TEST: Teufel Airy - Luftikus oder Leistungsträger zum günstigen Kurs?

Bereits seit 2014 ist der Airy im Portfolio des Berliner Lautsprecher- und Elektronik-Herstellers Teufel. Mittlerweile in zweiter Generation kommt der On-Ear-Bluetooth-Kopfhörer mit leicht überarbeitetem Design und optimierter akustischer Kompetenz daher. Auch die Akkulaufzeit, die Passform und die verwendeten Materialien wurden laut Teufel verbessert. Aktuell ist der Airy für 116 Euro (Stand: 27.07.2020) in den Farben Weiß und Schwarz zu haben.  Dazu gibt es Ringe für die Ohrmuschel in Rot, Gelb und Grün, die der Nutzer selbst problemlos austauschen kann.

Teufel-Logo im oberen Bereich

Seitliche Ansicht

Bedienelemente, Lautstärkeregler und "Teufel-T"

Ohrpolster

Der weiße Ring zwischen Ohrpolster und Hörerschale ist austauschbar

Gesamtansicht von vorne

Mit exakt 173 Gramm ist der Teufel Airy angenehm leicht und komfortabel zu tragen. Das Kopfband kommt daher auch mit einer recht dünnen Polsterung zurecht, die auch bei längeren Hör-Sessions nicht drückt. Die Ohrpolster des On-Ear-Kopfhörers liegen ebenfalls mit ausreichendem, aber nicht unangenehmen Anpressdruck auf unseren Ohren und für die Redaktionsköpfe reichen die Einstellungsmöglichkeiten der Größe problemlos aus. Abgesehen von einigen wenigen Teilen aus Metall (Kopfbügel aus Federstahl), vorwiegend an Gelenken und im Inneren des Kopfbandes, besteht das aktuelle Airy-Modell aus Kunststoff. Die Haptik enttäuscht nicht, wirkt aber auch nicht überdurchschnittlich hochwertig, gemessen am Preis müssen wir hier aber, auch im Vergleich zu anderen Herstellern, nicht großartig kritisieren.

Optisch spaltet er ein wenig, er kombiniert Retro-Charme mit Moderne und manch einer wäre vielleicht auch mit lediglich einem Teufel-Logo zufrieden - an jeder Seite ist der Airy sowohl mit einem Teufel-Schriftzug als auch mit dem typischen T-Logo des Herstellers versehen. Durch die dezente Farbgebung Weiß in Weiß tritt dies aber nicht allzu auffallend in den Vordergrund. Abgesehen vom Kopfband und den Ohrpolstern in hellem Grau ist ein roter Drehregler, der auch als Bedienelement fungiert, der einzige Farbtupfer. Wer es gerne etwas bunter mag, kann die beiliegenden Design-Ringe in den Farben Gelb, Grün und Rot nutzen. Dafür wird mit einer leichten Drehung nach links das Ohrpolster abgenommen, der Ring einfach abgenommen und getauscht und dann das Ohrpolster mit einer Drehung in Gegenrichtung wieder sicher befestigt. Der Airy bringt einen 3,5 mm Klinkenanschluss und einen Micro-USB-Slot mit, die beide sauber eingepasst sind. Gefaltet passt er problemlos in die Transportasche, die ebenso wie ein Klinkenkabel und USB-Ladekabel im Lieferumfang enthalten ist. Zusätzlich zum Drehregler gibt es noch echte physische Play/Pause- und Titel-Skip-Tasten mit klarem taktilen Feedback und akustisch hörbarem "Klick.

Lautstärkedrehregler und Micro-USB-Anschluss

Miniklinke

Das Kopfband ist kaum gepolstert, dank des geringen Gewichts ist das kein Problem

Metall-Elemente

Scharnier innen

Mit einem langen Druck auf die Play/Pause-Taste wird der Airy in den Betriebszustand versetzt und zeigt sich bei der Initialzündung direkt als sichtbares Bluetooth-Gerät. Als "Teufel AIRY" wird er auf unserem Smartphone angezeigt und mit einem Klick ist die Kopplung erledigt. Der Airy bestätigt dies auch direkt mit der Durchsage "Connected".

Im Inneren steckt ein 40 mm großer Linear-HD-Treiber, außerdem eine verkupferte Aluminiumschwingspule, die bei hohem Pegel für Souveränität, Impulstreue und geringe Verzerrungen sorgen soll. Kraftvolle Neodym-Magnete kommen ebenfalls zum Einsatz. Die beworbene Außengeräuschdämpfung ist nicht eklatant, für das geringe Gewicht und das On-Ear-Konzept aber durchaus in Ordnung und klar nachvollziehbar. Der Airy ist mit aptX HD ausgestattet und funktioniert mit allen gängigen Bluetooth-Zuspielern, unabhängig des Betriebssystems. Dank Freisprecheinrichtung und somit integriertem Mikrofon kann man nicht nur telefonieren, sondern auch den jeweiligen Sprachassistenten (Apple Siri, Google Assistant) verwenden. Telefonate gelingen mit dem aktuellen Airy ausgezeichnet, Rauschen ist beinahe gar nicht wahrnehmbar und die Stimme sowohl des Angerufenen als auch des Anrufers wirken natürlich und sauber.

