TEST: KEF Muo Bluetooth-Lautsprecher – Klangliche Finesse für 300 EUR?

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Auf der High End 2016 haben wir ihn bewundert, nun kommt in der „Bluetooth-Speaker-Testwoche“ nach dem Test des UE Boom 2 auch noch der 300 EUR kostende KEF Muo zum Zug. „Pure KEF Sound“ wird dem stolzen Besitzer bereits auf der Verpackung versprochen, und wir sind gewillt, später in den Klangtestreihen nachzuprüfen, ob der kompakt bauende Muo den hohen Anforderungen an ausgezeichnete Klanggüte, die KEFs Lautsprecher seit langer Zeit auszeichnen, gerecht wird. 

Zunächst halten wir beim Namen inne. „Muo“ klingt wie „Muon“, und letzterer Name bezeichnet die überirdisch großen und überirdisch teuren (Paarpreis 160.000 EUR), aber auch erstklassig klingenden Design-Lautsprecher, die die absolute technologische Spitze im KEF-Portfolio darstellen.

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Hier die Rückseite. Muo ist beinahe komplett aus Aluminium gefertigt

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Hochwertigkeit ist Trumpf, auch im Detail

Und hinsichtlich des Formfaktors des bis auf die „Deckel“ aus mattem grauen Kunststoff komplett aus Aluminium gefertigten Muo-Bluetooth-Lautsprechers werden bewusst Anleihen am elitären Standlautsprecher genommen, gerade wenn man den Muo aufrichtet, zeichnet die Form der eingearbeiteten Löcher, die das „Lautsprecher-Gitter“ symbolisieren, genau die Umrisse der großen Muon nach. Verarbeitungsgüte ist Trumpf – klar sind 300 EUR Kaufpreis eine Ansage, aber es ist auch ohne Abstriche brillant, was man an Verarbeitungs- und Materialqualität für den Kaufpreis geboten bekommt. Weiche, aber haltbare Standfüße sorgen für perfekte Haftung, und dafür, dass das edle Aluminium keine Kratzer bekommt. 0,8 kg wiegt Muo, der Lautsprecher ist 210 mm hoch, 80 mm breit und 60 mm tief.

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Seitenteile aus Kunststoff

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Bedienelemente seitlich

Die akustische Ausstattung des Single Speakers (man kann aber 2 Muo zu einem Stereo-Paar koppeln, „Dual Connect“ Party-Modus) umfasst zwei 50 mm Breitbandtreiber und ein „Auxiliary Bass Radiator“ (ABR) für vollen, kräftigen Bass. Allerdings gibt es natürlich wieder KEF-spezifische Kniffe. Die Lautsprecher sind nichts anderes als miniaturisierte UNI-Q Punktschallquellen-Treiber. Zwei BT-Devices können parallel mit Muo gekoppelt sein. Der eingebaute Akku hält 12 Stunden lang. 3 Stunden dauert es, bis der leere Akku wieder voll aufgeladen ist. Nach 10 Minuten ohne Signal schaltet sich der Lautsprecher selbstständig ab. Das sind aber alles Finessen, die man für den Kaufpreis auch erwarten kann.

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Anschlüsse

Muo verfügt über einen eingebauten Lage-Sensor, dieser garantiert, dass unabhängig von der Aufstellung (vertikal oder horizontal) stets ein optimales Klangbild generiert wird. Ein hochwertiger D/A-Wandler ist für ein KEF-Produkt selbstverständlich, vorhanden beim Muo ist auch die NFC-Funktion für besonders einfache BT-Kopplung in Verbindung mit Android Devices – die aber absolut verzichtbar ist.  Neben BT gibt es auch noch einen 3,5 mm Audioeingang und MicroUSB zum Aufladen und für etwaige Firmware-Updates. Lieferbar ist Muo in Light Silver, Neptune Blue, Storm Grey, Sunset Orange und Horizon Gold. Die „Muo Launch Edition“ in den Farbtönen „Ocean“, „Orchid“, „Meadow“ und „Sunrise“ ist ebenfalls, zumindest laut Website, verfügbar. 399,95 EUR beträgt der Preis für die Muo Ross Lovegrove Edition – das ist deutlich mehr als für den „normalen“ Muo aufgerufen wird, dafür gibt es die exklusiven Farben inklusive zweifarbigem Farbverlauf und eine weltweit auf nur 300 Stück limitierte Anzahl. 

