TEST: Definitive Technology ProCinema 600 – Kompakt, attraktiv und akustisch überzeugend?

Definitive ProCinema 600 Gruppenbild1

Vom amerikanischen Lautsprecherhersteller Definitive Technology ist bei uns kürzlich ein 5.1 Kompaktsystem namens ProCinema 600 im Büro eingetroffen. Kompaktsysteme haben unter klanglich anspruchsvollen Anwendern aufgrund der wenig ausladenden Architektur, bei der sich die Akustik nicht so einfach entfalten kann, nicht immer den besten Ruf. Das ProCinema 600 mit seinen immerhin 799 EUR Kaufpreis soll hier Abhilfe schaffen. Nicht zuletzt wird es auf der Produktseite als erschwinglichstes 5.1 System mit der besten Leistung beworben, zumindest von Definitives Seite. Erreicht werden soll diese u.a. mit der „Balanced Double Surround“ Systemtechnologie, bei der oben an den Satellitenlautsprechern ein zusätzlicher Tief-Mittentönerverbaut ist, der für ein wärmeres Klangbild sorgen soll. Wir wollen das ProCinema 600 im Folgenden genauer unter die Lupe nehmen und sehen, ob es seine Versprechen hält.

Definitive ProCinema 600 Speaker Front Seitlich1

Einer der vier Satelliten

Definitive ProCinema 600 Speaker Rueckseite Seitlich2

Hochwertige Optik, auch zu sehen: Speakeranschlüsse und Öffnungen für die Wandbefestigung

Definitive ProCinema 600 Speaker Wandhalter

Wandhalter über den Anschlüssen hinten

Wenn wir uns einen der vier Satelliten-Lautsprecher vorknöpfen und einmal in die Hand nehmen, fallen uns zunächst das Gewicht und das Design auf. Die Lautsprecher gehören definitiv zu den schwereren Kompaktlautsprechern, die wir kennen. Designtechnisch gefällt uns das lackierte Holzgehäuse wahnsinnig gut (uns wurde die weiße Variante zugeschickt, schwarz ist aber ebenso verfügbar), welches einen sehr hochwertigen Eindruck macht und sich optisch schön ins Wohnzimmer einfügt. An der Unterseite befindet sich neben einer Schraube für die Befestigung an dem separat erhältlichen Lautsprecherständer ein Dreifuß, damit der Satellit nicht direkt am Boden aufliegt. Leider sind die Standfüße etwas klein, wodurch ein leichtes Rutschen immer wieder mal auftritt und auch die Dreifuß-Architektur wirkt nicht besonders stabil. Man sollte also aufpassen und nicht gegen die Lautsprecher stoßen. Hinten haben wir zunächst die Anschlüsse für die Lautsprecherkabel. Auch Bananenstecker werden hier unterstützt. Darunter und darüber sind zwei Öffnungen zur Befestigung an der Wand, eine zur Verwendung mit klassischen Wandschrauben und eine vergoldete Öffnung, für die separat extra „Wall Mounts“ erhältlich sind.

Definitive ProCinema 600 Speaker Front Seitlich3

Innenaufnahme eines Satelliten

Definitive ProCinema 600 Speaker Tieftoener

Zusätzlicher Tief-Mittentöner oben

Vorne und oben sind die Satelliten durch ein Lautsprechergitter mit überzogenem Stoff abgedeckt. Beide lassen sich durch Ziehen an der oberen Kante ganz einfach abnehmen. Das Gitter macht zwar nicht den hochwertigsten Eindruck, dafür lässt sich diese Kombination aber einfach austauschen und passt optisch gut zum Lautsprecher. Innen kommen dann ein Hochtöner und ein Tief-Mitteltöner zum Vorschein und an der Oberseite sehen wir das Markenzeichen des ProCinema 600: Einen weiteren Tief-Mitteltöner, der den Frequenzumfang in diesem Bereich verdoppeln soll, ohne die Kompaktheit des Systems zu verlieren. Mithilfe dieser Balanced Double Surround Systemtechnologie soll das ProCinema 600 einen wärmeren und lebhafteren Sound haben, der bei Kompaktsystemen aufgrund der kleinen Dimensionen gerne mal zu kurz kommen kann.

