TEST: Wharfadale WPods - ausgezeichnete True Wireless In-Ears für unter 100 EUR?

Für 99 EUR gibt es die Wharfedale WPods, schicke True Wireless In-Ear-Kopfhörer, wahlweise in weißer oder schwarzer Variante. Laut Hersteller hat man einen sehr praxisgerechten DSP-Algorithmus entwickelt, der für eine kräftige, zugleich natürliche Basswiedergabe und für eine ausgezeichnete akustische Transparenz sorgen soll. Dank Bluetooth 5.0 sind die WPods auch verbindungstechnisch auf dem neuesten Stand.

Earbuds

Guter Sitz im Ohr

Hier ohne Ohrpassstück (liegt vor dem Earbud)

An beiden Earbuds gibt es eine berühungsssensitive Touch-Fläche. Einmal berühren, und die Wiedergabe stoppt, ein weiteres Mal berühren, und die Wiedergabe geht weiter. Berührt man das Feld zweimal, springt die Wiedergabe um einen Titel nach vorne. Nimmt man einen WPod aus dem Ohr, geht die Wiedergabe trotzdem weiter, das Komfort-Feature, dass man einen Earbud herausnimmt und die Wiedergabe sofort stoppt, gibt es nicht. Damit stehen die WPods aber nicht alleine dar, auch viele Konkurrenten haben dieses Merkmal nicht. Eine Stimme erklärt dem Anwender, dass das Pairing erfolgreich war, und weist auch darauf hin, wenn die kleine Akkus in den Earbuds langsam aufgeladen werden sollten. 

Packungsinhalt

Die Earbuds an sich sind prima verarbeitet und lassen sich dank der praktischen Bauform sehr gut ins Ohr einsetzen. Ohrpassstücke werden in drei Größen (S/M/L) mitgeliefert, ebenso ein kurzes USB-Ladekabel, aber kein Ladegerät. Gut, bei dem Kaufpreis kann man das verschmerzen. Die WPods sind IPX4-zertifiziert und demnach vor Schweiß, Regentropfen etc. geschützt. Die Ohrpolster bestehen aus weichem Silikon und passen bei uns in Größe M tadellos. Auch längeres Tragen der WPods stellt kein Problem dar, die Ohrstöpsel bieten einen ausgewogenen Komfort. Vier Stunden kann man mit einer Ladung der WPods Musik hören, das ist durchschnittlich. Insgesamt 12 Stunden Musik-Genuss stecken im Case, also vier Ladungen.

Case mit LED-Leiste vorn

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Blick ins Innere

Case oben

Case unten

Das Case baut recht kompakt und passt gut in die Hosen- oder Jackentasche. Leider ist das Scharnier, welches den Deckel hält, nicht allzu hochwertig ausgeführt, es besteht aus Kunststoff. Ansonsten keine Kritik, ohne Schwierigkeiten kann man die WPods ins Case befördern, wo sie dann geladen werden. Den Zustand des Akkus im Case zeigen vier blaue LEDs auf der Vorderseite an. 

Klang

Die Abstimmung des Bassbereiches ist wirklich gut gelungen, wie sich bei der Diana Krall-Version des Eagles-Klassikers "California Dreamin" nachvollziehen lässt. Der Bass hat durchaus Kraft, agiert aber mit tadelloser Präzision. Auch die Detaillierung gleich zu Beginn des Titels gefällt durchaus. Die Höhen haben hier eine gute Transparenz, erst dann, wenn man den Pegel merklich erhöht, wirkt die Auslegung minimal blechern. 

"Nightfall" von Till Brönner gefällt durch eine vielschichtige Präsentation, und auch instrumentale Einzelheiten kommen durchaus gelungen zur Geltung. Solche ruhigeren Titel bereiten gerade günstigeren Kopfhörer-Lösungen öfters Schwierigkeiten, daher ist es prima, dass die WPods hier ordentlich abschneiden. Die gebotene Räumlichkeit wirkt authentisch, man fühlt sich gut ins musikalische Gesamtgeschehen eingebunden. Der Aufbau aller Elemente gelingt nachvollziehbar, und was uns erstaunt, ist die realistische Weite des gebotenen Klangpanoramas. 

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Musikwechsel: Living On A Prayer von Bon Jovi steht an. Hier geht es nun richtig zur Sache, und die Aufnahme ist recht kritisch, da leicht metallisch in den Höhen, und mit einer Überhöhung im oberen Mitteltonbereich. Keine besten Voraussetzungen, und die Nachteile des Quellmaterials bügeln die WPods verständlicherweise nicht komplett aus. Aber die Dynamik, die bereitgestellt wird, ist ordentlich.  Und auch bei diesem Material gefällt uns die Auslegung im Bassbereich: Kräftig, aber exakt, und gut getrennt vom akustischen Rest. Bei höherem Pegel mischen sich dann aufgrund der Nachteile des Quellmaterials Verzerrungen hinzu. Die WPods sind hier recht neutral, greifen nicht mäßigend ein, wie andere In-ears, die im Hochtonbereich Homogenität vor Transparenz stellen. 