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KEF Muo-App im Store

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Zugriff auf Apple Music und die Mediathek

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Stereo-Pairing von zwei Muo über die App möglich

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Home-Menü

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Alben-Überblick

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Song-Überblick

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Zugriff auf Playlists

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Wiedergabe eines Songs von einer Wiedergabeliste

Wer „App-süchtig“ ist, wird nicht enttäuscht. Nach kurzer Recherche in Apples App-Store wird man schnell fündig. Es sei gleich vorausgeschickt, dass die App durchaus nett anzusehen ist, der tatsächliche Gebrauchswert ist aber, wie meist bei derartigen Applikationen, als niedrig anzusehen. Nur, wenn zwei Muo zu einem Stereo-Paar gekoppelt werden sollen, ist die App zwingend notwendig und macht daher Sinn. Bei Verwendung von einem Muo gilt: Derjenige Anwender, der Muo ohne App nach der völlig problemlosen und schnellen Kopplung mit dem Smartphone verwendet, muss keine Abstriche machen. Der „Appianer“ kann sich über ein im KEF-typischen Blau gehaltenes Menü freuen, das einfach zu handhaben ist. Im Hauptmenü gibt es die Punkte „Home“, „Meine Musik“ (Zugriff auf Alben, Interpreten, Songs auf dem Smartphone), „Playlist“ (praktischerweise direkter Zugriff auf die Playlists auf dem Smartphone), Favoriten (hier kann man eine eigene Favoritenliste mit Songs erstellen), „Anleitung Stereo-Pairing“, „Einstellungen“  (Lautsprecher-Name, Batteriestand, Firmware-Version) sowie „Über“ (Anzeigen der aktuellen Version). 

Klang

Lassen wir uns nun von den akustischen Qualitäten des KEF Muo überraschen. Wir starten mit diversen James Bond 007 Titelsongs und hier macht „The World Is Not Enough“ von Garbage den Anfang. Wir sind von KEF-Produkten generell ein hohes klangliches Niveau gewohnt, und der Muo folgt erfreulicherweise diesem Weg. Mit einer erstaunlichen Substanz wird der Titel präsentiert, kraftvoll und dynamisch. An der Pegelfestigkeit gibt es nichts auszusetzen, im Gegenteil: Man kann gepflegt laut hören mit dem Muo, der sich dann keinesfalls angestrengt und übersteuernd präsentiert, sondern immer kultiviert und mit einer tadellosen räumlichen Dichte.

Die Stimme der Sängerin kommt ausgezeichnet heraus, sie löst sich richtig gut vom Muo-Lautsprecher, das ist selbst in der gehobenen 300 EUR-Preisklasse nicht selbstverständlich. Mit sauberer Dynamik und akkurater Staffelung kommen auch die einzelnen Instrumente heraus. Von der Tonalität her wird eine hervorragende Mischung aus angenehmem Klang und einer überraschend hoch angesiedelten akustischen Frische geboten.  Wo andere Bluetooth-Lautsprecher einen zwar angenehmen, aber wenig brillanten Hochtonbereich aufbieten, zieht der Muo an vielen vorbei, denn hier herrscht ein reges Treiben auch bei hohen Frequenzen, Klarheit und eine enorme Weitläufigkeit, bezieht man die sehr kompakten Abmessungen in die Bewertung ein, sind hier zu loben.

„License To Kill“ von Gladys Knight folgt nun, und hier beweist uns der Muo, dass die zuvor präsentieren Leistungen keine „Eintagsfliege“ waren. Natürlich kann man keinen wirklich „vollen“ Bassbereich erwarten, das ist jedem, der nur elementares Wissen zum Thema Akustik besitzt, vollkommen klar. Aber was die Konstruktion mit eigenem Passiv-Radiator im tieffrequenten Bereich stemmen kann, ist erstaunlich, zumal nicht nur der Nachdruck, sondern auch der kultivierte Auftritt absolut überzeugen kann.  Die vokalen Elemente kommen ohne störende „Nebenwirkungen“ wie Zischeln oder Übersteuerungstendenzen heraus, auch bei diesem Song fällt wieder auf, wie gut die Stimme der Sängerin von den anderen Bestandteilen getrennt werden. Auch der Background-Gesang ist gelungen eingearbeitet, und der Rhythmus des 007-Titellieds wird zu jedem Zeitpunkt mit sehr guter Impulstreue erkannt. 

Wir beenden unsere „007-Testreihen“ mit Rita Coolidges „All Times High“ aus dem 007-Movie „Octopussy“. Der emotionale Charakter des Stücks kommt überzeugend zum Ausdruck, und ein weiteres Mal beeindruckt uns die Impulstreue, mit der der Rhythmus verarbeitet wird. Das Klavier stellt der Muo lebendig und mit guter Struktur dar. Dass hier ein großes Lautsprecher-System mehr leistet, dürfte klar sein, gerade was Faktoren wie die absolut korrekte Temperatur oder die für ein Klavier typische Anschlagdynamik angeht. 

Wir müssen eines an dieser Stelle hinzufügen. Der Muo sollte, wenn man lauter hört, auf festem Untergrund stehen, denn durch die Arbeit der Chassis entstehen durchaus Vibrationen, die größer ausfallen als bei manch anderem Bluetooth-Speaker kompakter Bauart. Dies liegt aber nicht an einer „Schwäche“ bei der Konstruktion, sondern schlichtweg daran, dass der kleine Muo Pegel realisiert, die andere BT-Speaker erst gar nicht schaffen. 