Definitive ProCinema 600 Center Front Seitlich1

Frontaufnahme des Centers

Definitive ProCinema 600 Center Detail Front

Das Definitive-Logo vorne im Detail

Definitive ProCinema 600 Center Front Seitlich2

Der Center ohne Abdeckung

Definitive ProCinema 600 Center Hochtoener

Hochtöner des Centers

Definitive ProCinema 600 Center Mitteltoener

Einer der beiden Mittentöner

Definitive ProCinema 600 Center Tieftoener

Auf jeder Seite ein zusätzlicher Tief-Mittentöner

Definitive ProCinema 600 Center Rueckseite Seitlich

Rückseite des Centers mit zwei vergoldeten Öffnungen zur Befestigung

Definitive ProCinema 600 Center Anschluesse Rueckseite

Anschlüsse im Detail

Der ca. 27cm große Center hat zwei dieser Tief-Mitteltöner an den Seiten und vorne einen weiteren Tief-Mitteltöner mehr als die Satelliten. Hinten sind wiederum die Kabelanschlüsse und diesmal zwei vergoldete Öffnungen zur Wandbefestigung, unten sehr löblich ein kleines Auflage-Pad, wodurch sich der Center sehr bequem drehen lässt. Die Frequenzen der Satelliten liegen im Übrigen bei 55 Hz bis 30 kHz, der des Centers bei 22 Hz bis 30 kHz.

Definitive ProCinema 600 Subwoofer Front Seitlich2

Vorderseite des Subwoofers mit vier Standfüßen unten

Definitive ProCinema 600 Subwoofer Front Seitlich3

Tieftöner vorne

Definitive ProCinema 600 Subwoofer Tieftoener Front

Tieftöner vorne aus der Nähe

Definitive ProCinema 600 Subwoofer Lautstaerkeregler

Der Lautstärkeregler rechts an der Seite

Definitive ProCinema 600 Subwoofer Tieftoener Unterseite

Tieftöner an der Unterseite

Als letztes wollen wir uns noch den Subwoofer ansehen, der bei diesem System ein kleiner Sonderfall ist. Zunächst einmal hat er eine Frequenz von 22 Hz bis 150 Hz und Abmessungen von 33x26x33cm, größentechnisch also durchschnittlich und nicht ausladend. Wir finden außerdem zwei Tieftöner, einen vorne, einen an der Unterseite. Leider ist die Oberfläche, wohl um Material zu sparen, hier nur matter Kunststoff und kein hochwertig lackiertes Holz. Vorne ist wiederum die Stoffabdeckung mit Gitter, welches sich aufgrund der Größe etwas schwieriger, aber mit ein wenig Fingerspitzengefühl dennoch problemlos abnehmen lässt. Die erste Besonderheit des Subwoofers ist das Drehrad an der Seite, welches nicht, wie üblich, nach außen ragt, sondern direkt ins Gehäuse verbaut ist. Dies ist zwar optisch eine gute Lösung, hat von der Bedienung her allerdings Vor- und Nachteile. Auf der einen Seite sitzt der Regler so nicht mehr am Rücken des Woofers, was zwar eine komfortable Änderung ist, auf der anderen Seite aber ist solch ein Drehrad nicht ganz so leichtgängig zu bedienen, da der klassische Zangengriff zwischen Daumen und Zeigefinger nicht anwendbar ist. Je nachdem, wie man es selbst bevorzugt, ist also an der Stelle die Frage. An der Rückseite kommt es zum außergewöhnlichen Part des Subs. Über dem Power-Schalter und dem Stromanschluss (das Netzteil ist hierbei integriert) finden wir den klassischen Crossover-Frequency-Regler, der rund läuft und sich gut drehen lässt, und den LFE In-Stecker.

Definitive ProCinema 600 Subwoofer Rueckseite Seitlich2

Die Rückseite des Subwoofers

Definitive ProCinema 600 Subwoofer Anschluesse Rueckseite2

LFE In und der Crossover Frequency Regler

Definitive ProCinema 600 Subwoofer Anschluesse Rueckseite1

Lautsprecheranschlüsse hinten

Links neben dem LFE In-Anschluss dann das Wichtige. Wir finden hier zwei Lautsprecheraus- und zwei -eingänge. Die von Definitive empfohlene Setup-Einstellung für das ProCinema 600 ist nämlich, die linken und rechten Frontlautsprecher an die Eingänge des Woofers anzuschließen und anschließend mit zwei Lautsprecherkabeln den Sub an den Receiver anzuschließen. Dies soll laut Gebrauchsanweisung dazu führen, dass der Amp die Frontsatelliten als große Lautsprecher behandelt, wodurch eine bessere Abstimmung zwischen dem Subwoofer und den Lautsprechern in den tiefen Frequenzen entsteht. Alternativ kann man den Sub natürlich auch auf die klassische Art und Weise per RCA-Kabel einbinden.

