TEST: Auna AV2-CD508BT – HiFi-Performance unter 100 EUR?

Auna AVR-CD508-BT Front Seitlich3

Hohe Performance zum kleinen Preis! Diesen Leitsatz hat sich der Unterhaltungselektronik-Hersteller Auna, eine Eigenmarke des Berliner Versenders Electronic-Star, auf die Fahnen geschrieben. HiFi-Einsteiger mit schmalem Geldbeutel sollen bei der Wahl des Auna-Sortiments auf hohe Audio-Performance und eine solide Verarbeitung, aber auch moderne und sinnvoll integrierte Multimedia-Features treffen.

Unser aktuelles Testgerät möchte all diesen Ansprüchen gerecht werden und kommt daher im Vollmetallgehäuse und mit Bluetooth-Funktion zu aktuellen Preisen von gerade einmal 99 EUR daher. Wie sich der AV2-CD508BT im Praxisbetrieb schlägt, lesen Sie im folgenden Testbericht.

Auna AVR-CD508-BT Bedienelemente Front5

Power-Button & IR-Sensor

Auna AVR-CD508-BT Bedienelemente Front4

Mittig platzierter Lautstärkeregler

Auna AVR-CD508-BT Verarbeitung

Solide Materialqualität

Auna AVR-CD508-BT Front Seitlich3

Gesamtansicht

Der Auna Stereo-Verstärker tritt mit Metallgehäuse und gebürsteter Frontblende aus Edelstahl überhaupt nicht wie ein Gerät der Preisklasse unter 100 EUR auf. Die Frontblende steht an den Seiten etwas über dem Gehäuse, das ist aber gewollt und trägt zur massiv wirkenden Optik der Geräte-Front bei. Mittig im Gehäuse ist der Lautstärkeregler platziert, der ebenfalls recht gut im Gehäuse sitzt und nur einen geringfügig unsauberen Lauf aufweist. Eine kleine blaue LED auf dem Lautstärkeregler markiert die aktuelle Position. Links des Lautstärke-Drehreglers befindet sich eine großgügige Aussparung für den IR-Sensor.

Auch die übrigen Drehregler an der Vorderseite des Gerätes sind sauber integriert, lediglich der Balance-Regler verursacht leichte Laufgeräusche. Bei der Verarbeitung im Detail fallen natürlich ein paar Unzulänglichkeiten auf. So sitzt der Standby-Button nicht akkurat gerade im Gehäuse und auch die Drucktasten über den Drehreglern rechts bieten etwas zuviel Spiel. Auch die einzelnen Materialübergänge sind nicht immer ganz optimal. Insgesamt bietet der Auna Verstärker aber bezogen auf seine Preisklasse eine überdurchschnittlich solide Verarbeitungs- und Materialqualität. Die Bluetooth-Taste über dem Kopfhöreranschluss hebt sich durch eine leicht exponierte Position von den übrigen Tasten ab.

Auna AVR-CD508-BT Bedienelemente Front2

Stationäre Bedienelemente, u.a. Quellenwahl

Auna AVR-CD508-BT Rueckseite Seitlich3

Rückseite AV2-CD508BT

Auna AVR-CD508-BT Anschluesse Seitlich2

Anschluss-Sektion

Die Rückseite des Auna-Gerätes muss sich keinesfalls verstecken. Das Metallgehäuse ist solide verschraubt und weist auch hier keine überstehenden Kanten oder scharfe Grate auf. An Anschlüssen stehen Lautsprecher-Schraubanschlüsse aus Kunststoff sowie drei analoge Stereo-Cinch-Eingänge und ein Ausgang zur Verfügung. Die Anschlüsse sitzen fest und sind präzise in den vorgesehenen Aussparungen einmontiert. Das Stromkabel ist direkt am Gehäuse untergebracht, ein einfacher Austausch ist also ohne weiteres nicht möglich. Daneben sitzt, sehr praktisch, ein dedizierter Power-Schalter, der das Gerät bei Bedarf komplett vom Netz trennt.

