musiker eben sein sollte. Kräftig kommt die Bassdrum im Gesamtbild zum Ausdruck, begeistert aber erneut mit exzellenter Präzision. Der Tiefbass des 929 ist eher trocken, Freunde eines runden und weichen Basses werden hier womöglich etwas enttäuscht sein – der Kenner aber weiß, dass es sich hier um eine Stärke und nicht um eine Schwäche des Gerätes handelt. Trotz der komplexen akustischen Kulisse vermag der Onkyo, die Instrumente sauber zu differenzieren und gönnt jedem einzelnen seinen Platz im Gesamtgeschehen. Die einsetzenden Saxophone komplettieren den Gitarrensound zu einer hervorragenden Gesamtperformance, das trockene Schlagwerk setzt den Punkt unter das Ausrufezeichen!

Wir legen die zweite Disc von Dj Tiestös Elements of Life World Tour des Auftritts in Kopenhagen ein und wollen sehen, wie sich der Onkyo bei einem Musikgenre schlägt, bei dem ein etwas aufgedickter Tiefbass nicht unbedingt ungern gesehen ist. Aber auch hier können wir kaum Kritik anbringen. Die ersten Bassschläge des Tracks „Traffic“ übernimmt der TX-NR929 mit einer trockenen, aber extremen Härte und schleudert sie dem Zuhörer regelrecht entgegen. Auch im Verlauf des Songs wird ein solides Fundament geschaffen und subsonische Elemente solide abgebildet. Was uns hier ein bißchen fehlt, ist eine dichtere Surround-Atmosphäre. Sämtliche Effekte werden zwar gut integriert und auch lokal sauber abgebildet, die Gesamtpräsentation ist uns aber für eine Clubbing-Atmosphäre ein wenig zu luftig.

Da es sich hier sehr gut anbietet, darf der Onkyo einige seiner zahlreichen Surround-DSPs ausspielen. Zusätzlich zu den 5.1 Kanälen haben wir nämlich in der Zwischenzeit auch Front High- sowie Surround-Back-Lautsprecher an den Receiver gehängt. Mit Neo:X Music muss der Onkyo in diesem Setup all seine Kräfte mobilisieren. Insgesamt wirkt der Sound ähnlich authentisch wie ohne DSP, allerdings scheinen der Pegel im Tieftonbereich etwas angehoben und wirkt insgesamt voluminöser. Auch der vorherige Bühnenaufbau geht ein wenig verloren. Dafür fühlen wir uns, was wir wenige Zeilen vorher bemängelt haben, zentraler ins Geschehen integriert und mehr vom Sound umhüllt. Audyssey DSX treibt die Anhebung des Basspegels auf die Spitze und greift sogar ein wenig in die unteren Mitten ein. Auch wirkt das Gesamtgeschehen etwas zentralisiert und in die Mitte gezogen. Wer auf Spektakel steht, kann durchaus zu dieser Variante greifen, ein natürlicher Sound wird hier aber nicht geboten. Dolby PLIIz Height bietet von allen DSP-Varianten einen Sound, der am nähsten an die eigentliche Abmischung herankommt, entzerrt aber das Surroundgefühl etwas nach oben hin. Für bestimmte Anwendungen, wie z.B. hier die Imitation einer Großhallendisco, lässt es sich sehr gut einsetzen.

Nach all der Musikperformance darf natürlich auch ein Filmbeispiel nicht fehlen und wir greifen auf die altbewährte TrueHD-Tonspur des „The Dark Knight“ zurück. Den Anfang macht der Onkyo mit einem ausgeprägt voluminösen Paukenschlag, kurz bevor einer der Clown-Schergen das Fenster des Wolkenkratzers aufschießt. Auch die leichte Nuance im Tieftonbereich während des Aufschießens des Fensters bleibt nicht unbemerkt. Kräftig und hell zersplittern die Glasteile und fliegen am Zuschauer vorbei. Auch bei der Überfahrt auf das Bankgebäude kommt die räumliche Darstellung des Überquerens gut heraus. Die Stimmwiedergabe ist ebenfalls nicht zu beanstanden. Trotz der Maskierung kommen Charakteristika der einzelnen Schauspieler noch gut heraus. Die Hintergrundmusik, in der das tiefgründige Pulsieren eine zentrale Rolle spielt, legt sich unter das Gesamtgeschehen und beeinflußt andere Elemente nicht negativ. Beim Einbrechen in die Bank sind die Uzi-Schüsse bei hohem Pegel schon etwas spitz und für feingeistige Gemüter etwas unangenehm, diese sollten vielleicht ein wenig am Lautstärkeregler drehen, dann relativieren sich die spitzen Höhen auch wieder. Wer es aber gerne laut mag, wird über die enorme Pegelfestigkeit des TX-NR929 erfreut sein. Einbrüche während komplexem Geschehen und gleichzeitigen enormen Dynamiksprüngen machen dem Onkyo gibt es nicht, souverän und kräftig spielt das Gerät kontinuierlich auf.

