TEST: Canton C 500 Aktiv Set mit Dolby Digital/dts-Decoder – Kraft und Klangkultur für 1.200 EUR?

Canton-C-500-Aktiv-Gruppenbild

Aktiv zu sein, liegt klar im Trend. Nein, wir meinen nicht das Ausüben einer Sportart, sondern eher, dass immer mehr Lautsprecher-Hersteller aktive Schallwandler in ihr Produktporfolio aufzunehmen. Auch Canton erweitert sein Sortiment in diese Richtung und liefert für 1.200 EUR Paarpreis ein umfangreich ausgestattetes Master/Slave-Boxenpaket namens C 500 Aktiv aus, das wahlweise in Esche Vinyl Dekor Schwarz oder in Vinyl Dekor Weiß erhältlich ist.

Canton-C-500-Aktiv-Systemanschluss

Systemanschluss

Verbunden werden die beiden Boxen durch ein dickes XLR-Kabel. Sogar Decoder für dts Digital Surround und Dolby Digital fehlen nicht. Damit begibt sich das Canton-System in direkte Konkurrenz zu den Teufel Ultima 40 Aktiv, die mit knapp 800 EUR aber deutlich preiswerter sind. Wie auch bei den Ultima 40 Aktiv fehlt ein USB-DAC bei Canton, dafür gibt es Bluetooth 3.0 mit aptX und drei HDMI-Eingänge (mit 3D, 4K – aber, wie sich später zeigen wird, leider ohne HDCP 2.2-Unterstützung) und einen HDMI-Ausgang (mit ARC). Nicht so gut ist ferner, dass die HDMI-Slots hinten als „HD1“, „HD2“ und „HD3“ bezeichnet werden, wechselt man mit der Fernbedienung die Quellen, erscheinen jedoch andere Abkürzungen im grob auflösenden tiefblauen Display unten auf der Vorderseite der Master-Box.

Canton-C-500-Aktiv-Master-Anschluesse

Anschlusssektion

Weiter finden sich optischer und koaxialer Digitaleingang, ein Cinch-Analogeingang und ein Subwoofer Pre-Out. Integriert in die Masterbox ist ein blaues Display mit bescheidener Auflösung, zudem bietet das Canton-System eine Bass- und Höhenregelung. Hochwertig und edel ist die uns bestens bekannte mitgelieferte Fernbedienung. 

Canton-C-500-Aktiv-Fernbedienung

Hochwertige Fernbedienung

Canton-C-500-Aktiv-Master-Display

Display

Die Lautstärkeregelung über die im Lieferumfang enthaltene hochwertige Fernbedienung erfolgt in recht kleinen Schritten. Für die virtuelle Surroundwiedergabe setzt Canton auf dts TruSurround, die Resultate, wie sich später zeigen wird, sind so gut, dass wir sogar meistens den Surround-Modus dem weniger intensiv klingenden Stereo-Modus vorziehen.

Canton-C-500-Aktiv-Mitteltoener

Mitteltöner

Canton-C-500-Aktiv-Tieftoener

Sehr leistungsfähige Tieftöner, hier einer davon

Die beiden 180 mm Tieftöner mit Titanium-Membran bieten viel Reserven, der Übergang zum 180 mm Mitteltöner, ebenfalls mit Titanium-Membran, erfolgt praktisch völlig nahtlos.

