TEST: Dockin D Fine – Edler, hochwertiger und akustisch überzeugender Bluetooth-Lautsprecher der Brand aus Berlin?

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Neue Brands braucht das Land – offensichtlich. Anders ist es nicht zu erklären, dass mit Dockin nun eine weitere Marke, die in der Hauptstadt beheimatet ist, durchstarten möchte. Die Marke gibt es schon etwas länger, aber mit neuer Ausrichtung möchte man nun Marktanteile bei Bluetooth-Devices – Lautsprecher & Kopfhörer – erobern. Hochwertige Verarbeitung und ein äußerst attraktiver Kaufpreis platzieren die Dockin-Produkte zwischen den klassischen A-Brands und Marken, die sich hauptsächlich über den Preis definieren. Also sieht Dockin eine Lücke im Markt, die es sich zu besetzen lohnt. D Solid als sehr kompakter BT 4.0 + EDR-Speaker sowie D Move als In-Ear-BT-Headphone waren die ersten Produkte.

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Edle Erscheinung auch von oben

Ganz besonders stolz ist man jedoch auf den neuen D Fine, einem über Amazon käuflich zu erwerbenden, sehr nobel auftretenden Bluetooth-Speaker mit HiFi-Ambitionen und 50 Watt Gesamtleistung. Knapp 140 EUR werden veranschlagt, was in Anbetracht der äußerst gediegenen Erscheinung verwundert. Auf eines muss man verzichten: Qualcomm aptX ist laut Datenblatt nicht vorhanden. 

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Begeistert nicht: Mitgelieferte Tasche

Ein solides Metallgitter schützt das 2-Wege-Lautsprecher-System, die Passgenauigkeit am gesamten Gehäuse ist tadellos. Überdies ist der D Fine spritzwassergeschützt sowie staubresistent. Dank IP55-Schutz ist das edle Stück absolut Outdoor-geeignet. Durchschnittlich, aber nicht revolutionär sind die 10 Stunden Laufzeit des eingebauten Akkus. Gut: Man kann schwächelnde Smartphones dank der Powerbank-Funktion mittels USB (USB-A, 5V, 1A) am D Fine aufladen. Im Lieferumfang ist auch eine Tragetasche enthalten, deren Design und Materialqualität allerdings nicht unsere Zustimmung finden. Die Netz-Optik macht die Bag außerdem anfällig für Defekte, das Material kann reißen. Im Lieferumfang enthalten ist noch ein klassisches 3,5 mm Miniklinken-Audiokabel. Der D Fine wiegt 2,6 kg und ist 285 mm breit, 100 mm hoch und 103 mm tief. 

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Auch hochkant schick

Wenden wir uns den optischen und technischen Einzelheiten zu. Das Dockin-Logo, das im Übrigen richtig gut aussieht, ist vorn auf dem Metallgitter eingelassen. Der silberne Schriftzug hat eine strukturierte Oberfläche. Montiert, das sieht man hinter dem Gitter, sind zwei Mitteltieftöner und zwei Hochtöner. Ein anderes Konzept, als es mancher Konkurrent verfolgt. Oft finden sich zum Beispiel zwei Breitbänder und zusätzlich ein Subwoofer-Chassis oder ein bz.w zwei passive Radiatoren. Dockin geht den „klassischen Stereo-Weg“ mit der Konstruktion des D Fine.

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Ein titanfarbener Kunststoffring reicht ums ganze Gehäuse

Die beiden um das gesamte Gehäuse nahtlos gehenden Streifen, die das Lautsprecher-Schutzgitter einrahmen, bestehen aus titanfarbenem Kunststoff, dessen Qualität für die Preisklasse gut ist.

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Unterseite

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Anschlüsse unter Gummi-Abdeckung

Zwei Gummi-Elemente, die Staub magisch anziehen, sind unter dem D Fine angebracht und sorgen für Halt. Auf der von vorn gesehen rechten Seite befinden sich Service-Buchse, 3,5 mm Audio-Eingang, der Anschluss fürs externe Netzteil und der USB-A-Slot. So sind die Anschlüsse optimal gegen Staub geschützt.

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Bedienelemente

Auf dem Berliner Bluetooth-Aktivlautsprecher befinden sich verschiedene Bedienelemente. Allesamt in silberner Farbgebung und in glanzgedrehter Optik,, versprühen sie durchaus eleganten Charme. Der nicht besonders exakt definierte Druckpunkt, z.B. bei der Lautstärke-Regelung, schmälert aus haptischer Perspektive aber den Eindruck von Hochwertigkeit. Der D Fine verkündet durch eine weibliche Stimme, wenn er aktiviert ist, ebenso spricht er zum Anwender, wenn er sich nach längerem Druck auf die Bluetooth-Taste im Pairing-Modus befindet. Rasch koppelt er sich mit unserem Apple iPhone 7 Plus. 

