TEST: Samsung Dolby Atmos/DTS:X-Soundbar HW-Q70R - Fesselnder Klang durch Harman/Kardon-Technologie?

Die neue Samsung HW-Q70R kommt auf eine unverbindliche Preisempfehlung von 749 EUR, ist in der Praxis aber auch schon günstiger zu bekommen, rund 650 bis 700 EUR sind realistisch. Bei der Entwicklung arbeitete Samsung mit Harman/Kardon zusammen, um die HW-Q70R, die über 350 Watt 8RMS) Gesamtleistung verfügt (160 Watt für den Subwoofer) akustisch nachhaltig zu optimieren.

Im Paket enthalten ist ein sehr kompakter Wireless-Aktivsubwoofer, der durch seine schmale Bauform sehr einfach zu platzieren ist. Das 3.2.1-System decodiert nicht nur Dolby Atmos, sondern auch DTS:X. Mittels der Taste "Sound Mode" auf der Fernbedienung kann man zudem noch einige DSP-Betriebsarten anwählen. Entweder man wählt die automatische Anpassung ans jeweilige Audio-Material (Adaptive), oder die Programme "Standard", "Game Pro" sowie "Surround". 

Das Samsung-System verfügt des Weiteren über Decoder für Dolby Digital Plus, Dolby True HD und DTS 5.1. Hi-Res-Audio (mit 24 Bit Tiefe) kann ebenfalls wiedergegeben werden. An Wiedergabe-Formaten unterstützt die HW-Q70R MP3, WMA, AAC, OGG, FLAC, WAV, AIFF und ALAC. Natürlich sind Bluetooth (Standard 4.0) und ein Dualband-WLAN (2,4/5 GHz) vorhanden. Die Soundbar misst 1100 x 59 x 100 mm (B x H x T), der aktive drahtlose Subwoofer 205 x 403 x 403 mm (B x H x T)

Display

Frontseite

Unterseite

Sehr akkurat integrierte Bedienelemente auf der rechten Seite

Tadellos verarbeiteter aktiver Subwoofer

Funktionselemente

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Bassreflexrohr, prima verarbeitet

Chassis

Samsung-Logo vorne

Die Soundbar selbst ist sehr gut verarbeitet, mit einem exakt einpassten Metallgitter oben (wegen Dolby Atmos-Wiedergabe sitzen dort Speaker Arrays) und vorne. Von oben aus gesehen links ist das Samsung - Harman/Kardon-Logo eingearbeitet. Unter der HW-Q70R befinden sich Füße für soliden Stand, wenn die Soundbar nicht, was natürlich auch möglich ist, ann der Wand befestigt wird. Waren die Wireless-Subwoofer früher minderwertig auftretende "Klapperkisten", gewinnt  der in unserem Paket enthaltene drahtlose Bassist sofort unser Vertrauen: Hier kann man wahrhaftig aus qualitativer Perspektive nichts kritisieren, gerundete Kanten und eine für diese Preisklasse ausgezeichnete Gehäusequalität sind ohne Zweifel lobenswert. Und auch die Fernbedienung passt ins Bild, keine billige Scheckkarten- oder Kompaktfernbedienung, sondern eine richtig hochwertige, prima in der Hand liegende Variante. 

Fernbedienung

Mit Harman/Kardon-Technologie

Dank eines eigenen Center Speaker-Kanals, so verspricht Samsung, sollen Dialoge besonders gut verständlich sein. Die Samsung Soundbar analysiert überdies das anliegende Klangsignal, um für jede Sequenz z.B. eines Films die passende akustische Auslegung zu offerieren. Dank "Adaptive Sound" kann man Stimmen auch bei geringerem Pegel ausgezeichnet vernehmen. 