Klang

Wir haben das ProCinema 600 an unseren Yamaha RX-A3030 angeschlossen und dabei die von Definitive Technology empfohlene Anschlussmethode verwendet. Im ersten Moment wirkt diese etwas ungewöhnlich, weil man zwar kein RCA-Kabel mehr am Subwoofer hat, dafür aber zwei Lautsprecherkabel mehr benötigt und der Sub jetzt passiv betätigt wird. Beim Einmessen allerdings war das Ganze dann kein Problem, der Receiver hat die beiden Frontlautsprecher sofort als große Lautsprecher erkannt und der dedizierte Subwoofer war deaktiviert.

Jetzt geht’s also ans Eingemachte. Wir starten mit der 2L Nordic Sound Blu-ray und Mozarts Violin Concerto no. 4, aufgeführt von Marianna Thorsen und dem Trondheim Solistene. Und uns fällt gleich auf, dass von den zwei Frontlautsprechern, die ja jetzt als große Lautsprecher verwendet werden, eine unerwartete Präsenz ausgeht, beispielsweise bei der ersten Geige, die sich etwas kräftiger anhört als erwartet. Inwiefern der Subwoofer inszeniert wird, können wir dann später besser beurteilen, für den Moment sei aber für die zwei „großen kleinen“ Lautsprecher ein Lob ausgesprochen. Als wir dann die Lautstärke höher drehen, klingen die höchsten Töne, vor allem eben die Streicher etwas zu überspitzt oder unangenehm. Je nach der Art der zugespielten Musik kann dies schneller oder langsamer passieren, dennoch eine sehr solide Leistung im Höhenbereich. Wir wollen bei einem 5.1 Surround-System dieser Preisklasse zwar nicht sofort von klanglicher Brillanz sprechen, trotzdem erklingen die vorderen Geigen hierfür detailliert und auch bspw. der Kontrabass wird nicht zu stark aber prägnant dargestellt. Sehr gut gefallen uns an der Stelle aber vor allem das Klangvolumen und die Räumlichkeit. Das Definitive-Set weiß durchaus, wie es die unterschiedlichen Instrumente im Raum zuordnen soll und man fühlt sich durch die gute Surround-Aufteilung direkt im Geschehen, auch wenn die hinteren Orchesterebenen nicht immer ganz so deutlich zu hören sind.

Machen wir weiter mit einer Orchesteraufführung der etwas anderen Art, und zwar der Black Symphony Blu-ray von Within Temptation mit dem Metropole Orchestra. Der Chor zieht den Zuhörer gleich zu Beginn durch seine mystischen Gesänge und die einhüllende Wiedergabe des Definitive Sets in den Bann. Dies wird anschließend fortgesetzt, als die Streicher des Metropole Orchestra aufzuspielen beginnen. Je weiter die Ouvertüre fortschreitet, umso mächtiger werden die klanglichen Untermalungen des Orchesters und das Definitive Set stellt mit Bravour seine Fähigkeiten, ein räumliches und voluminöses Klangbild zu erzeugen, unter Beweis. Von der bei uns im Heimkino aufkommenden Konzertstimmung sind wir äußerst überrascht, so etwas hört man von Kompaktsystemen selten. Wenn auch beim nächsten Stück, als Sharon den Adels toller Gesang dazukommt, ihre Stimme nicht immer deutlich hörbar und detailliert herausgearbeitet wird, zumindest bei komplexem Klanggeschehen von Seiten des Orchesters. Das zeigt sich z.B. auch beim Gitarrensolo von „The Howling“, wo die E-Gitarre etwas verschwinden kann. Trotzdem sind wir von der doch sehr kräftigen und regelrecht umhüllenden Wiedergabe des ProCinema sehr beeindruckt, zumal bei solch einer Aufführung viele Klangelemente zusammenspielen müssen, was sehr schwierig darzustellen ist, das Kompaktsystem aber nur selten aus der Fassung bringt. Bei hochkomplexem Geschehen gelingt dann nicht immer ein homogenes Klangbild, was man aber von einem Kompaktsystem unter 1000 EUR auch nicht erwarten kann.

Als nächstes die Back in Copenhagen Blu-ray von DJ Tiesto und seinem Remix von Tegan & Saras „Back In Your Head“. Hier müssen wir leider für den Tiefgang einen Minuspunkt vergeben. Der Knackpunkt ist hier ja, dass der Subwoofer durch das von Definitive empfohlene Setup passiv vom Receiver betrieben wird. Dabei werden zwar für die Frontlautsprecher mehr Frequenzen freigegeben, allerdings benutzt der Sub keinen eigenen Verstärker mehr, wodurch er, wie es z.B. bei den Kickbässen deutlich bemerkbar ist, einiges an Power verliert. Durch Nachjustieren am Drehregler des Subs kann man zwar nachbessern, wir kennen aber dennoch andere Sets, die im Tiefenbereich zuverlässiger aufspielen, wobei man beim Lautstärkeregler natürlich auch die goldene Mitte finden muss, damit dieser nicht überstrapaziert wird oder andere Klänge verschwinden lässt. Bei „Adagio For Strings“ stellen wir das Gleiche fest, Dabei ist durch die Nachjustierung der Bass deutlich präsenter und tritt besser auf und es gehen zumindest in unserem Beispiel auch keine Höhen und Mitten verloren. Sarah McLachlans Gesang bei „Silence“ z.B. versteckt sich keineswegs und das Klangbild ist auch wie bei den vorherigen Beispielen wieder sehr voluminös. Trotzdem müssen wir festhalten, dass der Subwoofer auf eigene Faust nicht sehr kraftvoll ertönte.