Geht es auch bei Club-Musik entsprechend voran? Wir hören den 2016er Sommer-Hit „I Took A Pill In Ibiza“ von Mike Posner. Und höre da – selbst der Kickbass wird ordentlich wiedergegeben. Mit maximalem Pegel empfehlen wir nicht, zu hören, dann sind schon ein paar Verzerrungen vertreten, was aber auch normal ist, da die recht kompakten Treiber dann in den Grenzbereich geführt werden. Wenn man den Pegel auf rund 80 Prozent des Möglichen begrenzt, hat man aber immer noch eine mehr als ausreichende Lautstärke, und der Klang ist klar sowie sauber. Top, ohne Zweifel.

Und die Bodybangers-Version des Ace Of Base-Klassikers „All That She Wants“ liegt dem Muo ebenfalls. Die akustische Frische, mit der hier vorgegangen wird, ist als sehr beachtlich zu umschreiben. Klar könnte sich im Bassbereich deutlich mehr tun, aber wir sprechen hier von einem kompakten Bluetooth-Speaker, der sich aufgrund der Abmessungen sehr gut für den mobilen Einsatz eignet. Unter dieser Prämisse kann man auch bei diesem Song wieder nur überrascht sein, wie souverän der KEF-Speaker agiert. 

Nach diesem Ausflug in die Club-Szene wird es wieder ruhiger, und wir lauschen „I Belong To You“ von Eros Ramazzotti und Anastacia. Sowohl die Stimme von Eros als auch die Stimme von Anastacia kommen sehr schön heraus. Wie exakt die vokalen Elemente herausgearbeitet werden, verdient wahrhaftig Respekt und beweist die Sorgfalt, mit der KEF diesen Bluetooth-Lautsprecher offensichtlich abgestimmt hat. Eine richtige „Mini-HiFi-Anlage“ ist hier anstanden, und dafür erscheint uns der Kaufpreis als wirklich angemessen. 

Konkurrenzvergleich

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Messlatte für absolute Hochwertigkeit ist und bleibt der Dali Katch Bluetooth-Lautsprecher, in drei eleganten Farben lieferbar. Mit 399 EUR ist der Katch nochmals teurer als der bereits sehr edle Muo, rechtfertigt dies aber durch noch höheren technischen Aufwand und noch mehr Opulenz bei der Materialwahl. Akustisch bietet der Katch noch mehr Räumlichkeit – die 100 EUR Aufpreis sind demnach genau richtig kalkuliert. In der Liga darunter aber zeigt der KEF Muo, was möglich ist, mit seinem klaren und feinen Klang ist er dem Katch dicht auf den Fersen. 

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Edel geht es weiter – auch der Harman Kardon Bluetooth-Lautsprecher Esquire 2 ist äußerst hochwertig und sieht glänzend aus. Nur noble Farbtöne befinden sich im Programm, und akustisch gibt der Harman den Feingeist. Stimmen werden sehr schön präsentiert, und der Hochtonbereich ist sehr klar. Top ist die eingebaute, aufwändige Freisprecheinrichtung, die der Muo nicht bietet. Dafür ist das akustische Konzept des KEF BT-Speakers noch besser. Bei der Detaillierung und der Stimmwiedergabe dem Esquire ebenbürtig, zieht der Muo mit dynamischem sowie fundiertem Bassbereich und besserer Räumlichkeit davon. 

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So preiswert kann schick sein: Der Dockin D Fine kommt auf lediglich 139 EUR und sieht trotzdem richtig schick aus. Zudem ist der Bluetooth-Lautsprecher auch noch spritzwassergeschützt. Akustisch bewegt sich dank 50 Watt Gesamtleistung einiges. Ein richtiges 2-Wege-Lautsprechersystem ist für den kultivierten Sound verantwortlich. Mit 2,6 kg ist der D Fine recht schwer. Im Detail offeriert der D Fine natürlich nicht die Noblesse, die Dali, KEF oder auch Harman realisieren, was aber in Anbetracht des drastischen Preisunterschiedes gerade KEF und Dali betreffend auch nicht weiter schlimm ist. 

Fazit

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Bluetooth auf die britische Art: Der KEF Muo brilliert mit nobler, unverwechselbarer Optik und zahlreichen nützlichen Funktionen. Zu erwähnen wären das mögliche Stereo-Pairing und die Möglichkeit, zwei Bluetooth-Quellen parallel miteinander mit dem Muo zu verbinden. Gut, das bieten viele Konkurrenten auch. Beim Muo kommt aber noch vieles dazu, so die tadellose Pegelfestigkeit, die überraschend intensive Räumlichkeit sowie der klare und gleichzeitig aufgeräumte Hochtonbereich. Viel Licht, kaum Schatten – leider ist der Muo nicht spritzwasserfest beziehungsweise fehlt ein entsprechendes Zertifikat. Dieses würden wir uns noch für die Zukunft wünschen. Die maximal mögliche Akkulaufzeit liegt im guten Durchschnitt – ist aber nicht ernsthaft zu kritisieren.

Extrem hochwertiger, klanglich kultiviert-dynamischer Bluetooth-Lautsprecher im unverwechselbaren Design
ueberragend
Bluetooth-Lautsprecher bis 500 EUR
Test 20. April 2017

Test: Carsten Rampacher
Fotos: Sven Wunderlich
Datum: 20. April 2017 




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