Auna AVR-CD508-BT Innenleben Gesamt1

Gesamtansicht Innenleben

Auna AVR-CD508-BT Fernbedienung2

Beiliegende Fernbedienung

Im Inneren des Verstärkers im 42cm Rastermaß geht es relativ übersichtlich zu. Passive Kühlkörper sorgen in Kombination mit den Lüftungsschlitzen im Metallgehäuse für ausreichende Kühlung. Dass der Verstärker nur auf etwa 3,2 kg Gewicht kommt, liegt hauptsächlich am integrierten Schaltnetzteil. Das Gewicht eines schweren Trafos entfällt somit.

Die mitgelieferte Fernbedienung ist sehr einfach ausgeführt, liegt aber gut in der Hand und die Tasten liefern einen guten Druckpunkt. Für den Stereoverstärker selbst wirkt die Fernbedienung aufgrund der vielen Tasten ein wenig überladen, allerdings kann man mit dieser Fernbedienung auch den passenden CD-Player AV2-CD509 steuern und so machen auch die Tasten Open/Close, USB, etc. durchaus Sinn. Für die Nutzung der Fernbedienung ist eine CR2025 Knopfzelle notwendig.

Klang

Zunächst einmal muss man sich über die Erwartungen im Klaren sein, die man an ein Gerät in der Preisklasse unter 100 EUR stellen kann. Sicherlich ist hier keine Feindynamik höchster Güte und die Ausstaffierung kleinster Details möglich. Allerdings sollte der AV2-CD508BT in der Lage sein, uns eine authentische Bühne mit gefälliger Grobdynamik und Räumlichkeit zu bieten. Im Idealfall strukturiert er die Bühne zudem sauber aus, differenziert die einzelnen Instrumente und löst den Klang adrett vom Lautsprecher. Schafft er dies noch in einem recht anständigen Pegel an nicht allzu anspruchslosen Schallwandlern souverän und angenehm, kann man bei solchen Preisen kaum etwas verkehrt machen.

Aber zur Praxis: Wir starten mit dem James Bond Theme, vorgetragen vom Royal Philharmonic Orchestra und zugespielt via SACD. Der günstige Auna-Receiver bereitet uns hier ein lebendiges und dynamisches Schauspiel des Orchesters. Die Bühne ist recht breit und wenn auch die einzelnen Instrumente nicht immer klar differenziert werden können, recht authentisch aufgebaut. Bei humanem Pegel erklingen die Blechbläser nicht zu scharf und auch die Dynamik präsentiert sich von einer sehr guten Seite. Setzt ein Paukenschlag ein, bietet der AV2-CD508BT auch im Tieftonbereich Kraft und Volumen. Übertreiben darf man es aber an Lautsprechern mit nicht übermäßig hohem Wirkungsgrad allerdings nicht, sonst kommt es zu Kompression und metallischer Schärfe. Bis zu einem gewissen Grad, der problemlos für keine allzu ausladenden Wohnräume ausreicht, bietet der Auna aber Harmonie und bleibt auch in oden oberen Frequenzbereichen souverän.

Beim CD-Wechsel fällt uns auf, dass der Auna Verstärker ein zwar nicht extrem stark ausgeprägtes, aber zu vernehmendes Grundrauschen mit sich bringt. Das ist gerade bei analogem Quellanschluss nicht ungewöhnlich und stört im Praxisbetrieb zumeist kaum. Unser nächstes Klangbeispiel ist ebenfalls keine leichte Aufgabe. Andrea Bocelli trägt uns De’ll Amore non si sa, zugespielt via CD, vor. Den langsamen Beginn meistert der Auna gut und schafft eine räumliche und fundierte Atmosphäre. Ein Piano ist selbst für teure Verstärker nicht sehr einfach und hier wird der Kenner einige Unzulänglichkeiten entdecken, die Gesamtkulisse zeichnet der Auna aber durchaus stimmig. Die Stimmwiedergabe Andrea Bocellis, die natürlich nicht in all ihren Facetten erfasst werden kann, löst der günstige Stereo-Verstärker ausgezeichnet von den Lautsprechern und formt sie zentral vor dem Zuhörer aus. Bei komplexerem Geschehen geraten die Instrumente etwas in den Hintergrund, die Kulisse strahlt aber weiterhin Harmonie aus und bleibt authentisch. Wer es mit dem Pegel nicht übertreibt, kann hier mit angenehmer Natürlichkeit, Dynamik und weitgehend authentischer Stimmwiedergabe das Konzert des Tenors genießen.

