TEST: UE Boom 2 – Flexibler Bluetooth-Speaker mit App-Support

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Die Bluetooth-Lautsprecher von Ultimate Ears sind alles andere als Unbekannte im Branchen-Umfeld. Regelmäßig führt eine Komponente des Logitech-Ablegers die Bestseller-Listen bei Amazon in diesem Bereich an, und das nicht ohne Grund. Die Geräte sind von dezentem Schwarz bis zum verspielten, sehr farbenfrohen Design erhältlich, es gibt sie in verschiedenen Größen und Ausführungen und auch noch zu scheinbar sehr fairen Preisen. Längst überfallig also, dass AREA DVD mal einen genaueren Blick auf einen der Drahtlos-Lautsprecher wirft. Brandaktuell wäre natürlich der neue Wonderboom, der als sehr robust gilt, aber auch sehr kompakt. Zu kompakt für einen Ersteindruck, meinten wir, und so haben wir uns für den schon etwas länger erhältlichen und größeren UE Boom 2 entschieden. Der Boom 2 kostet je nach Ausführung und Angebot zwischen 99 und 150 EUR.

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Lieferumfang

Nach Apple-Vorbild wird bei den UE Bluetooth-Lautsprechern viel Wert auf eine sehr schicke und zweckdienliche Verpackung gelegt. Mit Leichtigkeit ist der runde Zylinder geöffnet und offenbart unser rotes (Cherrybomb) Testmodell inklusive sämtlicher notwendiger Kabel und Adapter. Beim UE Boom beschränkt sich der Lieferumfang nämlich nicht auf ein einfaches Micro USB-Kabel, auch ein Netzteil wird mitgeliefert. Das Netzteil kann mit, ebenfalls mitgelieferten, Aufsätzen für EU oder UK bestückt werden. Eine Bedienungsanleitung ist nicht dabei, allerdings wird mit einem Aufdruck in Grundzügen erklärt, wie man sich per Bluetooth mit dem Boom 2 verbindet. Wer sich genauer über sein gekauftes Produkt informieren möchte, muss sich auf der Ultimate Ears-Website umsehen. Dort erfährt man dann, dass der Ladevorgang in ca. 2,5h beendet ist und der mitgelieferte Akku etwa 15 Stunden Musikbeschallung ermöglicht. Das gilt natürlich nur bei etwa halber Lautstärke, leer haben wir den Boom 2 während unseres Testbetriebes, der sich über einige Stunden erstreckte und auch Maximalpegel forderte, nicht bekommen.

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Lautstärketasten

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Power- und Bluetooth-Button

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Ansicht von oben

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Detailverarbeitung

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Seite

Gut, die Verpackung ist schick – wie ist es um den kabellosen Lautsprecher selbst bestellt? Die Cherrybomb-Variante kommt in zwei unterschiedlichen Rot-Tönen daher. Das Gitter-Mesh zeigt sich in einem recht dunklen Teint, die gummierten Oberflächen gehen schon in Richtung rosa (allerdings nicht so extrem wie auf den Bildern). Die Detailverarbeitung wirkt insgesamt sehr solide: Die unterschiedlichen Materialoberflächen gehen beinahe nahtlos ineinander über und die Bedienelemente bieten einen sehr guten Druckpunkt. Die Lautstärketasten sind sehr großzügig dimensioniert und dienen eindeutig als optisches Erkennungsmerkmal der Ultimate Ears-Lautsprecher. An der Oberseite befinden sich ebenfalls zwei Druckknopfe: der mittige Power-Button und der Knopf für die Bluetooth-Kooplung. Beide sind mit einer weißen LED als Beleuchtung versehen.

An der Unterseite ist sowohl der 3,5mm AUX-Eingang als auch der Micro-USB-Slot für den Ladevorgang untergebracht. Beide Anschlüsse sind mit einer gummierten Verschlusslasche versehen. Das ist notwendig, da der Boom 2 IPX7-zertifiziert ist. Das Gerät ist also nicht nur vor Spritzwasser sicher, sondern kann bis zu 1m Tiefe 30 Minuten unter Wasser unversehrt überstehen. Ein bisschen problematisch ist die Platzierung der Anschlüsse aber schon, denn der Boom 2 ist für eine vertikale Aufstellung gedacht. Besetzt man einen oder beide Anschlüsse, kann der Lautsprecher aber nicht mehr stehen. Dann bleibt nur die Nutzung des Stativ-Schraubanschlusses. Das mittige Element kann nämlich abgeschraubt und der UE Boom 2 auf einem Tripod angebracht werden. Prinzipiell ist natürlich bei nicht allerhöchstem Anspruch auch eine horizontale Verwendung oder gar die Nutzung des Speakers „über-kopf“ denkbar, da im 360° Winkel abgestrahlt wird.

