TEST: Samsung Galaxy Note 10 Plus - Allround-Talent im XXL-Format

Das Samsung Galaxy Note ist einerseits ein Zugpferd des Herstellers, andererseits steht diese Produktreihe auch für den bislang größten GAU der Smartphone-Branche des Unternehmens, denn nach der extrem kostspieligen Rückruf-Aktion des Samsung Galaxy Note 7 war erst einmal lange Zeit Wunden lecken angesagt. Aber: Samsung kam mit dem Samsung Galaxy Note 8 stärker als jemals zuvor zurück – und das Jubiläumsmodell legt buchstäblich noch ein Plus oben drauf.

Was das "Plus" im Namen bedeutet, wird bereits beim ersten Blick deutlich, denn stolze 6,8 Zoll misst das Display nun in der Diagonalen. Samsung folgt somit der beliebten Strategie, Premium-Modelle in zwei Größen anzubieten. Geblieben ist aber der ungemein edle Touch durch das Edge-Design mit seitlich gekrümmten Displayrändern aus Metall und dem exzellent verarbeiteten Glasgehäuse in den Farben Glow (Silber), Schwarz, Weiß und Pink.

Samsung Galaxy Note 10 Plus

Hohe Baukunst: Die Displayränder sind so schmal geraten, dass das Gehäuse kaum größer ist als das vom Note 9. Radikal geändert wurde dabei aber das Tastenkonzept, denn der Fingerprintscanner ist diesmal im Display integriert und alle anderen obligaten Knöpfe befinden sich nun auf der linken Seite.. Es erfordert somit eine gewisse Umgewöhnung bis man es verinnerlicht hat, dass der Power-Button auf er anderen Seite liegt. Die Taste ist zudem gleichzeitig der Bixby-Button, da dieser Knopf ebenfalls eingespart wurde.

Neu ist zudem die Integration der Selfie-Kamera, da der Notch nun nur noch ein mittiges kleines Loch im Display ist. Der Staub- und Wasserschutz nach IP68 Zertifizierung runden die runde Vorstellung im Bereich Verarbeitungsqualität perfekt ab.

Rückseite

Der Touchscreen ist ebenfalls vom Feinsten: Das OLED-Display löst mit 3.040 x 1.440 Pixel (WQHD-Plus) auf, was einer sehr guten Pixeldichte von 498 ppi entspricht. In allen wichtigen Kategorien, wie Kontrast, Farbsättigung und Schärfe erzielt das Display Spitzenwerte. Besonders hervorstechend, gerade für ein OLED-Display: Die Helligkeit liegt bei zu 980 Candela pro Quadratmeter, ein sensationeller Wert.

Nicht nur der Eingabestift, sondern auch die Kamera bekommt beim Jubiläumsmodell eine große Bühne. Ausgestattet ist der vielseitige Knipser mit einer 12 Megapixel Hauptkamera, die über eine variable Blende von f/1.5 oder f/2.4 verfügt und ein Ultraweitwinkelsensor mit 16 Megapixel. Ein weiterer Sensor namens "Time of Flight" ist schon vom Galaxy S10 5G bekannt. Diese Finesse ist für Bokeh- und Tiefeneffekte zuständig, indem der Sensor die Distanz zu Objekten berechnet. Diese Anwendung ist auch für Augmented-Reality-Anwendungen spannend.

Aufnahme bei Nacht

Am Puls der Zeit ist ferner der 12-Megapixel-Telesensor, sodass man jedes Motiv in drei Abstufungen einfangen kann. Es ist dabei ein Blickwinkel von bis zu 123 Grad möglich. Der zweifache optische Zoom wird dabei durch einen Bildstabilisator unterstützt. Diese Ausstattung sorgt für ein äußerst variables Fotoerlebnis auf höchstem Niveau in allen Situationen. Bei Tageslicht überzeugen Schnappschüsse durch Schärfe, eine tolle Farbwiedergabe und ein hoher Detailreichtum und selbst bei schwachem Licht erreicht der Knipser Fotoalbum-taugliche Bilder. Lediglich das iPhone 11 oder Huawei P30 sind hier noch besser aufgestellt. Dafür gibt es aber einen neuen Nachtmodus, bei dem 14 Schnappschüsse zu einem optimierten Foto zusammengeführt werden.

Innenaufnahme

Zudem punktet der Camcorder mit einer tollen Finesse, denn Live-Bokeh-Effekte sind hier auch bei Videos möglich. Dass in 4K mit bis zu 60 Bildern pro Sekunde aufgezeichnet wird, ist da fast nur noch eine Randnotiz wert. Überzeugend ist auch der Auftritt der Selfie-Cam. Die Frontkamera löst mit 10 Megapixel auf und der Sensor verfügt über einen Dual-Pixel-Autofokus. Beste Voraussetzungen also, um sich scharf in Szene zu setzen. Einen Blitz gibt es hier dann allerdings nicht.

Im Zusammenspiel mit allen relevanten Einstellungsmöglichkeiten und vielen Optionen, ist der Kamera-Auftritt von A bis Z auf Referenz-Niveau. Das Note 10 Plus bietet zudem reichlich Platz für Fotos, denn es stehen Versionen mit 256 beziehungsweise 512 GByte Speicherplatz zur Verfügung. Zudem sorgt der microSD-Slot für eine Erweiterung von bis einem 1 TByte. Übrigens: Nur die Plus-Version verfügt über einen microSD-Slot.

