TEST: HTC Desire EYE – Phablet mit Luxus-Frontkamera

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Groß, peppig und üppig ausgestattet: Die Oberklasse der Taiwaner bekommt Zuwachs, was dank luxuriösem Kamerapaket vor allem Freunde der Selfie-Fraktion erfreuen dürfte.

HTCs Entwicklung ist schon interessant: Von einer noch namenslosen Smartphone-Manufaktur für diverse Netzbetreiber, über reine Business-Mobiltelefone bis hin zum Vollsortimenter war alles dabei – und mit der One-Serie haben die Taiwaner sogar ein weltweit hoch angesehenes Smartphone entwickelt, auf dem  HTC nun aufbauen möchte. Das Desire EYE ist dabei zwar recht preisintensiv, doch richtet sich optisch und vom Ausstattungspaket klar an die „Handy-Hippster“.

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Seitliche Ansicht

Auffällig ist neben der staatlichen Größe vor allem das peppige Farbkonzept. Das Testgerät ist Weiß mit einer orangenfarbigen Umrandung. Das ist Mal eine willkommene Abwechslung zu den ewigen reinen Schwarz/Weiß-Modellen.

Das Display nutzt die Frontseite zumindest in der Breite optimal aus. Nur oberhalb des Touchscreens nimmt das auffallend große Objektiv mit dem LED-Blitz ungewohnt viel Platz ein – und das aus gutem Grund, doch dazu später mehr.

Der Korpus besteht zwar nur aus Plastik, wobei aber die Verarbeitungsqualität sehr gut geraten ist. Kein Wunder, denn das Desire Eye ist das erste Smartphone von HTC mit einer IP67-Zertifizierung. Der Akkublock ist daher auch fest verbaut und die Slots für die NanoSIM-Karte und microSD sicher verschlossen. Zumindest kurze Unterwasser-Phasen übersteht das Desire EYE somit ohne Probleme. Auch das Glas über dem Display liefert einen sehr guten Schutz gegenüber unschönen schwarzen Druckstellen.

Der 5,2 Zoll große Full-HD-Touchscreen leuchtet auffallend hell, liefert ein präzises Schriftbild und eine gute Brillanz.  Für die höhere Preisklasse ist das Display somit ein würdiger Vertreter.

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Rückseite

Kommen wir gleich zum interessanten Punkt: Das HTC Desire EYE hat zwei Kameras eingebaut, die auf dem ersten Blick identisch scheinen, da beide Knipser bis zu 13 Megapixel liefern – das ist schon einmal eine klare Ansage an alle Mitbewerber, denn etwas vergleichbares gibt es derzeit auf dem Smartphone-Markt nicht. Hinzukommt, dass auch die Frontkamera zahlreiche Optionen bietet und von einem Doppel-LED-Blitz unterstützt wird. Und nicht nur das: HTC war so clever, die beiden Kameras auf die individuellen Bedürfnisse abzustimmen. So hat die Frontkamera mit 22mm eine größere Weitwinkel-Brennweite, was für die Selfie-Faktion durchaus wichtig ist. Praktisch ist ferner, dass man Fotos auch per Sprachbefehl auslösen kann, sodass der Arm ganz ausgestreckt bleibt. Die Qualität ist entsprechend gut und aktuell die ungefährdete Referenz unter den Frontkameras – da müssen die Mitbewerber erst einmal nachziehen.

HTC Desire EYE Foto

Foto mit Hell/Dunkel-Kontrast

Die rückseitige Kamera punktet dafür mit einer besseren Lichtempfindlichkeit, um auch abends und bei weiteren Distanzen noch vernünftige Ergebnisse zu liefern. Unter dem Strich ist die Qualität vor allem bei Tageslicht gut bis sehr gut, wobei aber das iPhone 6 oder Samsung Galaxy S5 die besseren Allrounder sind, denn bei Kneipenlicht setzen Unschärfe und Bildrauschen schnell ein. Dennoch: Als Gesamtpaket mit dem FullHD-Camcorder bietet das HTC Desire EYE aktuell etwas Einzigartiges auf dem Markt.

Weniger einzigartig ist das rechtliche Komfortpaket ausgestellt, denn der Fernöstler bietet alle Standards der gehobenen Komfortklasse. Weitere Besonderheiten, wie ein Fingerscanner, Infrarotschnittstelle oder Pulsmesser stehen allerdings nicht auf der Haben-Seite. Dafür aber glücklicherweise ein microSD-Slot für Speicherkarten mit bis zu 128 GB. Gut so, denn von den internen 16 GB sind bereits rund 7 GB verbraucht und die Bereiche Fotos, Filme und Musik schlucken bekanntlich viel Speicherplatz. Apropos Musik: Der Musik-Player hat leider nur eine Voreinstellung und keine weiteren Equalizer-Presets.

