TEST: Harman Kardon Bluetooth-Lautsprecher Esquire 2 – Nobler Modell-Athlet mit klanglichen Talenten

Harman Kardon Esquire 2 Front Seitlich2

Für den Gentleman von Welt gedacht ist der neue Harman Kardon Esquire Bluetooth-Lautsprecher. Wo die Harman International-Brand JBL eher nach dem Motto „young&wild&trendy“ verfährt, verkörpert der gerade in der Farbe „Champagne“ sehr geschliffen und edel wirkende Esquire 2 eher die klassischen Werte. Wahlweise kann man den flachen Speaker auch in Graphite oder Black ordern, der Preis ist mit jeweils 229 EUR stets der gleiche. Harman spricht beim Esquire 2 von der „Essenz reiner Handwerkskunst“. Hört sich nach maßloser Übertreibung an, schließlich sprechen wir nicht von einer Hublot-Uhr für 35.000 EUR.

Harman Kardon Esquire 2 Mikro

Sehr geringe Bautiefe, erstklassige Materialqualität

Harman Kardon Esquire 2 Bedienelemente Oberseite2

Sauber integrierte Lautstärkeregelung

Harman Kardon Esquire 2 Bedienelemente Oberseite1

So gehts: Hervorragendes Finish bis ins Detail. Standby-Taste, Taste für BT-Kopplung, Anruftaste und Mikrofon-Stummschaltung

Wer den attraktiven Bluetooth-Lautsprecher allerdings näher in Augenschein nimmt, wird feststellen, dass Harman gar nicht so weit daneben liegt: Die Materialqualität ist überragend, mit viel echtem Metall (vorn) und einer Rückseite, die vermutlich sogar aus echtem Leder besteht (es gibt ein Leder-typisches Aroma, was darauf hindeutet). Für dieses Maß an Materialqualität und Craftmanship mutet der Preis ausgesprochen günstig an. Geringe Spaltmaße legen ebenfalls Zeugnis über die hohe Fertigungsqualität ab. 

Technisch zeigt sich der Esquire 2 ebenfalls voll auf der Höhe der Zeit, mit einer kleinen Ausnahme. Es wird, leider typisch für Harman/JBL Bluetooth-Produkte, kein aptX unterstützt. Sonst ist alles an Bord, um aufs weite Meer des portablen Einsatzes hinaus zu fahren: Bluetooth-Version 4.1, kompatibel mit A2DP v1.3, AVRCP v1.5, HFP v1.6, HSP v1.3, 2 x 8 Watt Leistung (recht üppig für einen so kompakten Speaker) und ein eingebauter 3,7 V Lithium Polymer-Akku, dessen Kapazität von 3.200 mAH für eine maximale Laufzeit von bis zu 8 Stunden ausreicht. Man kann 2 Smartphones oder Tablets gleichzeitig mit dem Esquire koppeln, so gut das auch ist im Vergleich mit anderen Konkurrenten, so ist doch nicht ganz verständlich, warum nicht die JBL-Technolgie, z.B. aus dem JBL Pulse 2, übernommen wurde, die gleich drei parallele Kopplungen ermöglicht. 

Harman Kardon Esquire 2 Anschluesse Seitlich

USB-Slot fürs Laden von Smartphones

Harman Kardon Esquire 2 Standfuss

Ständer auf der Rückseite

Harman Kardon Esquire 2 Rueckseite Seitlich2

Rückseite in der Übersicht

Vier Vollbereichslautsprecher mit 32 mm Durchmesser befinden sich unter der edlen Metallfront, und diese Chassis sind für die Reproduktion eines Frequenzbereichs von 75 Hz bis 20 kHz verantwortlich. Der Esquire 2 ist 190 mmm breit, nur 34 mm tief (sieht extrem gut aus) und 130 mm hoch. Auf der Rückseite befindet sich ein hochwertiger Fuß, wird dieser ausgeklappt, kann man, wie man es auf den Bildern sieht, den Esquire 2 hochklappen, dann strahlt er den Klang in idealer Position zum Zuhörer ab. 