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Unterseite

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Micro-USB-Slot

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Klinkenanschluss

Wir sehen den Boom 2 als absolut portabel an. Die Abmessungen von 18cm Höhe und einem Durchmesser von knapp 7 cm passen problemlos in den Rucksack oder gar in die Handtasche. Auch das Gewicht ist mit ungefähr 550g nicht zuviel für den Weg zum Pool oder Badesee. Mit den zwei 45mm Breitbändern soll ein Frequenzgang von 90 Hz bis 20 kHz und ein sehr solider Schalldruckpegel von 90 dB realisiert werden, unsere praktischen Eindrücke werden wir gleich schildern.

Der Boom 2 kann mit insgesamt acht Quellgeräten verbunden werden, bis zu zwei davon simultan. Zudem kann man von einem Gerät zwei UE Boom 2 Lautsprecher mit einem Audiosignal versorgen. Außerdem kann man mittels App bis zu 50 UE-Lautsprecher miteinander verbinden, um größere Areale zu beschallen. Interessant ist der Umstand, dass die Bluetooth-Reichweite mit bis zu 33m angegeben ist, während die Konkurrenz zumeist bei 10m die Reißlinie zieht. Großartig übertrieben wird hier aber nicht, wir konnten tatsächlich im Praxisbetrieb eine stabile und betriebssichere Verbindung über eine deutlich größere Reichweite als mit bisher getesteten Komponenten realisieren.

Der Kopplungsvorgang geht einfach und schnell vonstatten. Beim ersten Einschalten des Boom 2 schaltet sich der Lautsprecher automatisch sichtbar und taucht beim jeweiligen Quellgerät sofort auf. Per Klick dauert es dann nur noch wenige Sekunden und die beiden Geräte sind verbunden. Will man den Vorgang erneut starten, muss man etwa drei Sekunden lang auf den Bluetooth-Button auf der Oberseite drücken.

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Hinweis zur App-Installation

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Firmware-Aktualisierung direkt nach App-Start

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Home-Screen der App

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Tutorial zur Kopplung mehrerer UE-Speaker

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Tutorial 2

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Tutorial 3

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Tutorial 4

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Weiteren Benutzer als „DJ“ festlegen

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Übersicht der Einstellungsmöglichkeiten

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Equalizer

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Verschiedene EQ-Presets

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Wecker

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Einstellungen

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Kleine Tutorials zu verschiedenen Themen

Ist der Lautsprecher gekoppelt, schlägt das Smartphone direkt das Herunterladen der UE Boom 2 App, die kostenlos im App Store/Google Play Store erhältlich ist, vor. Kaum ist die App gestartet, wird einem ein Firmware-Update nahe gelegt. Während des Updates (Dauer ca. 5 Minuten) kann man keine Musik hören und die Applikation darf nicht geschlossen werden – man sollte auch aufpassen, dass sich das Smartphone nicht in den Ruhezustand versetzt, denn auch dann bricht das Update ab und man muss den Vorgang komplett wiederholen. Nun gut, nicht optimal, allerdings sollte ein Update auch nicht allzu häufig vorkommen. Nach dem Update gelangen wir zur eigentlichen Benutzeroberfläche mit schicker visueller Lautstärkeregelung sowie weiteren interessanten Features. Allem voran wird die App bei der Verbindung mehrerer Boom-Lautsprecher interessant. Mit einfachen Wischbewegungen kann man hier zusätzliche Lautsprecher aktivieren und aus der Gruppe wieder entfernen. Außerdem kann man Freunde zum „Gast-DJ“ ernannt werden, die dann ebenfalls ihre eigene Musik zuspielen können. Neben kleinen bebilderten Tutorials ist auch noch die Equalizer-Funktion für den Anwender nicht unwichtig. Mit „Standard“, „Bassverstärkung“, „Intim“ und „Stimme“ sind vier vorgefertigte Presets integriert, unter „Benutzerdefiniert“ kann man den Boom 2 aber auch nach eigener Vorliebe stimmen. Auch die Weckfunktion lässt sich hier einstellen inklusive Wiedergabe von der eigenen Playlist.

