TEST: Huawei Ascend G7 – 5,5 Zoll-Smartphone für unter 300 EUR

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Die chinesische Manufaktur attackiert weiter den Smartphone-Markt: Mit einem hochwertig ausgestatteten 5,5-Zoller geht Huawei unter 300 Euro auf Kundenfang. Der Praxistest zeigt, ob und wo gespart wurde.

Der große Gewinner im Smartphone-Ranking heißt weiterhin Huawei und lieferte zuletzt erneut äußerst beeindruckende Zahlen. Beispiel: Der chinesische Telekommunikationsriese steigerte von Q2/13 bis Q2/14 sein globales Liefervolumen um 95,1 Prozent (!), von 10,4 Millionen Smartphones auf 20,3 Millionen Mobiltelefone und hat so seine globale Marktposition auf Platz drei manifestiert. Samsung und Apple müssen im Gegenzug hingegen Marktanteile einbüßen. Ring frei für die Runde 2015!

Allein durch das mächtige Format hat dieser Chinese eine beeindruckende Präsenz – dem 5.5 Zoll großen Display sei Dank. Allerdings wird die Frontseite nicht allzu üppig durch den Touchscreen ausgefüllt, denn ober- und unterhalb ist noch reichlich Platz – und das obwohl sich keinerlei physische Tasten auf der Frontseite befinden.

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Seitliche Ansicht des Ascend G7

Der wahlweise weiße oder schwarze Korpus bietet die obligatorischen optischen Finessen: starke Rundungen, gepaart mit einem silberfarbigen Rahmen und Rückseite. Im Gegensatz zu den meisten Smartphones wurde allerdings nicht am Material gespart, denn alles was silbern schimmert ist tatsächlich gebürstetes Aluminium. Das erhöht sowohl die Qualität als auch Robustheit und ist in dieser Preisklasse eher die Ausnahme.

Insgesamt ist die Verarbeitungsqualität gut bis sehr gut, denn  bei Detailfragen gibt es Anlass zur dezenten Kritik. So ist eine kleine Spaltmasse auf der Rückseite zwischen Rahmen und der Plastikabdeckung erkennbar und die Glasschicht über dem Display reagiert verstimmt auf stärkerem Fingerdruck.

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Rückseite

Das Display selbst macht auf den ersten Blick einen guten Eindruck: Ordentlich hell, farbintensiv und brillant. Sicherlich keine Konkurrenz zu Topmodellen der OLED-Fraktion, aber damit kann man gut damit leben. Ein Blick in das Datenblatt offenbart dann aber doch eine klare Schwäche: Statt FullHD liegt die Auflösung bei „nur“ 1.280 x 720 Pixel. Das fällt im normalen Alltag zwar nicht auf, doch wer hochauflösende Clips sehen möchte oder auf die Schriftzeichen achtet und den direkten Vergleich kennt, wird es merken. Das ist leider nicht der einzige Punkt, wo die Macher den Rotstift angesetzt haben. Doch dazu später mehr.

Großes Display für vergleichsweise wenig Geld – musste daher am Komfort gespart werden? Ein erster Blick in das Datenblatt lässt keine klaffende Lücke erkennen, denn alle inoffiziellen Standards sind an Bord. Hervorstechend ist vor allem das flotte LTE-CAT-4-Modul, welches eine Download-Geschwindigkeit von bis zu 150 MBit/s ermöglichen soll – zumindest unter Laborbedingungen. Außerdem kann der Chinese ab Werk Datenberge von bis zu 16 GB bergen, wobei es in der Praxis aber „nur“ noch rund 11 GB sind. Im Zusammenspiel mit bis zu 32 GB per microSD ist im Bereich Speicherplatz somit alles im Lot – in dieser Preisklasse alles andere als selbstverständlich!

Huawei Ascend G7 Foto

Aufnahme bei Dunkelheit

Auch eine 13-Megapixel-Kamera ist in der „Unter-300-Euro“-Klasse eher die Ausnahme, wobei der Knipser jedoch qualitativ nicht in der ersten Reihe steht. Ungewöhnlich: Während die Kamera bei  Schwachlicht durch eine gute Lichtempfindlichkeit glänzt, arbeitet sie bei Tageslicht nicht immer sauber, was sich durch eine mäßige Farbtreue und Unschärfen am Bildrand äußert. Ein Multimedia-Spezialist ist das Ascend G7 somit nicht gerade, zumal  die Camcorder-Auflösung bei nur 720 x 1.280 Pixeln liegt und auch kein TV-Ausgang möglich ist. Das sind aber so ziemlich die einzigen nennenswerten Ausstattungsschwächen, wobei es auf der anderen Seite auch keinerlei besondere Schmankerl gibt – das lies offenbar der knallhart kalkulierte Preis nicht zu