Canton-C-500-Aktiv-Hochtoener

Hochtöner

Das C 500 Aktivlautsprechersystem überträgt Frequenzen von 22 Hz bis 30 kHz, der 25 mm Hochtöner mit Aluminium-Mangan-Membran bietet eine sehr gute Auflösung, klingt aber gleichzeitig nicht zu schrill oder aggressiv. Sicher, im Hochtonbereich herrscht, auch bei „Katchi“ von Ofenbach, eine gewisse Frische vor, aber selbst bei hohem Pegel bleiben die C 500 im „sicheren“ Bereich. Dank der kraftvollen 300 Watt Systemleistung kann man auch größere Hörraume um die 25 Quadratmeter sehr gut beschallen. Die Membrane lenken auch bei kräftigen Lautstärken noch linear aus, es treten kaum Verzerrungen oder Dynamik-Einbrüche auf. Die Bassreflex-Öffnung der C 500 ist nach unten gerichtet. Unter dem Lautsprecher befindet sich einen Standfuß-Konstruktion, die dafür sorgt, dass der Abstand zum Boden passt. Die Verarbeitung ist gut, die C 500 Lautsprecher sehen klassisch aus und bringen noch eine separate Schallwand mit. Freude einer höchst modernen Optik sollen hier offensichtlich weniger angesprochen werden. Wer die 80er/90er Jahre „Standbox Klassik“ liebt, kommt aber auf seine Kosten. 

Klang

Da das C 500 Aktiv Set einen Decoder für Dolby Digital und dts eingebaut hat, überprüfen wir, ob man das Lautsprecher-Paar erfolgreich für die Filmwiedergabe einsetzen kann. Wir legen die 007-Blu-ray „Ein Quantum Trost“ ein und lauschen dem Film von Beginn an. Mit solidem Tiefgang werden die ersten Sekunden präsentiert, als die Kamera auf die Verfolgungsjagd am Gardasee zoomt. Der dynamische Sprung, der dann folgt, wird impulstreu verarbeitet. Das Hochdrehen der Motoren und das Feuer aus den automatischen Waffen kommt sehr treffend heraus. Der Hochtonbereich bleibt „auf der sicheren Seite“, er ist gut durchhörbar, aber nicht extrem brillant. Dafür kann man auch enorme Pegel hören, ohne dass das Klangbild ins Aggressive abdriftet. Der Music Score wird stimmig eingearbeitet, und auch etwas weniger imposante Effekte wie die Sirene des Land Rovers der Carabinieri wird noch prima dargestellt. Die massiven Auto-Unfälle geben die C 500 mit enormer Wucht und gutem Effektaufbau wieder. 

Können die C 500 auch Signale einer Ultra HD Blu-ray durchschleifen? Dies checken wir bei „San Andreas“. Und wir müssen leider die Nachricht geben, dass die C 500 kein HDCD 2.2 unterstützt. Demnach kann zwar 4K Material ohne HDCP 2.2 wiedergegeben werden, aber nicht der Inhalt einer Ultra HD Blu-ray. Das empfinden wir als etwas schade, da das Canton Set ja 3 HDMI-Eingänge hat, so würde es sich anbieten, auch einen Ultra HD Blu-ray-Player anzuschließen. Wer Ultra HD-BD-Inhalte genießen möchte, dem bleibt somit nur ein Weg: Player direkt an den TV und das C 500 System per HDMI-ARC an den TV anschließen.

Nun hören wir zu – überzeugt die C 500 bei „San Andreas“, den wir nun in 1.080p aus dem Player leiten, akustisch erneut? Der Music Score wird mit sehr guter räumlicher Weite wiedergegeben, auch, als die junge Dame durch die bergige Landschaft fährt und Radio hört. Plötzlich dann wird es massiv hinsichtlich der Effektgewalt: Gesteinsmassen prasseln auf den Subaru nieder, Glasscheiben bersten. Das Canton C 500 Aktiv Set behält stets den Überblick und sichert einen nachdrücklichen Effektaufbau auch bei höheren Pegeln. Nun befinden wir uns, nach dem turbulenten Auftakt, an Bord des Helikopters von Ray Garnes und seinem Team. Eine TV-Reporterin nebst Kameramann ist gerade vor Ort, um Garnes bezüglich seiner Tätigkeit zu interviewen, als dann der Einsatzbefehl kommt und der Hubschrauber sofort zur verunglückten jungen Dame in der Schlucht fliegt. Die Fluggeräusche des Helikopters kommen präzise heraus, auch die Dialoge im Inneren des Fluggerätes. Die dramatische Rettungsaktion, als die junge Dame aus ihrem zerstörten Fahrzeug befreit wird, setzt das Paar C 500 mit Nachdruck und gut herausgearbeiteter räumlicher Tiefe um. Dialoge ertönen klar und präsentieren sich als fließend ins tonale Gesamtgeschehen eingearbeitet. 