Wir setzen dem UE Boom 2 aus akustischer Sicht direkt eine anspruchsvolle und komplexe Aufgabe vor. „Grow or Pay“ der dänischen Heavy Melodic Rockband D-A-D schallt mit sehr guter räumlicher Atmosphäre aus der schlanken Säule. Die Bühne ist weitläufig dimensioniert, etwas schwer fällt aber die lokale Platzierung der Musiker und die Trennung der einzelnen Instrumente. Sicher kann man problemlos Percussion und Gitarre unterscheiden, allerdings geht der verzerrte Gitarrensound bei komplexem Gesamtgeschehen etwas unter. Mittig, als die Vokalstimme pausiert und die Gitarre in den Fokus rückt, sieht das schon anders aus: die Stahlsaiten der E-Gitarre kommen zur Geltung und auch die Verzerrung ist mit charakteristischen Eigenschaften versehen. Die Stimme an sich gefällt aber sehr gut, sie steht zentral und wird mit rauhem Einschlag natürlich dargestellt. Nachteil der Rundum-Abstrahlung ist, wie bereits erwähnt, die etwas verwaschene Platzierung der Instrumente trotz guter räumlicher Wirkung. Der Vorteil ist, dass man relativ unabhängig davon ist, wo man in Relation zum Bluetooth-Lautsprecher sitzt. Auch direkt dahinter wird eine beinahe komplett identische Performance geboten. Bei „Laugh ’n‘ A 1/2“ kommt die solide Vokaldarstellung besonders gut heraus. Hier ist auch das Geschehen insgesamt weniger komplex, so dass die Gitarre in Kombination mit dem Gesang nicht negativ behaftet wirkt, beide akustischen Elemente kommen klar zur Geltung und überlagern sich nicht.

Auch bei Irie Revoltes und „Allez!“ macht der Boom 2 einen guten Eindruck. Der UE-Lautsprecher spielt dynamisch und flott auf, legt Wert auf eine mitreißende akustische Darbietung und angenehmen Sound. Untenrum fehlt uns ein wenig Fundament und auch die unteren Mitten könnten etwas besser repräsentiert werden. Der sonst sehr volle und atmosphärisch dichte Sound der deutsch-französischen Kooperation wird ein wenig vermisst. Die Stimmwiedergabe kommt wieder sehr gut auf den Punkt. Wie schon bei D-A-D erkannt, ist die Bühnendarstellung etwas eindimensional und ein klarer, typischer Aufbau nicht einfach zu erkennen. Das ist der 360°-Abstrahlung geschuldet. Immerhin wird dies mit der eher mitreißenden Auslegung auch konsequent verfolgt, absolute Authentizität ist nicht das Ziel.

Allerdings hätte man dann vielleicht untenrum noch etwas mehr „drauf packen“ können. Sicher, bei Rockabilly-Monstern wie dem Umbrella-Cover der „The Baseballs“ kann der Boom 2 voll überzeugen und bringt auch den letzten Tanzmuffel zum mit-swingen, aber die Party-Zielgruppe fühlt sich voraussichtlich auch der elektronischen Musik nicht allzu fern und erwartet hier vielleicht etwas mehr Punch und Nachdruck. Jedoch muss man sagen, dass der UE Boom 2 bei Hollywood von Vintage Culture durchaus solide Party-Stimmung verbreitet. Zwar fehlt es uns etwas an Tiefgang, der Kickbass kommt aber recht kräftig und präzise. Dazu gefällt die Stimmwiedergabe des älteren Herrn ausgezeichnet und auch die sonstigen Synthesizer-Elemente sind sauber integriert. Erstaunt sind wir auch, welche Pegel man mit dem kompakten Bluetooth-Lautsprecher fahren kann. Schon mit einem einzelnen lässt sich ein großes Wohnzimmer problemlos beschallen. Hinzu kommt, dass auch eine ausgezeichnete Pegelfestigkeit geboten wird. Der Boom 2 bleibt auch am Anschlag souverän, schlägt nicht durch und wir obenrum kein bisschen aggressiv. Mit der „Bassverstärkung“ kann man der fehlenden Nachdrücklichkeit nur bedingt beikommen. Wie auch an der EQ-Kurve schön zu sehen, werden hier lediglich die übrigen Frequenzbereiche abgesenkt. Und auch beim manuellen Anheben des Basses ist hier keine großartige, wenn auch spürbare, Veränderung zu erkennen.