Klang

Wie schlägt sich der D Fine aus klanglicher Sicht? Wir beginnen mit mehreren Titelmelodien aus 007-Filmen. Bei „A View To A Kill“, performed von Duran Duran,  fällt die ehrliche, direkte Wiedergabe auf, die der D Fine realisiert. Er spielt direkt und ungefiltert, beides Eigenschaften, die nicht typisch sind für BT-Speaker. Offensichtlich hilft die klassische 2-Wege-Lautsprecher-Konstruktion, dieses vergleichsweise anspruchsvolle Klangbild offerieren zu können. Die Stimme kommt prima heraus und löst sich stimmig vom instrumentalen Hintergrund. Bei „For Your Eyes Only“ von Sheena Easton sammeln wir weitere Impressionen. Der Bass ist nicht optimal und wirkt etwas hohl. Das Differenzierungsvermögen bei der Wiedergabe der Stimme überzeugt voll und ganz. Die gebotene Gesamt-Dynamik ist sehr gut. Die Pegelfestigkeit geht vollauf in Ordnung, vermag aber keine Maßstäbe zu setzen. Ausgezeichnet modelliert der D Fine denn Anfang von „Moonraker“, gesungen von Shirley Bassey, heraus. Shirleys Stimme wird mit überraschend fein ausgeprägten Konturen wiedergegeben, und keinesfalls so monoton und oberflächlich, wie es kostengünstigeren Lautsprechern manchmal eigen ist. Die Differenzierung der Stimme von den Instrumenten gelingt ebenfalls tadellos. Klar und lebendig zeigt sich das gesamte Klangbild. Der Bass dringt nicht so tief in den Raum ein wie bei manchem Kontrahenten, hier wählt Dockin offenbar bewusst eine kultiviertere Auslegung, die auch den reiferen Hörer überzeugen soll. 

„L’Attesa“ von Andrea Bocelli liegt dem D Fine, was wir schon beinahe erwartet hätten. Gut kommen die Instrumente zum Ausdruck, die Präsentation von Andreas Stimme steht jedoch klar im Fokus der akustischen Bemühungen. Mit Facettenreichtum und klarer Ausprägung kommen die vokalen Elemente gelungen heraus. Bei „Love In Portofino“, ebenfalls von Andrea Bocelli, überzeugt uns der D Fine mit sauberer, gepflegter Akustik – richtig „HiFi-mäßig“ für einen Bluetooth-Aktivlautsprecher. Natürliches Gesamtvolumen, gut nachvollziehbare vokale Strukturen und eine lobenswerte Impulstreue sind hervorzuheben. Zusammen mit Nelly Furtado singt Andrea „Cocorvado“. Wie arbeitet der D Fine die weibliche Stimme heraus? Gelingt ihm das ebenfalls auf ansprechendem Level? Wir hären zunächst darauf, wie gut das Saxophon herauskommt, kurz darauf startet Nelly. Und wie! Mit einem überraschenden Feingefühl, auch als beide im Duett singen, erfüllt der Dockin-Speaker auch gehobene Ansprüche. Alles wirkt wie aus einem akustischen Guss, nahtlos, lückenlos – top. Offensichtlich wurde der D Fine mit der nötigen Sorgfalt akustisch abgestimmt. 

Wie sieht das Können des D Fine bei der 2016er Version von „What Is Love“ von Lost Frequencies aus? Auch hier setzt sich der Berliner BT-Lautsprecher von einigen Konkurrenten ab. Nicht nur massiven Basseinsatz – der Bass ist sehr gut, recht trocken, natürlich und durchaus spürbar, aber nicht übertrieben voluminös -, sondern durch das differenzierte, wohl ausgeformte akustische Auftreten im Gesamten. Die überdurchschnittlich gute Stimmwiedergabe spricht auch bei diesem Titel für den D Fine, ebenso die authentisch vermittelte Räumlichkeit.“Somewhere New“ von Klingande fördert die schon bekannten Talente des D Fine ein weiteres Mal zu Tage. Wir kennen kaum einen anderen Bluetooth-Lautsprecher, selbst in höheren Preisklassen um die 180 bis 200 EUR, der Stimmen so sorgsam behandelt. Klar, fokussiert, und trotzdem nicht so weit im Vordergrund, dass instrumentale Präsenz verloren geht: Der Dockin-Speaker macht hier praktisch alles richtig. Der Gigi D’Agostino-Klassiker „L’Amour Toujours“ in der Version von Dzeko & Torres, mixed by Tiesto, beweist, wie klar der D Fine seine Linie hält: Natürlich und lebendig, nie „aufgeblasen“. Jugendliche Hörer mögen vielleicht noch mehr Punch, als ihn der D Fine bietet, dafür detailliert der Berliner Lautsprecher sehr gut und bietet eine ansprechende Finesse im Hochtonbereich. 