Highlight soll die „VoiceLogic Echo- und Geräuschunterdrückung“ sein. Diese soll kristallklare Gespräche aus jedem Winkel aufnehmen, mit anderen Worten: Die integrierte Freisprecheinrichtung mit Qaud-Microphone-Technology ist überdurchschnittlich gut laut Hersteller. In der Praxis überzeugt

Akustisch brilliert der Esquire 2 über alle Maßen. Bei „Perfidia“ von Andrea Bocelli besticht die Detaillierung – unglaublich, gerade in dieser Disziplin sind Bluetooth-Speaker sonst höchstes durchschnittlich und sehr selten gut. Der Esquire führt hier die Konkurrenz knallhart vor, gerade in diesen Preisklassen: Er spielt schön frei auf im Hochtonbereich und lässt sogar Ansätze von Brillanz erkennen. Wie – bei einem Sekt würde man sagen „feinperlig“ – er wiedergibt, macht große Freude. Auch bei „Roma Nun Fa‘ La Stupida Stasera“ lässt er seine Talente aufblitzen. Lässig, lebendig, angenehm – diese drei Attribute beschreiben die klangliche Leistung sehr treffend. Das Klavier arbeitet der Esquire 2 präzise heraus, und auch die restlichen Instrumente wirken plastisch und feinfühlig – klar wird aber zu jedem Zeitpunkt Andreas Stimme fokussiert. Das italienische Flair des Songs wird vom Harman BT-Speaker so gekonnt erfasst, dass man kaum glauben mag, einen portablen Bluetooth-Lautsprecher vor sich zu haben. Einmal Andrea geht noch: „Cocorvado“ im Duett mit Nelly Furtado hören wir uns noch an. Schöne Bar-Musik für einen kuscheligen Abend in der gemütlichen Bar mit dem Lieblings-Drink: Auch das Saxophon sowie die Stimme von Nelly arbeitet der Esquire 2 akkurat heraus. Er eignet sich dank eines anspruchsvollen Klangprofils auch für Musikhörer mit Erfahrung, die einen passenden Begleiter für unterwegs suchen – also geht Harman hier den „Gentleman’s Way“ mit einem gleichermaßen kultivierten wie dynamischen Klang. 

Wie steht es mit der Präsentation von Songs aus den James Bond 007-Filmen? Wir starten hier mit „License To Kill“ von Gladys Knight durch und stellen fest: Ok, zaubern können die Harman-Ingenieure nicht. Der Bassbereich ist sehr gut für ein so kleines Device, aber hier scheinen schon Defizite durch. Es ist aber überragend, was Harman aus dem kleinen Gehäusevolumen herausholt, das muss klar gelobt werden. Dass man beim Tiefgang und auch beim Volumen keine Wunder erwarten darf,sollte aber ebenso deutlich gemacht werden. Sehr schön ist ein weiteres Mal die Detaillierung, auch die Loslösung der Stimme von der Box gelingt ausgezeichnet. Der Beginn von „You Only Live Twice“ von Nancy Sinatra führt ein weiteres Mal vor Augen, was den Esquire 2 auszeichnet: Diese Liebe zum Detail, diese feinfühlige, sehr plastische Gesamtwiedergabe. Der kleine BT-Speaker ist damit ein erwachsen klingender Alleinunterhalter, der wirklich großes Vergnügen bereitet. Bei „Skyfall“ enttäuscht die Performance des eleganten Aktivlautsprechers ebenfalls nicht: Das Piano zu Beginn wird überragend herausgearbeitet, die dynamischen Differenzen stellt der Esquire 2 erstaunlich deutlich heraus. Die Stimme von Adele wirkt gut strukturiert und nicht oberflächlich und „platt“, wie man es sonst des Öfteren hören muss. Bei diesem Song hat es uns erstaunt, wie prima der Bassbereich herauskommt, und wie gut dieser ins tonale Gesamtgeschehen integriert ist. 

Wie sieht es mit harten Club-Tracks aus? Wir wählen wir „Beat Real Loud“ von Brooklyn Bounce & Danceboy. Bei den kräftigen Bässen ist der Esquire 2 nicht in seinem Element. Er ist er der Typ für die feine, geschliffene Präsentation von Vocal-orientierten Songs und typischer, schöner Bar-Musik. Für Dacefloor-Eskapaden im weitesten Sinne zeichnet sich eher die „wilde Flotte“ von JBL verantwortlich. Hier fehlt es klar an Volumen und Nachdruck, wer denkt, eine höhere Lautstärke brächte die Lösung, sieht sich mit Verzerrungen konfrontiert. Also kein „Clubber“, sondern eher der Lautsprecher fürs Feine. 