Natürlich ist Bluetooth an Bord, alternativ aber besitzt die HW-Q70R auch ein WLAN-Modul.  Man kann die Samsung Smart Things-App (setzt ein Samsung-Konto voraus) verwenden, um die HW-Q70R ins Heimnetzwerk zu bringen und anschließend über die App zu steuern, das funktioniert sehr zuverlässig und komfortabel. Die Soundbar wird von der Smart Things-App umgehend erkannt, und man sollte lediglich sein WLAN-Passwort bereithalten, dann ist alles im sprichwörtlichen Handumdrehen erledigt. Hier folgen einige Screenshots:

Die Soundbar wird umgehend erkannt

Erste Schritte

Standort-Informationen

Auswahl des Hintergrundbildes

Name des Raums

Verbindung zum Smartphone wird aufgebaut

Drücken der Leiser-Taste rechts an der Seite der Soundbar

Eingabe des WLAN-Passworts

Registrierung beim Samsung-Account

Erfolgreich verbunden

Einstelloptionen

Bass- und Höhenregelung

Pegel des Subwoofers

Eingangsquelle

Tune In - Stationsübersicht "Dance"

Wiedergabe

Die App lässt sich einfach handhaben und ermöglicht eine zuverlässige Einbindung ins Heimnetzwerk. 

Externes Netzteil

HDMI-Eingang, HDMI-Ausgang, optischer Digitaleingang

Die HW-Q70R bringt einen HDMI-Eingang und einen HDMI-Ausgang (TV-ARC) mit. Natürlich ist die HDMI-Sektion für Ultra HD-Signale geeignet und darüber hinaus auch sogar für HDR10+ und nicht nur für HDR10. Der Support für Dolby Vision fehlt zumindest laut Datenblatt. 

Klang Bluetooth

Wir haben Adaptive Sound in unseren Klangtestreihen verwendet und haben die HW-Q70R im Preview mit per Bluetooth gestreamter Musik von Tidal und Spotify getestet, da gerade "normale" Stereo-Musiksignale oft nicht besonders überzeugend von Soundbars präsentiert werden. Wie also schlägt sich die Soundbar mit Harman/Kardon-Technologie? 

Wir starten mit "Desperado" in der Cover-Version von Diana Krall und sind positiv überrascht. Alle Lautsprecher-Arrays sind in Betrieb, aber trotzdem wirkt das akustische Resultat nicht verwaschen. Präzise vokale Strukturen, eine hohe Stimmverständlichkeit und eine überraschend gute Herausarbeitung des Pianos sind zu erwähnen. Die HW-Q70R gefällt durch eine hohe Klarheit - gerade hier schwächelten Samsungs Soundbars früher. Homogen und gefällig klangen sie schon, aber eben nicht besonders brillant und feinnervig. Natürlich, das darf nicht verschwiegen werden, nach wie vor ist eine Soundbar kein Tool für Musikliebhaber. Dazu braucht man nach wie vor eine hochwertige Stereo-Lösung. Aber fürs Musikhören im Alltag eignet sich die HW-Q70R richtig gut. 

Das zeigt sie sehr deutlich zu Beginn von "All Or Nothing At All" (Diana Krall). Hier stechen der erstaunliche Tiefgang und die tadellose tieffrequente Substanz hervor, die der kompakte aktive Drahtlos-Subwoofer bietet. Kein nerviges Dröhnen - nur ein solider, gut den Punkt treffender Bass, auch hier eine hörbare Verbesserung gegenüber den Samsung Soundbars älterer Generationen. 

"Vivo Per Lei" von Andrea Bocelli und Giorgia managt das Samsung-Duett ebenfalls deutlich besser als erwartet. Andreas und auch Giorgias Stimme wirken authentisch, differenziert und weitaus feiner in der Detaillierung, als man das bei einer Soundbar erwarten würde. Setzt man den Pegel höher, bleibt das Ergebnis sauber, es kommt kaum zu spürbaren Verzerrungen, auch dann nicht, wenn Andrea und Giorgia die Stimmen erheben. Der aktive Subwoofer liefert ein stabiles, kräftiges, aber nicht überzogenes Fundament - stets stehen die Stimmen, was auch korrekt ist, im Fokus der Präsentation. 

Und das HW-Q70R-System, insbesondere auch der Subwoofer, kann auch mit Nachdruck anschieben und mit einer tadellosen Pegelfestigkeit aufwarten: Bei "Sonic Empire" von Tom Wax liefert der Subwoofer einen harten, kraftvollen Bass und kommt mit dynamischen Wechseln und zahlreichen akustischen Effekten sehr gut zurecht - ebenso die Soundbar an sich. Sie schafft eine dichte, aber nicht übertrieben wirkende Räumlichkeit,  und punktet stets mit untadeliger Impulstreue. 