Auch bei „Anker“ von Mine raten wir von einer Anpassung der EQ-Kurve eher ab. Die „Stimmverstärkung“ ist ohnehin wohl nicht unbedingt für Musikwiedergabe gedacht und bringt bezüglich der Stimmcharakteristik keinen Vorteil, hier geht es vielmehr um eine bessere Verständlichkeit. Grundsätzlich lässt sich mit dem Equalizer sicher eine Anpassung an die eigenen Vorlieben rudimentär erreichen, insgesamt holt man aber mit der Einstellung „Standard“ das beste aus dem Boom 2 heraus. Beim Wechsel auf „Soits lebn“ von Seiler und Speer sehen wir uns wieder in der Annahme bestätigt, dass der UE Boom 2 besonders mit schwungvollen und treibenden Liedern harmoniert. Sobald es mitreißend und flott wird, läuft er zur Höchstform auf. Während bei Mine das gewisse Etwas fehlte und einfach die voluminöse, massive Trägheit nicht perfekt transportiert werden konnte, spielt er bei den Österreichern frei auf und vermittelt die entsprechende Leichtigkeit des Songs. Der authentische Bühnenaufbau fehlt uns auch hier etwas, wirkt aber durch die schwungvolle Präsentation nicht störend.

Im Flip 4 hat der UE Boom 2 einen extrem harten Konkurrenten. Beide sind sehr solide verarbeitet und weisen die identische IPX7-Zertifizierung vor. Auch bezüglich der Dimensionen sind sie ähnlich, der Flip 4 ist geringfügig leichter. Akustisch kann der UE-Speaker nicht ganz mithalten. Nicht nur im Bassbereich bringt der Flip 4 mehr Kraft, Volumen und Nachdruck, auch bezüglich der Authentizität des Bühnenaufbaus und der Räumlichkeit ist der JBL-Lautsprecher im Vorteil. Leider hilft da auch der Equalizer des Ultimate Ears Speakers nichts. Wer ausgefallenere und vor allem mehr Farben sucht, wird nur bei UE fündig. Die grundsätzliche Ausstattung ist beim Boom 2 etwas besser, da auch ein Netzteil mitgeliefert wird. Der Dockin D Fine bietet einen differenzierteren Sound mit mehr Natürlichkeit, ist aber größer und weniger handlich. Der Boom 2 hingegen liefert höheren Pegel und bleibt bis zum äußersten souverän. Außerdem fehlt dem D Fine die IPX7-Zertifizierung und die Möglichkeit, mehrere Smartphones zu koppeln sowie mehrere Lautsprecher zu verbinden. Die Solidität und Materialqualität ist ähnlich gut, feature-seitig liegt der Boom 2 klar vorne.

Fazit

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Der UE Boom 2 ist ein flexibler Bluetooth-Lautsprecher mit großer, teilweise ausgefallener, Farbauswahl, und stylischer Optik. Die akustische Performance inklusive 360°-Abstrahlung ist solide, ein wenig Luft nach oben bleibt aber. Eine authentische Bühnendarstellung ist natürlich bauartbedingt nicht ganz leicht, doch aufgrund der grundsätzlich sehr schwungvollen und mitreißenden Auslegung könnte der Tieftonbereich etwas satter abgestimmt sein. Ezellent hingegen ist der hohe Pegel und die Souveränität, die der UE Boom 2 auch bei maximaler Lautstärke an den Tag legt. Ein Anschlagen der Lautsprecher gibt es nicht und auch im Hochtonbereich bleibt der Kompakt-Lautsprecher angenehm. Sehr gut gefällt auch die IPX7-Zertifizierung, die solide Materialqualität und die Möglichkeit, mehrere UE-Lautsprecher miteinander zu koppeln. Die App-Steuerung funktioniert tadellos und macht das Koppeln zweier oder mehrerer Lautsprecher zum Kinderspiel.

Sehr flexibler Bluetooth-Speaker mit stylischer Optik und hoher Akkulaufzeit
ausgezeichnet
19.04.2017

Test: Philipp Kind
Datum: 19.04.2017




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