Viel besser zurecht kommt der schicke Esquire 2 mit „Love Pains“ von Liza Minelli. Hier überzeugt uns die gelungene Stimmmwiedergabe, zu loben ist auch die sehr gelungene Feindynamik. Mit Verve und Schwung beginnt dann der Refrain – kurzum: Der Esquire Auch „West End Girls“, der große internationale Durchbruch von den Pet Shop Boys, kommt sehr gut heraus. Vor allem die klare, frische, aber nicht aggressiv-überspitzte Wiedergabe sorgen für große Zufriedenheit. Den lässigen Style des Liedes bekommt der Esquire 2 recht gut in den Griff, und die Stimmpräsentation punktet auch diesmal nahezu ohne Einschränkung. „St. Elmo’s Fire“ von John Parr bringt Schwung und Lebendigkeit bei der Wiedergabe der E-Gitarre mit. Auch die Stimme ist, wie wir es gewohnt sind, in tadelloser Form. Prima Räumlichkeit und saubere Durchzeichnung sorgen auch hier für Hörfreude. 

Konkurrenzvergleich: 
  • JBL Pulse 2: Man glaubt es kaum, aber auch der komplett entgegensetzte Pulse 2 ist ein Harman International Produkt – nur eben vom Brand JBL. Mit überragender Basswiedergabe und enormer Pegelfestigkeit steckt er den Esquire locker in die Tasche. Bei Feindynamik, Hochton-Brillanz und den „kleinen Zwischentönen“ dreht sich das Bild: Hier trumpft der Esquire 2 richtig auf und liefert eine sehr gelungene Vorstellung.
  • Teufel Bluetooth Bamster: Auch sehr schick, mit rund 130 EUR aber sehr viel günstiger, mit 2 x 3 Watt aber auch deutlich schwächer: Der Berliner Alu-Stab bietet für wenig Geld sehr viel. Mit klarer, lebendiger Akustik trifft er ebenso ins Schwarze – obwohl wir die weiße Version zum Test hatten -, wie mit der edlen Verarbeitung. Klar ist, dass der teurere Esquire noch edler auftritt und im Klang geschliffener sowie detailreicher agiert. 
  • Denon Envaya: Der mit 199 EUR eingepreiste Envaya liefert eine ausgesprochen gute klangliche Leistung ab. Auch er vertritt eher die kultivierte Schiene, hat aber mehr Punch im Bassbereich, was auf das größere Gehäuse zurück zu führen ist. Dafür löst der Esquire noch feiner auf, und die Verarbeitungs- und Materialqualität ist eine ganze Klasse höher als beim Envaya, der 10 Stunden Akkulaufzeit realisiert. Am Envaya können bis zu 3 Geräte gleichzeitig gekoppelt werden, eines mehr als beim Esquire 2.
  • Canton Musicbox XS: Die hessische IFA-Neuheit stößt in ein ähnliches Horn wie der esquire, realisiert dies nur mit eine rkomplett anderen Optik. Auch bei der sehr gut klingenden Musicbox XS steht eine edle Verarbeitung mit Diamantschliff an den Gehäusekanten im Mittelpunkt. Leider kann an der Musicbox XS im Gegensatz zum Esquire kein Smartphone aufgeladen werden, dafür aber tritt die Musicbox XS im Bassbereich vehementer an und offeriert die längere Akkulaufzeit. Auch, wenn die Musicbox XS sehr gut verarbeitet ist und eine hohe Materialgüte aufweist, kann nicht ganz der Standard des Esquire 2 gehalten werden, der mit seiner enormen Noblesse auch gut und gerne 300 EUR kosten könnte. 
Fazit

Harman Kardon Esquire 2 Front Seitlich1

Mit dem Esquire 2 gelingt Harman Kardon ein sehr individueller BT-Speaker, der sich bereits durch die überaus noble Optik vom sonstigen Teilnehmerfeld der Liga bis 250 EUR abgrenzt. Mit einer sehr guten Freisprecheinrichtung und den praktischen Abmessungen (sehr geringe Tiefe des Lautsprechers) setzt der Esquire 2 weitere Akzente. Akustisch präsentiert er sich als feiner, kultivierter akustischer Alleinunterhalter. Massive Beats und enorm kraftvolle Einsätze liegen ihm weniger. Dafür kokettiert er, untypisch für die Spezies portable BT-Lautsprecher, mit akkurater Feindynamik, klaren Höhen und tadellos strukturierter Stimmwiedergabe.

Der „Edelmann“ unter den Bluetooth-Lautsprechern: Optisch blendend in Form, überzeugt er mit feinsten Materialien und kultiviertem Klang
ueberragend
Bluetooth-Lautsprecher bis 250 EUR
Test 02. Oktober 2015

+ Extrem edle Optik
+ Perfekte Materialqualität
+ Gute Freisprecheinrichtung
+ Praktische Abmessungen
+ Kultivierter, feiner Klang

– Bassbereich fehlt es etwas an Fundament

Test: Carsten Rampacher
Fotos: Sven Wunderlich
Datum: 02. Oktober 2015 




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