Faltbar

Lieferumfang

Neben einer höheren Akkulaufzeit des LiPos von bis zu 30 Stunden (bei Pegel von 0 bis 30%) hat Teufel beim aktuellen Airy vor allem akustisch optimiert, laut Hersteller wurden im Bassbereich und bei der Detailauflösung die größten Fortschritte erzielt. Den maximalen Schalldruck gibt Teufel mit nun 94 dB geringfügig niedriger an als beim Vorgänger und NFC wurde wohl eingespart, für uns ist das kein großer Schaden. Doch wenden wir uns der Performance in der Praxis zu.

Wir starten mit Johnny Cashs "The Man Comes Around". Die Anfangssequenz der Sprachansage mit leichtem Rauschen im Hintergrund setzt der Airy sauber um, auch die folgenden Klänge der Akustikgitarre gefallen mit klarem Anschlag und gutem räumlichen Eindruck. Exzellent empfinden wir die Stimmwiedergabe, der etwas ältere Johnny Cash wird authentisch reproduziert und auch als das Geschehen etwas komplexer wird, wird die Stimme nicht von anderen akustischen Elementen überlagert. Insgesamt könnte die Bühne etwas klarer definiert sein, die einzelnen Instrumente werden aber gut differenziert und können problemlos identifiziert werden. Anmerken wollen wir kurz etwas zum Lautstärkedrehregler: die Bedienung gelingt problemlos und wir finden das Drehrad auch durchaus praktisch. Man darf allerdings nicht die Funktionsweise eines analogen Reglers erwarten, die Einstellung erfolgt trotz nahtloser, ungerasterter Drehung am Pegelsteller immer noch digital, die kleinen Lautstärkesprünge attestieren dies. Auch beim folgenden "Hurt" kann der Airy mit toller Stimmpräsentation überzeugen. Das Piano, immer ein schwieriger Kandidat, gerät im Vergleich mit der Darstellung der Gitarre ein wenig in den Hintergrund, die Klangfarbe wird aber ganz gut getroffen. Trotz der niedrigeren Angabe des Schalldrucks können wir dem Airy bestätigen, dass er immer noch sehr laut aufspielen kann, hier können wir keinen wirklichen Nachteil entdecken. Bis auf den obersten Extrembereich bleibt das On-Ear-Headphone auch weitgehend souverän, verzerrt nicht und präsentiert weiterhin eine solide Vokalstimme.

Austoben darf sich der Airy bei STANDERWICKS "Narco" und kann dabei gleich seine neue Bassperformance unter Beweis stellen. Wir heben den Pegel bis zum Maximum und stellen erfreut fest, dass die Teufel-Komponente hier kompromisslos sauber bis ans Limit aufspielt. Die atmosphärischen Klänge und futuristischen Synthi-Elemente verteilt er dreidimensional und weitläufig im Raum und versetzt den Zuhörer inmitten in eine Großhallen-Disco. Die Kickbässe kommen mit sattem Punch und gefallen insbesondere durch den extrem schnellen Antritt. Auch präzise kann der Airy agieren und setzt besonders harte, trockene Bässe ab, die lediglich etwas an Volumen einbüßen. Das gilt im Übrigen auch für "Arabian Nights" im Flash Brothers Remix von David Shaw oder Ali Wilsons und Lee Osbornes "Absolute". Erstaunlich tief gelingen die kontinuierlich dem Hörer entgegengeschleuderten Bässe, die gerade bei "Absolute" mit extrem hartem Punch gelingen. Das Gesamtgeschehen ist solide strukturiert und zieht den Hörer dank der sehr guten Räumlichkeit und Transparenz in seinen Bann.

Mit Jack White und dem Album "Lazaretto" kehren wir zurück ins Rock-Genre und sind hier positiv überrascht, wie der Airy das akustische Geschehen trennt und das doch recht komplexe Geschehen differenziert darstellt. Bei der Wiedergabe von Vokalstimmen gibt sich der Teufel keine Blöße, auch die Stimme des Gitarren-Virtuosen wird sehr authentisch und fokussiert wiedergegeben, obwohl die Klangkulisse bei "Three Women" durchaus komplex und auch nicht gerade langsam ist. Auch das leicht gedämpfte Schlagzeug wird exzellent dargestellt und selbst das Country-Piano gelingt dem Airy sehr gut. Nur noch getoppt wird es von der akkurat verzerrten Gitarre, die selbst in höchsten Frequenzbereichen noch angenehm und sauber erklingt. Gut auch die Präsentation der Mundharmonika mit leichter Schärfe. Tatsächlich gefällt uns der Teufel hier am besten, für den Preis von aktuell lediglich 114 Euro schafft das Headphone eine gestaffelte Bühne mit guter Durchzeichnung, toller Instrumentaldifferenzierung und ausgezeichneter Stimmwiedergabe. Auch bei "Lazaretto" überzeugt der Airy mit guter Durchhörbarkeit und gibt das Geschehen sehr lebendig wieder, ohne dabei unauthentisch zu wirken. Das Gitarrensoli lässt in den höchsten Bereichen minimal Brillanz vermissen, reißt den Zuhörer aber dennoch zweifelsohne mit und auch beim Einsatz des Basses vermisst man kaum Nachdruck und Kraft.