Wir wechseln auf Bluetooth, bleiben bei der musikalischen Auswahl aber sehr anspruchsvoll und muten dem Auna-Verstärker Hotel California von den Eagles zu. Hier freuen wir uns, dass der AV2-CD508BT die Stahlsaiten gut erfasst und als solche auch dem Zuhörer präsentiert. Die eigentliche Transparenz und Klarheit der Mitten und auch des Hochtonbereiches kommt nicht exzellent heraus und auch die Differenzierung der einzelnen Instrumente ist etwas erschwert. Hier kommen natürlich noch die Limitierungen der drahtlosen Bluetooth-Übertragung mit konventionellem Codec hinzu. Positiv fällt hier wieder der durchaus voluminöse Tieftonbereich auf, der bei Bedarf flink und kraftvoll zupacken kann. Auch die Loslösung des Klanggeschehens und der Stimme gefällt.

Eine lebendige Spielweise beweist der Auna aber durch die Bank. Mark Knopflers Sultans of Swing, ebenfalls zugespielt via Bluetooth, lädt sofort zum Fußwippen ein. Wie bereits erwähnt kann man hier nicht absolute Authentizität erwarten. In dieser Preisklasse hofft der Anwender ohnehin aber eher auf eine angenehme, harmonische und mitreißende Wiedergabe und achtet kaum auf absolut analytische Qualitäten. Dass hier noch deutlich Potential vorhanden ist, stellen Kenner schnell fest – genauso schnell aber werden erfahrene Ohren überrascht sein, welche Qualitäten bereits in derart niedrigen Preisklassen möglich sind.

Zuletzt muten wir dem Auna Verstärker noch einen extrem schnellen und harten elektronischen Track von „Dumme Jungs“ aus Berlin zu. Hohe Geschwindigkeit scheint für den AV2-CD508BT kaum Probleme zu bereiten, Antritt und Spritzigkeit gefallen. Auch die räumliche Atmosphäre wird gut ausgestaltet und die Loslösung des Klangs bietet hier einen klaren Benefit. Nicht weniger beeindruckend, wie authentisch und satt der harte Kickbass noch bei hohem Pegel gelingt. Hier werden durchaus magengrubentaugliche Frequenzen erreicht und mit solider Kraft wiedergegeben. Obenrum wird es bei hohem Pegel natürlich etwas schärfer, allzu schlimm empfinden wir das bei diesem Genre allerdings nicht. Der Auna schafft hier durchaus gelungenes Spektakel, ohne bei hohem Pegel – solange man es nicht übertreibt – zu stark zu komprimieren oder gar zu verzerren.

Insgesamt können wir festhalten, dass der Auna unseren Erwartungen vollends gerecht wird und gerade erfahrene Hörer überraschen wird, was in untersten Preisklassen bereits an akustischer Performance möglich ist.

Fazit

Auna AVR-CD508-BT Front Seitlich3

Mit dem AV2-CD508BT bietet das aufstrebende Auna-Label einen enorm preisgünstigen und dafür leistungsfähigen Stereo-Verstärker für den vorurteilsfreien Einsteiger. Besonders bezüglich des gewählten Materials und der Verarbeitung – bei der im Detail noch Potential vorhanden ist – macht sich das Gerät im 42cm Rastermaß sehr gut. Akustisch gefällt er mit guter Dynamik, Räumlichkeit und Loslösung des Klanggeschehens von den Schallwandlern. Natürlich geht hier noch deutlich mehr, dennoch ist es erstaunlich, was in dieser niedrigen Preisklasse bereits herausgeholt wird.

Gute akustische Performance und solide Materialqualität zum Einstiegspreis
sehrgut
Stereo-Komponenten Einsteiger
22.01.2014

+ Solide Verarbeitungsqualität
+ Metallgehäuse und Gerätefront
+ Gute akustische Eigenschaften
+ Bluetooth integriert

– Kompression bei hohem Pegel

 

Test: Philipp Kind
Fotos: Sven Wunderlich




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