Seitliche Ansicht

Auch bei den Datenschnittstellen ist der Funker vom Feinsten aufgestellt: Bluetooth 5.0, NFC, das topaktuelle WLAN-ax, LTE Cat 20, womit (theoretisch) Datenraten von bis zu 1.2 Gbit pro Sekunde im Downstream möglich sind. Das „Problem“ dabei aber: In Deutschland ist derzeit bei LTE Cat 16 die Downloadgrenze.

Alles super? Nicht ganz, denn Samsung beerdigt in dieser Preisklasse den klassischen 3,5-mm-Kopfhöreranschluss. Musikgenuss gelingt daher nur via Bluetooth oder einem Typ-C-Kopfhörer. Gut aber, dass ein entsprechender Adapter zum Lieferumfang gehört.

Samsung One UI

Natürlich ist in dieser Preisklasse das Software-Angebot UpToDate. Das aktuelle Android 9 Pie werkelt dabei unter Samsungs Benutzeroberfläche One UI. Das Zusammenspiel funktioniert dabei tadellos, bietet zahlreiche Personalisierungsmöglichkeiten und ist weitestgehend intuitiv gelungen.

Wie schon in der S-Klasse ist auch beim Note ein Ultraschall-Fingerabdruckscanner im Display verbaut. Das Sensorfeld liegt allerdings deutlich höher als beim Galaxy S, da das Nutzerfeedback, das eingefordert hat. Gute Entscheidung, denn so ist es noch intuitiver erreichbar. Noch besser: Der Fingerabdruckscanner arbeitet ungemein flott und sicher. Das gleiche lässt sich auch über den Gesichtsscanner sagen. Wenn er einmal aktiviert ist, braucht man den Finger daher im Grunde nur, wenn es düster ist.

S-Pen

Das Prunkstück der Galaxy Note-Serie ist natürlich der vielseitige S-Pen, der wieder elegant rechts unten im Smartphone steckt. Der S-Pen erhält gegenüber dem Vorgängermodell ein gehöriges Update, da über Bluetooth erstmals eine Bedienung über reine Gestensteuerung möglich ist. So lassen sich auch abseits von Texteingaben andere Apps, der Music Player oder die Kamera steuern. Nützlich: Auch in Sozialen Netzwerken lassen sich nun Fotos und Videos flott beschriften. Ebenfalls genial: Mit nur einem Klick lassen sich Eingaben in digitale Texte konvertieren. Auch bei der Einsatzbereitschaft hat sich etwas getan, denn erst nach zehn Stunden Dauereinsatz muss der S-Pen wieder zum Laden ins Gehäuse gesteckt werden. Alle Neuheiten in Kombinationen mit der hohen Präzision und Vielseitigkeit heben das Note 10 im Bereich Bedienungskomfort auf ein anderes Level und sorgen für viele Alleinstellungsmerkmale.
Schön zudem, dass Samsungs virtueller Assistent Bixby mittlerweile voll lokalisiert ist und daher im Alltag sehr hilfreich sein kann, wenn man sich regelmäßig mit ihn beschäftigt.

Bei der Performance zeigt der Edelfunker bereits auf dem Papier, dass er mit allen Wassern gewaschen ist: Im Zentrum steht der hauseigene Prozessor Exynos 9825, der eine maximale Taktrate von 2,7 Gigahertz liefert und von imposanten 12 GByte Arbeitsspeicher unterstützt wird! Im Alltag geht alles entsprechend flott von der Hand und der Begriff „Bedenkzeiten“ ist hier ein Fremdwort.

Üppig scheint auch die Akkuleistung zu sein, denn der Stromspeicher bringt satte 4.300 mAh mit. Im Praxistest unterliegt die Rufbereitschaft aber auffallend starke Schwankungen von zwei bis vier vollen Tagen. Je mehr man also mit dem Note 10 arbeitet, desto schneller schwindet die Nonstop-Nutzungszeit. Apropos Nonstop: Im Dauerstresstest schafft der Fernöstler knapp die 10 Stunden, was ein absolut angemessener Wert ist.

Samsung Galaxy Note 10 Plus liegend

Ganz stark ist die Ladezeit, denn nach rund 1,5 Stunden meldet der Akkublock wieder volle 100 Prozent. Das Note 10 Plus unterstützt zudem kabelloses Laden mit 15 Watt, was aber im Praxistest nicht immer reibungslos verlief. Das Gehäuse erhitzt sich zudem auffallend stark dabei.

Beim Sound fällt zunächst sehr positiv auf, dass auf der Frontseite zwei dezente Speaker verbaut sind, sodass Nutzer ein echtes Stereo-Erlebnis haben. Die Lautsprecher agieren sehr klangfreudig mit einem lebendigen, klaren Sound und einem kleinen Bassfundament – so muss das in dieser Preisklasse auch sein. Auch beim Telefonieren gab es keine negativen Ausfälle, denn der Gesprächsteilnehmer ist sehr präsent und die Klangfarbe ist recht natürlich.

Fazit

Samsung tat gut daran, dass Galaxy Note eine Nummer größer zu gestalten, denn das Konzept fordert förmlich ein größeres Display. Fans dürfen daher mit dem S-Pen noch mehr Freude haben, zumal das Bedienungskonzept mittlerweile eine Perfektion erreicht hat, sodass dieser edle Tausendsassa ein klares Alleinstellungsmerkmal auf dem Markt hat. Auch in den meisten anderen Bereichen erhalten Anwender mit dem 10 Plus enorme Performance, lediglich die Akkuleistung ist immer noch nicht ausreichend stark genug und es gibt tatsächlich leistungsfähigere Kameras auf dem Markt.

Die XXL-Version des vielseitigen Alleskönners überzeugt (fast) auf ganzer Linie.

08.11.2019

 

Test: Ulf Schneider
Datum: 08.11.2019

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