"Shine On" von Rio im Calvo-Remix bestätigt unsere bisherigen Eindrücke: Klar, mit sauberen Strukturen auch bei höheren Lautstärken, legt sich das "Samsung-Team" ins Zeug. Man kann auch bei diesem Track wieder die dichte Räumlichkeit genießen, die wieder nicht nur durch die Großzügigkeit überzeugt, sondern auch dadurch, dass das Gebotene immer realistisch wirkt. Die Stimme verliert nicht an Präzision durch das räumliche Gefühl, sie ist klar fokussiert und mit akkuraten Strukturen ausgestattet. 

Klang Mehrkanal

Wir starten mit einer Sequenz aus "The fast And The Furious 6" in DTS:X (von der 2018er DTS Demo-Disc), Thema ist eine erbitterte Verfolgungsjagd, in die neben einiger hochgezüchteter Autos auch ein Panzer verwickelt ist, der alles plattwalzt, wa sihm zwischen die Ketten kommt. Die HW-Q70R beweist hier, dass 3D-Audio und Soundbar wirklich gut zusammenpasst, und hüllt den Zuhörer in eine dichte Klangkulisse ein, die die dritte Hör-Dimension, die Überkopf-Ebene, tadellos berücksichtigt. Zudem platziert die Soundbar die Effekte präzise. Was uns nicht ganz gefallen hat: Es gibt eine akustische Lücke zwischen der oberen Grenzfrequenz des zupackenden aktiven Subwoofers und der unteren Grenzfrequenz der Soundbar. Groß ist sie nicht, aber für den etwas erfahrenen Hörer wahrnehmbar. Zudem agiert die Soundbar/Subwoofer-Kombination zwar sehr dynamisch, aber im Hochtonbereich, gerade als die Ketten des Panzers ein Auto erfassen und die Ketten übers Blech rollen, wirkt der Hochtonbereich recht forsch und aggressiv. - vor allem, wenn man die automatische akustische Anpassung an den aktuellen Inhalt wählt. Die Tendenz wird geringer, wenn man den Modus "Surround" verwendet. 

Es folgt, von der gleichen DTS Demo Ultra HD-Blu-ray, ein Ausschnitt aus "King Kong" (DTS:X). Hier schafft es die Samsung Soundbar, eine sehr facettenreiche Klangkulisse darzubieten und den Spannungsbogen akustisch nachhaltig zu unterstützen. Die Elefantenherde läuft donnernd durchs Bild, der Music Score wird sehr gut abgebildet, die verzweifelten Ruf der Flüchtenden werden mit der richtigen Balance eingearbeitet. Der zuvor festgestellte Hang zur etwas blechernen Wiedergabe ist bei diesem Beispiel geringer ausgeprägt.

Wenden wir uns den Anfängen von Dolby Atmos zu und hören den immer noch imposanten "Horizon" Trailer mit großen Raumschiffen, rasenden Fahrzeugen und Live-Konzerten - die Samsung HW-Q70R baut auch bei Atmos-Tracks und hier auch bei kleinen Geräuschen (Kulisse im Wald oder Musik) die dritte akustische Ebene wirkungsvoll ein. Die Stimme des Sprechers wird allzeit klar und charismatisch eingebunden. Der "Amaze" Trailer mit Geräuschen des Dschungels wie Vogelzwitschern und Insekten-Geflirre sowie herabströmendem Regen verdeutlicht wiederum, wie ernst es Samsung mit einer gelungenen Integration der Ünberkopf-Ebene meint: Es tut sich was, das war noch bei der ersten Generation von Samsung-Soundbars mit 3D-Audio bei weitem nicht so ausgeprägt und so lückenlos einarbeitet. Der kompakte aktive Subwoofer kann im Übrigen bei allen Testreihen gefallen: Er agiert relativ exakt und bietet zudem einen guten Tiefgang sowie einen erfreulichen Nachdruck. Erst, wenn extrem nachdrückliche Effekte mit hohem Grundpegel kombiniert auftreten, ist der kleine Bassist am Ende seiner Leistungsfähigkeit angelangt.