Zum Test stellen wir den Subwoofer wieder auf seine normale Lautstärke zurück und versuchen einmal das klassische Setup, wo die zwei Frontlautsprecher rechts und links „klein“ sind und der Subwoofer aktiv eingebunden wird. Eine kleine Verbesserung bzgl. des Tiefgangs stellen wir hier auch fest. Der Subwoofer liefert jetzt auch bei der normalen Einstellung (in unserem Fall eben genau die Mitte am Drehregler) eine solide Bassstärke. Zwar nicht so kräftig wie bei manch anderen Sets, die wir kennen, aber immer noch eine anständige Leistung. Der Nachteil an diesem Setup ist nur, dass die vorderen beiden Lautsprecher jetzt nicht mehr ganz so dynamisch klingen. Wenn wir zurück zur 2L Nordic Sound Blu-ray gehen, merken wir das auch. Die Streicher, die wir am Anfang so gelobt hatten, sind jetzt nicht mehr so deutlich präsent wie noch vorher und klingen nicht so voll, wobei diese beim empfohlenen Setup gleich alle Aufmerksamkeit auf sich zogen.

Noch einen kurzen Abstecher in die Anfangsszene des „Dark Knight“ von 2008. Die Bässe als gleich am Anfang das Studiologo eingeblendet wird und die Kamerafahrt bei den Wolkenkratzern einsetzt, setzen schon einmal ein solides Statement. Auch bei den Clowns im Auto sind die Stimmen hinter den Masken deutlich verständlich und die Schüsse in der Bank fallen klar, wenn auch bei hohen Lautstärken spitz, gleiches gilt für die Öffnung des Sicherheitskastens am Dach. Auch als der Bus in die Bank hineinfährt, hat das Kompaktsystem keine Probleme, dies dynamisch darzustellen, wenn wir auch die Offenbarung des Jokers, als er seine Maske absetzt, schon kraftvoller erlebt haben. Trotzdem wird uns ein in sich stimmiger Kinoklang präsentiert und das ProCinema liefert auch hier eine sehr zufriedenstellende Leistung ab.

Definitive ProCinema 600 Gruppenbild2

Das Definitive Technology ProCinema 600 kann uns mit hervorragender Räumlichkeit und guter Höhen- und Mittenwiedergabe beeindrucken und hat außerdem ein optisch sehr schickes Design mit guter Verarbeitung (auch wenn der Subwoofer nicht mit so hochwertigem Material aufwarten kann wie die Satelliten). Bei Within Temptations Konzert hat uns das Klangerlebnis schon super gefallen – mit kleinen Einschränkungen beim Subwoofer, da dieser zwar solide, aber nicht ganz so kräftig auftrat, wie wir es uns erhofft hatten. Entscheidet man sich dafür, den Subwoofer aktiv ins System einzubinden und nicht die empfohlene Anschlussmethode zu benutzen, so bekommt man zwar etwas mehr Nachdruck im Bassbereich, büßt aber ein wenig von der Klangfülle der beiden Frontlautsprecher links und rechts ein. Hier kommt es also auf den persönlichen Vorzug an. Alles in Allem aber bietet das ProCinema 600 für seine 799 EUR Kaufpreis vor allem durch sein Klangvolumen eine äußerst solide Leistung.

Wohlklingendes 5.1 Kompaktsystem im hochwertigen Design
ueberragend
5.1 Subwoofer-/Satelliten-Lautsprechersysteme Mittelklasse
Test 21. Januar 2015

+ Tolle Räumlichkeit
+ Gute Höhen- und Mittenwiedergabe
+ Hochwertiges Design und Verarbeitung
+ Erstaunlich kultiviertes Klangerlebnis
+ Frontlautsprecher im empfohlenen Betrieb sehr lebendig

– Subwoofer hat mehr Potenzial
– Je nach Setup mehr Kabel beim Anschluss notwendig

 

Test: Michael Kind
Fotos: Sven Wunderlich
Datum: 21. Januar 2015




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