Konkurrenzvergleich

Gegenüber der ersten Generation des Airy bietet das aktuelle Modell nur Vorteile. Die aktuelle Variante wirkt wertiger und hat, wie es der Hersteller auch verlauten ließ, im Bassbereich tatkräftig nachgelegt. Die höhere Akkulaufzeit schlägt sich insbesondere dann nieder, wenn man mit nicht allzu hohem Pegel hört, aber natürlich wirkt sich der stärkere Akku auch auf die Laufzeit insgesamt positiv aus. Optisch gefällt er uns ebenfalls, wenn auch nur im Detail überarbeitet wurde, deutlich besser. Der Tragekomfort ist auch beim aktuellen Airy überdurchschnittlich gut, hier profitiert das Produkt natürlich auch vom sehr geringen Gewicht.

Der JBL Club 700BT ist ein harter Gegner für den Airy, wenn er auch mit knapp 150 Euro am Markt aktuell auch nicht gerade unerheblich teurer ist. Das JBL-Headphone ist ebenfall als On-Ear konzipiert und fühlt sich für den aufgerufenen Preis enorm hochwertig an. Auch hier gibt es physische Tasten mit gutem Druckpunkt, allerdings keinen schicken Lautstärkedrehregler. Noise Cancelling ist auch im JBL-Kopfhörer nicht integriert, allerdings die Funktionen "Ambient Aware" & "Talkthru". Hier werden Umgebungsgeräusche verstärkt, um auf Außengeräusche gezielt achten zu können. Ferner kann man den 700BT mit der "My Headphones App" verbinden und verschiedene EQ-Presets bekannter DJs nutzen oder eine eigene EQ-Kurve erstellen. Der Tragekomfort ist bei beiden Komponenten hoch, Teufel hat hier aber aufgrund des deutlich geringeren Gewichts dennoch klar die Nase vorne. Der Airy ist beim Tragen im Vergleich beinahe nicht wahrnehmbar und wird selbst nach mehreren Stunden nicht unangenehm. Akustisch liefern beide Höchstleistungen und eine klare, direkte Kulisse, die auch bei hohem Pegel absolut souverän bleibt. Der Bassbereich wirkt beim Airy ohne EQ etwas ausdrucksstärker und nachdrücklicher, beim JBL kann man aber problemlos den Bass Boost zuschalten und ein ähnlich gutes Ergebnis erzielen.

Für rund 150 Euro ist auch der Go Bluetooth von Ultrasone erhältlich. Mit solider Verarbeitungs- und Materialqualität geht auch er an den Start, lässt aber im Detail bei den Bedienelementen ein wenig nach. Die Stimmwiedergabe ist bei beiden Komponenten exzellent, der Ultrasone bietet enorme Auflösung, der Airy etwas mehr Struktur und Nachdruck im Bassbereich. Beide Geräte lassen sich kabelgebunden auch verwenden, allerdings kann man den Ultrasone Go Bluetooth in diesem Modus nicht mehr laden, da auch der Ladevorgang über den Miniklinkeneingang erfolgt.

Fazit

Teufel Airy

Als absolutes Leichtgewicht überzeugt der Teufel Airy mit überragendem Tragekomfort. Gerade am Kopfband entstehen bei manchen Kopfformen bereits nach einer kurzen Hör-Session Druckstellen, den Airy nimmt man selbst nach längerem Tragen kaum wahr und erst nach einer mehreren Stunden andauernden Hör-Session werden die Ohren etwas warm. Die Bedienung gelingt ebenfalls mit echten Tasten problemlos, wenn auch der Lautstärkedrehregler als digitales Steuerelement fungiert und die Pegeleinstellung daher nicht kontinuierlich, sondern wie eben bei der Wiedergabe via Bluetooth üblich, in definierten Schritten erfolgt. Akustisch gefällt er mit angenehmen Höhen, guter Auflösung und ausgezeichneter Stimmwiedergabe. Untenrum agiert er trocken und nachdrücklich, bietet auch soliden Tiefgang und ein ausgeprägtes Volumen. Auch die Akkulaufzeit ist keinesfalls zu beanstanden.

Leichtgewicht mit ausgezeichneten akustischen Eigenschaften und überragendem Tragekomfort

Bluetooth-Kopfhörer Mittelklasse
17.08.2020

Test: Philipp Kind
Datum: 17.08.2020


Für Einkäufe bei Amazon.de, Media Markt, SATURN, JPC, Disney+, Sky und im Apple iTunes Store erhalten wir Werbeprovisionen über Affilliate-Links auf unserer Seite.

Tags:


Alle aktuellen Tests auf AREA DVD
  ZURÜCK