Nun folgen die beiden Stücke "The Journey Part 1" und "The Journey Part 2" von Lichtmond, abgemischt in Dolby Atmos. Hier beeindrucken uns zwei Dinge: Zum einen die gute Herausarbeitung auch kleiner dynamischer Differenzen, zum zweiten die einhüllende Wirkung der Klangkulisse. Wieder gelingt es der HW-Q70R, die dritte Hördimension sehr gut einzuarbeiten - was sich bei dieser Disc auch lohnt, da die Atmos-Tonspur recht ordentlich ist. Minimal stört der etwas ins Blecherne gehende Hochton-Klang bei gehobenem Pegel, wenn man den adaptiven Klang-Modus, der sich automatisch an die jeweilige Sequenz anpasst, einsetzt. Bei diesem Material agiert der "Surround"-Modus in unseren Augen besser. 

Auch bei 5.1 DTS-Tonspuren, also bei Material ohne 3D-Audio-Codierung, sind bei Verwendung des "Surround" Modus die nach oben abstrahlenden Lautsprecher-Module aktiv. Wir haben die in DTS-HD Master Audio vorliegende Tonspur von Tiesto, Elements Of Live, Copenhagen, Disc 2, Tracks "Adagio For Strings" und "He's A Pirate" angehört. Daher wird ein guter Raumeindruck geboten, trotzdem wird die Akustik nicht verwaschen oder unpräzise. Der Aufbau der Tracks gelingt einwandfrei, die Dynamik ist gut. Für die treibenden Bässe fehlt es dem kleinen aktiven Subwoofer dann doch etwas an Durchsetzungsvermögen - für die Gehäuse-Abmessungen aber liefert eine prima Performance. Überhaupt: Was das Thema Pegelfestigkeit angeht, lässt sich die HW-Q70R nichts vormachen und verdient sich ausgezeichnete Bewertungen. Man traut dem doch recht kleinen Setup solche hohen möglichen Lautstärken gar nicht zu.

Konkurrenzvergleich

Teufel Cinebar Pro: Deutlich teurer (1.250 EUR), mit einem hervorragenden aktiven Subwoofer ausgestattet, pegelfest und mit einer sehr gelungenen Auslegung sammelt das Soundbar-Topmodell der Berliner Direktvertreiber viele Punkte und kann hier den hohen Preis rechtfertigen. Allerdings ist das auch dringend nötig, denn hinsichtlich der Ausstattung besteht Nachholbedarf: Kein 3D-Audio, weder ein "hausgemachter" Algorithmus, noch Dolby Atmos/DTS:X oder zumindest DTS Virtual:X. 

Ein komplett anderer Ansatz kommt von der Schwäbischen Alb, genauer gesagt, aus Schwäbisch-Gmünd. Das  für 585 EUR erhältliche Nubert nuPro AS-250 Aktivlautsprecger-System versteht sich als "aktives Stereoboard", und im Gegensatz zu jüngst präsentierten Nubert Stereoboard-Modellen ist hier keine einzige DSP-Betriebsart an Bord - "Stereo pur" ist angesagt- Ehrlich und direkt, agiert das Stereoboard mit tadelloser Pegelfestigkeit und erstaunlicher Musikalität. Das "Erleben" der HW-Q70R mit umfassender Räumlichkeit und lebendiger Überkopf-Ebene kann das AS-250 natürlich nicht bieten, dafür aber eine neutrale, homogene, und authentische Wiedergabe auch von differenzierter Musik.

Fazit

Die Samsung Q70R bietet ein verlockendes Gesamtpaket: Gute Verarbeitung, schlichte, zeitlose Formensprache, ein erstklassiges Ausstattungspaket und eine raumfüllende Akustik, die auch die Überkopf-Audioebene tadellos einarbeitet. Mittels der Samsung Smart Things-App lässt sich die Soundbar steuern und in ein System kompatibler Devices einbinden. Nicht ganz glücklich werden wir nur mit der adaptiven Klangsteuerung. Hier passt sich die HW-Q70R automatisch dem Quellmaterial an und soll ein Optimum an Klanggüte realisieren. Leider wird unserer Meinung nach etwas übertrieben, was die oberen Mitten und den Hochtonbereich angeht. Dafür aber gefällt die "normale" Surround-Betriebsart mit einer dynamischen, aber zugleich recht homogenen Auslegung.

Hochwertig wirkendes, räumlich dicht klingendes Soundbar-/Subwoofer-System mit umfangreicher Ausstattung

Soundbar-/Subwoofer-Systeme obere Mittelklasse
Tesr 25. Juni 2019

Test: Carsten Rampacher
Fotos: Sven Wunderlich
Datum: 25. Juni 2019

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