Prima agieren die Wharfedale TW In-Ears bei Elton Johns "I'm Still Standing". der Rhythmus wird wieder impulstreu herausgearbeitet, und die Stimme von Elton bringt klare Strukturen mit. Hier ist das Quellmaterial ebenfalls nicht optimal, wer mit normalem Pegel hört, bekommt aber kaum etwas davon mit. Lebendig und mit einer Portion Frische, spielen die kleinen Kopfhörer hier auf. Der Bass ist wiederum straff und passend - hier lassen sich die WPods nichts vormachen. 

Wie sieht es bei sehr gutem Quellmaterial, Shallow von Lady Gaga und Bradley Cooper, aus? Hier beweisen die WPods ein erstaunliches Talent hinsichtlich der Detaillierung. Diese ist richtig gut gelungen, die Trennung von Bradley Stimme und den Elementen der akustischen Gitarre gelingt ausgezeichnet. Auch Lady Gagas Stimme wird mit überraschend feinen Konturen eingearbeitet. Die Streicher im Hintergrund wirken ebenfalls gelungen. Hier trumpfen die Wharfedale TW In-Ears richtig auf - die beste Leistung bislang, da auch die Dynamik, als Lady Gaga ihre Stimme erhebt, extrem gut herausgestellt wird.

Mit dem sehr nachdrücklichen Bass von Bazzis "Paradise" kommen die WPods tadellos zurecht. Richtig präzise, genau auf den Punkt - top. Der Hochtonbereich ist extrem klar, teilweise, bei höherem Pegel an der Grenze zum Aggressiven. Hier merkt man die konsequente HiFi-Auslegung der WPods, die sich hier deutlich von vielen anderen Konkurrenten unterscheiden. Teile der Konkurrenz lassen lieber Details liegen, möchten dafür aber eine enorme Homogenität bieten. Die WPods legen den Fokus auf eine möglichst umfassende Detaillierung und maximale Transparenz. 

Konkurrenzvergleich

  • Schon älter, damals überzeugten die Elyxr Audio Truly Wireless Earbuds (damals rund 80 EUR) mit einer feinen Verarbeitung und hochwertiger Materialqualität. De Verbindungsstabilität gefielt uns zum Zeitpunkt des Tests weniger, die Akustik war gut, setzte aber keine Maßstäbe. 

  • Für die Extremsportler unter uns - mit ihrer eigenwilligen Form sitzen die JBL Endurance Peak prima im Ohr,, fallen auch beim harten sportlichen Einsatz nicht heraus - wenn man sie einmal so, wie es sich gehört, imm Gehörgang befestigt hat. Der Klang ist typisch JBL, mit kraftvollem Bass und guter Räumlichkeit. Die Detaillierung ist in Ordnung, aber nicht überwältigend. 

  • Cambridge Audio Melomania 1: Mit einer Akkulaufzeit von sage und schreibe 9 Stunden Pro Ladung setzen sich die gut verarbeiteten Melomania eindrucksvoll in Szene. Preislich, bezogen auf den Marktpreis, sind die True Wireless In-Ears mit sehr rundem, harmonischen Klang bei rund 100 EUR gelandet. 
Fazit

Die Wharfedale WPods werden mit ihrer transparenten, auf tadellose Detaillierung ausgelegten Akustik bestimmt viele Liebhaber finden. Wer nämlich klassische HiFi-Ideale bislang bei True Wireless In-Ears vermisst hat, wird hier fündig. Oft wird, sagen wir es einmal so, eine sehr "gefällige" Auslegung angeboten, die vieles glattbügelt - dadurch verschwinden aber Transparenz und Detailreichtum. Beides bieten die WPods in ausgezeichneter Form. Überzeugend auch die saubere, präzise Bassabstimmung. Nicht so gut: Nur vier Stunden Spielzeit pro Ladung, und das Scharnier des Cases besteht aus Kunststoff. Insgesamt aber ein überzeugende Einstieg von Wharfedale in die True Wireless In-Ear-Welt - zum fairen Kaufpreis. 

Preislich fair kalkulierte True Wireless In-ears mit überraschenden Leistungen bei Dynamik und Auflösungsvermögen

True Wireless In-Ear-Kopfhörer bis 100 EUR
Test 13. März 2020

Test und Fotos: Carsten Rampacher
Datum: 13. März 2020

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