XXL-TEST: SHOKZ OpenFit - TWS mit speziellem, offenen Konzept und reichhaltiger Ausstattung

Klang

Eines vorweg: Zaubern kann auch SHOKZ nicht. Will heißen: Die integrierte Geräuschunterdrückung kann zwar Umgebungsgeräsche etwas abschwächen, aber natürlich nicht so eliminieren, wie man es von klassischen TWS-In-Ears mit aktiver Geräuschunterdrückung kennt. Auch hört das Umfeld immer mit - selbst dann, wenn man in völlig normaler Lautstärke seiner Quelle lauscht. Dem muss man sich defintiv beweist sein, keiner kann die Grenzen der Physik aushebeln.

Shokz Neu 1

Akustisch erstaunlich stark

Wir starten unsere Klangtestreihen mit "The Look Of Love" von Diana Krall. Sehr luftig, aber absolut nich unpräzise ist der Klang, den die Earbuds erzeugen. Erstaunt hat uns der solide Bass, und ebenso erstaunt  uns die kultivierte Stimmwiedergabe von Diana. Die Räumlichkeit ist richtig gut, und das gesamte Hören läuft ziemlich entspannt ab. Bei "Desperado" in der Cover-Variante von Diana Krall spielt sich im Wesentlichen dasselbe ab: Gute vokale Präsentation, angenehmer Klang, ein durchaus spürbares Fundament - selbst daa Klavier zu Beginn präsentiert sich gut eingearbeitet. Dass man Feinheiten wie die Anschlagdynamik der Tasten nicht besonders gut heraushören kann, wundert bei diesem Konzept nicht, das SHOKZ verfolgt. Da muss man sich einen richtig guten Over-Ear-HiFi-Kopfhörer schnappen oder zumindest einen hochwertigen Over Ear-Bluetooth-Kopfhörer für den mobilen Einsatz.

Andrea Bocellis "Love In Portofino" ertönt ebenfalls kultiviert, und keinesfalls so substanzlos, wie man es vielleicht spontan aufgrund des offenen Konzepts erwarten würde. Der räumliche Aufbau ist überraschend vielschichtig, was sehr positiv auffällt. Und die Stimme Andreas wird als angenehm und durchaus fundiert wahrgenommen. Die Trennung der Stimme von den Instrumenten gelingt sauber, und es ist ohne Zweifel mit dem OpenFit TWS möglich, homogen und exakt zu hören. Auch hier haben wir uns für einen zweiten Song entschieden. "Vivo Per Lei" singt Andrea Bocelli zusammen mit Georgia, und die beiden Stimmen werden wirklicht gut dargestellt - das ist die eigentliche Überraschung. Sowohl bei Andrea als auch bei Georgia sind klare Strukturen erkennbar, und die Stimmausprägung ist sehr gut dosiert. Vorsichtig sein sollten aber echte HiFi-Fans - für Hörer mit enormer Erfahrung und klar definiertem hohen Anspruch ist das Thema "TWS" auch bei normalen Konstruktionen schon schwierig. Und die mit mehr "Offenheit" arbeitenden SHOKZ dürften diesen Herrschaften dann doch etwas zu unpräzise sein. Aber, Hand aufs Herz: Für HiFi-Enthusiasten wurde der OpenFit nicht erschaffen. 

Billie Eilishs 007-Titelsong "No Time To Die" liegt trotz der offensichtlichen Komplexität mancher akustischer Elemente innerhalb des Songs den neuen TWS-Hörern von SHOKZ. Das Klavier zu Beginn und die zerbrechliche Stimme von Billie werden sehr gut herausgearbeitet. Wieder profitiert die Darstellung von der enormen Weite - nichts wirkt hier zu stark auf einen akustischen Punkt konzentriert, sondern frei, gut ausbalanciert. Die gesamte Detaillierung hinterlässt ebenfalls einen soliden Eindruck. Ebenso bei "The World Is Not Enough" (Garbage). Hier entfaltet der OpenFit bereits ab dem Beginn eine ordentliche Gesamtdynamik und managt auch Dynamiksprünge insgesamt überzeugend. Die vokalen Elemente sind gut eingearbeitet, was insgesamt zu einem homogenen Klangbild führt. Der Bassbereich ist gut wahrnehmbar, verzerrt aber leicht bei hoher Lautstärke - da man aber ohnehin nicht so laut dauerhaft hören sollte, ist dieser Nachteil in der Praxis nicht besonders gravierend, denn bei mittleren bis leicht gehobenen Pegeln ist alles in bester Ordnung. 

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Von ganz anderem Schlag ist das Remix des Klassikers "San Francisco" von Darius & Finlay + Tom Borijn. Hier agieren unsere SHOKZ TWS mit einem recht präzisen Kickbass, der sogar einen hörbaren Druck entfaltet, und einem Volumen, das wirklich nicht schlechter ist als bei verschiedenen TWS, die nach klassischem "Rezept" arbeiten. Auch die vokalen Anteile sind prima ins tonale Gesamtgefüge eingebaut, und die räumliche Weite ist ausgezeichnet. Dieses Luftige, Weitläufige können konventionell arbeitende TWS-In-Ears nicht offerieren.