In Dolby Digital hören wir nun Paul Kalkbrenners „Altes Karmuffel“. Der an Bord befindliche Virtual Surround Algorithmus, ironischerweise von dts, leistet wiederum tadellose Arbeit. Und der Bassbereich begeistert: Mit viel tieffrequenter Energie kommt das „Alte Karmuffel“ in den Hörraum. Die Beifallsbekundungen der Fans könnten noch prägnanter eingearbeitet werden, sie verbleiben in etwas zu großer Distanz. Der Klang ist auch bei höherer Lautstärke sauber, ein Anschlagen der Membrane ist nicht zu bemerken. Die elektronischen Effekte werden bis weit in den Hörraum befördert – eine ausgezeichnete Gesamt-Performance. 

Weiter geht es mit „The Sun Always Shines On TV“ der norwegischen Pop-Ikonen von a-ha. Abgemischt in dts-HD Master Audio, decodieren die C 500 den „Core Bitstream“ in dts 5.1. Kann das hessische Boxen-Set hier punkten? Der Track baut sich direkt zu Beginn langsam auf. Die Fans feiern ihre Idole schon lautstark, bevor der Song startet. Immer wieder wird ein Effekte hinzugefügt, so baut sich die Klangkulisse langsam auf. Dieses Projekt wird vom C 500 Aktiv-Set erneut mit sehr guter Impulstreue umgesetzt. Lebendig auch im Detail, und stets angenehm ausgelegt – so macht Hören Spaß. Die zahlreichen dynamischen Unterschiede kommen überragend heraus, und die Boxen schaffen es von Beginn an, eine dichte Hör-Atmosphäre aufzubauen. Heraus ragt ein weiteres Mal der kraftvolle, straff abgestimmte Bassbereich, der auch bei kleinen Bass-Impulsen gefallen kann. 

Wie schon erwähnt, ziehen wir den virtuellen Surround-Modus dem Stereo-Hörmodus vor. Auch Material, das in Stereo vorliegt, kann mittels des virtuellen dts TruSurround-Modus sehr gelungen „aufgepeppt“ werden. Da macht „How Deep Is Your Love“ des Kult-DJs Calvin Harris richtig Spaß, zumal die Canton-Boxen hier erneut mit ihrem hervorragenden Tiefgang punkten können. Im Hochtonbereich bei den Blu-ray-Hörbeispielen immer eher minimal bedeckt,  herrscht bei „Katchi“ von Ofenbach (Material in CD-Qualität in Stereo von USB) eine gewisse Frische vor, die aber selbst bei hohem Pegel nicht ins Aggressive abdriften.

Generell erscheint die Surround-Betriebsart auch bei den anderen Hörbeispielen als lebendiger, atmosphärisch dichter und keinesfalls deutlich unpräziser als der Stereo-Modus.  Das Plus an Räumlichkeit wird realistisch verdeutlicht, unpassender Hall ist nicht wahrzunehmen. Zudem gibt es kaum einen Präzisionsverlust. Im direkten Hörvergleich klingt der Stereomodus dumpfer, der Klang „klebt“ mehr an den Boxen. 