Im Stereo-Betrieb macht der Onkyo eine ähnlich gute Figur und zeigt, dass er nicht unbedingt einen aktiven Subwoofer benötigt, sondern auch mit ausgewachsenen Standlautsprechern problemlos zurecht kommt. Die Leistungsfähigkeit des AV-Receivers reicht problemlos aus, auch in diesem Setup satt und füllig klingenden Sound zu präsentieren. Nicht nur hochwertige Aufnahmen, sondern auch Internetradio oder Spotify-Tracks erreichen eine ausgezeichnete Dynamik und Räumlichkeit. Mit dem zugeschalteten Advanced Music Optimizer holt man noch etwas mehr Bassdruck und etwas Räumlichkeit heraus.

Video

Der Onkyo AV-Receiver bringt einen eigenen Video-Equalizer mit. Es können sowohl vordefinierte Bildmodi als auch ein benutzerdefiniertes gewählt werden. Zu den vordefinierten Bildfeldern gehören neben Standard, Game und Film auch zwei ISF (Day & Night) Modi. Sowohl Film als auch die beiden ISF bieten ein warmes, natürliches Kino-Bild, während Standard und Spiel eher kühl wirken und sehr lebendige Farben mit sich bringen. Personalisieren lässt sich das ganze noch mit der Konturoptimierung und Rauschunterdrückung, außerdem gibt es Schieberegler für Helligkeit, Kontrast, Farbton, Sättigung, Farbtemperatur und Gamma. Sogar Helligkeit und Kontrast für Rot, Grün und Blau lässt sich separat definieren. Wer möchte, dass der AVR das Scaling und DeInterlacing von SD-Signal übernimmt, muss als Bildfeld Benutzerdefiniert bzw. Custom auswählen, nur dann kann man die gewünschte Auflösung einstellen.

Zunächst sehen wir uns Star Wars Episode III Filmmaterial in 576i an und können dem Onkyo Receiver sehr solide Fähigkeiten attestieren. Vor einem üppig mit Sternen besetztem Himmel läuft die gelbe Laufschrift ruhig und mit nur geringfügiger Treppenstufenbildung sauber nach hinten ab. Einzelne Buchstaben fangen im hinteren Drittel an leicht zu zittern, Wellenbewegungen treten nicht auf, leicht beginnt aber die gelbe Schrift im hinteren Bereich auszubleichen. Der Kameraschwenk auf den großen Zerstörer gelingt geschmeidig, nur minimal zittert die obere diagonale Kante und die Kommandobrücke kaum. Auch die beiden kleinen Raumjäger fliegen mit sauberen Objektkanten über den Zerstörer. Beim Abknicken der beiden öffnet sich ein weites Panorama mit guter Ebenenstaffelung. Die Nahaufnahme von Obi-Wan, Anakin und R2D2 bietet sehr gute Detaillierung und Struktur sowohl in den Gesichtern der Protagonisten als auch des Cockpits und der jeweiligen Kleidung. Im Gefecht zeigt der Onkyo trotz vieler bewegter Objekte ein angenehm stabiles Bild.

Wir wechseln mit der AVEC Professional TEST DVD zu Videomaterial und sehen uns die Laufschriften in verschiedenen Geschwindigkeiten genauer an. Hier bietet der Onkyo ebenfalls ein scharfes und weitgehend artefaktefreies Bild. Die Buchstaben zittern zwar leicht, eklatante Nachzieheffekte gibt es aber nicht und auch in der höchsten Geschwindigkeit kann man die Laufschriften noch gut ablesen. Auch die Farbtrennung gelingt in allen Bereichen gut. Beim Pendel sehen wir ab etwa der Mitte Nachzieheffekte und die farbigen Balken lassen sich dann auch nicht mehr problemlos differenzieren, an der Pendelspitze bluten die Balken auch etwas aus. Die schwarze Linie, über die das Pendel gleitet, bleibt weitgehend stabil. Das Bewegtbild von Esslingen überzeugt ebenfalls mit solider Bildstabilität und satten Farben. Die Detaillierung selbst im Hintergrund kann sich sehen lassen. Ebenfalls positiv, es sind kaum Artefakte, abgesehen vom Scalingrauschen an den Hausdächern, sichtbar.