Das Bedienungskonzept wartet durchaus mit Überraschungsmomenten auf, denn die neue Nutzeroberfläche EMUI 3.0 bietet einige Neuheiten – zumindest, wenn man kein eingefleischter iPhone-User ist, denn einige Features wurden nahezu 1:1 aus dem Apple-Lager übernommen. Dazu gehört eine Schnellstarttaste, mit der man auch aus dem Sperrbildschirm auf ein paar Funktionen, wie Kamera oder Taschenlampe Zugriff hat – absolut sinnvoll. Auch die neue Suchfunktion erinnert stark an das iOS Spotlight.

Darüber hinaus gibt es neben den bekannten Standards ein paar nützliche Finessen. Wischt der Nutzer beispielsweise von der Mitte des Displays aus nach unten, aktiviert man eine Suchfunktion, durch die man eine Übersicht über alle installierten Apps behält und die zuletzt genutzt Anwendungen.

Gut gelungen sind ferner alle physischen Tasten, da sie alle einen klaren Druckpunkt aufweisen. Schade nur, dass es keine Kamerataste gibt.

Huawei Ascend G7 Screen

Das Smartphone läuft unter Android OS 4.4.4

Rein optisch scheint Android 5.0 bereits vorinstalliert zu sein, doch da haben die Entwickler einfach nur frech geschummelt, denn in Wahrheit arbeitet es „nur“ mit der Version 4.4.4. Insbesondere die untere Menüleiste ist sogar eine exakte Kopie von 5.0 Lollipop.

Ebenfalls lobenswert ist, dass das die Startbildschirme des Ascend G7 ab Werk bereits sinnvoll mit Apps und Widgets bestückt sind, sodass man schnell loslegen kann.

Trotz des moderaten Preises bietet das Innenleben ein zeitgemäße Technik, denn der aktuelle Qualcomm Snapdragon 410 mit 1,2-GHz-Taktung und 2 GB Arbeitsspeicher sind ein bewährter Motor. Da offensichtlich auch das Zusammenspiel mit der Software gut funktioniert  muckt der Chinese im Alltag nicht und das Zocken von aufwändigen 3D-Games stellt das Ascend G7 auch vor keinen größeren Problemen.

Noch zufriedener ist der Tester über die Akkuleistung, denn in mehreren Testzyklen erreicht das Smartphone mit dem üppigen Display stets eine Rufbereitschaft von rund fünf Tagen – allerdings ohne ausschweigende Online-Sessions. Selbst fleißige Facebook-Nutzer dürfen sich über ein gutes Stehvermögen freuen, sodass das Netzteil nicht zum Wochenendgepäck gehören muss.

Weniger überzeugend ist die Sprachqualität, denn bei Telefonaten kann man zu keinem Zeitpunkt von einem Festnetz-Niveau sprechen. Hinzukommen gelegentliche Nebengeräusche. Unter dem Strich liegt die Qualität noch im breiten Mittelfeld. Das kann man über den Freisprecher leider nicht sagen, denn sobald man lauter stellt, fängt es an zu dröhnen und zu scheppern. Das Gleiche gilt auch für die Soundwiedergabe, was vor allem daran liegt, dass der rückseitige Mono-Lautsprecher nur für höhere Frequenzen ausgelegt ist. Ganz klar: An dieser Stelle haben die Macher gespart.

Fazit

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Huawei hat das Rad sicherlich nicht neu erfunden, was im Smartphone-Bereich ohnehin kaum möglich ist, aber mit dem G7 zumindest eine neue preisliche Messlatte in der anspruchsvolleren Phablet-Klasse gesetzt. Einen 5,5-Zoller mit schnellen LTE-Funk und Allrounder-Qualitäten gibt es für einen Amazonpreis von ca. 269 Euro derzeit bei keinem Mitbewerber. Der Chinese bietet zudem ein schlüssiges Bedienungskonzept und eine gute Akkuleistung. Zusammen mit dem schicken, optischen Auftritt wird schnell klar, warum Huawei derzeit auf der Überholspur ist. Für Fans großer Smartphone mit schmaleren Geldbeutel eine klare Kaufempfehlung.

Großer Chinakracher zum Kampfpreis
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Mobiltelefone
29.01.2015

 

+ Lange Rufbereitschaft
+ Gutes Preis/Ausstattungsverhältnis
+ Rundes Bedienungskonzept

– Keine FullHD-Auflösung
– Unhandlich
– Mäßige Kameraqualität

 

Test: Ulf Schneider
Datum: 29.01.2015




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