Konkurrenzvergleich

Teufel_Ultima_40_Aktiv_front_offen_geschlossen

Die Teufel Ultima 40 Aktiv aus dem Hause Teufel verfolgt ein ähnliches Konzept wie das Canton C 500 Aktiv-Set. Auch hier gibt es eine Master- und eine Slave-Box sowie HDMI-Beschaltung (ohne HDCP 2.2 – leider auch hier) und Dolby Digital- sowie dts-Decoder. Ebenso wie bei Canton fehlt ein USB-DAC. Bluetooth ist bei beiden Konkurrenten an Bord. Aktuell (13. November 2017) wird die Teufel um 100 EUR unter der eigentlichen Preisempfehlung für knapp 700 EUR angeboten. Klanglich ist das Ultima 40 Aktiv-Paar ordentlich, aber nicht so ausgewogen und enorm bassstark wie das auch merklich teurere Canton Aktivboxen-Paar. Für nicht einmal 700 EUR sind die Ultima 40 Aktiv daher sehr empfehlenswert, wer mehr Druck und Klarheit wünscht, greift zum C 500 Aktiv-Set. 

Dali Zensor 5 AX Gruppenbild2

999 EUR kostet das Dali Zensor AX 5 Master-/Slave-Boxenset. Nicht zuviel für einen höchst ausgewogenen, homogenen Klang. Die Zensor 5 AX sieht gut aus, ist von der Verarbeitungs- und Materialqualität mit dem C 500 Aktiv-Set zu vergleichen. Decoder für dts und Dolby Digital sowie HDMI-Beschaltung fehlen bei den dänischen „Aktivisten“ – die uns klanglich durch den leicht warmen, trotzdem im Hochtonbereich sehr klaren Sound immer noch enorm gut gefallen. 

nubert_nupro_a500_front_einzeln

Das „Maß aller Dinge“ aus dem Schwabenland: Die Nubert nuPro A-500 kommt zwar auf 895 EUR/Stück und somit auf fast 1.800 EUR als Paar, dafür gibt es auch zwei reinrassige, sehr belastbare Aktivboxen – also zwei „Master“. Die Verarbeitung ist exzellent, optional kann man Bluetooth und Wireless-Funk-Module dazu kaufen. Präzise, gewaltig, nachdrücklich: Obwohl die nuPro A-500 sehr schlank geraten ist, bietet sie großartige Reserven im Bassbereich. Hinzu kommt, dass sich die A-500 auch im Designer-Wohnzimmer hervorragend macht. 

Fazit

Canton-C-500-Aktiv-Gruppenbild

Das Canton C 500 Aktiv-Set überzeugt uns aus klanglicher Sicht. Kraftvoller Bass, sehr gute Pegelfestigkeit sowie ein überragender virtueller Surround-Aufpolierer zeichnen die optisch klassisch gehaltenen 3-Wege-Boxen, die nach dem Master-Slave-Prinzip arbeiten, aus. Fpr Musik und Filmton eignet sich das C 500 Aktiv-Set gleichermaßen gut und erfüllt auch gehobene Ansprüche. Erfreulich, dass ein Dolby Digital- und dts-Decoder vorhanden sind, ebenso gut gefallen uns die drei HDMI-Eingänge und der HDMI-Ausgang mit ARC. Kritikpunkt ist aber, dass zwar 4K-Signale durchgeleitet werden können – leider aber fehlt die Unterstützung für HDCP 2.2. Hier sollte Canton nachbessern, denn um Ultra HD-Zeitalter sollte jedes HDMI-Terminal eines aktuellen Produkts HDCP 2.2 zumindest an einem Eingang und am Ausgang unterstützen. Die Verarbeitung des C 500 Aktiv-Sets ist solide, die Materialanmutung ist guter Durchschnitt. Die mitgelieferte Fernbedienung präsentiert sich äußerst hochwertig. 

Leistungsstarkes Master-/Slave-Boxenpaar mit kraftvollem Bass und einem hohen Maß an Räumlichkeit
ueberragend
Aktivboxen Mittelklasse
Test 15. November 2017

Test: Carsten Rampacher
Bilder: Sven Wunderlich
Datum: 15. November 2017




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