Konkurrenzvergleich

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  • JBL Charge 3: Zu günstigen Marktpreisen (variieren je nach Farbgebung, aktuell kostet die graue Variante schlanke 125 EUR bei Amazon. UVP 179 EUR) ist der Charge 3 die Messlatte in der Liga der BT-Speaker bis 200 EUR. Bärenstarker 6.00 mAh-Akku, robuste Verarbeitung, hoher Style-Faktor, JBL Connect für das Verbinden von entsprechend kompatiblen JBL-BT-Speakern untereinander und einem kraftvoll-angenehmem Klang ist es schwer, dieses Gesamtpaket zu schlagen. Wasserfest (IPX7) ist der Charge 3 natürlich auch, und die ebenfalls vorhandene Freisprecheinrichtung ist qualitativ ordentlich. Bis zu drei Smartphones können gekoppelt werden, natürlich kann man sein Smartphone auch am Charge 3 aufladen. Akustisch schlägt sich der D Fine recht gut gegen den Charge 3, der JBL-Speaker ist aber pegelfester und bietet mehr Kraft im Bassbereich. Der D Fine klingt dafür sensibler und löst feiner auf. 

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  • Noblesse in der 140 EUR-Liga hat einen Namen: Teufel Bamster. Der 2016  überarbeitete Sound-Riegel zeigt, was an Materialqualität und Design-Güte für kleines Geld möglich ist. Seit es das Alu-Gehäuse oder das optisch und haptisch tolle Lautstärke-Drehrad – der Bamster begeistert. Bluetooth mit aptX ist an Bord,  der Akku hält trotz der kompakten Abmessungen bis zu 12 Stunden. Integriert ist auch eine Anzeige des Ladestandes. Erstaunlich gut auflösend und mit ordentlicher Stereowirkung, kann der Bamster sich auch klanglich tadellos in Szene setzen. Mit mehr Fundament und noch etwas mehr Räumlichkeit setzt der D Fine aber seine anderen Gehäuse-Abmessungen klanglich gekonnt um. Überdies ist der D Fine spritzwassergeschützt, dies fehlt dem Bamster. 

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  • Grundig GSB 600: Achtung, massiver Schnäppchenalarm! Preisstabilität genießt bei Grundig offensichtlich keine sehr hohe Priorität, denn der ursprünglich 199 EUR kostende, schick aussehende BT-Speaker kostet auf dem Markt nur noch rund 90 EUR. Dafür gibt es ein elegantes Design, eine tadellose Materialqualität und einen harmonischen, klaren Sound. Aufgrund der Abmessungen fühlt sich der GSB 600 aber zu Hause wohler als unterwegs. Dank eingebautem Akku ist der Schönling aber auch durchaus mobil einzusetzen. Akustisch zieht der Newcomer von Dockin gleich. Mehr Bass und Fundament beim Grundig, mehr Feinarbeit beim D Fine. 
Fazit

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Da wurde konsequent mitgedacht: Der Dockin D Fine führt sich hervorragend ein und fällt vor allem dadurch auf, dass er keine echten Schwächen mitbringt. Eleganz und Solidität inklusive Outdoor-Eignung gehen eine harmonische, passende Kombination miteinander ein. Gute Verarbeitung und Materialqualität sowie ein klarer, ehrlicher und erstaunlich differenzierter Klang verdeutlichen, dass der D Fine beileibe nicht nur die „wilde Jugend“ als Zielgruppe fokussiert, sondern auch die anspruchsvolle Business-Woman und den seriösen Businessman begeistern möchte. Was uns fehlt: Die Möglichkeit, zwei oder drei Smartphones parallel koppeln zu können und ein größerer Akku. Die 10 Stunden Laufzeit sind nicht sensationell. Bilanzierend setzt sich der D Fine aber erstklassig in Szene und verdient sich eine Kaufempfehlung. 

Formschöner, klanglich kultivierter Bluetooth-Lautsprecher zum fairen Kaufpreis
ueberragend
Bluetooth-Lautsprecher bis 200 EUR
Test 05. Dezember 2016

Test: Carsten Rampacher
Fotos: Philipp Kind
Datum: 05. Dezember 2016

 

 

 

 




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