HTC Desire EYE Startbildschirm

Nutzeroberfläche

Noch kein Android-System 5.0, dafür aber das aktuelle 4.4.4 plus die Benutzeroberfläche HTC Sense 6. Dieses Tandem hat bereits beim einigen anderen Smartphone-Modellen für eine reibungslose Handhabung und zahlreiche Personalisierungsmöglichkeiten gesorgt.
Zu den sinnvollen Ergänzungen gehört wieder Blinkfeed, bei dem News aus allen Kanälen (Online, Social Media und Multimedia) plakativ zusammengeführt werden – Samsung hat das nicht ohne Grund frech kopiert.

Aus dem Standby-Modus kann man zudem gezielt eine Funktion direkt aufrufen, um abzukürzen – auch sehr praktisch. Im Schlafmodus gibt es zwar keinerlei grafischen Infos, ob man beispielsweise einen Anrufer verpasst hat, dafür aber immerhin eine verschiedenfarbige LED-Anzeige. Apropos Standby-Modus: Auf der rechten Seite liegt ein recht kleiner An/Aus-Schalter, der immerhin einen prägnanten Druckpunkt aufweist. Wer nicht mit dem Finger suchen möchte kann auch einfach zweifach auf das Display tippen, um den Tiefschlaf zu beenden – klappt allerdings nicht immer auf Anhieb.

Apps, Short Cut Menüs und Widgets sorgen für die üblichen Personalisierungsmöglichkeiten, und gerade in der letzten Disziplin werden viele Icons angeboten, unter anderem auch ein Twitter-Status. Unverständlicherweise besteht aber keinerlei Möglichkeiten, einen direkten Einzelkontakt als Widget auf dem zentralen Startbildschirm festzulegen, sodass man stets das Telefonie-Menü aufrufen muss – ein völlig unnötiger Fauxpas!

Unter dem Strich überzeugt der Bedienungskomfort dennoch durch viele Möglichkeiten und ein reibungsloses Arbeitstempo. Schon zudem, dass es eine physische Kamerataste gibt, um Wackler beim Fotografieren zu vermeiden.

 HTC Desire EYE BlinkFeed

HTC BlinkFeed

In dieser Preisklasse muss Anno 2014 viel CPU-Power geboten werden, was auch der Fall ist. Der Snapdragon 801 mit 2,3 GHz ist eine bewährte Kraft, die mit 2 GByte RAM tatkräftig unterstützt wird. Da das Zusammenspiel mit der Software auch harmoniert empfiehlt sich das Android-Smartphone auch für höhere Aufgaben. Im Praxistest gab es jedenfalls keinerlei Reibereien und auch aufwändige 3D-Games liefen flüssig.
Auch der (leider fest verbaute) Akkublock leistet einen guten Job, denn in mehreren Testzyklen war eine Rufbereitschaft im reinen Telefoniebetrieb von fünf Tagen kein Problem. Und selbst bei höherem Multimedia-Einsatz bleibt das HTC Desire EYE zwei bis drei Tage nonstop auf Empfang. Wichtig allerdings: Beim Erstbetrieb besser die Grundeinstellungen überprüfen, denn hier liegen einige Optimierungsmaßnahmen bereit – automatische Lichtregulierung zum Beispiel.

Sprachqualität ist bei Smartphones eigentlich dauerhaft ein eher negatives Thema, aber dieser Fernöstler weist endlich einmal eine gute Qualität auf. Teilweise kamen sogar Verbindungen zustande, bei denen man angesichts der Präsenz der Stimme sogar fast von Festnetz-Niveau sprechen kann. Was auffällt: Die Lautstärke liegt auf so hohem Niveau, dass man den Funker regelrecht zügeln muss.

Das macht sich auch beim Freisprecher bemerkbar, da es bei hoher Lautstärke schnell mal scheppert. Ansonsten ist aber das Klangbild über die dezenten Stereo-Frontlautsprecher beachtlich klar und luftig – zumindest wenn um den Höhenbereich geht. Kleiner Kritikpunkt: Die installierten Klingeltöne sind größtenteils langweilig und unmelodisch.

Fazit

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Die Idee ist naheliegend: Großes Display, trendige Gehäuse-Farbkombinationen und eine 13-Megapixel-Frontkamera mit vielen Möglichkeiten für Luxus-Selfies – fertig ist ein Smartphone mit einem Alleinstellungsmerkmal für eine große Zielgruppe. Der Straßenpreis von über 500 Euro ist allerdings für die anvisierte Zielgruppe recht happig, zumal chinesische Hand-Manufakturen vergleichbare Modelle  wie das Huawei Ascend P7 rund die Hälfte kosten. Technisch kann man dem Taiwaner allerdings nichts ankreiden und bei Ausstattung gibt es auch keine Mängel. Der Tester ist allerdings von der fehlenden Möglichkeit, einen Direktkontakt als Widget festzulegen, schlichtweg genervt. Ist das wirklich so schwer HTC?

Technisch blitzblankes Phablet mit Luxus-Frontkamera
sehrgut
Mobiltelefone
22.12.2014

+ Gute Sprachqualität
+ IP67-Zertifizierung
+ Hochwertige Frontkamera

– Akkublock fest verbaut
– Hoher Preis
– Kleiner An/Aus-Schalter

 

Test: Ulf Schneider
Datum: 22.12.2014




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