Allerdings - wird es recht laut, schlägt der Bass doch leicht durch, das haben wir beim Felix Jaehn Remix von Shouses "Won't Forget You" herausgehört, zudem kam es bei hohem Pegel zu einem merkwürdigen Nachziehen im Bassbereich, das aber nur bei genauerem Hinhören auffällt und mit einer Abschwächung des maximalen Nachdrucks ein hergeht. Ansonsten gab es auch bei diesem Track wenig zu kritisieren, die Räumlichkeit wurde von uns als passend empfunden, und die zahlreichen elektronischen Effekte hatten durchaus eine gute dynamische Ausbreitung. Die vokalen Elemente werden gut präsentiert.

Und auch der enorm bassstarke Trance-Track "Universal Nation" von Push überfordert die SHOKZ OpenFit nicht umgehend. Hier ist ein erstaunlich harter Kickbass vorhanden, nur extrem laut sollte man hier nicht hören - denn dann kommt es aufgrund des Arbeitsprinzips zu Vibrationen bei der Basswiedergabe. Den Aufbau des Trance-Klassikers bekommen die OpenFit akkurat hin, und die elektronisch erzeugten akustischen Elemente entfalten auch dieses Mal eine ausgezeichnete räumliche Wirkung.

Lauschen wir nun unserem aktuellen Hörbuch "Prosit auf die Feinschmecker" von Friedrich Kalpenstein, gelesen von Helmfried von Lüttichau. Hier sind wir sehr zufrieden mit Leistung des OpenFit. Die charakteristische Stimme des Vorlesenden kommt gelungen heraus, und man genießt eine natürlich ausgeprägte, freie Räumlichkeit - hier passt die Leistung des SHOKZ Kopfhörers nahezu perfekt für Preis- und Geräteklasse. 

Und selbst bei der Filmwiedergabe - als Beispiel dient hier "Hunter Killer" mit Gerald Butler als U-Boot-Kommandant - blamiert sich der SHOKZ OpenFit nicht. Klar, mit guter Struktur, tadelloser Stimmwiedergabe und sogar einer differenzierten Wiedergabe der zahlreichen großen Explosionen kann er uns überzeugen. Natürlich, ganz unten im Basskeller tut sich nichts, aber das ist selbst bei vielen konventionell arbeitenden TWS In-Ear-Kopfhörern der Fall. Die Räumlichkeit, die der OpenFit offeriert, ist natürlich gerade bei der Darstellung von Filmmaterial ein nicht zu unterschätzender Vorzug. Man fühlt sich viel authentischer ins Geschehen integriert, kann zudem deutlich entspanner hören, weil das drückende, komprimierte Gefühl, das man bei klassischen TWS-Konzepten manchmal wahrnimmt, fehlt hier praktisch gänzlich. 

Konkurrenzvergleich

JBL Nearphones 2

JVC Nearphones: Für lediglich 75 Euro Marktpreis wird ein sehr guter Gegenwert geboten. Gut, das Case ist klobig, und es ist nicht allzu viel Bass vorhanden. Aber das sehr angenehme Tragefühl, diese luftige Räumlichkeit aus akustischer Perspektive und die sehr gute Eignung gerade fürs Hören von Hörbüchern sorgen für Zufriedenheit. Wer nicht viel Geld investieren, aber ein angenehmes, freie Gefühl beim Tragen der TWS genießen sowie etwas von der Außenwelt mitbekommen möchte, liegt hier richtig.

Teufel Real Blue TWS 2 7

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Teufel Real Blue TWS 2: Für knapp 150 EUR EUR offerieren die Teufel TWS hohen Tragekomfort für jeden (dank zahlreicher mitgelieferter Ohrpassstücke), eine gute Verarbeitung, eine wirkungsvolle aktive Geräuschunterdrückung und einen ausgezeicheten, ausgewogenen Klang auch bei höherem Pegel. Klare Höhen, genau definierte Mitten und ein straffer, nachdrücklicher Bass sorgen für ein erstklassiges Ergebnis. Wie auch der OpenFit ist der Real Blue TWS 2 mittels App bedienbar. 

Beyerdynamic Free Byrd 3

beyerdynamic FreeByrd: Aktuell rund 185 EUR kostend, ist der FreeByrd aus Heilbronn nach wie vor eine exzellente Wahl. Vor allem dank der Möglichkeit, die Akustik des TWS-Kopfhörers ans eigene Hörvermögen anzupassen - das funktioniert mittels App. Der sehr gut verarbeitete Kopfhörer bringt zudem eine sehr wirkungsvolle aktive Geräuschunterdrückung mit und beeindruckt mit seinem runden, zugleich detailreichen Klang. 

Fazit

Shokz Neu 3

Ein sehr vielversprechendes neues Konzept ist SHOKZ mit den OpenFit gelungen. Selbst kritische Punkte können überzeigen, denn beim SHOKZ Produkt ist sogar die Basswiedergabe erstaunlich kräftig, und somit hat man einen absolut kompletten Klangeindruck - nur mit dem Pegel sollte man es nicht übertreiben. Die Touch-Bedienung außen reagiert relativ sensibel, woran man sich aber nach kurzer Zeit gewöhnt. Die tadellose Verarbeitungs- und Mayterialqualität, das IP54-Zertifikat, die recht langen Akkkulaufzeiten und der extrem bequeme Sitz sind weitere Pluspunkte. Der Kaufpreis ist recht heftig, dafür bekommt man aber auch ein innovatives Produkt. 

Innovatives TWS-Konzept mit hohem Tragekomfort und erstaunlich klarem Klang
Ueberragend neu
TWS-Hörer bis 200 EUR
Test 08. August 2023

 

Test und Fotos: Carsten Rampacher
Datum: 08. August 2023

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