Insgesamt eine ausgezeichnete Performance mit nur kleinen Schwächen sowohl bei Video- als auch Filmmaterial.

Konkurrenzvergleich

Denon AVR-X4000: Mit einer UVP von 1.399 EUR ist der Denon günstiger, hat aber weder WLAN, noch Bluetooth oder gar neun Endstufen an Bord. Somit ist der Aufpreis, den Onkyo für den 929 verlangt, auf jeden Fall als fair zu bezeichnen. Qualitativ ist der gerade in Premium Silber sehr edel wirkende Denon als außerordentlich gelungen einzustufen. Sein Video-Processing ist noch einen Hauch besser als beim Onkyo. Dafür klingt der 929 noch etwas kraftvoller und detailliert im Hochtonbereich feiner. 

Onkyo TX-NR3010: Auch das 2012er Modell TX-NR3010, ehemals mit 1.999 EUR notiert, ist akustisch mehr in Richtung „analytisch“ ausgelegt als frühere Onkyo AVRs. Allerdings klingt er im Vergleich zum TX-NR929 nochmals nüchterner und ist überdies, gerade bei gehobenem Pegel, im Hochtonbereich etwas dominant. Diese Eigenschaft fehlt dem ausgewogenen 929. Bei der Bewertung des Video-Processings erzielt der TX-NR3010 bessere Ergebnisse. Im Gegensatz zum 2013er Modell TX-NR929 hat er weder WLAN noch Bluetooth an Bord. Für beides braucht man Adapter. 

Arcam AVR450: Mit 2.699 EUR ist der enorm hochwertige AV-Receiver aus dem Hause Arcam deutlich kostspieliger als der Onkyo, hat aber nur sieben Endstufen – aber was für welche? Akustisch überragt der Arcam die meisten Konkurrenten – wer also mehr Geld in der Tasche hat und vor allem auf klangliche Höhenflüge Wert legt, kann hier bedenkenlos zugreifen. Ausstattungs-Freude hingegen sind beim schmucken Briten nicht so gut aufgehoben: So gibt es wenige Multimedia-/Netzwerk-Features, HiRes wird nur bis 48 kHz akzeptiert, die höher auflösenden Formate 88,2, 96 und 192 kHz bleiben außen vor. Eine umfangreiche App fehlt ebenfalls. Die Videosektion ist nicht ganz so gut wie bei manchem Konkurrenten. Bei der Stereowiedergabe hingegen schlägt der AVR450 die versammelte Konkurrenz souverän.  

Fazit

9 Endstufen, überragender Klang, hervorragende Ausstattung – so baut man heute AV-Receiver. Der TX-NR929 ist mit seiner hohen Ausgewogenheit besonders empfehlenswert – Schwächen leistet er sich praktisch keine. Die Videosektion ist gut, setzt aber keine Maßstäbe. Hier sind manche Kontrahenten, auch aus eigenem Hause, besser. Das ist aber auch alles – klanglich bietet er eiskalt teureren Konkurrenten nicht nur Paroli, sondern kann sogar oftmals vorbei ziehen. Mit einer breiten Vielfalt an Netzwerk-Features kann er ebenfalls aufwarten. Die Anschlussbestückung fällt üppig aus. 

Erstklassiger, sehr ausgewogener AV-Receiver mit flexiblen Einsatzmöglichkeiten
preisklassenreferenz
AV-Receiver bis 2.000 EUR
Test 18. Dezember 2013

+ 9 Endstufen
+ Sehr pegelfest
+ Tolle Gesamtdynamik
+ Feindynamisch enorm gut
+ Viele Multimedia-Features
+ Anschlussbestückung
+ Bluetooth und WLAN an Bord
+ Sehr gutes Preis-/Leistungsverhältnis

– Kein Streaming von Videodateien

Test: Philipp Kind
Fotos: Sven Wunderlich
Datum: 18. Dezember 2013

 




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